Beauty-Redakteurin aus Leidenschaft – Laura Dunkelmann

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Witzige Texte über Beauty-Produkte schreiben, geht das? Und wie! Mit am besten in der deutschen Magazinlandschaft gelingt das Beauty-Redakteurin Laura Dunkelmann. Kein Wunder, schließlich ist die St. Paulianerin ein Zeitgeist-Profi, hat alle Strömungen und Trends voll auf dem Radar und hört außerdem vorzügliche elektronische Musik – was der Kreativität bestimmt nicht abträglich ist. Laura hat an der Akademie für Mode und Design (AMD) in Hamburg Modejournalismus studiert und war schon während des Studiums für die Gala tätig. Nach dem Studium fing sie im Gala-Ressort „Lifestyle“ als Assistentin an und landete über Zwischenstationen  schließlich bei der Maxi in der Beauty-Redaktion. Wir verbringen einen sonnigen Sonntagvormittag in ihrer Wohnung auf St. Pauli, lassen uns ihre Beauty-Schätze zeigen und machen ein paar Ballettübungen an ihrer Home-Ballettstange. Nein, das machen wir beim nächsten Mal! :)

Für mich sind Frauen schön, die interessant sind und Charakter haben.

femtastics: Laura, wie definierst du Schönheit?

Laura Dunkelmann: Für mich sind Frauen schön, die interessant sind und Charakter haben. Das kann ein kleiner Bruch sein, ein schiefes Lächeln oder Sommersprossen. Ich finde symmetrische Gesichter nicht unbedingt schön. Es geht um Einzigartigkeit und um eine positive, gelassene Ausstrahlung.

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Laura wohnt in einer 2,5-Zimmerwohnung auf St. Pauli.

Was fasziniert dich an Make-up-Produkten?

Die verschiedenen Texturen und Farben. Ich liebe es, Produkte anzufassen und auszuprobieren. Es ist wie Bilder malen.

Wie finde ich heraus, was mir steht?

Just do it! Am besten probiert man viel aus, spielt mit den Produkten und lässt sich von keinen Regeln abhalten. Was ich auch empfehlen kann, sind die Make-up-Beratungen in den Kaufhäusern. Die sind in der Regel wirklich gut und man lernt einige Kniffe und Tricks. Am besten geht man zu seiner Lieblingsmarke und lässt sich dort beraten.

Und was sagst du zum „No Make-up Look“? Bleibt der?

Das Lustige ist ja, dass der „No Make-up-Look“ noch aufwendiger und zeitintensiver ist – wenn man es richtig ernst damit meint. Für mich ist der Look das Gegenteil von Individualität.

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Ein bisschen Make-up ist nichts Schlimmes, es sieht einfach einen Hauch besser aus – und macht Spaß.

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Was ist mit komplett ungeschminkten Frauen? Das sieht man schon vermehrt. Weil die Frauen es nicht mehr nötig haben und sich entspannen?

Ich glaube, so wahnsinnig viele Frauen gehen gar nicht komplett ungeschminkt vor die Tür. Sie können es natürlich machen, da spricht nichts dagegen. Aber ein bisschen Make-up ist eben auch nichts Schlimmes, es sieht einfach einen Hauch besser aus – und macht Spaß. In Deutschland geben viele ja gerne nicht zu, dass sie sich mit Beauty beschäftigen oder viel Geld dafür ausgeben. Komisch eigentlich: Wenn jemand viel Aufwand zum Beispiel beim Lebensmittel-Einkauf betreibt, den Kühlschrank variantenreich mit Bio füllt, ist das super. Wenn du schaust, was du auf deine Haut tust und dafür eine Auswahl hast, giltst du schnell als oberflächlich – noch. Aber da arbeiten wir ja dran und ich denke, auch das wandelt sich langsam.

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Lauras Favoriten kommen aktuell aus dem Hause Glossier, H&M, smashbox, Laura Mercier, Shu Uemura und Chanel.

Wo geht der Trend in Sachen Make-up hin? Wieder zu mehr Farbe?

Momentan wird beim Make-up super viel ausprobiert und ganz viel Farbe ist im Spiel. Aber auch Texturen und Finishes sind jetzt besonders vielfältig. Für besondere Farb- und Texturkombis, auch vor Shootings, schaue ich mir gerne Stoffe an, ob Mille Fleur oder Ikat – so kann man Nägel und Lippen zum Beispiel besonders abstimmen.

Make-up ist eher ein Accessoire, es geht nicht so sehr ums Schmeicheln, sondern um den Look – wie besondere Ohrringe.

Welchen Trend wirst du als nächstes ausprobieren?

Was ich total spannend finde und unbedingt ausprobieren möchte, ist blauer Lippenstift, so ein Ton zwischen Lavendel und Blau. Das klingt erstmal eigentümlich, kann aber total super aussehen. Das habe ich in Paris an ein paar eleganten, coolen Frauen entdeckt. So ist Make-up eher ein Accessoire, es geht nicht so sehr ums Schmeicheln, sondern um den Look – wie besondere Ohrringe oder ein Hut.

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Verrätst du uns die besten Make-up-Geheimtipps, die du bisher aufgeschnappt hast?

Was viel ausmacht, ist Kajal unter den oberen Wimpernkranz zu geben. Das lässt die Wimpern voll wirken, am besten einen wasserfesten Kajal verwenden. Und Highlighter ist nach wie vor ein Wundermittel, sofern er richtig eingesetzt wird. Einfach einen Hauch auf die Schläfen geben, das lässt das Gesicht sofort frisch und definierter wirken. Außerdem habe ich auf Reisen immer kleine Spiegel mit, die ich ans Fenster pappen kann. Der Trick kommt von meiner Mutter. Das künstliche Licht in Badezimmern ist zum Schminken total schlecht, hier helfen die Spiegel. Ich habe bestimmt schon fünf Stück auf Reisen vergessen … (lacht.)

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Bist du auch mal Make-up-müde?

Nein, nie eigentlich. Ich selber verwende aber auch nicht jeden Morgen so viel Zeit dafür, maximal 15 Minuten.

Frauen dürfen mit Make-up spielen, alles ist erlaubt, es soll Spaß machen, das Gefühl zählt.

Du bist bekannt für deine wortwitzigen Headlines, deine zeitgeistige Aufbereitung von Themen und eine ordentliche Portion Humor – woher nimmst du deine Einfälle?

Die Ideen kommen tatsächlich einfach so. Manchmal fällt mir auch spontan beim Radfahren zur Arbeit etwas ein. Meistens ist da das Produkt, dann fällt mir eine Headline ein und dann entwickele ich die Story. Es kann aber auch passieren, dass mir eine Knaller-Headline einfach so einfällt und dann muss die Geschichte drumherum gebastelt werden (lacht.) Was mir wichtig ist: Es geht nicht um Regeln oder den erhobenen Zeigefinger. Meine Artikel und Strecken sind ein Angebot, Inspiration oder eine Option. Von Typberatung à la Herbst- oder Frühjahrstyp halte ich persönlich wenig. Frauen dürfen mit Make-up spielen, alles ist erlaubt, es soll Spaß machen, das Gefühl zählt.

Was machst du, wenn dir die Ideen ausgehen oder du eine Schreibblockade hast?

Das kenne ich tatsächlich gar nicht. Mir fällt immer etwas ein und ich liebe es, mir mit Kollegen die Bälle zuzuwerfen. Früher, wenn ich meine Geschichte superschnell fertig hatte, habe ich mich nicht getraut, die abzugeben. Ich dachte, es könnte so wirken, als sei die noch nicht gut. Dabei wusste ich immer: Es ist gut.

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Kannst du das Studium an der AMD empfehlen?

Absolut! Aber nur, wenn man genau weiß, was man will. Man lernt hier sehr viel, wenn man mitmacht – vom Schreiben bis zur Produktion. Außerdem sammelt man wichtige Kontakte zu Verlagen, Medienhäusern und zukünftigen Kollegen.

Warum bist du gern Journalistin und Redakteurin?

Erstmal liebe ich es, zu Schreiben. Dann begeistert mich der gesamte kreative Prozess – von der Idee über die Produktion bis zur fertigen Geschichte. Ich reise viel, bekomme viele Eindrücke, treffe spannende Menschen und kann am Ende Leser für die Geschichte begeistern. Ich schreibe vielleicht keine Kritiken, aber ich kann sehr viel ausprobieren, Dinge bewerten und filtern, um am Ende die Leser ebenso von Menschen, Orten und Produkten zu begeistern.

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Laura macht regelmäßig Ballett und hat eine eigene Ballettstange zum Üben zu Hause.

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Der Journalismus steckt nach wie vor in der Krise – bekommst du das im Verlagsalltag mit?

Schon, wobei es im Moment wieder besser ist. Ich finde auch nicht alle Veränderungen zwingend schlimm. Jetzt arbeite ich zwar in kleineren Teams und habe mehr Aufgaben als vielleicht noch vor fünf Jahren. Das finde ich aber gut, weil ich so noch mehr Einblicke in verschiedene Bereiche bekomme. Früher gab es bei manchen Titeln jede Woche eine Produktion im Ausland, für jede Kleinigkeit war jemand anderes zuständig. Es war klar, dass es so nicht ewig weitergehen kann. Heute muss ich mich um Dinge wie Booking und Bebilderung oft selber kümmern. Dadurch kann ich aber auch meine Idee genau umsetzen und der Job ist noch vielfältiger, denn er geht weit über das Schreiben und Recherchieren hinaus. Allerdings: Die größte Herausforderung ist nach wie vor die Print/Online-Zusammenarbeit.

Was können Verlage hier besser machen?

Ihre Mitarbeiter einbinden! Es gibt so viele junge kreative Kollegen, die im Netz zu Hause sind. Die Verlage sollten ihnen zuhören, sie einbeziehen und von ihnen lernen. Ansonsten muss man einfach Lust darauf haben, Dinge auszuprobieren – zum Beispiel auf Instagram. Eine Schulung bringt hier auch nicht viel.

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Make-up ist etwas sehr demokratisches, hier gibt es nicht so viele Regeln wie zum Beispiel in der Mode.

Warum hast du dich für die Beauty entschieden?

Mich fasziniert der medizinische und wissenschaftliche Part an dem Job. Ich muss mich zum Beispiel viel mit Inhaltsstoffen auseinandersetzen und Produkte wirklich testen. Außerdem macht es unheimlich viel Spaß, mit Farben zu spielen und soziologische Zusammenhänge beispielsweise aus Make-up-Trends abzuleiten. Make-up ist etwas sehr demokratisches, hier gibt es nicht so viele Regeln wie zum Beispiel in der Mode.

Eigentlich kann jede Frau alles tragen …

… vom blauen Lippenstift bis zum grünen Eyeliner. Es ist auch nicht unbedingt so teuer und jeder kann mit den Produkten spielen. Auf der anderen Seite ist Make-up nicht so global wie die Mode. Während man manchmal das Gefühl hat, dass auf der ganzen Welt die gleichen Trends getragen werden, gibt es bei Make-up viele spannende regionale Unterschiede und Trends zu entdecken.

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Hast du hier ein Beispiel für mich?

In Japan sind Augen ein anderes Thema als hier: Es gibt hunderte unterschiedlicher Eyeliner und falsche Wimpern in den Drogerien, darunter auch Kajal-Stifte, die die Augen „wässrig“ wirken lassen sollen, als hätte man gerade geweint. Niedlichkeit ist ein Ideal. Das ist in Europa anders, wir wollen lieber stark wirken, nicht zerbrechlich. In den USA wird immer noch viel Perfektion gelebt: In Form gebrachtes Haar, manikürte Nägel, lange Wimpern. Alles im glatten Optimal-Zustand, auch hier empfinde ich Europäer als lockerer oder auch einfach nachlässiger. Natürlich gibt es auch in den USA, gerade in den Städten, lässige Looks oder in Berlin gelegtes Haar.

Könntest du dir vorstellen, irgendwann komplett was anderes zu machen?

Manchmal denke ich, es wäre auch cool, einen Blumenladen zu haben oder Parfümeurin zu sein – aber ich mache meine Job schon sehr sehr gerne. Markenberatung und -Analyse finde ich spannend und habe ich auch schon mal gemacht. Irgendwann mal Print gegen Online zu tauschen, würde ich auch nicht ausschließen.

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Wir müssen noch über Paris sprechen! Ich habe das Gefühl, du bist ständig in Paris!

Ich bin oft beruflich da und bleibe dann manchmal ein, zwei Nächte länger. Ich bin einfach ein Fan der Stadt.

Was genau fasziniert dich an Paris?

Nicht unbedingt die Menschen, die sind ja leider eher unfreundlich. Aber irgendwie hat sich die Leidenschaft für Paris so entwickelt. Je öfter ich da war, desto besser fand ich es. Es ist eine richtig schöne Stadt und sehr inspirierend. Du siehst gut gekleidete Menschen, tolle Mode, hübsche Architektur und du kannst überall gut essen. Obwohl es eine europäische Großstadt ist, gibt es tolle kleine Läden zu entdecken. Und es ist zum Shoppen gar nicht so teuer, wie man vielleicht denkt. Außerdem werde ich immer, wirklich immer, auf der Straße angesprochen und nach dem Weg oder ähnlichem gefragt. Ich deute es gerne so: Ich sehe aus wie eine nette Pariserin. Gutes Kompliment, oder?

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In der Tat! Kannst du dir vorstellen, eines Tages in Paris zu wohnen?

Dafür müsste ich erstmal mein Französisch verbessern. Für eine Zeit könnte ich mir das auf jeden Fall vorstellen, aber ich bin ja auch so oft da. Da kann ich eigentlich auch hier wohnen bleiben. (Lacht.)

Vielen Dank für diesen schönen Sonntagvormittag, liebe Laura.

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Lauras Beauty-Lieblinge:

  1. Metallic Creme Eye Color in „Rose Gold“ von Laura Mercier – ein Cremelidschatten, der nicht schmiert und einen besonderen, rōtlichen Bronzeton hat
  2. L.A. Lights Lip and Cheek Color in „Beverly Hills“ von smashbox – ein Cremerouge mit feinem Glanz
  3. Glossier Skin Tint – super leichte Foundation, gibts bisher nur in den USA über glossier.com
  4. Nagellack von H&M
  5. Le Volumen de Chanel – die beste Mascara!
  6. Lippenstift Rouge Unlimited in „Pure Coral“ von Shu Uemura – tolle leichte Textur, matt aber nicht trocken

Hier findet ihr Laura:

Fotos: Pelle Buys

 

 

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