Teppich-Crush: Das neue Label Berberlin von Julia Schauenburg-Kacem

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Manchmal ist Instagram eine wahre Fundgrube: Hier haben wir auch das nagelneue Teppich-Label Berberlin entdeckt, das die gebürtige Hamburgerin Julia Schauenburg-Kacem zusammen mit ihrem Mann Lido, der Berber-Vorfahren hat, betreibt. Gemeinsam verkaufen sie wunderschöne Kelims, Beni Ourains, kunterbunte Kissen, Poufs und Wallhangings, die sie von Reisen aus Tunesien und Marokko mitbringen. Wir haben Julia, die seit knapp eineinhalb Jahren Mama vom kleinen Junes ist, in ihrer wunderschönen Wohnung in Berlin-Kreuzberg getroffen und uns natürlich auch durch ihren Teppich-Showroom, der gerade im ehemaligen Wohnzimmer zwischengeparkt ist, gewühlt. Warum es die 38-Jährige vor fünf Jahren von Sydney nach Berlin gezogen hat, wie sie auf den Teppich gekommen ist und wie man sich ihre Teppich-Touren mit der ganzen Familie vorstellen muss, verrät sie im Interview.

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Der Teppich-Showroom von Berberlin befindet sich im Moment noch im ehemaligen Wohnzimmer in der schönen 4-Zimmer-Wohnung der kleinen Familie.

femtastics: Wie bist du auf den Teppich gekommen?

Julia Schauenburg-Kacem: Die Familie von meinem Mann Lido stammt aus Tunesien und jedes Mal, wenn wir dort zu Besuch waren, haben wir den Basar oder Souk besucht. Ich habe immer wie eine Wahnsinnige mehr und mehr Teppiche gekauft (lacht). Dann haben mich meine Schwester und meine Mutter gefragt, ob ich ihnen auch Teppiche mitbringen kann. Irgendwann fragten dann auch Freunde und ich bin jedes Mal mit viel Übergepäck zurückgekommen.

Und dann fiel die Entscheidung, daraus ein Business zu machen?

Ursprünglich wollte ich es nur als Neben-Business aufziehen. Lido ist eigentlich Ingenieur. Als unser Sohn Junes auf die Welt gekommen ist, konnte er sich nicht mehr vorstellen, von morgens bis abends weg zu sein. Also haben wir vor einem Jahr beschlossen, das Teppich-Business professionell in Vollzeit aufzuziehen.

In Deutschland glauben die Leute immer nicht, dass die Frauen diejenigen sind, die das Sagen im Teppich-Business haben.

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Hier stappeln sich die Schätze – ständig wird hier aufgestockt und Teppiche gehen an neue Besitzer.

Wie seid ihr dann vorgegangen?

Am Anfang haben wir auf dem Basar geguckt. Wir haben aber schnell festgestellt, dass wir an die Quelle müssen. Dann ist Lido mit seinem Bruder vier Tage durchs Land in Tunesien gefahren. Ich konnte aber nicht mit, weil es noch so heiß war und ich noch gestillt habe. Ich habe in Tunis gewartet und die beiden haben über Familienkontakte immer wieder neue Leute kennengelernt. Mittlerweile waren wir schon mehrfach in Tunesien und in Marokko unterwegs.

Sind eure Lieferanten Familienbetriebe?

Ja, das sind ganz oft Familien, bei denen jeder involviert ist. In Deutschland glauben die Leute immer nicht, dass die Frauen diejenigen sind, die das Sagen im Teppich-Business haben. Sie können die Kunst des Knüpfens und Webens, sie machen ihre Designs und finanzieren oft die ganze Familie. Die Männer färben nur die Wolle, die arbeiten also eher zu und verkaufen die Teppiche anschließend. Die Frauen sind richtige Künstlerinnen. Wir hatten am Anfang überlegt, den Frauen Designs vorzugeben, aber es ist deren Kunst und wir wollen da nicht eingreifen.

Berberlin-Teppiche-Beni-Ourain

Berberlin

Wie reagieren die Familien, wenn ihr bei ihnen vorbeifahrt und an der Tür klopt? Ihr müsst sicherlich  erstmal euer Konzept erklären.

Der Riesenvorteil ist, dass Lido selbst Berber-Vorfahren hat und Arabisch spricht. Die Länder sind so wahnsinnig gastfreundlich und lieben Kinder. Egal wo man hinkommt, es wird einem etwas aufgetischt und man ist willkommen – das ist total schön. Die sind natürlich auch stolz, dass uns ihre Handwerkskunst so gut gefällt. Die denken zunächst alle: Ihr in Europa habt doch alles und alles ist so modern, was wollt ihr mit unserem alten Krempel?

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Der Blick vom Teppich-Showroom ins große Esszimmer mit Küche.

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Vor welche Herausforderungen hat euch die Teppich-Recherche gestellt?

In den Dörfern, die teilweise die Namen der bekannten Teppiche tragen, haben die Familienbetriebe ganz oft Knebelverträge mit anderen Händlern. Man muss also richtig suchen, um die Betriebe zu finden, die frei für eine Zusammenarbeit sind. Wir lassen sie auch ihre Preise nennen, weil wir kein Interesse haben, wegen 100 Euro zu handeln – das soll ihnen ja auch gegönnt sein. Sie machen eine fantastische Arbeit.

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Family-Business: Der süße Junes ist seit knapp 17 Monaten mit an Bord.

Berberlin

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Wie wählt ihr die Teppiche aus?

Im Moment kaufen wir das, was uns gefällt und was anderen gefallen könnte. Beim letzten Mal war es sehr witzig. Ich war gerade auf Mallorca und Lido in the middle of nowhere, irgendwo in Marokko. Er hat mir dann die ganze Zeit Fotos von Teppichen geschickt. Ich glaube, ich habe ein ganz gutes Gespür für Trends und Geschmäcker, da ich lange in der Mode als Fotografin gearbeitet habe. Es macht natürlich total Spaß etwas auszusuchen und zu verkaufen, was einem selber so gut gefällt.

Berberlin-Teppiche-Interview

 

Es ist aber bestimmt auch schwierig, die Teppiche dann wegzugeben, oder?

Ja (lacht). Wir hatten schon ein paar Momente, wo ich zu Lido meinte: “Den behalten wir jetzt aber!” und er sagt dann immer: „Den können wir nicht auch noch behalten.“ Im Schlafzimmer habe ich einen Teppich liegen, den ich nicht mehr hergebe.

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Erzähl nochmal kurz, was du vor dem Teppichleben gemacht hast!

Ich habe in Sydney Kunst und Fotografie studiert und dort auch als Fotografin gearbeitet.

Wie bist du auf Sydney gekommen?

Ich wollte schon immer weg und ins englischsprachige Ausland und dachte immer, ich studiere in New York oder in London. Dann war ich nach dem Abi lost und bin gereist. Als ich in Sydney ankam, wusste ich sofort: Hier bleibe ich und nirgendswo anders – dann bin ich 13 Jahre geblieben. Ich habe meine Fotos viel ausgestellt aber vor allem für Zeitschriften und in der Werbung gearbeitet. Und dann kam ich an den Punkt: Wenn ich jetzt nicht gehe, gehe ich nie wieder. Gerade wenn ich an die Familienplanung gedacht habe, hatte ich dann doch das Bedürfnis, in der Nähe meiner Familie zu leben.

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Ich fand aber schon immer die Vorstellung gut, verschiedene Sachen zu machen, ich habe mich nie in einem Job für den Rest meines Lebens gesehen.

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Vor fünf Jahren bist du zurückgekommen. Hast du in Berlin dann noch als Fotografin gearbeitet?

Ich habe es ganz am Anfang kurz probiert. In Sydney hatte ich mich schon ganz gut etabliert und habe gut bezahlte Jobs bekommen. Dann war ich in Berlin, wo gefühlt jeder Zweite Fotograf ist. Hier konkurriert man bei großen Kampagnen nicht nur mit Berlinern, sondern genauso mit Leuten aus Paris, London und New York. Dadurch, dass ich hier keinen kannte und auch niemand meine Arbeit kannte, ging meine Arbeit gefühlt von vorne los und da hatte ich keine Lust zu. Ich fand aber schon immer die Vorstellung gut, verschiedene Sachen zu machen. Ich habe mich nie in einem Job für den Rest meines Lebens gesehen.

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Und dann kam der Teppich?

Dann habe ich ein bisschen durch die Gegend gejobbt und eine Weiterbildung zur Ernährungsberaterin gemacht. Ich dachte, ich gehe in die Health-Food-Branche. Das war lange vor Daluma und Co. – in Australien war das damals schon ein viel größeres Thema. Aber irgendwie war es das dann nicht. Ich wollte irgendwas machen, mit dem ich freier sein kann. Mein Freund und ich reisen beide super viel und gerne. Ich habe mich außerdem schon immer mit Interieur beschäftigt und auch schon ein paar Wohnungen eingerichtet.

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Seit ein paar Saisons suchen viele wieder vermehrt nach nordafrikanischen Teppichen. Was fasziniert dich persönlich am Teppich?

Ich glaube, es sind Begleiter fürs Leben. Es ist kein Wegwerfprodukt. Es ist nichts, was man sich mal für eine Saison kauft. Das ist auch eine nette Abwechslung zu dem, was ich in der Modewelt erlebt habe. Es ist schön, etwas Nachhaltiges zu verkaufen, was die Leute begleitet. Deshalb sehe ich es auch nicht als Trend, der schnell kommen und gehen wird. Die Teppiche wachsen mit einem mit und bekommen Patina. Oft sind die alten Teppiche ja am schönsten. Außerdem habe ich das Gefühl, dass einrichtungs- und stiltechnisch gerade alles geht – es gibt keine strengen Regeln.

Wir wollen, dass unsere Freunde und Bekannte sich die Teppiche leisten können.

Mittlerweile gibt es ein paar Teppich-Labels, die Kelim-Welten kuratieren – wir haben zum Beispiel schon Katrin von The Knots und Anna von On the Rugs besucht. Wie grenzt ihr euch deiner Meinung nach ab?

Ich glaube, dass unser Produkt nochmal anders ist – wir haben diese superbunten Teppiche und Kissen aus Tunesien, die bisher niemand anbietet, weil  viele gar nicht wissen, dass es dort diese Teppiche gibt. Dort haben viele Familien auch Berbervorfahren. Die Tradition des Teppichhandwerks gibt es da schon immer. Und klar, gibt es schon Leute, die das machen. Aber das gibt es ja in jedem Bereich. Es ist Platz für uns alle da!

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Julia zeigt uns einen ihrer Lieblingsteppiche im Bad: ein pastellfarbener Boucherouite.

Und was ist gerade am meisten gefragt? Sind das die Beni Ourains oder doch die bunten Kelims?

Witzigerweise haben ganz viele in den letzten Wochen sowohl einen bunten als auch einen schwarz-weißen Teppich gekauft.

Ja, die perfekte Kombi! Wir glauben, aber auch, dass die bunten Teppiche bald stark gefragt werden sein.

Ja, voll! Die Leute trauen sich langsam immer mehr. Das finde ich auch total schön, dass das Bunte wieder zurückkommt.

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Auch im Kinderzimmer finden sich Stücke von Berberlin wieder, wie der bunte Beni Ourain und das Wallhanging.

Berberlin-Kinderzimmer

Richtig gute Teppiche sind natürlich immer eine Investition. Wie liegen die bei euch preislich?

Wir versuchen wirklich so preiswertig wie möglich zu bleiben, einfach weil wir die Teppiche in unserem Umfeld verkaufen wollen. Wir wollen kein Klientel haben, was gar nichts mit uns zu tun hat. Wir wollen, dass unsere Freunde und Bekannte sich die Teppiche leisten können. Ich war ja schon immer in der Kreativszene unterwegs und da haben nicht alle das Geld für einen teuren Teppich. Deshalb wollen wir versuchen, in dem Markt zu bleiben, aus dem wir auch kommen und dabei den Weberinnen gegenüber fair zu bleiben. Die Beni Ourains gehen bei 600 Euro los und gehen bis 2.500 Euro, die bunten Kelims sind alle günstiger und die Kissen kosten im Schnitt 50 Euro. Die Poufs liegen bei um die 150 bis 200 Euro.

Und dann habt ihr noch die tollen Wallhangings …

Ja, die haben wir durch Zufall gefunden – das macht eine Omi, die auf dem Land in Tunesien lebt. Es hat total Spaß gemacht, bei ihr die ganzen Sachen herauzusuchen und sie hat sich auch tierisch darüber gefreut.

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Julias zweiter Lieblingsteppich liegt im Schlafzimmer.

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Ihr habt auch schon an Events teilgenommen. Ist da mehr geplant?

Wir haben verschiedene Ideen und wollen auch einen kleinen Verleih machen, also ein kleines Sortiment an Teppichen, die man sich für Events oder auch Hochzeiten leihen kann. Ich finde es auch toll, etwas mit Leuten zusammenzumachen – das wollen wir in Zukunft auf jeden Fall ausbauen.

Wollt ihr in Zukunft regelmäßig nach Marokko und Tunesien reisen und auf Teppich-Tour gehen?

Ja, das Tolle ist, dass Lido seine ganze Familie in Tunesien hat und bessere Babysitter als seine Mutter und seinen Bruder gibt es gar nicht. Dafür war er bis jetzt noch zu klein. Wenn wir das nächste Mal hinfliegen, ist er schon eineinhalb und kann auf jeden Fall auch ein paar Nächte bei Lidos Familie bleiben.

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Das Gäste-WC ist mit einer Tapete von xxx tapeziert – we like!

Hast du eine Zukunftsvison für Berberlin?

Es ist so spannend zu sehen, wo das alles hinführen kann. Das ist wie eine Schnitzeljagd. Wir finden die Idee toll, noch andere handgefertigte Produkte mit aufzunehmen. Die Handwerkskunst hat ja ein bisschen gegen die Massenproduktion verloren – wir wollen das aber gerne erhalten und unseren kleinen Teil dazu beitragen.

Das klingt toll! Vielen Dank, dass wir euch besuchen durften!

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Hier findet ihr Berberlin:

Fotos: Mirjam Klessmann

 

 

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