Design- und Foodmarkt-Profi: Johanna Pröpstl von der Besondersschön und Besonderslecker

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Design- und Food-Märkte sind beliebter denn je und professionalisieren sich immer mehr. Eine, die schon seit zehn Jahren im Business unterwegs ist, ist Johanna Pröpstl. Die gebürtige Stuttgarterin initiiert 2006 den Hamburger Designmarkt Besondersschön und gründet vor fünf Jahren mit ihrer Geschäftspartnerin Congsu He den Craft Food Markt Besonderslecker. Mittlerweile finden die Märkte jeweils einmal im Jahr mit bis zu 100 Ausstellern statt – auch viele femtastics-Protagonistinnen sind dabei. Wir sprechen mit der 41-Jährigen über ihr Daily Business, den anstehenden Besonderslecker Markt und statten ihrer kleinen Oase, ihrem Schrebergarten, einen Besuch ab!

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Johanna wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen (9 und 12 Jahre alt) in einer 5-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Eimsbüttel. Ihre 18-jährige Tochter ist gerade ausgezogen.

femtastics: Mittlerweile gibt es einige Food- und Design-Märkte – was macht die Besondersschön und die Besonderslecker so besonders?

Johanna Pröpstl: Es ist die besondere Zusammenstellung. Wir achten darauf, dass die vertretenen Produkte Trends widerspiegeln, aber gleichzeitig müssen sie außergewöhnlich sein. Die Designer müssen ihr eigenes Ding machen und Trends nicht nur kopieren. Natürlich ist uns auch wichtig, dass es nicht zu viele Designer oder Manufakturen aus einer Rubrik sind, also nicht zu viel Schmuck, nicht zu viel Papeterie usw. Sie müssen sich alle stark voneinander unterscheiden. Die Besucher und Aussteller wissen es zu schätzen, dass wir genau hingucken.

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Interview in der schönen Wohnküche.

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Wie bist du auf die Idee gekommen die Märkte zu veranstalten?

Ich habe Besondersschön 2006 gegründet. Damals wollte ich, neben meinem Beruf als Ergotherapeutin, etwas Kreatives machen. Ich habe aus Markisenstoff Taschen genäht. Die kamen gut an und ich wollte sie verkaufen. Damals gab es dafür keine Plattform und hätte ich sie in Läden verkaufen wollen, hätte ich ganz anders kalkulieren müssen. Also habe ich selbst einen Markt auf die Beine gestellt. Das fing ganz klein mit fünfzehn Ausstellern im Eimsbüttler Turnverein an (lacht).

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Und dann kam deine Kollegin Congsu dazu?

In meiner Elternzeit habe ich die Märkte mehr vorangetrieben. 2010 habe ich dann Congsu auf einem Designmarkt kennengelernt. Wir haben schnell gemerkt, dass wir etwas gemeinsam machen wollen. Damals hatte ich die Besonderslecker schon im Kopf und Congsu war bei dem Thema Essen direkt Feuer und Flamme. 2012 haben wir dann die Besonders GbR gegründet.

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Kai ist das Haustier von Sohn Emil.

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Johanna liebt Vintagestücke und ist viel auf Flohmärkten unterwegs.

Gab es damals ein Vorbild für die Märkte?

Es gab damals fast keine Märkte. Der Bedarf war groß, der Anspruch aber nicht so hoch wie heute. Das hat sich mit der Konkurrenz über die Jahre sehr verändert. Zu schauen, was wir anders machen können, ist natürlich immer eine Herausforderung für uns. Gerade mit dem Namen Besonders geht es natürlich auch darum, besonders zu bleiben.

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Wie teilt ihr euch die Arbeit untereinander auf?

Am Konzept und seiner Weiterentwicklung arbeiten wir gemeinsam. Ich mache die Grundorganisation, also den Kontakt zu den Ausstellern und Partnern, am Anfang auch zur Presse. Mittlerweile lassen wir uns von Sabine Freundt, die ihr auch schon besucht habt, unterstützen. Congsu übernimmt den visuellen Part und gestaltet den Look, vom Flyer bis zur Website. Das ist bei uns ein wichtiger Part – dadurch sehen die Leute gleich, wie wir sind und was uns wichtig ist.

Congsu ist ja Chinesin. Wir sind sehr unterschiedlich, auch durch unseren jeweiligen kulturellen Hintergrund und ergänzen uns perfekt. Sie steht mit ihrem Look und ihrer Arbeit für Klarheit und ich stehe für die Vielfältigkeit und das Lebendige. Das schmeißen wir in einen Topf und was dabei herauskommt, ist dann das, was unsere Märkte besonders macht.

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Wie wählt ihr die Labels für eure Märkte aus? Welche Kriterien müssen sie erfüllen?

Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Kriterium X gibt es bei uns nicht – eine Sache muss besonders sein, zum Beispiel die Idee, die Verpackung oder die Art der Produktion. Wir haben uns nicht Handmade, sondern Design & Handmade auf die Fahne geschrieben. Wir haben nicht nur junge Designer und Manufakturen dabei, sondern auch Händler, die besondere Waren anbieten oder zum Beispiel südafrikanische Designerstücke verkaufen.

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Die rote Kette hat Johanna beim Hamburger Label Goldmeise gefunden.

Bewirbt man sich bei euch als Aussteller?

Es läuft tatsächlich über Bewerbungen, weil wir die Wahl haben wollen. Wir waren von Anfang an relativ streng, das wirkt sich aber auch positiv aus. Wir trauen uns zu sagen, wenn etwas nicht in unser Konzept passt.

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Johanna arbeitet von zu Hause aus – so sieht ihr Workspace aus.

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Wie bewirbt man sich bei euch?

Sobald ein Termin feststeht, stellen wir die Formulare online. Da stehen dann die Teilnahmebedingungen, die Preise, ein Aussteller-Info-PDF und die Frist, zu der man sich bewerben kann. Die Designer und Händler können sich dann mit dem Bogen und Fotos von den Produkten oder dem Label bewerben. Mit meiner Erfahrung kann ich mir relativ schnell ein Bild machen, ob es ins Konzept des Marktes passt oder nicht.

Schreibst du Designer auch gezielt an?

Ich finde Designer und Manufakturen über Instagram, Dawanda oder Etsy und schreibe sie an. Ich lese aber auch Blogs und gucke mich auf so schönen Seiten wie eurer um. Inzwischen gibt es da ja viele Möglichkeiten.

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Wir machen uns auf den Weg in Johannas Schrebergarten, der nur zehn Minuten zu Fuß von ihrer Wohnung entfernt liegt.

Machen Congsu und du die Organisation der Märkte hauptberuflich?

Congsu macht nebenbei noch ihr Label und designt Betonobjekte. Außerdem nimmt sie ab und zu Designaufträge an. Ich bin komplett mit den Märkten beschäftigt, im Moment ist es schon ein Vollzeitjob. Außerdem habe ich natürlich noch Familie, hier bekomme ich ein bisschen Unterstützung dahingehend, dass mein Mann jetzt etwas weniger arbeiten wird.

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Wie finanziert ihr euch?

Unsere Haupteinnahmequellen sind die Eintrittsgelder und die Ausstellerpreise.

Möchtest du irgendwann nochmal in die Ergotherapie zurück?

Nein, damit habe ich komplett abgeschlossen. Ich habe den Schritt nie bereut. In meiner Elternzeit wurde ich mir klarer darüber, was ich eigentlich will. Drei Kinder und alles, was damit zusammenhängt, ist ja auch schon soziale Arbeit (lacht) und dann wollte ich beruflich nicht auch noch etwas Soziales machen. Durch den Part, den ich in der Besonders GbR inne habe, habe ich ja trotzdem den persönlichen Kontakt zu Menschen. Es freut mich, dass ich diese Kompetenz mit einbringen kann. Ich habe ja kein Studium gemacht, das auf mein jetziges Berufsbild passt.

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Himbeeren, Tomaten, Mangold – in Johannas Schrebergarten gibt es immer etwas zum Ernten!

Einen Markt würden sicherlich einige Designfans gerne auf die Beine stellen – welchen Herausforderungen musstet ihr euch stellen?

Man wächst mit seinen Aufgaben. Man braucht vor Ort auf jeden Fall weitere Unterstützung. Für Stromtechnik haben wir zum Beispiel inzwischen jemanden, der das macht. Bei den Events haben wir außerdem Schüler und Studenten vor Ort, die die Kasse machen, aufräumen und Zeitschriften verteilen. Amtliche Geschichten darf man bei der Planung auch nicht vergessen. Inzwischen ist es so, dass wir eine nackte Halle mieten und Genehmigungen beim Amt einholen müssen. Das sind Dinge, die mit viel Zeit Kosten verbunden sind und die man auf den ersten Blick nicht sieht.

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Du bist mittlerweile sicherlich zur Food-Spezialistin geworden. Was sind gerade die spannendsten Food-Trends?

Ein großer Trend ist, dass sich Foodies nur auf ein einziges Produkt spezialisieren. Sie beschäftigen sich zum Beispiel nur mit Fleisch oder nur mit Craft Beer und setzen sich damit auch auf unterschiedlichenen Ebenen auseinander. Gerade Fleisch ist auch eine politische Geschichte und es geht viel darum: Wie lebe ich und wie will ich leben? Was für Fleisch will ich essen oder will ich überhaupt Fleisch essen? Es gibt viele Manufakturen und Läden, die diese Fragen ganz vorne anstellen.

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schrebergarten-hamburgWelche drei Labels und Händler findest du im Moment besonders spannend?

Ganz toll finde ich Conflictfood, das machen zwei Jungs aus Berlin. Sie setzen sich mit Regionen auseinander, in denen es Konflikte gibt, und schauen, was für Lebensmittel es dort gibt und, was man nach Deutschland importieren könnte. Das erste Produkt ist Safran und bald kommt ein Olivenöl dazu. Da steckt ganz viel Leidenschaft und Konsequenz dahinter, was mich sehr beeindruckt.

Wir arbeiten jetzt neu mit Tvino zusammen. Stephanie Döring habt ihr ja auch schon besucht. Es wird nicht nur einen Stand und einen Ausschank geben, sondern auch kleine Sommelier-Workshops für die Besucher.

Außerdem ist Gleem jetzt ganz neu dabei. Anna Gliemer macht zuckerfreie Pralinen – eine tolle Idee!

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Laubenidylle – Johannas Eltern hatten früher auch einen Garten, in dem sie viel Zeit verbracht hat.

Und wen siehst du im Designbereich gerade weit vorne?

Bei der Besonderslecker wird es auch einen kleinen ausgewählten Designpart geben. Da sind zum Beispiel Ugly Duckly und Sinikka Harms mit ihren schönen getöpferten Sachen dabei. Und damit das Spektrum auch ein bisschen breiter ist, wird auch Alexandra vom Onlineshop INK+OLIVE dabei sein. Außerdem kommt Nordklinge zu uns, der Gründer vertreibt handgeschimedete Messer aus Finnland.

An zwei Tagen Markt ist sicherlich viel los. Wie schaltest du danach ab?

Den Montag danach halte ich mir meistens frei. Wir versuchen auch immer zu feiern – das ist ganz wichtig. Gerade, wenn mal eine Besucherzahl nicht so war, wie man sie sich gewünscht hat oder etwas anderes schief gelaufen ist. Es ist wichtig sich dann trotzdem auf die Schulter zu klopfen – auch gegenseitig – und sich klar zu machen, dass man viel geleistet hat.

Und du hast einen Schrebergarten!

Ja, das ist mein absoluter Lieblingsplatz! Wir haben den seit ungefähr fünf Jahren. Am Anfang war das total meins. Inzwischen findet mein Mann den Garten auch total toll und merkt, dass er von seinem Schreibtischjob super beim Rasenmähen abschalten kann. Es ist so schön etwas mit den Händen zu machen! Meine Taschen habe ich damals ja auch genäht und das ist ein bisschen verlorengegangen. Ich bin im Garten auch nicht diejenige, die auf dem Liegestuhl liegt, sondern eher in den Beeten sitzt und in der Erde wühlt (lacht) – das finde ich sehr meditativ.

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Was ist für die Zukunft geplant?

Wir sind gerade dabei zu schauen, wie es weitergehen wird. Wir arbeiten schon länger an einem neuen Konzept. Dadurch, dass die Veranstaltungen so groß geworden sind, arbeiten wir fast das ganze Jahr daran und merken gerade, dass wir auch ein bisschen Zeit brauchen, um etwas Neues zu entwickeln. Noch ist es nicht spruchreif, aber im nächsten Jahr wird es etwas Neues geben! Die Märkte werden wir dann auch anpassen.

Wir sind gespannt – vielen Dank für das Interview!

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Die nächste Besonderslecker findet am 8. und 9. Oktober im Cruise Center in Altona in Hamburg statt. Alle Infos findet ihr hier.

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Hier findet ihr Johanna und die Märkte:

Fotos: Sophia Mahnert

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