Chemikerin Luisa Wiesche hat mit „De Lilou“ ihre eigene Handcreme entwickelt

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Trockene und rissige Hände im Winter? Das kennen nicht nur wintergeplagte Hamburgerinnen! Die Chemikerin Luisa Wiesche wollte Abhilfe schaffen – und entwickelt zu Hause in ihrem Labor einfach eine eigene Handcreme. Dabei greift sie auf die Pflegegeheimwaffe Paranussmilch zurück, die sie aus ihrer Heimat Brasilien kennt. Wie die dreifache Mutter ihre Kosmetikbrand De Lilou gegründet hat und was sie so sehr am Beruf der Chemikerin liebt, das erzählt sie uns in ihrem Haus in Hamburg-Groß Borstel.

Hände sind mehr als die Visitenkarte eines Menschen!

Was hat dich dazu bewegt, eine eigene Handcreme zu entwickeln?

Während eines langen Winters in Hamburg hatte ich sehr trockene und rissige Hände und sogar blutige Stellen. Ich probierte verschiedene Pflegeprodukte aus – natürliche Marken sowie etablierte Marken – aber nichts half. Vor allem fand ich keine langanhaltende Pflege. Also nahm ich die Pflege meiner Hände selbst in die Hand …

… im wahrsten Sinne des Wortes!

(Lacht) Mir kam die Paranuss in den Sinn. Sie ist eigentlich ein Nahrungsmittel in Brasilien, also kein kosmetisches Mittel. Aber die Brasilianerinnen, die die Paranussmilch zubereiten, haben ganz tolle Hände. Es gibt verschiedene Arten, die Milch zuzubereiten. Ich habe einfach geschälte Paranüsse mit gekochtem Wasser in den Mixer getan und ein wenig Hafer und Honig zugegeben – so ist eine sehr cremige Milch entstanden. Die Milch habe ich zunächst als Handbad benutzt, das war die Rettung für meine Hände!

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Luisa wohnt mit Mann und drei Kindern in einem Haus mit Garten.

Aus dem Handbad hast du dann eine Handcreme entwickelt. Wie bist du vorgegangen?

Ich wollte diese Pflege nicht mehr missen und meine Freunde waren ebenfalls begeistert. Damals hatte ich noch kein Studio-Labor, also habe ich alles in meiner Küche zubereitet. Ich bin Chemikerin, das hat mir natürlich geholfen. Ich habe einfach mit dem Mixer rumprobiert und Nahrungsmittel genutzt. Dann wollte ich das Handbad in kosmetischer Qualität erzeugen. Ich bestellte Muster von Rohstofflieferanten, denn eine Paranuss besteht aus Öl, Kohlenhydraten, Proteinen – die Inhaltsstoffe habe ich in kosmetischer Qualität von den Lieferanten bekommen. Die ersten Ergebnisse haben mich schon total begeistert. Schließlich habe ich ein kleines Labor im Keller eingerichtet, um alles professionell herzustellen. Eine Formel von einem kosmetischen Produkt zu entwickeln, ist sehr arbeitsintensiv. Meine Formel ist jetzt zum Patent angemeldet, es ist ein sehr langer Weg bis dahin.

Wo lässt du die Handcreme abfüllen?

Die Creme wird in Baden-Baden produziert, da gibt es eine tolle Manufaktur. Die Inhaber sind sehr flexibel und gleichzeitig so perfektionistisch wie ich. Die Kreation findet bei mir im Studio-Labor statt und die Herstellung und Abfüllung dann in der Manufaktur.

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Bei der Handreme – das erste Produkt von Luisas Kosmetikmarke „De Lilou“ dreht sich alles um die Paranuss!

Hast du sofort, als die Formel für die Handcreme fertig war, ein Kosmetiklabel mitgegründet?

Mein Unternehmen heißt Luisa Wiesche Cosmetics, aber die Brand heißt De Lilou. Die Paranuss ist sozusagen eine Linie davon. Ich freue mich auch schon auf andere Linien, die ich bald anbieten werde. Jetzt dreht sich alles um die Paranuss, aber es werden noch andere tolle Wirkstoffe bald hinzukommen.

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Wer hat dich denn bei der Gründung unterstützt? Hast du alles auf eigene Faust gemacht oder hattest du eine Beratung?

Mein Mann ist mein Unterstützer der ersten Stunde. Nicht nur fachlich, sondern auch organisatorisch und seelisch – er unterstützt mich bis heute. Eine Beratung hatten wir nicht, aber ich hatte Freunde, die beispielsweise Grafiker oder Rohstofflieferanten sind und mir immer geholfen haben.

Wer hat das Produktdesign für die Handcreme entworfen?

Die Agentur Lutz Hermann Design ist mein größter Partner. Die arbeiten sonst für große Labels, haben aber von Anfang an an mich geglaubt. Das ist nicht selbstverständlich, vor allem wenn man unbekannt ist und einfach loslegen will. Die Agentur hat das ganze Design entwickelt – vom Logo bis hin zur Verpackung.

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Wie hast du das alles finanziell gestemmt?

Ich bin eine Eigenkapitalfirma, da muss man immer sparen. Jeder Cent zählt, aber ich lasse auch nur kleine Mengen produzieren. Das ist verhältnismäßig teuer, aber die Qualität des Produktes geht einfach vor.

Make it with passion and stay authentic!

Tatsächlich hast du dir mit dem Beauty-Markt nicht den einfachsten Markt ausgesucht. Es ist ein Millionen schwerer und dazu hart umkämpfter Markt. Welche Strategie hast du dir überlegt, um dir deinen Platz zu sichern?

Mein Motto ist: Make it with passion and stay authentic. Genauso mache ich es. De Lilou ist sehr persönlich – ich habe die Rohstoff selbst ausgesucht und die Creme eigenhändig hergestellt. Alle Wirkstoffe haben ihre Daseinsberechtigung, aber viele sind auch ausgeschlossen. Ich mache keine Kompromisse bei Umweltbewusstsein, Wirksamkeit, Nachhaltigkeit. Das zeichnet meine Marke aus. Das Gesamtpaket aus Design und Wirkung spiegelt die Qualität des Produktes wider. Das macht De Lilou sehr authentisch.

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Verkaufst du die Handcreme auch schon in Läden?

Ich habe zwar meinen Onlineshop und andere Online-Vertriebswege, aber der stationäre Handel ist für Kosmetik sehr wichtig. Kosmetik will man riechen und testen. Deswegen ist es wichtig, präsent in den Läden zu sein. Die Paranuss Handcreme findet man in einigen tollen Läden in Hamburg und seit zwei Wochen im wunderschönen Greenglam-Store in Augsburg.

Warum sind dir gepflegte Hände so wichtig?

Die Hände sind mehr als die Visitenkarte eines Menschen. Durch die Hände kann man einen Blick in die Seele werfen. Sie verraten viel über das Leben oder die Ernährung – denn wer sich nicht gut ernährt, bekommt brüchige Nägel. Die Hände sind der erste Kontakt zur Außenwelt und sind ganz vielen Einflüssen ausgesetzt . Deshalb ist es so wichtig, die Hände gut zu pflegen.

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Was machst du noch, um deine Hände zu pflegen?

Das Allerwichtigste ist es, die Hände mehrmals täglich einzucremen. Wenn es eine gute Handcreme ist, muss das auch nicht nach jedem Waschen passieren. Ein- bis zweimal in der Woche mache ich ein Peeling mit natürlichen Granulaten. Momentan nutze ich dafür eine Mischung aus Kaffeebohnen und Zucker. Himbeerkerne sind auch total gut, weil sie so feinkörnig sind. Die kann man gut mit Öl vermischen, allerdings ist das Peeling nicht lange haltbar, wenn Luft an das Öl kommt. Nach drei Tagen sollte man es wegschmeißen.

Mein Unternehmen ist eine One-Woman-Show.

Machst du De Lilou eigentlich hauptberuflich?

Ja! Mein Unternehmen ist eine One-Woman-Show. Ich kümmere mich um die Entwicklung, aber auch um die Finanzen und den Vertrieb. Das ist ganz schön viel. Ich habe ja auch noch drei Kinder, die ganz viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber das Schöne ist, dass ich die Zeit flexibel gestalten und alles gut organisieren kann. Ich freue mich, dass ich meinen Sohn zum Fußballtraining und meine Tochter zum Schwimmtraining begleiten kann. Aber ich habe eigentlich nie Feierabend. Wenn die Kinder im Bett sind, sitze ich immer noch am Schreibtisch und beantworte Mails oder organisiere den Onlineshop. Vormittags widme ich mich dem Unternehmen total, nachmittags ist Kinderzeit und abends ist wieder das Unternehmen dran. Es sind lange Tage und es kommt häufig vor, dass ich erst um ein oder um zwei Uhr ins Bett gehe – um halb sieben stehe ich wieder auf. Auch am Wochenende – ich bin immer dabei. Aber es ist eben meine Leidenschaft!delilou_femtastics

Stand für dich eigentlich immer fest, dass du Chemikerin werden willst?

Seit ich 16 Jahre alt bin, ja. Naturstoffe, die Natur, Phänomene und Umwandlungen an sich haben mich immer schon fasziniert. Auch den Chemieunterricht in der Schule habe ich geliebt. Mir war klar, dass ich Chemie studieren wollte und das hat sich auch bestätigt. Mein Studium habe ich geliebt!

Du hast in São Paulo studiert, richtig?

Genau. Während meines Studiums hab ich an der Isolation und Gewinnung von Naturstoffen gearbeitet – mein Abschluss ging auch schon in Richtung Kosmetik. Nach dem Studium habe ich dann bei einem Chemieunternehmen in der Kosmetik-Abteilung in São Paulo angefangen. Danach bin ich zu einer brasilianischen Kosmetikfirma gegangen und habe dort sechs Jahre gearbeitet – das hat mich sehr inspiriert. Es gibt ja diese Liste von Forbes mit den weltweit besten Arbeitgebern und die Firma war unter den Top 20. Die Zeit hat mich sehr geprägt und ich hab da sehr viel gelernt. Ich war Spezialistin für Rohstoffe, es war eine spannende Zeit!

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Die Formel für ihre Handcreme hat Luisa in ihrem eigenen Labor entwickelt.

Warum bist du nach Deutschland gegangen?

Wegen der Liebe! Ich war beruflich in Deutschland unterwegs und lernte auf einen Kongress meinen Mann kennen. Er arbeitet auch in der Kosmetikbranche und wir haben uns verliebt und geheiratet. Mein Mann hatte zu der Zeit eine B&B Firma, bei der ich dann nach einiger Zeit die Geschäftsführung übernommen habe. Das habe ich bis 2011 gemacht und dann die Technologie für Haarglanzmessung, an der wir gearbeitet haben, an eine Universität in Manchester verkauft und die Firma aufgelöst. Zeitgleich habe ich meine Handcreme entwickelt. Ich hatte noch ein Jobangebot einer großen Firma, aber ich wollte immer ein eigenes Business haben und stand genau an dieser Kreuzung.

Du hast dich für dein eigenes Business entschieden!

Wenn ich das Jobangebot angenommen hätte, hätte ich einen anderen Weg eingeschlagen. Die Geschichte mit der Paranuss hat sich so schön entwickelt und die Chance war da, etwas Eigenes zu entwickeln. Also habe ich mich für die Freiberuflichkeit entschieden. Beim Finanzamt habe ich mich erstmal als freie Chemikerin angemeldet und alles ging seinen Lauf. Schlussendlich habe ich beim Gewerbeamt ein Einzelunternehmen angemeldet.

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Was ist das Schöne am Beruf der Chemikerin?

Die Möglichkeiten sind unendlich! Das hat mich damals an dem Beruf gereizt. Man kann wirklich alles machen – Lebensmittel, Kosmetik oder Ingenieurswesen. Die ganze Welt, die ganze Natur besteht aus Chemie! Außerdem sind die Berufschancen sehr gut.

Die Karrierechancen für Frauen in der Chemiebranche müssen wachsen.

Ist die Chemiebranche eigentlich sehr männerdominiert?

Ich würde sagen, es ist mittlerweile ausgeglichen. Wenn man allerdings in die Vorstände der Unternehmen schaut, dann findet man wenige Managerinnen. Die Karrierechancen für Frauen in der Chemiebranche müssen noch wachsen. Bei neu gegründeten Unternehmen hingegen findet man viele Frauen. Grade in der Lebensmittelindustrie arbeiten viele Frauen, die zeigen, dass sie ein nachhaltiges Business machen möchten.

Vielen Dank für das spannende Interview, liebe Luisa!

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Hier findet ihr De Lilou:

Fotos: Linda David

Layout: Britta Häfemeier

 

 

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