Ganz großes Kino mit Drehbuchautorin Lucy Astner

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Sie ist für viele Lacher im deutschen Kino verantwortlich und geht regelmäßig mit Matthias Schweighöfer und Til Schweiger Kaffee trinken: Lucy Astner, 33, ist Drehbuchautorin. Aus ihrer Feder stammen die Dialoge für den Film „Der Nanny“ und ganz neu für „Vier gegen die Bank“ von „Das Boot“-Regisseur Wolfgang Petersen, der Weihnachten mit der Starbesetzung Schweighöfer, Schweiger, Liefers und Bully in die Kinos kommt. Wir treffen die gut gelaunte Lucy in ihrer hübschen Wohnung in Hamburg-Eimsbüttel, in der sie mit ihrem Mann und ihren Töchtern Leni, 8, und Lotti, 5, lebt und gerade ihr erstes Kinderbuch „Polly Schlottermotz“ geschrieben hat.

femtastics: Du hast Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert, jetzt schreibst du Drehbücher fürs Kino. Wie kam es dazu?

Lucy Astner: Es gibt zwei große Drehbuchwerkstätten in Deutschland. Eine in München und die kleine Schwester in Nürnberg. In einem Jahr haben sie ein Stipendium für eine romantische Komödie ausgeschrieben, dann habe ich mich beworben und habe einen der fünf Plätze bekommen – ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Und wo hast du zuvor Erfahrungen gesammelt?

Ich bin in Hamburg-St. Georg aufgewachsen und um die Ecke, am Hamburger Schauspielhaus, gab es ganz viele Nachwuchstheaterkurse – das war ein natürlicher Einstieg. Vor dem Stipendium habe ich außerdem vier Jahre am Theater geschrieben. Da war der Weg aber relativ schnell vorbei, weil es keine Bühne für Komödien und kurzweilige, unterhaltsame Texte im Nachwuchstheater gibt. Wenn ich versucht habe über Themen wie Inzest, Abschiebung oder Rassismus zu schreiben, was alles wichtige Themen sind, war das nicht authentisch. Das war hart, weil ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass ich ja Drehbücher schreiben kann. Dann habe ich einen Schlussstrich gezogen, weil ich gemerkt habe, dass man davon nie eine Familie ernähren kann. Das war bitter, ich habe geheult und dann kam die Ausschreibung aus Nürnberg.

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Lucy wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in einer 140-Quadratmeter-Wohnung in Hamburg-Eimsbüttel.

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Wie ging es nach dem Stipendium weiter?

Erstmal war ich schwanger (lacht). In Nürnberg sagten sie mir, ein Drehbuchautor muss in den ersten drei, vier Jahren Klinken putzen und verdient ganz, ganz wenig Geld. Da habe ich schon fast den Kopf in den Sand gesteckt, weil ich nicht der Typ bin, der anklopft und sagt: „Ihr habt schon immer auf meine Geschichte gewartet.“ Ich habe Spaß an der Sache, könnte das aber nie so selbstbewusst verkaufen.

Heute schreibst du Drehbücher für Kinofilme von Til Schweiger und Matthias Schweighöfer. Wann kam also die Wendung?

Es kam alles anders: Wir haben unsere Drehbücher beim Filmfest in München vorgestellt, jeder hatte fünf Minuten Zeit, und da hat sich nur einer für meinen Stoff interessiert, was im ersten Moment ziemlich frustrierend war. Dieser eine hat das Buch aber an Til Schweiger weitergegeben –­ dann ging alles schnell. So schnell, dass ich manchmal selber gar nicht realisieren kann, wie schnell es einfach für mich wurde.

Lucy_Astner_gespraech Wurde das Drehbuch dann verfilmt?

Nein, aber dadurch habe ich ganz schnell, auch über Til, Kontakte gehabt. 2013 habe ich ein Five-Script-Agreement mit Warner Brothers unterzeichnet – ich schreibe also insgesamt fünf Drehbücher für Warner, zwei wurden schon verfilmt, und das ist ziemlich toll. Es sind gute Arbeitspartner, es macht total viel Spaß, die lassen mir viele Freiheiten und haben viel Vertrauen. Und sie haben die besten Leute unter Vertrag: Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Bully.

Wie entwickelst du ein Drehbuch?

Es ist unterschiedlich. Es gibt Geschichten und Ideen, die kommen nur von mir, die entwickle ich dann alleine und schreibe ein Exposé, das ich bei Warner einreiche und dann sprechen wir drüber. Entweder heißt es dann: „Cool, mach mal!“ oder „Nee, es ist gerade nicht die Zeit dafür.“. Es gibt aber auch die Situation, dass ein anderer Beteiligter mit einer Idee kommt, bei „Der Nanny“ war es zum Beispiel so. Matthias Schweighöfer wollte gerne einen Film über eine männliche Nanny drehen und es war klar, dass der Schauspieler Milan Peschel mitmachen sollte. Mehr Vorgaben gab es aber nicht – dann durfte ich alles entwickeln. Ich gehe dann erstmal für vier bis sechs Wochen nach Hause und schreibe eine erste Fassung. Matthias ist dann mein Ansprechpartner, wenn es um Rückfragen geht, weil er ja auch eine Vision vor Augen hat. Bei Stoffen, die ich frei entwickle, habe ich einen Ansprechpartner bei Warner direkt.

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„Eine Geschichte ist nicht gleich eine Geschichte. Wenn ich mich dazu entschließe ein Drehbuch zu schreiben oder auch ein Kinderbuch, dann muss die Idee so gut sein, dass ich bereit bin viele Monate damit zu verbringen.“

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Und wie lang ist so eine Fassung?

Beim Fernsehen ist das Format ziemlich genau definiert, da die Filme immer ca. 90 Minuten lang sind. Man sagt immer eine Drehbuchseite ist ungefähr eine Filmminute. Das heißt so ein Drehbuch hat dann circa 90 Seiten. Beim Kino ist es unterschiedlich – das hängt vom Budget ab. Durchschnittlich sind es 115 bis 120 Seiten – die sind aber auch nicht vollbedruckt.

Das heißt, du stehst immer im Dialog mit den Regisseuren und die lassen dich dann ihre Änderungswünsche wissen?

Genau, letztendlich ist das Drehbuchschreiben, neben dem künstlerischen Aspekt, eine Dienstleistung. Ich bin nicht der Chef im ganzen Gefüge. Ich biete an, so gut und so viel ich kann, aber am Ende entscheiden immer andere.

Wie kommst du immer wieder auf neue Ideen?

Das ist ein Mysterium. Ideen kommen irgendwie zu mir und ich weiß nicht wie. Manchmal, wenn ich in ganz stressigen Phasen bin, kriege ich Bammel, dass es bald vorbei ist, weil ganz lange keine Idee zu mir gekommen ist (lacht). Aber ich habe festgestellt, dass ich einfach Zeit und Ruhe brauche, dann ergibt sich auch wieder etwas Neues. Drehbuch schreiben ist ein richtiges Handwerk – es gibt genaue Regeln, wann was passieren muss, es gibt Platzhalter, wann welcher Konflikt auftreten muss. Nach dem Schema kannst du jede Geschichte erzählen. Ich kann auch, wenn mir jemand etwas zuwirft, innerhalb von drei, vier Tagen eine Geschichte bauen. Aber: eine Geschichte ist nicht gleich eine Geschichte. Wenn ich mich dazu entschließe ein Drehbuch zu schreiben oder auch ein Kinderbuch, dann muss die Idee so gut sein, dass ich bereit bin viele Monate damit zu verbringen. Ich könnte ganz viele Auftragsarbeiten annehmen, aber wenn dann Herz und Seele fehlen, wird es nach ein paar Monaten zäh und schwierig. Deshalb schlägt für die richtigen Ideen mein Herz – die werden mir in zwei oder auch fünf Jahren immer noch wichtig sein.

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Drehbuchautoren stehen oft im Schatten der Regisseure. Frustriert dich das auch manchmal?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin kein Mensch für vor der Kamera. Ich habe auch noch nie ein Interview gegeben. (lacht) Es hat sich noch nie jemand für mich interessiert, das finde ich aber auch cool. Wenn ich bei den Pressekonferenzen für die Filme bin, darf ich immer in der ersten Reihe sitzen und manchmal kommunizieren die auf der Bühne mit mir.

Bist du auch manchmal am Set dabei?

Eher selten. Ich schaue schon, dass ich bei jedem Film ein, zweimal vor Ort bin. Es werden ja aber immer nur ein paar Minuten am Tag gedreht und das über zwei, drei Monate – da ist ganz viel Pause und für mich gibt es keine Aufgabe. Es ist immer spannend zuzugucken und jetzt bei „Vier gegen die Bank“ war es super, weil alle vier Hauptdarsteller am Set waren als ich dort war.

Ich bin großer Fan davon Kompetenzen aufzuteilen und jeder macht das, was er am besten kann.

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Du hast gerade schon den Kinofilm „Vier gegen die Bank“ erwähnt. Der Film basiert auf einem Fernsehfilm aus den Siebzigern. Worin besteht deine Arbeit genau?

Bis auf den Kern der Geschichte, dass vier Männer eine Bank überfallen, hat es nichts miteinander zu tun. Ich habe den Film von damals auch nie gesehen, weil es keinen Sinn gemacht hat. Das musste man alles auf heute umschreiben. Ein amerikanischer Autor hat eine erste Fassung gemacht und mit der habe ich dann hier mit Wolfgang, dem Regisseur, weitergearbeitet. Ein amerikanisches Buch kannst du nicht auf den deutschen Markt anwenden.

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Hier entsteht Kino! Lucys Arbeitsplatz befindet sich im großen Wohnraum.

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Wie fühlt es sich an das Ergebnis auf der Kinoleinwand zu sehen? Weicht es stark von deinen Vorstellungen ab?

Ich weiß ja schon relativ viel, dadurch, dass ich am Set bin und weiß wie die Regisseure inszenieren. Tils und Matthias Filme haben ja zum Beispiel einen ganz bestimmten Look. Die können das auch immer besser, als ich es mir vorstellen kann. Ich denke dann: „So gut habe ich das gar nicht gedacht.“ (lacht) Ich könnte auch nie Regisseurin werden, ich bin gut mit meinen Worten, aber andere können das Inszenieren besser. Ich bin großer Fan davon Kompetenzen aufzuteilen und jeder macht das, was er am besten kann. Für mich ist es ein bisschen wie ein Nachtisch, wenn ich den Film im Kino sehe. Ich mache die Arbeit ja viel früher als es das Endprodukt gibt. Jetzt bin ich mit „Vier gegen die Bank“ durch und warte bis der Film voraussichtlich Weihnachten 2016 in die Kinos kommt. Ich werde ihn sicherlich mal zwischendurch sehen. Aber so richtig wird ein Film erst ein Film, wenn ihn das Publikum sehen kann.

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Ihr aktuelles Projekt kann man immer im Leuchtkasten sehen – gerade arbeitet sie am zweiten Teil ihres Kinderbuches „Polly Schlottermotz“.

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Schaust du dir auch die Kritiken vom Publikum an?

Bisher habe ich nur kommerzielle Komödien gemacht – da sind die Kritiken des Feuilletons nicht so, dass man sich die Seele damit einbalsamieren möchte (lacht). Da interessiert mich nicht so sehr. Mich interessieren aber schon Zuschauerzahlen, die mir dann sagen, wie viele Leute sich amüsieren konnten und auch Feedback, das Till und Matthias auf ihren Social-Media-Kanälen bekommen – das freut mich auch und man bekommt Denkanstöße. Es hackt aber auch selten jemand auf dem Drehbuchautor rum, wenn einem der Film nicht gefällt.

Gibt es denn viele Drehbuchautoren in Deutschand?

Ich glaube schon, aber ich kenne keinen einzigen. Gerade am Anfang habe ich immer gedacht: Ich würde so gerne einen anderen Drehbuchautoren kennen, gerade auch um sich auszutauschen. Mittlerweile habe ich aber für mich gelernt: Wie ich arbeite ist für mich richtig, es gibt da kein richtig und kein falsch.

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Ein Souvenir vom letzten Fast-Food-Besuch. :)

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Ich stelle mir das Drehbuchschreiben sehr intensiv vor. Du hast zwei Kinder, wie bekommst du das in den „heißen Phasen“ unter einen Hut?

Bisher hat das immer alles sehr gut geklappt. Jedes Mal, wenn ich am Anfang eines Projektes stehe, habe ich Angst, dass ich es nicht schaffe, aber die Angst ist eher Respekt. Die Termine, die ich mir stecke oder, die mir von anderen gesteckt werden, sind oft so, dass schon ein Puffer eingebaut ist. Es gibt immer Möglichkeiten etwas zu verschieben. Es funktioniert durch die Kinder aber auch gut, weil meine Arbeit so effizient ist. Ich fange morgens um 8.30 Uhr an, dann habe ich meine Töchter schon in die Kita und die Schule gebracht, dann sitze ich hier am Schreibtisch und dann habe ich bis ca. 15 oder 16 Uhr Zeit – da schaffe ich richtig viel, weil ich den Druck habe.

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All Pink! Die Kinderzimmer von Lotti und Leni.

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Die Filmbranche ist sicherlich auch ein sehr vereinnahmendes Geschäft, oder?

Ja, auf jeden Fall, das ist auch toll und es ist eine Familie für sich. Für mich ist es aber auch wichtig, dass ich meine Familie hier habe, die immer Priorität hat. Wenn eine meiner Töchter Kindergeburtstag feiert, wissen auch alle meine Partner, dass es wichtiger als jede Buchbesprechung ist. Sonst kann man sehr viel gebraucht werden. Ich bin ein Typ, der schwer nein sagen kann, ich kann aber schon sagen: „Mach ich, wenn meine Kinder versorgt sind“. Das ist auch gut so, sonst würde ich Tag und Nacht, im Urlaub und am Wochenende arbeiten.

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Neben den Drehbüchern hast du schon zwei Kurzgeschichten herausgebracht und im Juli erscheint dein erstes Kinderbuch „Polly Schlottermotz“. Warum ein Kinderbuch?

Meine Mädels fanden meinen Job immer doof. Meine älteste Tochter hat in der Schule ein Klassenmaskotchen, einen Fisch, und den sollen die Kinder über die Ferien oder übers Wochenende mit nach Hause nehmen und dann soll man ein Foto für eine Galerie machen. Wir waren mit dem Fisch auf Mallorca und haben eine ganze Foto-Lovestory geknipst und in der Drogerie habe ich ein Fotobuch daraus drucken lassen. Da war meine Tochter plötzlich Feuer und Flamme. Insgesamt habe ich noch vier Bücher über den Fisch gemacht. Meine älteste Tochter Leni meinte dann immer: Wann kann man das Buch im Buchladen kaufen? Da kam mir die Idee mit einem Kinderbuch. Dann habe ich eine Geschichte rund um Polly Schlottermotz, die meine Titelfigur ist, geschrieben. Ich hätte das aber nie an einen Verlag geschickt, wenn meine Tochter nicht ständig gefragt hätte: Wann kann man Polly kaufen? Wann können meine Freunde Polly kaufen?

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Into the Zoo: Der Arbeitsplatz von Tochter Leni kann locker mit dem von Mama mithalten.

Und dann hast du die Geschichte doch an eine Verlag geschickt?

Meine Tochter war so penetrant, dass ich mich vors Bücherregal bei ihr ins Kinderzimmer gesetzt habe. Ich hatte genau zehn Umschläge und habe geguckt, welche Kinderbuchverlage es gibt und habe es unverlangt eingesendet. Da wusste ich noch nicht, dass das eigentlich über Agenturen läuft. Bei den Kinderbuchverlagen stand online, dass man sechs Monate warten muss, bis man eine Antwort bekommt. Ich hatte also erstmal meine Ruhe (lacht). Zwei Wochen später rief plötzlich der Thienemann Verlag an. Sie haben mein Manuskript durch Zufall zu fassen bekommen, weil das Regal gerade leer war, in dem die Manuskripte gesammelt wurden. Das war also auch wieder eine glückliche Fügung. Ich habe, wie damals beim Filmfest, immer nur einen Kontakt und der führt mich auf den richtigen Weg. Ich freue mich total auch mal ein Produkt von mir in den Händen zu halten. Der Verlag will gleich eine Reihe daraus machen. Jetzt mache ich erstmal den zweiten Band und im nächsten Jahr den dritten und vierten Band.

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„Shit happens“: eine von Lucys liebsten Lebensweisheiten.

Auf deinem Blog habe ich gelesen, dass du dir letztes Jahr eine Sommerpause von mehreren Wochen gegönnt hast und durch Europa gereist bist. Eine gute Idee! Machst du das regelmäßig um den Schreibknast du entfliehen?

Unbedingt. Dadurch, dass ich Zuhause arbeite, fällt es mir schwer hier abzuschalten. Eine Zeit lang bin ich immer in den Schulferien der Kinder mit der Familie weggefahren, was total praktisch ist, weil das in Hamburg immer im 8-Wochen-Takt ist. Mein Mann ist ja Lehrer, der hat dann auch Urlaub. Manchmal muss ich ganz weit weg, in eine andere Zeitzone, damit ich nicht erreichbar bin – dann kann ich so richtig loslassen.

Und wo fliegt ihr dann am liebsten hin?

Wir fliegen total gerne in die USA. Das Reisen ist mein Ausgleich. Mit Hobbies ist es auch schwierig, ich mache ja Geschichten und alles auf der Welt hat mit Geschichten zu tun. Wenn ich ein Buch lese, überlege ich oft automatisch: Kann man das verfilmen, funktioniert das nach den dramaturgischen Ansätzen eines Filmes? Ich beobachte auch total gerne Leute – eine der wichtigsten Eigenschaften, die Autoren haben sollten. Mich füttert das ganze Leben mit Geschichten – es darf nur nicht alles zu Arbeit werden. Ich muss auf jeden Fall weg, um abzuschalten. Das geht dann wie auf Knopfdruck.

Ganz ehrlich: Auf Scheiße wächst das fruchtbarste Zeug und aus Tiefschlägen entwickelt man sich immer wieder neu.

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Um nochmal auf deinen Job zurückzukommen: Was meinst du, woran es liegt, dass die Filmbranche sehr von Männern dominiert ist?

Es gibt tatsächlich weniger Frauen, ich arbeite aber auch gerne mit Männern zusammen – es geht ja auch darum, dass sie ihren Job gut machen, egal ob Frau oder Mann. Ich bin auf jeden Fall kein Fan von Quoten. Die Sheryl Sandberg von Facebook hat in ihrem Buch geschrieben: „Wenn Frauen auf ihren Erfolg angesprochen werden, sagen sie immer: „Ich hatte Glück“ und Männer sagen immer: „Ich bin gut.“

Geht es dir auch so?

Ja, ich denke auch in ganz vielen Momenten: Ich hatte voll Glück. Ich würde nie sagen, dass ich richtig gut bin. Ich weiß zwar um meine Qualitäten im Job, meine Mutterqualitäten stelle ich aber laufend in Frage. Außerdem fällt mir in meinem Umfeld auf, dass Frauen oft schlechter Entscheidungen als Männer treffen können. Ich habe mutige und unbequeme Entscheidungen in meinem Leben getroffen. Ich habe mit 22 geheiratet und früh Kinder bekommen – eine Sicherheit hast du nie. Man muss Entscheidungen treffen und seinen eigenen Weg gehen. Im Zweifel brichst du eben ab. Ganz ehrlich: Auf Scheiße wächst das fruchtbarste Zeug und aus Tiefschlägen entwickelt man sich immer wieder neu. Ich gucke immer, dass ich mich um die Dinge kümmere, die mir wichtig sind. Das sind in erster Linie meine Kinder und mein Mann. Ich glaube, es gibt keinen Sinn im Leben außer dem, dass man versucht, so oft wie möglich glücklich gewesen zu sein – ich meine nicht das Lotto-Glück, Glück ist eine Einstellungs- und Ansichtssache.

Das ist ein schönes Schlusswort! Vielen Dank!

Hier findet ihr Lucy Astner:

Fotos: Sara Merz

 

 

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