Von Pornoheften und Festivals: Die wunderbare Welt der Elke Kuhlen

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Als wir unsere Freunde nach den Kölnerinnen befragten, die wir unbedingt besuchen sollen, fiel sofort mehrfach der Name Elke Kuhlen. Kein Wunder, schließlich ist die 37-Jährige bekannt wie ein bunter Hund, Verzeihung, wie eine bunte Hündin. Sie ist nicht nur Bookerin der jährlich zehn bis fünfzehn Electronic Beats Festivals, für die sie Künstler in ganz Europa verbucht, sondern auch Herausgeberin zweier Pornohefte im Selbstverlag. Seit zehn Jahren kuratiert sie zusammen mit ihrer Komplizin Nicole Rüdiger liebevoll das Jungsheft für die Damen und das Pendant Giddyheft für die Herren. An einem eh schon heißen Sommertag besuchen wir Elke in ihrer Wohnung in Köln-Ehrenfeld und sprechen über Schwänze, Ausfluss und Musik-Agenten.

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Zusammen mit ihrem Freund wohnt in Elke in einer luftigen Wohnung in Ehrenfeld.

 

Wir wollten ein Heft mit ganz normalen nackigen Jungs.

Femtastics: Das Jungsheft wird zehn Jahre alt. Wie kam euch die Idee?

Elke Kuhlen: Das Jungsheft gibt es, weil es so ein Magazin vor zehn Jahren nicht gab. Nicole und ich waren damals im Urlaub und wollten ein Heft mit ganz normalen nackigen Jungs. Anfangs wollten wir das so Fanzine-mäßig in Schwarz-Weiß kopieren. Das große Glück damals war, dass meine einstige Mitbewohnerin aus den USA Grafikdesigerin ist und mich zu der Zeit in Köln besucht hatte. Die hat komplett das erste Heft gestaltet. Aber wir hatten überhaupt keine Idee, wie man ein Magazin produziert.

… was durchaus von Vorteil sein kann.

Ich habe nichts gelernt und nie studiert. Zum Jungsheft bin ich wie die Mutter zum Kinde gekommen, ich habe weder journalistische noch fotografische Ambitionen. Ich kann das auch gar nicht. Das ist natürlich auch ein bisschen das Problem des Hefts, dass wir immer auf Dritte angewiesen sind. Es sind viele naive Fehler passiert, über die wir heute lachen. Hätten wir länger drüber nachgedacht – vor allem über die wirtschaftlichen und rechtlichen Sachen – hätten wir es wahrscheinlich gar nicht gemacht.

Also gut, dass ihr nicht drüber nachgedacht habt!

Wir wollten etwas Geld von unserem Sparbuch nehmen, eine Ausgabe produzieren und die dann unseren Freunden geben. Das sollte das Ende vom Lied sein.

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Und dann kam es anders?

Auch da waren wir wieder vollkommen naiv – sofort hat erstmal ein Kumpel von der Spex über das Jungsheft geschrieben. Dadurch wurde es medial aufgeladen und wir haben uns gedacht: Ach komm, dann machen wir eben noch eine Ausgabe. Und seitdem machen wir das einfach irgendwie so weiter.

Bei Frauenmagazinen geht es immer nur um Gwyneth Paltrow und um die hundertzehn Arten, wie ich mir die Haare machen kann – aber selten um Ausfluss.

Was ist das Besondere am Jungsheft?

Bei Frauenmagazinen geht es immer nur um Gwyneth Paltrow und um die hundertzehn Arten, wie ich mir die Haare machen kann – aber selten um Ausfluss. Edgy Themen werden nie thematisiert. Diese Themen wollten wir in Zusammenhang mit nackten Typen bringen.

Auch optisch habt ihr eine andere Herangehensweise als übliche Frauenhefte.

Bei uns gab und gibt es kein Photoshop und keine perfekte Ausleuchtung, weil wir einfach die Mittel dazu nicht haben.

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Den Elchskopf hat Elke von ihrem Freund zu Weihnachten bekommen.

 

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Die Nacktbilder schicken euch Freiwillige zu. Du fotografierst aber auch selbst – sind das immer Leute, die du kennst?

Die sind längst alle abgegrast.

Wie läuft so ein Shooting ab?

Klar, die Jungs sind teilweise erstmal unsicher. Das sind ja keine Profis. Dann sitzt du da in der Küche und irgendwann sagt man: So, du weißt ja, warum wir hier sind – vielleicht magst du mal das T-Shirt ausziehen? Man ist ja schon weit gekommen, wenn man überhaupt in der Küche sitzt. Viele Jungs springen vorher ab. Dann gibt es auch tolle Typen, die aber einfach keine Latte bekommen.

Was machst du dann?

Ich kann das total nachvollziehen. Da gibt es keine Tricks. Wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Deswegen funktioniert es am besten, wenn die Leute die Bilder selber machen. Über die Hälfte unserer Bilder sind mit Selbstauslöser gemacht. Das ist dann zwar ein bisschen trashig, aber gut.

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Wonach sucht ihr die eingesendeten Bilder aus?

Wir suchen die gar nicht aus. Da wird nichts gecastet. Wenn die Leute ins Heft wollen, kommen die ins Heft.

Also ganz basisdemokratisch.

Voll! Das kommt natürlich auch aus der Not heraus, dass wir es anders gar nicht managen könnten.

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Welche Typen findest du denn persönlich schön?

Der 1,90 Meter große Halbverhungerte mit schlechter Körperhaltung ist so mein Typ.

Man könnte denken, dass die Macher eines Pornohefts den wahnsinnigsten Sex haben und sich mit allen möglichen Spielarten total gut auskennen – not.

Kann ich nachvollziehen. Im Heft habt ihr auch längere Textstücke, wie kommen die zustande?

Man könnte denken, dass die Macher eines Pornohefts den wahnsinnigsten Sex haben und sich mit allen möglichen Spielarten total gut auskennen – not. Uns interessieren ganz viele Themen: vom Ausfluss bis zum Blowjob. Die Themen hast du aber irgendwann alle abgegrast. Zum Glück bekommen wir viel Feedback und Themenideen von Autoren.

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Leider gibt es verhältnismäßig immer noch wenige Pornohefte und Pornofilme für Frauen.

Es gibt einfach keinen Markt. Selbst junge aufgeklärte Frauen um die 30 aus meinem Freundeskreis sagen mir oft: Elke, ich will so einen Schwanz jetzt gerade überhaupt nicht sehen.

Es ist traurig, dass man überall Titten sieht, aber nie Schwänze.

Das heißt, es liegt an der nicht vorhandenen Nachfrage?

Ich denke, ja. Was aber auch nicht schlimm ist. Wir haben auch gar keinen feministischen Hintergrund bei dem Jungsheft. Trotzdem ist es traurig, dass man überall Titten sieht, aber nie Schwänze. Wir Frauen funktionieren auch anders. Ich freue mich über jeden, der mit dem Jungsheft ins Bett geht und sich einen drauf wichst. Aber das ist meistens nicht der Fall.

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Wir werden eben den ganzen Tag mit Sex bombardiert. Ist die Gesellschaft übersexualisiert?

Früher hat man noch auf die Unterwäsche-Seiten des Otto-Katalogs gewichst, da gab es nichts groß Anderes. Aber nein, ich glaube nicht, dass die Gesellschaft übersexualisiert ist. Ich finde es gut, dass der Zugang zu Sex-Themen einfacher geworden ist. Wenn wir abseitigere Themen wie „Clothed Female, Naked Male Partys“ im Heft behandeln, können sich hier Gleichgesinnte treffen und austauschen – das finde ich schön.

Gibt es überhaupt noch Tabu-Themen?

Klar, die gibt es. Leute, die sich aus Liebe absichtlich beim Sex mit Aids anstecken, zum Beispiel.

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Haben weibliche Fotografinnen einen anderen Blick auf Frauen?

Ich glaube nicht. Aber es ist ein riesen Thema! Wir haben eine Fülle an männlichen Fotografen. Die Männer und Frauen, die sich für das Heft ausziehen möchten, wollen aber meistens keinen männlichen Fotografen.

Warum ist das so?

Ich hätte auch keinen Bock, dass ein fremder Typ zu mir nach Hause kommt und mich nackt fotografiert. Und für Typen ist das eine andere Sache, wenn sie vor einem anderen Typen wichsen sollen.

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Elke kümmert sich um den Versand der Hefte komplett selbst.

 

Verhalten sich Frauen anders, je nachdem, ob ein Mann oder eine Frau hinter der Kamera steht?

Beim Giddyheft beobachten wir, dass die Mädchen sich gern sexy auf dem Teppich räkeln. Das liegt aber daran, dass die das so wollen.

Warum?

Wahrscheinlich, weil das so in uns drin liegt. Es ist auch zehnmal schwieriger, „Giddys“ zu finden, als Jungs.

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Jetzt lass uns kurz noch über deinen Job als Bookerin bei Electronic Beats sprechen. Wie bist du Bookerin geworden?

Ich habe Abitur gemacht, danach in Amsterdam und Berlin gelebt und habe irgendwann angefangen Konzerte zu organisieren. Dann habe ich bei Plattenfirmen gearbeitet und bin wieder zurück nach Köln gezogen. Hier habe ich erst für die c/o pop gearbeitet und dann bei Electronic Beats angefangen. Das zahlt meine Miete. Ich bin eine der wenigen weiblichen Festivalveranstalterinnen.

Ein tougher Job in einer männerdominierten Branche.

Mit den Jahren legt man jede Romantik ab: es ist ein knallhartes Business. Es geht um Geld und Fakten. Es hilft mir schon, dass ich nicht süß und zierlich daherkomme – leider.

Wie kommst du in dem Biz zurecht?

Die meiste Zeit kommuniziere ich mit englischen Musik-Agenten, die sind schon ein Fall für sich. Klar, die bekommen am Tag 600 E-Mails, aber eine gewisse Höflichkeit wäre schon schön. Da kotze ich manchmal schon ab. Auf der anderen Seite sehe ich dann in Montenegro total glückliche Zwanzigjährige, die es gar nicht glauben können, dass Modeselektor gerade in ihrem Kaff spielen. In den Momenten denke ich mir, genau deswegen mache ich diesen Job.

Und wie entspannst du von alldem?

In meinem Garten!

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Hier findet ihr Elke:

Fotos: Pelle Buys

 

 

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