Sisterhood: Christie & Rosanna Wollenberg vom Londoner Schmucklabel Otiumberg

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Zwei Schwestern mit internationaler Erfahrung in der Luxus- und Kunstbranche tun sich zusammen, um ihr eigenes Business zu starten. Es beginnt mit einem Onlineshop für Schmuck, dann entscheiden die beiden, ihre eigene Schmuckkollektion zu launchen. Die Vision: die perfekten, zeitlosen Schmuckstücke, hergestellt aus nachhaltig und fair gewonnenem Gold, Diamanten und anderen Edelsteinen – zu bezahlbaren Preisen. So ließe sich die Geschichte von Rosanna (28) und Christie (32) Wollenberg aus London zusammenfassen. Wenn die Details nicht so spannend wären! Rosanna hat in der Kunst und Markenbildung gearbeitet und in Buenos Aires, Barcelona und New York gelebt; ihre Schwester Christie hat im Einkauf für Burberry in London gearbeitet, dann in der PR für Louis Vuitton in Dubai (wo sie für den gesamten arabischen Raum zuständig war), und dann erneut für Burberry in London. Otiumberg ist ihr persönlicher Traum-Job! Wir besuchen die beiden in Rosannas Wohnung im Osten Londons und sprechen darüber, wie sie aus ihrem Webshop Schritt für Schritt ein Schmuck-Label machen, wie sie ihre Marke aufgebaut haben, was den idealen Alltagsschmuck ausmacht und wie es für sie funktioniert, als Schwestern zusammenzuarbeiten.

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femtastics: Habt ihr euch schon immer für Schmuck interessiert?

Christie Wollenberg: Ja, aber noch mehr dafür, eine Marke aufzubauen und etwas aufzubauen, das wir lieben.

Rosanna Wollenberg: Ich hatte immer diese Sentimentalität gegenüber Schmuck. Schmuck ist zeitlos und hat einen tieferen, emotionalen Wert für uns.

Otiumberg Schmuckstücke werden nie in den Sale kommen. Wir möchten Stücke machen, die ewig halten.

Christie: Nachdem ich so lange in der Luxusbranche gearbeitet habe – fast zehn Jahre lang – wollte ich mit unserer eigenen Marke keinen Saisons folgen. Otiumberg Schmuckstücke werden nie in den Sale kommen. Wir möchten Stücke machen, die ewig halten. Schmuck, der unabhängig von Saisons ist und immer zu deinen aktuellen Saison-Stücken passt. Wir haben eine große Leidenschaft für Dinge, die bleiben.

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Vor Rosannas Wohnung treffen wir einen niedlichen, kleinen Nachbarn.

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Haben euch eure früheren Jobs dabei geholfen, Otiumberg aufzubauen?

Rosanna: Mein ehemaliger Job im Bereich Brand Management hat mir auf jeden Fall geholfen. Und zusammen mit Christies Erfahrung in Mode und PR hat das eine gute Kombination ergeben.

Christie: Rosanna ist auch sehr gut im Bezug auf die Website – was das Analytische als auch das große Ganze betrifft. Meine Spezialität dagegen ist PR: mein letzter Job war es, für Burberry mit Influencern zu arbeiten, daher weiß ich, wie wichtig es ist, mit den richtigen Frauen zusammenzuarbeiten. Das hat uns sehr geholfen. Wir wachsen sehr organisch und arbeiten nur mit Influencern, die wir persönlich kennen. Wir bezahlen niemanden dafür, unseren Schmuck zu tragen. Die Frauen müssen unsere Schmuckstücke wirklich mögen.

Wie hattet ihr die Idee, euer eigenes Business zu gründen? Ihr habt mit einem Onlineshop angefangen.

Rosanna: Wir waren beide nicht sehr glücklich in unseren Jobs. Und wir haben festgestellt, dass es online nirgends den Schmuck gab, nach dem wir gesucht haben …

Christie: Wir haben zum Beispiel goldene Kreolen gesucht und konnten keine finden, die nicht entweder 300 Pfund gekostet haben oder nur 10 Pfund und Allergien ausgelöst haben und nach einmal tragen auseinander gefallen sind. Also entschlossen wir, einen Onlineshop für Schmuck zu gründen. Wir hatten keine Zulieferer, keine Kontakte, gar nichts! Wir haben dann verschiedene Messen besucht und Marken gefunden, mit denen wir sehr gerne zusammenarbeiten wollten. Rückblickend war es super, dass wir damit begonnen haben, Schmuck von anderen Marken zu verkaufen, weil wir so lernen konnten, was unsere Kundinnen wollen und was sie nicht wollen.

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Rosanna lebt in einem ehemaligen Industriegebäude in Ost-London.

Es war super, dass wir damit begonnen haben, Schmuck von anderen Marken zu verkaufen, weil wir so lernen konnten, was unsere Kundinnen wollen und was sie nicht wollen.

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War es schwierig, die Brands für euren Shop zu gewinnen?

Christie: Wir hatten den Shop damals noch nicht, wir hatten nur Visitenkarten, die ein Freund für uns gemacht hat. Aber jeder, den wir dabei haben wollten, ist an Bord gekommen. Ich denke, es hängt mit dem persönlichen Kontakt zusammen und damit, dass man Beziehungen aufbaut.

Und wie kam es, dass ihr dann eure eigene Schmuckkollektion entwickelt habt?

Christie: Nach zwei Jahren haben wir gemerkt, dass wir immer noch nicht die Schmuckstücke im Sortiment hatten, die wir gerne anbieten wollten. Wir konnten sie einfach nicht finden. Wir wussten also, dass wir eine Fabrik oder eine Werkstatt und eine Lieferkette finden mussten, damit wir diese Stücke einfach selbst machen können.

Welche Art von Schmuckstücken waren das, die ihr nicht finden konntet?

Rosanna: Bezahlbare Stücke mit einer guten Qualität. Basics, die zu Lieblingen werden, die man die ganze Zeit tragen will. Goldene Kreolen, die man einfach immer im Ohr hat und die immer gold bleiben.

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Wie kamt ihr auf den Namen Otiumberg?

Rosanna: Wir haben Stunden unseres Lebens verschwendet (lacht).

Christie: Wir wollten Teile unseres Nachnamens, Wollenberg, in den Markennamen integrieren. Also haben wir mit vielen Variationen von „berg“ herumprobiert, aber bei Google waren alle Markennamen schon vergeben. Eines Tages haben wir das lateinische Wort „otium“ entdeckt, das so viel wie „Frieden“ und „Ruhe“, aber auch „Freizeit“ bedeutet. Wir haben otium und berg zusammengesetzt und das ist es geworden.

Ihr habt Otiumberg gegründet während ihr in anderen Vollzeit-Jobs gearbeitet habt. Wie habt ihr das geschafft?

Rosanna: Wir haben mit vielen Freunden zusammengearbeitet – die einzige Art, es zu schaffen, wenn man sehr wenig Budget und quasi keine Zeit hat. Wir hatten nie Investitionen von jemand anderem als uns selbst, also mussten wir alles mit sehr wenig Geld machen. Der Mann meiner besten Freundin, zum Beispiel, ist Grafikdesigner – er hat unser Logo und alle Designelemente unserer Website gemacht.

Christie: Wir haben alles abends gemacht. Wir kamen von der Arbeit nach Hause und haben wieder gearbeitet.

Rosanna: Aber es hat sich nie zu stressig angefühlt, weil wir wussten, dass wir etwas tun, das letztlich zu einem besseren Leben führen wird.

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Alle Schmuckstücke: von Otiumberg

Instagram ist für uns das Wichtigste! Über Instagram verkaufen wir die meisten Schmuckstücke und unsere Website bekommt auch sehr viel Traffic über diesen Kanal.

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Wie habt ihr euren Webshop bekannt gemacht und eure Kundinnen erreicht?

Christie: Er ist organisch gewachsen. Wir haben nie bezahltes Marketing gemacht, weil wir dafür einfach nicht das Budget hatten. Instagram ist für uns das Wichtigste! Über Instagram verkaufen wir die meisten Schmuckstücke und unsere Website bekommt auch sehr viel Traffic über diesen Kanal.

Legt ihr viel Wert darauf, Inhalte für Instagram zu entwickeln?

Christie: Ja, alle unsere Inhalte sind unsere eigenen und wir haben sehr genaue Vorstellungen, was die Bilder betrifft. Wir fotografieren nie Models, sondern immer unsere Freundinnen. Es gibt schon so viele bearbeitete, unrealistische Bilder da draußen und wir haben so viele wunderbare Freunde, die so viel interessanter sind als scheinbar perfekte Models.

Rosanna: Wir möchten eine Community aus interessanten Frauen rund um unsere Marke aufbauen. Warum sollten wir Models fotografieren, wenn wir stattdessen die Frauen zeigen können, die unseren Schmuck tragen sollen und die uns inspirieren? Schließlich sind diese Frauen unsere Kundinnen.

Christie: Sich selbst zu beschenken ist für uns ein großes Thema. Du brauchst keinen Mann, der dir Schmuck schenkt – du kannst dir den Schmuck einfach selbst kaufen.

Wir möchten eine Community aus interessanten Frauen rund um unsere Marke aufbauen. Warum sollten wir Models fotografieren, wenn wir stattdessen die Frauen zeigen können, die unseren Schmuck tragen sollen und die uns inspirieren?

Fiel es euch eigentlich je schwer, als Schwestern zusammenzuarbeiten?

Rosanna: Ich denke, es gibt eine Ebene der Ehrlichkeit und des tiefen Verständnisses zwischen Schwestern, die man vielleicht nicht zwischen Freunden haben kann.

Christie: Ich habe tatsächlich gestern erst gesagt, dass ich das hier nicht mit einer Freundin machen könnte. Selbst, wenn wir mal unterschiedliche Meinungen haben, werden wir uns nie total verkrachen, weil wir verstehen, wie die jeweils andere denkt.

Rosanna: Außerdem sind vier Jahre Altersunterschied zwischen uns – und ich denke, der hilft uns.

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Rosanna hat eine Leidenschaft für Kunst und in ihrem Zuhause finden sich viele unterschiedliche Werke.

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Ich denke, es gibt eine Ebene der Ehrlichkeit und des tiefen Verständnisses zwischen Schwestern, die man vielleicht nicht zwischen Freunden haben kann.

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Wisst ihr noch, wann ihr euch entschieden habt, Otiumberg zu eurem Hauptjob zu machen?

Rosanna: Irgendwann haben sich die Prioritäten zwischen unseren alten Jobs und Otiumberg einfach gewandelt.

Christie: Ich hatte mich entschieden, nur noch drei Tage pro Woche für Burberry zu arbeiten, um mehr Zeit für Otiumberg zu haben. Das habe ich ein Jahr lang gemacht, was mir sehr geholfen hat. Ich habe bei Burberry in derselben Woche gekündigt, in der ich herausgefunden habe, dass ich schwanger bin. Also wusste ich, dass ich neun Monate Zeit habe, um richtig Gas zu geben. Und es hat funktioniert! In dieser Zeit haben wir unsere erste eigene Kollektion herausgebracht – und dann wussten wir, dass wir genau das machen wollen. Jeden Monat läuft es ein bisschen besser, das ist so aufregend.

Das ist wirklich toll! Jetzt, da ihr eure eigene Schmuckkollektion habt, macht ihr da auch die Designs oder arbeitet ihr mit einer Designerin zusammen?

Christie: Wir machen alles! Wir sind die Co-Founder, Geschäftsführer, PR-Verantwortlichen, Designer, … (lacht) Aber wir arbeiten sehr eng mit einer Frau zusammen, die eine Fabrik im Ausland repräsentiert und ohne sie hätten wir Schwierigkeiten.

Wie groß ist euer Team insgesamt?

Rosanna: Wir haben einen Grafikdesigner, der ein paar mal pro Woche rein kommt und eine Praktikantin. Das ist alles – und bislang funktioniert es gut so.

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Links: die Otiumberg „Huggie Hoops“, rechts: die wunderschöne „Rainbow Collection“ von Otiumberg

Was ist das erste Schmuckstück, das ihr selbst designt habt?

Christie: Das sind die „Huggie Hoops“. Als ich in Dubai gelebt habe, habe ich sieben dieser Ohrringe für mich anfertigen lassen, weil ich viele Piercings in meinen Ohren habe und nirgends diese Art von kleinen Diamantohrringen finden konnte. Viele Frauen haben mich daraufhin gefragt: „Wahnsinn, wo hast du diese Ohrringe gefunden?“ Also wurden die „Huggie Hoops“ unser erstes Otiumberg-Schmuckstück. Und sie waren sehr schnell ausverkauft. Uns war wichtig, die Schmuckstücke zu einem fairen, bezahlbaren Preis anzubieten. Natürlich haben wir unsere Konkurrenz sehr im Auge und ähnliche Diamantohrringe findet man bei anderen Labels zum doppelten Preis. Unser Fokus ist, die Preise niedrig zu halten. Durch meine Erfahrung in der Modebranche kenne ich die krassen Preisanstiege von Produkten – und das wollen wir vermeiden.

Rosanna: Jetzt arbeiten wir die ganze Zeit daran, die „Huggie Hoops“ weiter zu entwickeln: in Weißgold, mit Saphiren, mit Rubinen, Regenbogensteinen, …

Christie: Es geht um bezahlbaren Luxus.

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Habt ihr Bestseller?

Rosanna: Die „Huggies“ verkaufen sich sehr gut, besonders die „Rainbow Huggies“ sind sehr gefragt. Aber die „Cross Hoops“ und „Fishbone Hoops“ ebenfalls – meistens als einzelne Ohrringe. Fast jeden Monat gibt es andere Bestseller.

Christie: Das hängt auch von der Jahreszeit ab. Im Sommer ist die „Rainbow Collection“ sehr gefragt, rund um Weihnachten eher die klassischen Stücke.

Rosanna: Bei unseren Foto-Shootings kombinieren wir immer sehr viele Ohrringe mit einander. Alle unserer Freundinnen haben sich wegen uns mehr Piercings stechen lassen.

Christie: Sogar unsere Mama! (alle lachen)

Ich brauche auch noch mehr Piercings. Je mehr man hat, desto mehr Schmuck kann man tragen! (wieder lachen alle). Wo wird euer Schmuck denn produziert?

Christie: Bislang haben wir mit drei Fabriken gearbeitet. Aktuell arbeiten wir mit einer Werkstatt in Thailand zusammen, die wirklich großartig ist. Sie gehört Australiern. Anfangs haben wir Freunde aus der Branche gefragt, ob sie uns Produzenten empfehlen können, aber sie wollten ihre Kontakte nicht herausgeben, es ist alles sehr geschlossen, was wir verstehen können. Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie fünf Jahre gebraucht hat, um die richtigen Produzenten zu finden. Sie musste mehrmals nach Indien fliegen und Beziehungen aufbauen. Wir hatten also viel Glück, dass wir unsere Partner gefunden haben.

Rosanna: Auch im Hinblick auf die Qualität. Alle Steine und Materialien, die wir verwenden, sind nachhaltig und fair produziert, das ist uns sehr wichtig.

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Unser Fokus ist, die Preise niedrig zu halten. Durch meine Erfahrung in der Modebranche kenne ich die krassen Preisanstiege von Produkten – und das wollen wir vermeiden.

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Habt ihr vor, in der Zukunft einen Showroom oder eigenen Laden zu eröffnen?

Christie: Wir sind kürzlich erst in unser erstes Büro gezogen. Vorher haben wir von zu Hause aus gearbeitet. Jetzt haben wir die Möglichkeit, Kunden in unser Büro einzuladen, wenn sie sich Schmuckstücke ansehen möchten.

Rosanna: Wir sind schon in ein paar Geschäften vertreten und vielleicht machen wir mal einen Pop-Up-Shop, aber die direkten Verkäufe über unsere Website sind unser Fokus. Wir spüren keinen Druck, einen Showroom oder einen Laden zu eröffnen.

Vielen Dank für das Interview! Es war sehr schön, euch persönlich zu treffen!

 

Hier findet ihr Otiumberg:

Fotos: Evgenia Basyrova

Layout: Carolina Moscato

 

 

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