Das perfekte Shop-Land-Kind-Konzept – Eva Rayfield von Naekta

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Zwischen all den vielen Altbauwohnungen freuen wir uns immer wieder auf Hausbesuche. Im vollbepackten Auto, mit Hund Helle und Schülerpraktikantin Marlene, haben wir uns in die Nähe von Neumünster aufgemacht, um die Dreifach-Mama und Onlineshop-Besitzerin Eva Rayfield zu besuchen. Schon als wir ankommen, winken uns drei Kinder, die gut Pippi Langstrumpfs Freunde sein könnten, aus den blau gestrichenen Fenstern eines Reetdachhauses zu: der fünfjährige Finn, die dreijährige Holly und der einjährige Leo. Ihre 36-jährige Mama hat es vor fünf Jahren mit ihrem Mann aufs Land, zurück in ihr Elternhaus verschlagen. Ihr viertes Kind heißt Naekta, ein Onlineshop für deutschen und skandinavischen Schmuck. Bei Salbei-Spaghetti auf der Terrasse, beim Baumklettern im Garten und Schmuckangucken im Office sprechen wir mit der geborenen Kielerin über das Leben zwischen Stadt und Land und Kindern und Karriere.

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Eva lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in der Nähe von Neumünster.

 

Ein gepunktetes Pferd im Garten, das wäre noch so ein Traum.

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Viel los: Femtastics meets Familie Rayfield in der schönen Küche.

 

femtastics: Wusstest du schon immer, dass du irgendwann in dein Elternhaus zurückziehen möchtest?

Eva Rayfield: Ja, mein Traum war schon, als ich hier groß geworden bin, das Haus irgendwann nach meinen Vorstellungen umzubauen und alles zu renovieren. Früher gehörte das Haus mal zum Besitz des dänischen Königs, ging mal in die Forstwirtschaft über, es war auch mal eine Flüchtlingsauffangstelle und Stallungen gab es auch. Das Haus ist über hundert Jahre alt. Was jetzt nur noch fehlt: ein gepunktetes Pferd im Garten, das wäre noch so ein Traum (lacht).

Was magst du am Landleben besonders gern?

Besonders gut gefällt mir, dass das tägliche Leben wahnsinnig praktisch ist. Die Kinder sind im Garten oder um die Ecke, der Edeka ist supermodern hier im Ort – wir zahlen da nur noch über ein Terminal. Da bekommt man alles. Hier gibt es einen Friseur und eine Post – ich habe hier alles, ohne Schlange stehen zu müssen. Das lässt sich super mit Kindern vereinbaren.

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Vom Wohnzimmer aus geht es direkt auf die riesengroße überdachte Terrasse.

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Eva baut viel Gemüse selbst in ihrem Garten an.

Hast du denn auch von früher viele Freunde hier, mit denen du dich treffen kannst?

Ich treffe mich eher mit Leuten aus Studienzeiten, alle mit gleichen Interessen, mit Grafik- oder Design-Background. Aus dem Ort habe ich eher neue Kontakte durch das Elternsein und durch den Kindergarten.

Da sprechen wir im Team auch ab und zu drüber: Wenn man sich entscheidet aus der Stadt herauszuziehen, besuchen Freunde einen vielleicht soweit außerhalb nicht mehr oft …

Damit haben wir ehrlich gesagt hier im Sommer kein Problem (lacht). Da sagt mein Mann manchmal schon: „Können wir auch mal ein Wochenende nur für uns haben?“ Wenn man auf dem Land wohnt und ein Gästezimmer hat, hat man damit kein Problem, dass die Leute nicht gerne rausfahren. Im Winter wird es ruhiger, das genießen wir aber auch oder wir fahren dann in die Stadt. Ich wäre aber auch vorsichtig mit Orten, die zu still sind. Ich genieße hier schon dieses Mittelding und, dass hier auch interessante Leute wohnen, die in Hamburg arbeiten.

Du bist dreifache Mutter, mittlerweile schon fast eine Seltenheit. Wolltest du immer eine große Familie haben?

Ich habe selbst zwei Schwestern und fand das immer toll, wenn viel Familie zusammenkommt. Weniger, weil ich vorher schon so ein Kindertyp war – da muss man einfach reinwachsen. Außerdem hat mein Vater acht Geschwister – das mochte ich schon immer, wenn viele Leute zusammen kommen. Ich mag aber auch das WG-Ding, sich mit vielen Freunden treffen und oft zusammen essen. Mit Leo, dem dritten Kind, war es schon mega anstrengend. Ich kann es nicht empfehlen, drei Kinder zu bekommen, wenn man keine zusätzliche Hilfe hat, gerade mit dem kurzen Altersabstand. Aber man wird mit der Zeit natürlich auch trainierter. Dann gibt es eben nur ein Handtuch für alle, manchmal gibt es einen Topf Spaghetti, den ich einfach in den Garten auf den Rasen stelle und sage: Esst! (lacht). Außerdem werden die Kinder ja auch schnell größer.Femtastics-Eva-Rayfield-3Und dein Vater wohnt nebenan und unterstützt dich mit den Kindern?

Genau, wir wohnen hier zur Miete und mein Vater wohnt nebenan. Mein Vater ist fast schon ein Mutterersatz. Wenn ich auf Messen fahre oder sonst unterwegs bin, passt mein Vater auf, da mein Mann in Hamburg arbeitet. Mein Mann hat zwei Tage Homeoffice, durch ihn habe ich also auch noch ein bisschen Unterstützung. Damit wir arbeiten können, sind die Kinder in der Woche bis 15 Uhr in der Kita.

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Kunst in der Küche: das linke Bild hat Eva gemeinsam mit ihren drei Kindern gebastelt.

Du sprichst deinen Job, deinen Onlineshop Naekta, an. Ein Haus auf dem Land und ein Onlineshop, den man von überall führen kann. Klingt nach einem zukunftsweisenden Konzept, gerade für eine Mutter. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Vor ein paar Jahren war ich selbst auf einer Suche nach einem Schmuckstück, was einen coolen Designaspekt hat und was in die aktuelle Mode passt. Ich konnte damals online nichts finden, da gab es nur die typischen Brautmodenschmuck-Onlineshops. Net-à-Porter hatte keine Schmuckauswahl, das kam dann zeitgleich. In Concept-Stores in Großstädten findest du natürlich immer schöne Vorschläge.

Aber diejenigen, die online shoppen, eben nicht.

Das war natürlich auch mein Thema. Seitdem wir hierher gezogen sind, habe ich nur noch online gekauft. Dabei bin ich über tolle Schmuckdesigner gestolpert. Es gab zu der Zeit aber noch keinen Shop, der die eingekauft hat, und teilweise hatten die keinen Vertrieb in Deutschland. Daraus entstand die Idee, selbst einzukaufen, den Shop zu gestalten und die Auswahl zu treffen. Anfangs hatte ich auch mit dem Gedanken gespielt, etwas selbst zu produzieren. Ich dachte aber, dass ein Onlineshop weniger Arbeit macht als selber ein Produkt zu gestalten. Letztlich ist es aber nicht weniger zeitaufwendig als ein eigenes Label zu gründen.

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Lisa, Helle & die Kids

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Das Buch „Magic Cleaning“ – Evas Geheimtipp 2015

Du hast nämlich eigentlich Modedesign studiert.

Ich habe Modedesign in Hamburg an der AMD studiert, habe dann erstmal in Hamburg vier Jahre bei Tom Tailor gearbeitet. Dann habe ich meinen Mann kennengelernt, bin mit ihm in die Schweiz gezogen und habe dort für eine Luxus-Skimarke im Casual Bereich gearbeitet. Das habe ich vier Jahre gemacht. In der Schweiz haben wir geheiratet und dort habe ich Finn bekommen. Mit Finn sind wir nach seiner Geburt zurück in mein Elternhaus. Das war 2010. Naekta habe ich 2013 gegründet.

Woher kommt der Name Naekta?

Von dem Blütensaft Nektar, ich mochte den Klang. Ich wollte etwas, das sich fast skandinavisch anhören könnte. Wir haben überlegt, wie man das Wort sonst noch schreiben kann und wie es schriftbildlich aussieht. Außerdem war der Name noch frei.

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Wir haben gesehen, dass dein Mann den Onlineshop programmiert hat – also ein kleiner Familienbetrieb. 

Er ist ein totaler Elektronik-Nerd, der sich mit Programmiersprache und allem, was mit neuen Geräten zu tun hat, auskennt. Er ist auch Modedesigner und arbeitet in Hamburg für eine Firma, die Kleidung designt, die an Kleidung aus Computerspielen angelehnt ist  – die transformieren die Teile so, dass man sie auf der Straße anziehen kann.

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Garden-Love! Links wohnt Eva mit ihrer Familie, rechts wohnt ihr Vater.

 

Klingt sehr interessant! Du verkaufst Schmuckstücke von bekannten skandinavischen Labels wie Trine Tuxen und Pernille Corydon, aber auch deutsche Brands wie Sabrina Dehoff  und Malaikaraiss. War es schwierig, die Labels von deinem Onlineshop-Konzept zu überzeugen?

Die haben sich fast ausschließlich gefreut, ihnen war aber auch wichtig, dass ich mich geschmackvoll präsentiere. Ich habe ihnen mein Konzept vorgestellt, das hat  ihr Geschmacksempfinden getroffen und deshalb haben sie mir ihre Teile anvertraut. Ich habe viele Designer persönlich auf den Messen angesprochen – das ging erstaunlich gut.

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Ich mache es so, dass ich abends glücklich ins Bett gehen kann und nicht frustriert oder gestresst bin.

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Äpfel, Schnecken und kleine süße Klammeraffen im Garten.

 

Auf welche Messen fährst du?

Ich gucke mir alle sechs Monate eine Messe an. Entweder in Paris oder in Kopenhagen. Über Blogs fallen mir auch viele neue Sachen auf und mittlerweile kommen Leute auf mich zu und stellen mir Labels vor.

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Kann man mit einem kleinen Onlineshop denn Geld verdienen?

Es ist auf jeden Fall so, dass ich am Jahresende mit einem Plus rausgehe. Das war natürlich nicht immer so. Man muss die ersten Jahre durchhalten, gut kalkulieren, nicht zuviel ausgeben und es braucht Zeit, bis man erkannt wird. Aber es klappt so gut, dass ich es in der Zukunft langsam wachsen lassen möchte, eventuell mit einer Praktikantin und einer Angestellten. Ich mache aber alles von hier. Ich denke, dass der Onlineverkauf nicht nur von großen Giganten beherrscht werden muss. Ich habe gerade ein interessantes Buch darüber gelesen, dass es nicht nur um Wachstum geht, sondern um eine Resilienzgesellschaft – du bleibst flexibel, indem du klein bleibst und kannst dann schneller reagieren. So mache ich das mit Naekta auch.

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Lecker! Eva hat für uns gekocht

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Eva-Reyfield-Naekta-Terrasse

Wir reden tatsächlich oft mit Menschen, die im kleinen wachsen wollen und keinen riesigen Wachstum fokussieren. Trotzdem hast du etwas geschafft, wovon viele träumen. Was ist dein Erfolgsrezept?

Ich komme aus der Branche und wusste, dass es die Marketing-Schiene, die Presse-Schiene und viele weitere Schienen gibt, die man alle selber abdecken muss. Ich habe mich fast ein Jahr lang darauf vorbereitet. Bei mir ist aber noch sehr viel offen wegen der Kinder. Wenn mal etwas nicht zu einem Termin funktioniert, Ostern oder sonst etwas ist, geht die Familie bei mir immer vor.

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Helle ist die Attraktion des Tages

 

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Wie ein kleiner Concept Store – wir dürfen einen Blick auf Evas Schmuck werfen, den sie auf www.naekta.com verkauft.

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Besonders toll: die Ringe von der dänischen Designerin Trine Tuxen.

 

Wie motivierst du dich, wenn du viel um die Ohren hast?

Manchmal habe ich das Gefühl, ich schaffe Dinge nicht. Mir fehlt es meistens nicht an den Ideen, aber an der Zeit – dann muss ich mich schon motivieren. Ich habe mich aber locker gemacht. Früher war ich weitaus perfektionistischer. Das sind auch die Lebensumstände. Ich mache es so, dass ich abends glücklich ins Bett gehen kann und nicht frustriert oder gestresst bin. „Komm, es ist doch alles super!“ – das ist mein Mantra, was ich mir sage und dann vor mich hinlächle.

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Die „Eis am Stiel“-Kette von Malaikaraiss kann man ebenfalls bei Naekta kaufen.

 

Auch eure Einrichtung wirkt entspannt. Wovon lässt du dich inspirieren?

Ich mag super gerne Dinge, die selbstgemacht sind. Dinge, die mein Mann gebaut oder meine Kinder gebastelt haben. Und ich mag auch Dinge, die nicht so perfekt sind. Die Einrichtung ist zusammengewüfelt – inspirieren lasse ich mich vor allem über Pinterest. Ich fange aber gerade erst an, ich war nie so der Dekorierer. Für mich war am weltbewegendsten (lacht) gerade das Buch „Magic Cleaning“ von der Japanerin Marie Kondo. Der Aufhänger ist, dass du einmal in deinem Leben richtig aufräumst und dann nie wieder. Ich habe den drei Kindern immer hinterhergeräumt – das Thema hat mich natürlich sofort gecatcht. Das Prinzip des Aufräumens wird komplett auf den Kopf gestellt. Das war der Burner für 2015 für mich. Wir sind gerade noch dran, aber ich denke bis Ende des Jahres sind wir durch. Es ist die beste Basis fürs Einrichten, weil man so viel über sich selbst lernt.

Das klingt spannend! Das Buch müssen wir jetzt auch lesen. Vielen Dank, dass wir dich und die Kinder besuchen durften und liebe Grüße an deinen Mann & Opa!

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Der große florale Ohrring stammt ebenfalls von Malaikaraiss.

 

Evas Lieb-Links:

I love Ponys Magazine
Style.com
Fabeau
Manrepeller
Blame it on Fashion
Nike von Thisisjanewayne

Hier findet ihr Eva & Naekta:

FOTOS: SOPHIA LUKASCH

 

 

5 Comments

  • AAA sagt:

    Ratgeber sind mir in der Regel ein Graus – Marie Kondo hat es mir hingegen sehr angetan.
    Es ist wunderbar zu merken, dass man im Grunde nur wenig Besitz benötigt.
    Extrem hilfreich war das Buch beim Aussortieren von Geschenken und scheinbaren Erinnerungsstücken.
    So schafft man Platz, eine schürbar andere Atmosphäre und lernt tatsächlich die eigenen Bedürfnisse zu fokussieren.
    Ich fühl mich nach diesem Aufräum-Fest einfach noch mehr Zuhause.
    Danach schafft mich sich weniger und auf alle Fälle ausgewählter an …

    Toller Artikel, toller Schmuck, tolles Projekt, liebe Ladies!

    • Eva sagt:

      Genau so ging es mir auch. Man trifft viel informiertere Kaufentscheidungen, da man ja darüber nachgedacht hat, was einen wirklich glücklich macht.
      Ich weiß jetzt ganz genau, was mir Freude bereitet und auch warum.
      Weil ich endlich Zeit habe, mir Gedanken zu machen. Weil ich nur noch so viel besitze, wofür ich auch die Zeit habe, es zu genießen oder um mich darum zu kümmern. Und auf dem Weg dahin, habe ich herausgefunden was diese Dinge sind. Ich liebe es.

      Man darf es sich aber auch nicht zu einfach vorstellen oder es sich zu bequem machen. Aber: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
      In den Vordergrund rückt das Glück, Leihen und Teilen. Mein Mann kann KonMari besonders gut. ;)
      Ich bin der Meinung, das Mari Kondo mit Ihrer Methode, zu den 5% der Menschen zählt, die uns in eine wirklich nachhaltiger gelebte Zukunft führen, in dem es nicht primär um Wachstum und Konsum geht, sondern darum, unseren Lebensstandard zu wahren, kultiviert und achtsam zu sein, ohne es auf Kosten von anderen zu tun.

      Werte verändern nicht die Praxis – es ist eine veränderte Praxis, die die Werte verändert. (Harald Welzer – ‘Selbst Denken’)

      #sparkjoy

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