Gallery Director Frida Mindt und die heliumcowboys

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Die Hamburger Kunstszene ist ein kleiner gemütlicher Inner Circle – und Frida Mindt so bekannt wie ein bunter Hund. Die gebürtige Lüneburgerin hat bereits während ihres Studiums der Kunstgeschichte in vielen Hamburger Galerien gearbeitet und sich so ihr Netzwerk aufgebaut. Nachdem sie Mama von einem Sohn und Zwillingsmädchen wurde, kam ein Angebot, das sie nicht ausschlagen konnte: Seit einem Jahr ist die 29-Jährige Gallery Director der Galerie heliumcowboy artspace, die sie Schritt für Schritt aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Bei Scones und Tee sprechen wir in ihrer Altonaer Wohnung über den Kunstbetrieb, ihre drei Kinder, ihr Modeblog und besuchen dann ihren Arbeitsplatz – einer der wohl coolsten in ganz Hamburg.

 

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Frida wohnt mit ihren drei Kindern in Hamburg-Altona.

 

femtastics: Wie war dein Weg zur Galeriedirektorin?

Frida Mindt: Nach dem Abi wusste ich erstmal nicht, was ich machen soll und habe das studiert, was man studieren soll: Jura. Da ich aber nicht die nötige Leidenschaft mitbrachte, habe ich das wieder abgebrochen. Kunst wiederum war schon immer meine Leidenschaft und deswegen habe ich Praktika in Galerien gemacht, zum Beispiel bei Feinkunst Krüger, in der Multiple Box und bei der Aplanat Galerie. Ich war viel unterwegs und überall irgendwie mit dabei. Dann fing ich an Kunstgeschichte in Hamburg zu studieren. Die ganze Studienzeit über habe ich nebenher im Kunstbetrieb gearbeitet.

Ist das Studium der Kunstgeschichte wirklich so schön, wie man es sich vorstellt?

Es ist richtig toll und macht total viel Spaß. Es ist aber eine Geisteswissenschaft und eben sehr wissenschaftlich ausgelegt. Man sitzt von morgens bis abends in der Bibliothek. Für mich war schnell klar, dass ich da nicht die Erfüllung finde. Für den Background und das Wissen ist es aber wichtig, um sich dann auf dem Kunstmarkt zurechtzufinden.

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Was war der nächste Schritt?

Nachdem ich meine drei Kinder bekommen habe, plante ich den Wiedereinstieg und bekam das Angebot von den heliumcowboys.

Hast du das Angebot sofort angenommen?

Ich kannte heliumcowboy natürlich, die Galerie hat ein ähnliches Programm wie Feinkunst Krüger. Es hat einfach gepasst.

Was ist das Besondere an den heliumcowboys?

In Hamburg werden oft und gern Hamburger Positionen gezeigt. Es gibt eine Handvoll Künstler, die mit ihren Ausstellungen rotieren. Dadurch bleibt es sehr lokal. Heliumcowboy versucht schon immer, internationale und spannende Positionen nach Hamburg zu holen. Seit 2010 hat die Galerie etwas Pause gemacht, deswegen liegt der Fokus jetzt erst einmal auf den drei Stammkünstlern Alex Diamond, Victor Castillo und Boris Hoppek.

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Was ist deine Vision als Gallery Director?

Wir haben uns noch nicht komplett wiedergefunden. Ich habe vor einem Jahr angefangen und da ging es vor allem erstmal darum, das ganze wieder ins Rollen zu bringen. Jetzt wollen wir schauen, inwiefern wir dem alten System Galerie nachgehen, oder ob wir uns doch auf Künstlermanagement konzentrieren und nicht im Sechs-Wochen-Takt Ausstellungen vorbereiten. Wir sind also noch in der Findungsphase, haben aber das Interesse, Projekte auch außerhalb des Kunstmarktes mit Kooperationspartnern zu realisieren.

Es sind leider sehr langwierige Prozesse in Hamburg, bis man Kunst wirklich an den Mann bringt.

Zu deinem Job gehört aber auch das Bepuscheln von potentiellen Käufern?

Das ist ein großer Faktor, klar. Letztendlich geht es darum, Kunst zu verkaufen. Nur so funktioniert das System. Es sind leider sehr langwierige Prozesse in Hamburg, bis man Kunst wirklich an den Mann bringt.

Warum ist das so?

Hamburg ist eine schwierige Stadt, es ist nicht einfach, hier Kunst zu verkaufen.

Dabei haben wir hier doch so ein wohlhabendes Publikum.

Das stimmt und das Publikum ist auch kunstinteressiert und gern dabei. Trotzdem wird momentan eher in andere Dinge investiert als in Kunst. Die Stimmung ist noch nicht wieder so wie vor acht Jahren. Da gab es noch Impulskäufer, die bei der Vernissage gesagt haben, „geil, das kauf ich – ob ich nun Platz habe oder nicht“.

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Generell findet eine Eventisierung der Kunst statt.

Wo steht die Hamburger Kunstszene gerade?

Es passiert schon viel. Wir haben tolle Kunsthochschulen und es kommen auch immer wieder neue und spannende Positionen dazu. Generell findet aber auch eine Eventisierung der Kunst statt, das ist ein zweischneidiges Schwert. Es ist schon schön, dass diese Events Massen ziehen und Aufmerksamkeit bekommen, aber sie machen zu viel. Dadurch wird der Kunstmarkt überschwemmt und es findet auch keine wirkliche Kuration mehr statt. Letzlich steht dann der Besucher und potenzielle Käufer alleine dar und muss für sich Entscheidungen treffen.

 

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Mein eigener Anspruch ist, dass ich Kunst verkaufen möchte an Menschen, die das Bild oder das Werk einfach toll finden.

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Das darf man eine Kuratorin eigentlich nicht fragen, aber welche Künstler findest du persönlich gerade spannend?

Das geht jetzt so in die Spekulation. Ich möchte zu gern diese Barriere überwinden, dass man Kunst nur kaufen kann, wenn man sich damit genügend auskennt. Denn das ist überhaupt nicht vonnöten. Man muss nicht Kunstgeschichte studiert haben, um Kunst zu konsumieren. Man darf ruhig auf seinen eigenen Geschmack und sein Stilempfinden vertrauen. Mein eigener Anspruch ist, dass ich Kunst verkaufen möchte an Menschen, die das Bild oder das Werk einfach toll finden …

und es nicht als Anlage betrachten. Wie stehst du ansonsten zum Kunstmarkt?

Man hat mit Menschen zu tun, die wohlhabend sind und Geld für Kunst übrig haben. Wir haben aber das Glück, dass wir wirklich sympathische Sammler haben, die sich für unsere Künstler interessieren. Die Pfeffersäcke holen wir gar nicht ab. Die sind eher auf dem sekundären etablierten Kunstmarkt unterwegs. Da kann dann schon das Gefühl aufkommen, dass Kunst, die sich in Hamburg verkauft, unbedingt maritim sein muss. Die Leute trifft man dann vielleicht auf der Affordable Art Fair, aber nicht bei uns. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

 

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Was immer nervt, ist die Unberechenbarkeit des Marktes.

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Karriere im Kunstbetrieb zu machen, ist nicht leicht. Wie hast du es geschafft, dir einen Platz zu erobern?

Ich denke dadurch, dass ich wirklich überall in Hamburg unterwegs war, mich vernetzen konnte und viele Erfahrungen sammeln durfte. Es ist eine überschaubare Szene und das Verhältnis ist sehr kollegial und freundschaftlich. Was trotzdem immer nervt, ist die Unberechenbarkeit des Marktes.

Das komplette Arbeitsumfeld macht total viel Spaß, weil man in so einer verrückten Welt unterwegs ist.

Ist das Leben als Galeriedirektorin so aufregend, wie ich es mir vorstelle?

Ich bin viel unterwegs, soweit mein Leben als Mama von drei Kindern es zulässt. Das komplette Arbeitsumfeld macht total viel Spaß, weil man in so einer verrückten Welt unterwegs ist. Es ist unfassbar inspirierend, mit Künstlern zusammenzuarbeiten und mit ihnen Zeit zu verbringen. Die Vorbereitungszeit einer Ausstellung ist sehr intensiv und aufregend. Mein Job ist aber vor allem zu vergleichen mit einem Projekt- oder Event-Manager, der die Ausstellung von Vernissage bis Kaufabwicklungen organisert.

Privat betreibst du noch dein Stilblog fridafridafrida.com. Wie kam es dazu?

Ich habe seit 2011 immer irgendwie gebloggt und habe es wieder verworfen. Ich bin da etwas hin- und hergerissen. Auf der einen Seite finde ich es spannend, tagebuchmäßig meinen Stil festzuhalten. Gleichzeitig hinterfrage ich das regelmäßig und finde es total narzisstisch. Dann kriege ich wieder eine Sinnkrise und mache Pausen. Ich scrolle dann meinen Blog durch und gehe mir selbst auf den Sack (lacht).

 

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Da hast du schon deutlich mehr Selbstreflektion als viele andere.

Vielleicht! (Lacht.) An den Statistiken sieht man aber natürlich immer, dass die User genau das sehen wollen, also Outfits. Die langen Artikel interessieren dann eher nicht so.

Machst du denn weiter mit deinem Blog?

Ich mache auf jeden Fall weiter und möchte es wieder redaktioneller gestalten.

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Dann sind da natürlich noch deine drei Kinder. Wie planst du deinen Tag?

Ich habe einen ganz tollen Mann, der ein richtig toller Papa ist und viele Dinge übernimmt. Wir übernehmen die Erziehung gleichberechtigt. Der Rest ist Organisationstalent (lacht). Die Kinder sind einen halben Tag in der Kita, dann habe ich Zeit zu arbeiten. Mein Job ist auch relativ flexibel.

 

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Du hast erst einen Sohn und dann Zwillinge bekommen.

Als mein Sohn ein Jahr auf der Welt war, merkte ich, dass sich irgendwas anders anfühlt. Ich wusste sofort, dass ich schwanger bin, obwohl der erste Test negativ war. Erst der dritte Test war positiv. Dann hatte ich einen Termin beim Frauenarzt und traf mich vorher mit meiner Schwester, die zu dem Zeitpunkt auch schwanger war. Ich meinte dann, dass ich glaube, dass ich Zwillinge bekomme. Unsere Mutter ist ein eineiiger Zwilling.

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Überspringt das eine Generation?

Ja, so heißt es. Meine Schwester erzählte das dann gleich dem Arzt, der beim Ultraschall nur sagte, „mit Ansage hatte ich das aber auch noch nie!“ (Lacht). Ich habe es also dank der sagenumwobenen weiblichen Intuition sofort gespürt.

Es gibt sie also wirklich! Wie war es dann, Zwillinge zu bekommen?

Ich konnte mich mental darauf einstellen. Alle anderen sind natürlich ausgeflippt und meinten, die Schwangerschaft ist der Horror, die Geburt ist der Horror und das Leben ist sowieso vorbei.

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Wahrscheinlich alles kompletter Schwachsinn?

Ich habe mich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Für mich war klar, dass ich die Kinder auf natürliche Weise auf die Welt bringen möchte und das hat funktioniert – mit Party im Kreissaal des Albertinen Krankenhauses. Eine natürliche Geburt bei Zwillingen macht fast niemand mehr. Alle machen Kaiserschnitt. Die nächste Herausforderung war, meine beiden Mädchen zu stillen. Das habe ich dann auch gemacht, zehn Monate durch.

Man hat so viel Energie und Ressourcen, von denen man bis dahin nichts wusste.

Und es ging!

Klar! Rückblickend betrachtet, hätte ich die Zwillinge zuerst bekommen, wüsste ich auf jeden Fall, was ein Nervenzusammenbruch ist. Dadurch, dass ich das alles schon mit meinem Sohn erlebt hatte, habe ich funktioniert. Augen zu und durch. Man hat so viel Energie und Ressourcen, von denen man bis dahin nichts wusste.

Respekt! Vielen Dank für das Gespräch, liebe Frida.

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Hier findet ihr Frida:

Fotos: Pelle Buys

 

 

8 Comments

  • Lea sagt:

    Sie ist doch alleinerziehend, oder?
    Das hätte mich bei drei Kindern ja doch noch mehr interessiert.

    Nette Frau.

  • Bina sagt:

    Frida ist ne tolle Frau und sehr inspirierend, wie sie ihren Alltag und ihre Karriere mit drei Kindern wuppt!
    Liebst, Bina
    stryleTZ

  • Elsa sagt:

    @ Lea: Einfach mal genauer lesen:
    „Ich habe einen ganz tollen Mann, der ein richtig toller Papa ist und viele Dinge übernimmt. Wir übernehmen die Erziehung gleichberechtigt. Der Rest ist Organisationstalent (lacht). Die Kinder sind einen halben Tag in der Kita, dann habe ich Zeit zu arbeiten. Mein Job ist auch relativ flexibel.”

  • Eva sagt:

    …. meine Portion Inspiration für den Tag. Voll schöner Artikel über eine interessante Frau!

  • Margo sagt:

    Spanend, dass kritische Kommentare auf dieser Seite einfach gelöscht werden.

    Aber anscheinend wird Wahrheit hier zensiert.

    • Lisa van Houtem Lisa van Houtem sagt:

      Hallo Margo,

      wir haben deinen Kommentar gelöscht, weil er uns diffamierend erscheint und somit hier nicht hingehört. Sachliche Kritik ist hier stets willkommen, persönliche Beleidigungen nicht. Das haben wir dir auch geschrieben – da du keine gültige E-Mail-Adresse angegeben hast, ist dies leider nicht bei dir angekommen.

      Wir werden deinen Kommentar entsprechend editieren.

  • Margo sagt:

    Wenn hier die Wahrheit, als Beleidigung gilt, na gut. Nie wollte ich hier irgendjemand beleidigen. Man sollte zu dem stehen, was man tut, das sollte Frau M. auch tun. Ich stehe zu dem, was ich geschrieben habe, weil es der Wahrheit entspricht.

  • Julie sagt:

    Kann mir die Kommentare hier unten nicht erklären, was für ein tolles Interview und für mich wieder eine Inspiration, vermehrt in Galerien zu gehen.
    Danke, Lisa, danke Frida!

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