Hallo, Blankenese! Zu Besuch bei Hair & Make-up Artist Marie-Fee Steinvorth

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Gesichter sind wie ein Blatt Papier und kaum jemand bemalt es schöner als Hair & Make-up Artist Marie-Fee Steinvorth: Die Hamburgerin macht ihren Job aus Leidenschaft, hat sich der Schönheit verschrieben und zählt so illustre Kunden wie die Harper’s Bazaar, L’Officiel oder ELLE zu ihren Auftraggebern. Ihre zweite, noch größere Leidenschaft ist ihre Familie und ihre beiden Kinder. Sohn Theo ist gerade erst auf die Welt gekommen. Wir besuchen Marie-Fee, Theo und Kater Peterle in ihrer wunderschönen Wohnung mitten im Grünen in Blankenese und sprechen über Make-Up, Mode und das Mamasein.

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femtastics: Wolltest du schon immer Make-up Artist werden?

Marie-Fee Steinvorth: Ursprünglich wollte ich Journalistin werden, ich hab mich schon immer für Mode und Make-up interessiert. In der letzten Schulklasse habe ich einfach bei der Brigitte angerufen und habe ganz naiv gefragt, wie man denn jemand wird, der über Produkte schreibt. Dann wurde ich in den Verlag eingeladen und habe mit mehreren Leuten gesprochen, die mir alle gesagt haben: Wenn du wirklich gut schreiben möchtest, musst du das Handwerk von der Pieke auf lernen.

Und hast du diesen Rat befolgt?

Nicht wirklich. Ich habe eine Zeit in London gelebt und konnte perfekt Englisch. Zurück in Hamburg bin ich also zu Vidal Sassoon gegangen und habe dort eine Friseurs- und Stylisten-Ausbildung begonnen. Im ersten Ausbildungsjahr hatte ich dann schon Shows in Paris oder London. Ich wusste aber immer, dass ich nicht nur Friseurin sein, sondern weiter will. Also bin ich nach der Ausbildung nach Berlin gezogen und habe bei Udo Walz angefangen.

 

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Ich habe gemerkt, dass ich Abwechslung brauche und nicht dauerhaft an einem Ort arbeiten kann.

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Theo spielt am liebsten mit La Giraffe.

Und hat es dir dort gefallen?

Ich habe gemerkt, dass ich Abwechslung brauche und nicht dauerhaft an einem Ort arbeiten kann. Außerdem konnte ich meine Kreativität nicht voll ausleben. Irgendwann war mir klar, dass ich mehr will. Dann kam mein erster Sohn und nebenbei habe ich angefangen, mein Buch aufzubauen und zu assistieren. Die Materialien und die Arbeit der Stylisten hat mich unglaublich fasziniert und inspiriert. Mir war klar, dass ich in Richtung Fashion gehen will.

Also hast du dein Buch weiter aufgebaut?

Das ist ein ewiges Wachsen, man stagniert ja nicht, sondern entwickelt sich als Künstler auch immer weiter und auch ich habe mich mit meinem Stil immer weiterentwickelt. Erstmal habe ich die Basis gefunden, das ist das Handwerk. Als Haare- & Make-up-Artistin musst du beides können, also Haare und Schminken, um langjährig am Markt bestehen zu können.

Weil die Konkurrenz so groß ist?

Es gibt einfach viele gute Leute, gegen die man sich durchsetzen muss.

Die Menschen sind mein Blatt Papier, auf dem ich male.

Was fasziniert dich an dem Job Haare- & Make-up Artist?

Die Menschen sind mein Blatt Papier, auf dem ich male. Je nachdem, in welche Atmosphäre ich eintauchen darf, also, ob ich eine freie Produktion oder etwas Vorgegebenes habe, erfinde ich immer neu, was ich zeichne. Klar greife ich dabei immer wieder auf mein Grundhandwerk zurück, aber jedes Gesicht ist individuell, sodass ich immer eine Abwechslung habe. Außerdem liebe ich die Arbeit im Team, vor allem, wenn man sich schon länger kennt.

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Wer sind deine Auftraggeber?

Das sind hauptsächlich internationale Magazine im Fashion-Bereich.

Was war dein schönstes Erlebnis bei deiner Arbeit?

Im letzten Jahr war es eine Produktion in Kopenhagen mit einer befreundeten Stylistin. Ich war hochschwanger und wir sind mit dem Auto zurückgefahren. Das war noch mal richtig Mädchenzeit, das ganze Auto war voller Styling-Produkte und wir haben an drei Tagen durchproduziert und drei tolle Strecken gemacht, die alle international veröffentlich wurden. Das war ein tolles Erlebnis.

Welchen Herausforderungen begegnest du in deinem Job?

Die Menschen! Wenn es schwierig wird, meinen Job durchzuziehen, weil mir immer jemand reinredet, dann habe ich ein Problem.

Ich brauche Raum, um mich zu entfalten.

Es sind viele Charaktere an einem Set.

Genau, wenn du zum Beispiel anfängst und nach fünf Minuten gefragt wirst, ob das andere Auge denn auch noch gemacht wird. Ich erwarte von meinen Auftraggebern, dass sie mir vertrauen, wenn sie mich buchen und mich machen lassen, mir die Chance geben. Ich brauche Raum, um mich zu entfalten.

Wie entwickelst du deine Looks?

Ich schaue immer, was die Mode macht. Das ist ganz wichtig, immer mit der Mode zu gehen. Ich werde ausgestattet von Dior, das heißt, ich informiere mich immer, wie der Dior-Style für die kommende Saison ist. Wobei Dior sehr plakativ ist, was die Make-up-Looks betrifft. Mein Look ist eher glamourös-reduziert.

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Mir ist der Kontakt und Austausch zu und mit jungen Künstlern wichtig.

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Wie verfolgst du Trends?

Reisen sind wichtig, ich bin viel in Amerika. Ich lese viele Magazine und verfolge audiovisuelle Medien. Mir ist aber auch der Kontakt und Austausch zu und mit jungen Künstlern wichtig. Ich bin viel in der Kunstszene unterwegs.

Was sind aktuell deine Lieblingsmagazine?

Ich mag das Purple Magazine sehr gern und die Numero gefällt mir wahnsinnig gut.

Und im Internet? Wo bist du da unterwegs, um den Zeitgeist aufzuspüren?

Ich bin viel auf Kunst-, und Musik- aber auch Männerseiten unterwegs und schaue mir Food-Seiten an. Da bekommt man einen guten Eindruck, wo die Lebensenergie gerade hingeht.

Was sind die Make-up-Trends? In welche Richtung geht es?

Im Winter ist der Look düster, aber schillernd. Wichtig ist gut gepflegte, strahlende und pure Haut. Man kann auch zum Lippenstift greifen, gern zu dunkleren Tönen.

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Make-up gibt es seit den Ägyptern und wird immer bestehen.

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Bleibt der No-Make-up-Trend?

No Make-up gab es bei mir nie! (Lacht.) Dieser Trend war nicht mein Trend, denn No Make-up ist auch Make-up. Was ich aber gut finde, ist, wenn die Haut nicht zugekleistert ist und man die Haut sehen kann. Deswegen ist eine starke Feuchtigkeitspflege so wichtig.

Make-up bleibt also!

Make-up gibt es ja schon seit den Ägyptern und wird immer bestehen.

Bist du manchmal Make-up-müde?

Ich kann mich immer damit beschäftigen, es ist meine absolute Leidenschaft. Was das Schminken betrifft, brauche ich persönlich aber nicht viel. Eine gute Feuchtigkeitspflege und leicht gebürstete Augenbrauen reichen schon.

Welcher Look geht immer?

Was immer geht, ist eine gute Feuchtigkeits-Base und als Augenbrauenfetischistin ist die Braue für mich immer wichtig. Dazu noch ein klein bisschen Blush und vielleicht ein Hauch Mascara, das reicht. Nichts ausschattieren und Lippe muss auch nicht sein.

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Gibt es ein Make-up-NoGo für dich?

Blauen Lippenstift finde ich schrecklich. Den gab es im Film Metropolis in den Achtzigern und bei Marusha in den Neunzigern schon.

Grundsätzlich geht alles, man muss nur schauen, in welchem Kontext.

Warum kommt der jetzt wieder?

Weil wir in der Mode ein Revival der Nineties haben. Blauer Lippenstift kann bei einem Fotoshooting, wo es um Metallic und Neunziger geht, auch gut aussehen. Grundsätzlich geht alles, man muss nur schauen, in welchem Kontext. Schön finde ich die blaue Lippe trotzdem nicht. Schlimm sind auch vermeintliche Komplementärfarben, also beispielweise lila Lidschatten zu grünen Augen, und Typologien à la Herbst-Typ oder Winter-Typ. Wenn es gut gemacht ist, kannst du alles machen.

Es gibt nichts, was nicht geht … 

… es gibt nur falsches Handwerk.

Was ist der beste Make-up-Tipp, den du von deiner Mutter bekommen hast?

Meine Mutter schminkt sich gar nicht. Ich bin komplett ohne Make-up-Produkte aufgewachsen und fand das als kleines Mädchen immer schade. An Weihnachten hat sie sich dann immer extra nur für mich rote Nägel gemacht. Meine Mutter ist sehr alternativ und Ärztin, da kommt Make-up nicht in Frage.

Welche Person würdest du gern mal schminken?

Nicki Minaj! Da kann ich mich austoben!

Hast du ein Role Model?

Ich finde viele Frauen interessant und faszinierend, ich schaue viele alte Filme und lasse mich davon inspirieren. Patti Smith und Jade Jagger finde ich toll, als Mann David Bowie. Die Disco-Zeit ist unheimlich faszinierend. Und ich liebe die Siebzigerjahre und den Bohème-Look. Der Stil ist so toll, Seidenblusen mit Jeans, wallendes Haar und die Frauen haben zwar viel Make-up getragen, aber es sah immer cool aus.

Der Mix war einfach unglaublich gut.

Uschi Obermeier, eine Freundin von mir, hat mal gesagt: Wir waren zwar Hippies, aber wir waren Hippies in Samt und Seide. Das trifft es.

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Heute sind Menschen für mich schön, die von innen strahlen.

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Wie definierst du Schönheit?

Als ich angefangen habe, fand ich klassische Gesichter wie das von Angelina Jolie schön. Heute sind Menschen für mich schön, die von innen strahlen. Es geht um eine starke gute Präsenz und darum, mit sich im Reinen zu sein. Du kannst unheimlich viel mit Make-up und auch mit Mode machen, aber du musst es auch transportieren. Sonst sehen die Leute verkleidet aus. Britney Spears ist ein gutes Beispiel, die wurde perfekt zurecht gemacht, aber sie hat es gar nicht transportiert. Oder Amy Winehouse – was für eine tolle Sängerin, aber so traurig, dass es nicht mehr schön ist.

Am liebsten hätte ich vier Kinder und würde trotzdem Vollzeit arbeiten.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Kids! Meine beiden Kinder sind meine Erfüllung. Am liebsten hätte ich vier Kinder und würde trotzdem Vollzeit arbeiten. (Lacht.) Dieses Spiel zwischen Job und Kind ist mir unheimlich wichtig. Es wäre zu Hause lange nicht so schön, wenn ich meinen Job nicht hätte. Und auch der Job wäre nicht so erfüllend und würde mir nicht so viel Spaß machen, wenn ich nicht wüsste, dass ich abends zu meiner Familie nach Hause fahre.

Du brauchst beides, um glücklich zu sein. Wie ist deine Formel?

Ich merke es ganz schnell an meinen Kindern, wenn ich zu viel arbeite. Dann kippt die Stimmung und fühlt sich nicht mehr gut an. Ebenso merke ich, wenn ich nicht genug Gas im Job gebe, dann fehlt mir der Antrieb.

Ist es einfacher mit Kindern als Selbständige?

Nein, es ist eine wahnsinnige Herausforderung für die Frau. Du bist nicht abgesichert, du bekommst kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld und wenn du krank bist, sowieso nichts. Vor der Geburt habe ich kein Geld mehr bekommen, durfte aber auch nicht mehr arbeiten. Das habe ich natürlich trotzdem gemacht – auf eigenes Risiko.

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Auf der anderen Seite bist du flexibel.

Klar, ich kann mir meine Zeit selbst einteilen und das ist mir auch wichtig. Ich nehme die Jobs auch nur so an, wie sie wichtig für mich sind. Ich schaue immer, dass es nicht zu viel ist.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Fee!

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Marie-Fees aktuellen Lieblingsprodukte!

Marie-Fees Lieblingsprodukte:

„Waterbased Nudes Palette“ von Laura Mercier
Mascara von Dior
Lait-Crème Concentré von Embryolissee
Parfum „Black Orchids“ von Tom Ford
Blue Therapy Serum von Biotherm
Nagellack „Trianon“ (306) von Dior

Hier findet ihr Marie-Fee:

Fotos: Sophia Mahnert

 

 

3 Comments

  • Anna sagt:

    Tolles Interview und wunderschöne Fotos!

  • Sarah sagt:

    Ich schließe mich an: ein tolles Interview und wunderbare Fotos. Allerdings würde ich bei den Home-Interviews – besonders, wenn man eine so tolle Wohnung sieht – auch gerne ein bisschen mehr über das Verhältnis der Interviewten zu ihrer Wohnung erfahren: Wie hast sie diese Wohnung gefunden? Was hat das Wohnen/sich Einrichten für einen Stellenwert in ihrem Leben? Und wie verändert sich das, wenn man Kinder hat? Schöne Bilder allein finde ich ein bisschen zu wenig!

    • Lisa van Houtem Lisa van Houtem sagt:

      Liebe Sarah, vielen Dank für das Feedback! Unser Fokus liegt in den Interviews meistens auf dem Werdegang der Frauen, deine Anregung nehmen wir gern mit. Viele Grüße!

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