Wie Illustratorin Laura Lünenbürger ihr kreatives Leben lebt

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Laura Lünenbürger hat schon als Kind immer gezeichnet, und sich irgendwann gefragt, ob sie aus dieser Leidenschaft nicht einen Beruf machen kann. Heute steht die 28-Jährige kurz vor ihrem Master-Abschluss, nachdem sie bereits einen Bachelor in Illustration an der HAW in Hamburg gemacht und zwischenzeitlich für das Designstudio Human Empire und das Luks Magazin gearbeitet hat. Wir treffen Laura in ihrer Loft-Wohnung in Hamburg Winterhude, die im Moment ihr zweites Zuhause neben London ist, um über das Leben als Illustratorin, Freude am Beruf, Ehrgeiz und Selbstvertrauen zu sprechen – und darüber, wie man es schafft, jeden Tag aufs Neue kreativ zu arbeiten. Nebenbei gestattet uns Laura einen Blick auf ihre Masterarbeit.

 

Femtastics: Du kommst gerade aus London. Was hast Du dort gemacht?

Laura Lünenbürger: Mein Freund und ich sind da vor fünf oder sechs Monaten hingezogen, hauptsächlich für den Job meines Freundes. Er arbeitet in der Werbung und hat ein Jobangebot aus London bekommen. Da ich von überall aus arbeiten kann, haben wir gesagt, wir probieren es aus. Es gefällt uns ganz gut, aber es ist auch megastressig. Deshalb ist es ein bisschen wie Urlaub, wenn wir zurück nach Hamburg kommen.

Du studierst zurzeit noch, richtig?

Ich arbeite gerade an meinem Buchprojekt für meinen Master und gebe im Dezember ab. Ich bin quasi im Endspurt.

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Lauras Loft-Wohnung liegt in einem ehemaligen Fabrikgebäude.

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Dein Masterstudium machst Du in Hamburg, oder?

Genau, das mache ich jetzt auf Distanz mit meinem Professor. Ich schicke ihm zwischendurch immer Bilder. In London habe ich also auch an meinem Masterprojekt gearbeitet und hatte noch nicht richtig Zeit, in die Kunstszene dort einzutauchen. Ab Januar wird das hoffentlich anders.

Die Wohnung hier hast Du aber behalten, das heißt, ihr wohnt in beiden Städten, Hamburg und London?

Wir sind uns noch nicht sicher. Wir möchten gerne zurück nach Hamburg kommen, aber mit seinem Job. Ich mag beide Städte, aber in Hamburg fühle ich mich wohler, weil es entspannter ist.

Macht Dir das pendeln nichts aus?

Wir sind beide zweisprachig – ich bin Halbfranzösin und habe zwischenzeitlich in Italien gelebt und mein Freund kommt aus Paris, fühlt sich aber in Hamburg wohler als zu Hause und seine Familie kommt aus Algerien – und dadurch fühlen wir uns nie wirklich in einer Stadt zu Hause, es ist immer ein Gefühl des aufgeteilt Seins. Wir fühlen uns immer wohl, wenn wir unterwegs sind. Aber gerade ist die Tendenz: Hamburg ist als Basis ganz gut. Es ist etwas paradox: Einerseits will man eine Basis, andererseits muss man aber auch weg. Deswegen kann ich mich immer schwer festlegen.

Ich konnte mich nie für einen anderen Beruf entscheiden, ohne Illustration ausprobiert zu haben.

Wann wusstest Du, dass Du von Beruf Illustratorin werden willst?

Ich habe immer gezeichnet, seit ich klein bin. Das war immer eine Art Meditation. Irgendwann habe ich gedacht: Es wäre cool, wenn ich das beruflich machen könnte. Erst dachte ich, ich würde gerne in Richtung Film gehen, also Regisseurin werden, aber ich hatte immer im Hinterkopf: Familie und Freunde sagen, ich kann gut zeichnen, und es macht mir auch Spaß. Ich konnte mich nie für etwas Anderes entscheiden, ohne das ausprobiert zu haben. Illustration habe ich anstelle von freier Kunst gewählt, weil ich dachte, es wäre einfacher, damit Geld zu verdienen. Mit freier Kunst kann es natürlich auch gut laufen, aber ich finde Illustration eine gute Sache.

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Hat Dich der Gedanke, dass es schon so viele andere gute Illustratoren gibt, nie abgeschreckt?

Bei mir überwiegt immer, dass es mir so viel Spaß macht. Und der Ehrgeiz ist größer, dass ich mich verbessere, als dass ich mich einschüchtern lasse. Ich habe das regelmäßig, dass ich ein Buch eines anderen Illustrators aufschlage und denke: O Gott, warum nehme ich einen Stift in die Hand? Wirklich! Es ist beeindruckend, was Andere können. Und ich finde es nicht besonders großartig, was ich mache. Aber ich habe einfach immer den Ehrgeiz, dass ich gerne die Bilder, die ich im Kopf habe, ansatzweise zu Papier bringen kann. Denn dann fängt es an, Spaß zu machen. Die ganzen Jahre des Trainings vorher sind furchtbar ermüdend und frustrierend und man muss sich immer wieder in den Arsch treten und sagen: Das wird schon. … Aber ich habe das nie in Frage gestellt. Also klar stellt man sich selbst und seine Arbeit in Frage, aber, dass ich etwas Anderes mache, das konnte ich mir nie vorstellen. Ich sehe mich nicht woanders.

Bei mir ist der Ehrgeiz größer, dass ich mich verbessere, als dass ich mich von anderen, die besser sind als ich, einschüchtern lasse.

Es ist Dein Traumberuf?

Ich würde noch nicht mal sagen, dass ich ewig Illustratorin bleiben werde. Es kann auch sein, dass ich Fotografie mache oder in die Malerei gehe oder Innendekoration mache. Ich habe keine Ahnung. Aber es muss so eine gewisse Freiheit haben, dass ich dem folgen kann, was mich interessiert.

Du hast schon angesprochen, dass Du gerade an Deiner Masterarbeit arbeitest. Worum geht es da?

Das ist ein Buchprojekt, dass ich mit Maren Keller zusammen mache. Das ist eine Journalistin, die für den Spiegel arbeitet. Ich habe sie vor Jahren einmal kennengelernt und sie hat mir Geschichten zugeschickt, weil ich damals schon an einem Buchprojekt gearbeitet habe. Als ich mein Masterprojekt geplant habe, bin ich wieder auf Maren zugegangen und habe sie nach einer Geschichte gefragt.

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„Gut, dass es hier einen Ofen gibt. Im Winter wird es in dieser Wohnung ganz schön kalt“, erzählt Laura.

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Das heißt, sie hat das Buch geschrieben und Du machst die ganze visuelle Gestaltung?

Genau.

Soll es auch als Buch erscheinen?

Ja, hoffentlich (lacht). Aber jetzt ist erst einmal der Fokus, dass ich es am 1. Dezember abgebe und dass mein Professor es hoffentlich gut findet. Danach möchte ich auf die Kinderbuchmesse nach Bologna in Italien gehen. Ich habe schon Kontakte zu verschiedenen Verlegern aus Frankreich und Italien und ich würde ihnen das Buch gerne vorstellen. Den Buchmarkt in Deutschland finde ich noch zu konservativ. Da gibt es andere Länder, die schon viel freier sind. Ich weiß nicht, woher das kommt. Es gibt so viele tolle Kinderbücher, die den Kindern viel mehr zutrauen, bei denen nicht immer alles brav und niedlich und mit Happy End sein muss. Es kann auch mal düster sein, das ist nicht schlimm.

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Das Bild auf dem Klavier ist Teil einer Serie, in der Laura den Wald in der Nähe ihres Elternhauses gezeichnet hat – großformatig und mit Bleistift.

Du hast in der Vergangenheit beim Designstudio Human Empire gearbeitet und im Team des studentischen Magazins „Luks“. Könntest Du Dir vorstellen, dass Du nach Deinem Master wieder in einem Designstudio oder einer Redaktion arbeitest?

Ich habe noch gar keine genaue Vorstellung. Aber ich mag es total, im Team zu arbeiten. Das fehlt mir gerade. Momentan sitze ich im Kämmerchen und mache das Buch. Ich hätte in Zukunft gerne ein Atelier, in dem mindestens zehn Leute sitzen und in dem man sich gegenseitig inspiriert. Oder an einem Projekt arbeiten wie mit dem „Luks“. Es ist toll, weil man einen anderen Input bekommt als wenn man alleine arbeitet. Aber in welcher Form das genau sein wird, ob in einem Designbüro oder bei einem Magazin … Mein Freund und ich haben auch schon einmal überlegt, ein Label zusammen zu machen.

Du bist auch Mitglied in einem Illustratorenkollektiv, names „Tapir & Klotz“. Was macht ihr zusammen?

Das entstand aus der Motivation, die ich eben beschrieben habe. Dass man das Gefühl hat, alleine nicht so viel auf die Beine stellen zu können wie im Team. Und da sind wir jetzt ein Haufen Illustratoren – ein paar sind auf Layout fokussiert, es gibt Leute, die unglaublich gut darin sind, sich selbst zu verkaufen, sogar welche, die gerne Listen erstellen (lacht). Und so gibt es im Team für alles jemanden, der es gut kann. Wir wechseln uns aber auch immer ab.

Wie kamt ihr zusammen?

Wir haben alle zusammen studiert. Ein paar von uns hatten in der Uni schon ein Atelier zusammen. Wir schätzen einfach unsere Arbeiten gegenseitig und hier in Hamburg hatten wir das Gefühl, dass wir uns zusammentun müssen. Wir machen jedes Jahr gemeinsam einen Kalender. Wir laden internationale Künstler ein, den Kalender mit uns zu gestalten. Kürzlich hatten wir die Release-Party für unseren Kalender für 2016.

Im Team zu arbeiten inspiriert. Reisen finde ich aber auch wichtig, weil man Designer aus anderen Ländern kennenlernen kann.

Das heißt, Du findest es wichtig, sich als Gestalter mit anderen Kreativen zusammen zu tun?

Ich finde ja, weil das inspiriert. Reisen finde ich aber auch wichtig, weil man dann Designer aus anderen Ländern kennenlernen kann und einen anderen Input bekommt.In London habe ich zum Beispiel gemerkt: Wir hinken hier mit dem Design gefühlt zehn Jahre hinterher. Ich bin in London jeden Tag inspiriert von irgendwelchen Start-up-Unternehmen, die z.B. Kaffee verkaufen und bei denen das ganze Verkaufskonzept so viel neuer, frischer und inspirierender ist.

Kannst Du das an bestimmten Aspekten festmachen?

Es ist spielerischer und freier. Es wird mehr experimentiert und weniger an Grenzen gedacht. Ich will auch nicht sagen, dass Deutschland schlecht ist, wir haben tolle Designer hier. Aber es ist eine andere Herangehensweise.

Hast Du das Gefühl, dass es in Hamburg eine vernetzte Designszene gibt?

Ich finde schon. Es wird nach einer Zeit recht übersichtlich, weil sich die Designer unter einander kennen. Wenn du regelmäßig auf Ausstellungen gehst, verstehst du schnell, welcher Galerist, welcher Grafikdesigner, was gemacht hat. Und ich finde, dass wir alle nett miteinander umgehen und uns gegenseitig supporten.

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Der Vorteil einer Loft-Wohnung: Platz für ein riesiges Sofa

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Du hast keinen Agenten, oder?

Nein, darum sollte ich mich vielleicht mal kümmern.

Wie sind bisherige Aufträge, wie Deine Arbeiten für „Dein Spiegel“ oder „Zeit Leo“ zustande gekommen?

Ich habe es mal ausprobiert, aktiv Akquise zu machen und mein Portfolio rauszuschicken, aber das hat selten funktioniert. In der Regel funktioniert es so, dass jemand auf mich zukommt. Und dann geht das über fünf Ecken. Mit dem „Spiegel“ war es genauso. Daraus haben sich Folgeaufträge entwickelt. „Zeit Leo“ kam auf mich zu, weil sie eine Arbeit von mir bei „Dein Spiegel“ gesehen haben. Ich glaube, die Medien gucken sich viel untereinander um, das wird schon wahrgenommen.

Wie gehst Du vor, wenn Du einen Auftrag bekommst?

Zuerst kläre ich, was der Kunde will. Ich frage, welcher Stil ihnen gefallen hat – in meinem Portfolio gibt es ja unterschiedliche Stile – ich frage, ob ich malerisch arbeiten soll oder ob sie die Skizzen gut fanden. Ob sie mehr Schwarz oder mehr bunt wollen. Meistens gibt es Bilder, die ihnen vorher gefallen haben und ich weiß: Aha, in dem Stil kann ich arbeiten. Dann schicken sie mir die Geschichte oder den Text zu und dann picke ich mir die Sachen raus, die ich visuell interessant finde. Meistens achte ich darauf, dass ich nie genau das abbilde, was im Text vorkommt, weil ich das zu platt finde. Wenn es in dem Text um einen Apfel geht, male ich keinen Apfel, sondern suche mir andere Bilder. Ich arbeite ohne eine große Skizzenphase, ich visualisiere meistens direkt das, was ich im Kopf habe. Meine Technik ist relativ schnell.

Ich arbeite gerne analog. Ich finde es auch charmanter, wenn man Fehler macht, wegradiert und wieder drübermalt.

Du arbeitest in der Regel analog, oder? Du benutzt kein Grafiktablett oder so?

Ich habe es versucht, aber ich fühle mich damit nicht wohl. Ich finde es auch charmanter, wenn man Fehler macht, wegradiert und wieder drübermalt. Klar muss es irgendwann digital werden, deshalb scanne ich meine Arbeiten ein und bearbeite sie digital so, dass der Hintergrund weiß wird, etc. Aber bei der Arbeit direkt am Rechner finde ich, dass zu viel Persönlichkeit verloren geht.

Hast Du im Rahmen Deines Studiums gelernt, wie man Arbeiten in Photoshop digital weiter bearbeitet?

Es gab Kurse dazu, aber ich schalte immer bisschen ab, wenn jemand vorne brabbelt. Ich glaube, ich habe mir das selbst beigebracht. Ich glaube, ich mache das, wenn ich es machen muss. Ich bin nicht der Typ, der sich hinsetzt und mal ein Buch über Photoshop liest.

Eigentlich effizient.

Ja, aber auch doof. Ich war auch schon oft der Verzweiflung nahe. „Warum habe ich nicht in der Uni aufgepasst?“

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Laura gibt uns einen Einblick in ihre Arbeiten und Skizzenbücher.

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Arbeiten von Laura Lünenbürger

Wenn Du frei arbeitest, welche Themen oder Motive interessieren Dich am meisten?

Ich mag die Natur immer gerne. Außerdem reagiere ich immer darauf, wenn ich auf Ausstellungen Malerei sehe. Ansonsten gibt es keine richtigen Themen. Meistens sind es Gefühlszustände, die ich umzusetzen versuche. Wenn ich im Kontakt mit mir selber bin, dann kann ich nicht kontrollieren, was dabei raus kommt. Manchmal merke ich Monate später erst, in welchem Zustand ich war oder wie es mir ging. Das finde ich immer spannend. Denn das war ja der ursprüngliche Grund, warum ich als Kind angefangen habe, zu zeichnen: um im Kontakt mit mir selber zu sein. Und wenn ich das nicht machen würde, wüsste ich nicht, ob ich Illustratorin sein könnte. Es gibt ja Leute, die nur Auftragsarbeiten machen. Das wäre nichts für mich, für mich gibt es immer beides: freie Arbeiten und Auftragsarbeiten. Ich probiere auch immer Neues aus.

Auch neue Techniken?

Ja, ich brauche immer einen neuen Gegner. Ich habe mich zum Beispiel an Skulpturen probiert. Die Arbeit tat gut, weil ich zu diesem Zeitpunkt ziemlich wütend war und dann habe ich auf Holz eingekloppt und konnte mich super abreagieren. Ich hatte das erste Mal das Gefühl, einen Gegner zu haben, der mich nicht schnell arbeiten lässt – anders als bei Malerei oder Zeichnungen. Dadurch, dass du Maßerungen hast und das Holz an jeder Ecke anders reagiert, kannst du gar nicht schnell arbeiten. Ich versuche, immer offen zu bleiben.

Hast Du Vorbilder?

Es gibt so viele Gute. Ich habe ein paar Bücher hier, die mich inspirieren, aber ich bin kein Fan davon, mich auf einen Künstler zu fixieren. Ich finde auch selten das komplette Buch gut, manchmal nur das Cover oder einzelne Elemente.

Wo findest Du diese Bücher?

Oft, wenn ich auf Reisen bin. Ich habe die meisten in Italien oder Frankreich gekauft. In Hamburg finde ich die Buchhandlung Walther König gut, im Museum für Kunst und Gewerbe. Oder Sautter + Lackmann in der Admiralitätsstraße 71.

Die Bücher hier sind alle Kinderbücher. Findest Du auch Bücher für Erwachsene inspirierend?

Da schaue ich mir lieber Arbeiten auf Ausstellungen an, weniger Bücher oder Bildbände. Ich finde aber, die Kinderbücher hier sind auch Bücher für Erwachsene.

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Am liebsten arbeitet Laura Lünenbürger ganz klassisch mit Bleistift, Buntstiften und Pinseln.

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Was ist die größte Herausforderung dabei, als Illustratorin zu arbeiten?

Hm, ich glaube, die Motivation. Dass man sich jeden Morgen wieder motivieren muss. Und auch, sich selber treu zu bleiben. Es passiert schnell, dass man Dinge macht, weil sie ein Kunde toll findet. Ich habe es schon erlebt, am Anfang als ich noch nicht viel für Magazine gearbeitet hatte, dass jemand etwas von mir wollte, was aussah wie von einem anderen Illustrator. Nur weil ich damals günstiger war, wurde ich in eine Ecke gedrängt. Und dann muss man auch nein sagen. Ich möchte dafür gebucht werden, was ich mache. Das hat mit Selbstfindung zu tun, dafür zu stehen, was man macht und selbst zu mögen, was man macht – das ist manchmal auch schwer.

Hast Du auch manchmal Momente, in denen Du vor einem Blatt Papier sitzt und denkst: Es ist alles scheiße!?

Ja!

Was machst Du dann, um weiter zu kommen?

Ich hatte das genau so mit meinem Master-Buchprojekt. Monatelang habe ich es in Bleistift gemacht. Und dann drei Wochen vor meiner persönlichen Deadline bin ich morgens aufgewacht und dachte: Alter, was Du fabrizierst, ist vollkommener Mist! Das funktioniert nicht! Und dann habe ich die Technik geändert und habe drei Wochen vor Schluss alles über den Haufen geworfen und dachte: Okay, jetzt ist der Wahnsinn amtlich (lacht). Aber ich habe dann eine neue Herangehensweise durch die Technik gefunden und jetzt funktioniert es viel besser. Wenn man festhängt, geht es darum, sich im Kopf frei zu kriegen. Ich gucke Serien, ich geh laufen, ich trink abends was, ich schaue mir Ausstellungen mit anderen Arbeiten an, stöbere in meiner Bibliothek. Manchmal hilft es auch, kurz die Stadt zu verlassen. Für mein Masterprojekt hat es mir geholfen, die Technik zu wechseln.

Wenn man denkt: Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, dann hat man einen Motor, der einem Energie gibt.

Letzte Frage: Was würdest Du jungen Leuten raten, die Illustrator werden möchten?

Dass es wichtig ist, das zu tun, was einem Spaß macht. Ich glaube, das ist der Leitfaden. Wenn man denkt: Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, dann hat man einen Motor, der einem Energie gibt. Das ist eine gute Motivation. Außerdem ist es wichtig, realistisch zu bleiben und zu schauen, wie man sein Ziel erreicht. Ich habe vor meinem Studium zum Beispiel, einen Mappenvorbereitungskurs besucht. Ich war gerade aus dem Abi raus, Mama sagte, ich kann gut zeichnen, aber ich wusste, der Anspruch der Schule ist sehr hoch. Da hat es mir geholfen, ein Jahr lang einen Vorbereitungskurs zu machen. Es ist wichtig, sich mit Leuten aus der Branche auszutauschen. Vielleicht auch Leute, die den Beruf schon machen, danach zu fragen. Ich hatte in meiner Familie zum Beispiel keinen Künstler und ich stand nach dem Abi ziemlich unsicher da. Aber mittlerweile findet meine Familie meinen Beruf auch gut.

Vielen Dank für diese Tipps und die spannenden Einblicke, Laura!

 

Hier findet ihr Laura:

 

Fotos: Sophia Mahnert

 

 

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