Bringt kleine Labels groß raus: Alexandra Dohrmann vom Online-Concept-Store INK + OLIVE

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Der Online-Concept-Store INK + OLIVE von Alexandra Dohrmann ist fast zeitgleich mit femtastics vor etwas über einem Jahr online gegangen. Die Zweifach-Mama (Leo, 9 und Tobi, 4) verkauft liebevoll ausgesuchte Wohnaccessoires und Papeterie von kleinen Labels aus der ganzen Welt. Alexandra ist in Hessen aufgewachsen, hat in Berlin Nordamerikastudien studiert und in Hamburg für Living-Titel als Redakteurin gearbeitet. Im Interview erzählt uns die 37-Jährige, warum sie einen Onlineshop gegründet hat. Sie gibt Tipps für den perfekten Online-Start und erzählt vom Leben mit zwei Kindern und Mann im eigenen Haus am Stadtrand von Hamburg.

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Tollste Farbkombi: Die grünen Stühle hat Alexandra bei Ebay Kleinanzeigen gefunden, die Vorhänge sind von Ikea und das Platzdeckchen auf dem Tisch von bloy Shibori aus Hamburg (über INK + OLIVE).

femtastics: Spukte die Idee, einen Onlineshop zu gründen, schon lange in deinem Kopf herum?

Alexandra Dohrmann: Ja, ich habe als Abiturientin in Marburg in einem Einrichtungsladen gearbeitet und schon immer einen Hang dazu gehabt, mich mit schönen Dingen zu umgeben. Mein Mann ist beruflich viel in Asien unterwegs und wir haben keine Familie hier vor Ort. Deswegen habe ich nach der Geburt meines zweiten Sohnes überlegt, was man gut von zu Hause aus machen kann und habe mich dann bewusst für Online entschieden. Als Redakteurin hatte ich vorher stets mit neuen Designprodukten und Trends zu tun – es hat mich immer gereizt Neues aufzustöbern und Nischenprodukte zu zeigen.  Ende 2014 hab ich dann mein Gewerbe angemeldet und bin im Mai 2015 mit meinem Online-Concept-Store online gegangen.

Wie kommt es, dass du Nordamerikastudien und nicht Design studiert hast?

Ich hatte damals mehrere Interessen: Sprache, Kultur, Design und Innenarchitektur haben mich am meisten begeistert. Ich habe mich allerdings erst für die Stadt, also Berlin, entschieden, und dann geguckt, was man dort studieren kann – das hätte ich wahrscheinlich andersherum entscheiden müssen. Dann habe ich Nordamerikeastudien am John-F.-Kennedy-Institut studiert, ich habe Praktika in Museen und im PR-Bereich gemacht und in der britischen Botschaft gejobbt. Das hat mir total viel Spaß gemacht.

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Die alte Keramik hat Alexandra im Second-Hand-Shop Schneppchen in Hamburg-Wandsbek gefunden.

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Und dann bist du irgendwann als Wohnredakteurin bei Zeitschriften gelandet.

Als ich gerade mit meinem Studium fertig war, sind wir jobbedingt wegen meines Mannes nach Hamburg gezogen und dann dachte ich: In Hamburg sind viele Verlage und Zeitschriften, vielleicht kannst du jetzt mal diese Seite ausprobieren. Dann habe ich mich für ein Praktikum bei der „Living at Home“ beworben und konnte danach sogar als Redakteurin da bleiben. Dort habe ich dann zeitgleich auch die Wohnseiten für die „Gala“ betreut.

Dein Onlineshop ist jetzt seit etwas über einem Jahr online. Würdest du sagen, dass das Konzept Onlineshop + Kinderbetreuung gut aufgeht?

Ja, das lässt sich gut vereinbaren. Ich kann bis jetzt alles zu Hause lagern und auch gut von zu Hause aus abwickeln. Ab und zu mache ich noch freie Aufträge für Magazine – das brauche ich auch, um hier rauszukommen. Mir würde die Decke auf den Kopf fallen, wenn ich alles nur von hier aus steuern müsste. Auch finanziell ist das wichtig, da der Shop sich noch nicht trägt. Ich habe mir aber von Anfang an gedacht, dass es zwei, drei Jahre brauchen wird.

Ja, das hören wir oft, auch von Labels – diese Zeit muss man aushalten beziehungsweise überbrücken können.

Ja, man braucht Geduld. Und wenn es mal eine Phase gibt, in der wenig bestellt wird, muss man das auch aushalten können.

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Eine weiße Wendeltreppe führt in den ersten Stock: oben liegen die Kinderzimmer und das Schlafzimmer.

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Into the Wild: im riesengroßen Garten mit Gartenhäuschen toben die Kinder fast täglich.

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Seit drei Jahren wohnt Alexandra im Haus im Grünen, das in den Siebzigern gebaut wurde.

Du besetzt mit deinem Onlineshop eine Nische und wählst sehr besondere und noch unbekanntere Labels aus.

Ja, das hoffe ich. Man sieht ja doch überall immer wieder ähnliche Sachen und die gleichen Marken. Ich mag die natürlich auch sehr gerne, gerade auch die skandinavischen Labels, aber ich wollte eben etwas anderes machen. Wenn man nicht die gehypten Labels wie Bloomingville und House Doctor anbietet, ist es natürlich auch schwieriger, online gefunden zu werden. Aber das war eben auch meine Idee, Dinge von kleinen Labels zu verkaufen, die es noch nicht überall gibt. Viele Designer, die ich habe, sind One-Woman- beziehungsweise -Man-Shows. Mir macht es besonders Spaß, die Stücke dieser Designer zu präsentieren.

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Blumen aus dem Garten: Alexandra schneidet uns einen Strauß Hortensien.

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Wohnzimmer-Love! Das Sofa ist ein älteres Modell von Ikea, der hübsche Korb vorne im Bild stammt vom finnischen Label Nämä und gibt es auch bei INK + OLIVE zu kaufen.

Und wie wählst du die Labels aus?

Das ist fast ausschließlich mein Bauchgefühl. Es sind fast alles Sachen, die ich selber gern behalten oder verschenken würde, also Lieblingssachen.

… aus vielen unterschiedlichen Ländern.

Ich möchte eine bunte Mischung anbieten und mich nicht auf eine Region festlegen. Die Keramik, die Shibori-Sachen und die Stempel kommen aus Deutschland. Vieles kommt aus Frankreich. Die Franzosen haben so ein schönes Design, das sieht man noch gar nicht so viel. Dann habe ich noch Keramik aus Portugal, die Kissen sind aus England und einige Produkte kommen aus Finnland.

Wo findest du die Labels?

Ich bin zwar auch ab und zu auf Messen unterwegs, aber dort stellen eher die großen Firmen aus. Ganz viel finde ich über das Internet. Pinterest und Instagram sind wirkliche Fundgruben. Ein Label habe ich zum Beispiel in Lissabon auf einem Markt entdeckt – die haben ihre Sachen bisher auch nur dort verkauft.

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Der Schreibtisch ist ein Erbstück von Alexandras Oma.

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Das heißt, dein Sortiment wächst stetig?

Ich habe eine ganze Liste mit Sachen, die ich gerne mit reinnehmen würde, aber man muss sich da natürlich auch bremsen.

Kann man sich als Label auch bei dir bewerben?

Ich bekomme jede Woche mehrere Anfragen von Labels – da sind schöne und auch weniger schöne dabei. Aber selbst von den Schönen kann ich nicht alle mit reinnehmen, weil ich natürlich auch kalkulieren und schauen muss, was beim Kunden ankommt und was nicht.

Wie wichtig ist dir das Thema Nachhaltigkeit?

Das ist mir sehr wichtig. Ich habe keinen Katalog an Richtlinien, schaue aber wo und wie die Produkte hergestellt werden und bevorzuge kleinere Produktionen. Die meisten Labels produzieren in dem Land, in dem sie auch designen. Man weiß also immer genau, wo es herkommt. Billig- und Plastiksachen aus China findet man bei mir nicht.

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In Alexandras Galerie findet man Fotografien von Freunden und aus dem Urlaub, ausgdruckte Illustrationen und Sprüche, Poster von Juniqe und seenby und alte Gemälde.

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Der Bilderrahmen stammt vom Kopenhagener Label Moebe (hier bei INK+ + OLIVE). Die Keramiktöpfe hat Alexandra in Anlehnung an die Keramiken von Atelier Stella Ceramics selbst getöpfert – natürlich nur für den Eigengebrauch.

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Im Frühjahr hattest du einen viertägigen Pop-up-Store in der B-Lage in der Schanze. Es war sicherlich aufregend, das erste Mal direkt im Austausch mit dem Kunden zu stehen?

Ja, wir hatten das schon vier Monate vorher geplant. Der Pop-up-Store ging von Donnerstag bis Samstag. Als ich am Donnerstag um 12 Uhr aufgemacht habe, stand ich da … und dann kam keiner. Um 15 Uhr kamen dann aber die ersten Kunden. Aber natürlich war ich erstmal nervös: Findet das bei den Leuten Anklang? Wird das Event überhaupt entdeckt? Dann war es aber super, es kamen viele Leute und es hat sich gelohnt.

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Konntest du daraus auch wieder neue Erfahrungen für den Shop sammeln?

Es war auf jeden Fall interessant zu sehen, was die Leute kaufen. Die Keramik lief total gut, weil die Leute sie anfassen konnten und die Papeterie lief zum Beispiel auch super. Das ist online aber anders. Es war auch toll zu hören, welches Feedback die Leute geben. Einige haben zu mir gesagt: Mach doch einen Laden auf!

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Das lichtdurchflutete Schlafzimmer liegt im ersten Stock, inklusive Traumblick in den angrenzenden Wald.

Ist es denn ein Traum von dir, irgendwann einen Laden zu eröffnen?

Ja, das hätte ich schon gerne. Das finanzielle Risiko ist natürlich größer, weil man auch noch die Miete zahlen muss. Wenn du noch keine Angestellten hast, stehst du bis spät abends und an den Wochenenden in deinem Laden – das würde sich jetzt noch nicht mit den Kindern vereinbaren lassen. Wir fahren am Wochenende auch oft spontan weg, zum Beispiel mit dem Campingbus nach Fehmarn. Das genieße ich sehr. In ein paar Jahren ist ein eigener Store aber auf jeden Fall eine Option.

 

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Alexandras Mini-Showroom mit schönster Keramik von den Hamburger Labels Sinikka Harms Ceramics (hier geht’s zu unserer Homestory mit Sinikka!), Suntree Studio und dem portugieseschen Label Vasco Baltazar & Zita Rosa.

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Was würdest du jemanden raten, der einen Onlineshop launchen möchte? Was muss man unbedingt beachten?

Ich habe keinen Businessplan geschrieben. Rückblickend würde ich aber sagen, dass man es mit einem Kredit versuchen sollte, wenn man keinen Geldgeber oder nichts auf der hohen Kante liegen hat. Ich habe es privat versucht, es ist aber schon schwierig, wenn man an die privaten Reserven gehen muss.

Weil man doch mehr investieren muss als anfangs gedacht?

Auf jeden Fall. Ansonsten muss man schauen, wie man das Geld verteilt und was man selbst machen kann. Ich habe mein Shopsystem zum Beispiel über Jimdo laufen, das kostet nicht so viel Geld. Fotos bekomme ich von den Herstellern oder mache sie selbst. Zu den Produkten: Hier ist die Frage, wie oft man etwas Neues bringen will. Mein Sortiment wechselt zum Beispiel nicht saisonal, daher kann fast alles immer im Shop bleiben. On top kann man natürlich auch noch Geld für PR, SEO usw. ausgeben. Ich hatte das Glück, dass ich schon vorher einige Kontakte in der Branche hatte. Mein Startkapital lag bei 4.000 Euro.

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Gute Idee: der offene Kleiderschrank ist hinter Vorhängen versteckt.

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Wir haben gelesen, dass du am Ende des Jahres einen kleinen Teil deines Gewinns beziehungsweise einen Betrag an das Hilfsprojekt KulturTeam, das sich an jugendliche Flüchtlinge richtet, spenden möchtest …

Ja, das habe ich vor, weil ich das Projekt total toll finde. Ich habe mich selber ein bisschen in der Flüchtlingshilfe engagiert und eine Familie kennengelernt. Die Tochter hat in der Kita von Tobi ein Praktikum gemacht und dort habe ich sie am letzten Tag angesprochen. Wir waren bei ihrer Familie zum Essen eingeladen und sie waren auch bei uns. Wenn man sieht, dass es nicht nur eine Masse an Flüchtlingen ist, sondern es Menschen mit Geschichten und Einzelschicksalen sind, muss man sich damit einfach beschäftigen. Das KulturTeam habe ich über die Zeitung entdeckt. Das haben Schüler aufgebaut, was beeindruckend ist.

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Das Kopfteil von dem Bett hat Alexandra selbst gebaut und mit Samt bezogen – das schöne Poster ist eine Fotografie von der Belgierin Coco Lapine (über INK + OLIVE).

Du bist so schön eingerichtet, wo schaust du denn nach Möbeln und Wohnaccessoires, wenn du dich nicht gerade an deiner eigenen Produktrange bedienst?

Ein paar Sachen habe ich selbstgemacht und einiges ist tatsächlich von Ikea. Vieles finde ich über Ebay oder Ebay Kleinanzeigen und einige Teile sind Erbstücke. Ich schaue in Berlin zum Beispiel in Wohnungsauflösungsläden wie dem „Motzladen“ am südlichen Ende der Friedrichstraße in Kreuzberg und in Hamburg bei „Schneppchen“ oder bei „Stilbruch“. Man findet nicht jedes Mal etwas und muss Zeit mitbringen, um schöne Sachen zu entdecken. Das macht mir aber immer besonders Spaß. Wochenendvormittage verbringe ich gerne mit meiner Familie, daher gehe ich nur sehr selten auf Flohmärkte.

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Wolken, Wale und ein toller Rattanstuhl – das hübsche Kinderzimmer bewohnt Alexandras vierjähriger Sohn Tobi.

Ihr wohnt in einem Häuschen am Stadtrand von Hamburg in Rahlstedt. Wann habt ihr euch dazu entschieden, rauszuziehen?

Wir sind vor sechs Jahren direkt von Berlin nach Hamburg-Rahlstedt gezogen. Erst haben wir noch in einer anderen Wohnung in der Nähe gewohnt. In der Innenstadt Hamburg ist es schwer, etwas zu bekommen und wir waren auch ein bisschen neugierig. Leo war damals dreieinhalb Jahre alt und wir wollten schauen, wie es ist, im Grünen zu wohnen.

Und wie war es dann?

Wir haben schnell gemerkt, dass es schon sehr ruhig ist und die Leute mehr für sich sind, weil alle ihren eigenen Garten haben. In Berlin war man viel unter Leuten und hat auf Spielplätzen schnell neue Leute kennengelernt. Die ersten zwei Jahre wollte ich nur weg und fand es ganz furchtbar hier.

Aber ihr seid trotzdem geblieben.

Wir haben dann angefangen, in ganz Hamburg nach Wohnungen und Häusern zu gucken. Und dann habe ich vor drei Jahren dieses Haus bei Immoscout entdeckt und fand die Fotos so toll, weil es mich an das Haus meiner Oma erinnert hat. Ich habe dann aber nicht angerufen, weil ich dachte: Wenn du dir das Haus anguckst und es dir gefällt, bleibst du ja in Rahlstedt (lacht). Nach drei Tagen habe ich dann doch angerufen und wir haben das Haus gekauft. Jetzt wohnen wir hier drei Jahre und haben viel renoviert.

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Hier schläft Leo, Alexandras neunjähriger Sohn.

 

Ein Hauskauf ist sicherlich ein entscheidender Schritt im Leben …

Das macht einem erstmal Angst und bringt auch viel Verantwortung mit sich. Eigentlich wollten wir auch nie so einen großen Garten haben, aber dadurch, dass schon alles angepflanzt war, ist das leicht zu handhaben. Und die Kinder genießen das total – wir haben immer viele Kinder aus der Nachbarschaft zu Besuch.

Vermisst du Berlin oder das Wohnen mitten in der Stadt denn heute noch?

Wir sind an den Wochenenden sehr oft in Berlin – da treffe ich dann viele meiner Freundinnen und die Kinder ihre Berliner Freunde. Oft fahren wir am Wochenende auch in die Schanze oder nach Ottensen – das mag ich auch total gerne. Mittlerweile finde ich, dass es so das Beste aus beiden Welt ist. So ist der Mix aus Stadt und Land perfekt. Jetzt bin ich angekommen.

Das heißt, bei euch ist es dann umgekehrt: Wenn andere am Wochenende die Landluft genießen wollen, zieht es euch in die Stadt.

Ja, tatsächlich. Am Wochenende brauchen wir dann ein bisschen Action.

Hast du abschließend noch ein paar Berlin-Tipps für unsere Leser?

In Berlin mag ich das „Dudu“, ein asiatisches Restaurant in der Torstraße, besonders gerne und das „Knofi“ in der Bergmannstraße – hier gibt es superleckeres und günstiges türkisches Essen. Außerdem gehe ich gerne in die „BanBan Kitchen“, hier gibt es koreanisches Streetfood. Das Restaurant liegt im Schillerkiez in Neukölln. Hier gehe ich auch gerne in den kleinen Laden „Bohazel“.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit deinem Onlineshop, liebe Alexandra!

Hier findet ihr Alexandra & Ink + Olive:

Fotos: Janna Tode

 

 

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