Sie stylen dein Zuhause um: Julia White und Silke Voigtländer von Wit & Voi | Part 2

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Sich einmal das Wohnzimmer, das Schlafzimmer oder die Küche von einem Interior Stylisten umstylen lassen – wit & voi, ein moderner und bezahlbarer Interior Design Service aus Berlin, macht’s möglich. In Teil 1 haben Produktdesignerin Silke Voigtländer (Foto im Header) und Julia White bereits von ihrer Gründung und ihrem Konzept erzählt. In Teil 2 sind wir in Silkes Wohnung zu Besuch – Silke und Julia verraten uns ihre liebsten Interior-Tricks, wer ihre Kunden sind, von welchen Projekten sie träumen und wie man Interior Stylist in ihrem Team werden kann.

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Silke lebt in einer typischen Berliner Altbauwohnung. Sie mag dunkle Töne und das Morbide.

Letztens habe ich bei Ebay einen ausgestopften Vogelstrauß gefunden und war kurz davor ihn mir zu kaufen.

femtatsics: Wie würdet ihr eure persönlichen Wohnstile beschreiben?

Silke: Ich mag Dinge mit Geschichte. Ich liebe Schlösser – das ist ein bisschen cheesy, aber das finde ich toll! Ich mag außerdem gelebte Oberflächen und das Spiel zwischen abgeranzt und total schick. Ich liebe kuriose Dinge – ich wollte auch mal Gerichtsmedizinerin werden – und ich mag morbide Sachen, zum Beispiel ausgestopfte Tiere. Letztens habe ich bei Ebay einen ausgestopften Vogelstrauß gefunden und war kurz davor ihn mir zu kaufen, wenn er nicht 800 Euro gekostet hätte. In meiner Wohnung findet man ausgestopfte Schlangen, Geweihe usw. – es sieht absurd aus und ich arbeite gerne damit. Mein Motto ist die Hornbach-Werbung à la „Es gibt immer etwas zu tun“ – ich habe Bock, ganz viel in der Wohnung zu machen. Als nächstes wollen wir eine Galerie in unseren langen Flur bauen.

 Julia: Wie du ja siehst – hell! (Anm. d. Red.: Hier geht es zur Homestory mit Julia) Mein Mann und ich stehen sehr auf Farben, überall sieht man kleine Farbtupfer. Ich würde sagen, dass unser Wohnstil verspielt, hell und farbenfroh ist. Es geht ein bisschen in die skandinavische Richtung, ist aber trotzdem persönlich. Die Bank, auf der du sitzt, hat zum Beispiel mein Mann selbst gebaut. Ich mag kleine verspielte Sachen, also Objekte vom Flohmarkt, die man gerne betrachtet. Ich dekoriere nicht viel um, es steht so wie es steht – ich ändere höchstens mal Kleinigkeiten.

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Julia hat uns bereits von ihrem Backround erzählt. Wie bist du zur Unternehmerin und Interior Designerin geworden, Silke?

Silke: Ich komme aus einer ganz anderen Richtung. Nach dem Abi habe ich eine Ausbildung zur Zahntechnikerin gemacht, weil ich unbedingt handwerklich arbeiten wollte. Eigentlich hätte ich eine Tischlerlehre machen sollen, das wäre auf jeden Fall cooler gewesen (lacht). Ich habe dann schnell gemerkt, dass es mich nicht erfüllt und habe Produktdesign in Hannover studiert. Produktdesign ist allerdings ebenfalls begrenzt: Es gibt schon so viele Produkte und nach dem Studium bei Nokia zu arbeiten und dort jedes halbe Jahr ein Handy zu optimieren, war nicht meins. Ich habe dann ein Urlaubssemester eingelegt und bin nach Berlin gezogen. Hier habe ich ein Praxissemester eingelegt und nebenbei schon immer mit einer Freundin freie Projekte gemacht, von der Hochzeitsdekoration übers Projektmanagement bis hin zur Papeterie. Außerdem habe ich bei einer Verpackungsfirma als freie Produktdesignerin gearbeitet.

Danach habe ich mir ein halbes Jahr Zeit genommen und überlegt, was ich wirklich will – und es war eigentlich schon immer die Gestaltung von Räumen. Egal, wo ich hin kam, mich hat immer die Raumgestaltung interessiert. Im Museum waren es zum Beispiel nicht die Kunstwerke, die mich interessierten, sondern die Atmosphäre und die Architektur – genauso ist es bei Restaurants oder Bars – mich interessiert immer das Atmosphärische, was Räume mit Menschen machen.

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Das Samtsofa hat Silke bei Bolia gekauft, die Tapete ist von „Tapeten Ende der Siebziger“.

Behalten eure Kunden auch manchmal Herzensdinge, wenn ihr ihre Räume umgstaltet, und schaut ihr auch auf Flohmärkten und in Vintage-Stores nach neuen Objekten oder ist es alles Neuware?

Julia: Wir fragen vorher immer ab, was die Kunden behalten wollen. Wir setzen das alte Lieblingsstück dann vielleicht anders ein oder lackieren es um. Wir hatten neulich eine Kundin mit einer Vitrine im „Gelsenkirchener-Barock“-Stil – wir stellen dann einfach statt Teller High-Heels rein – so brechen wir den Stil und spiegeln die Kontraste.

Silke: Es ist auch wichtig, dass die Kunden einige Lieblingsstücke behalten und nicht alles austauschen, das ist das Persönliche. Vintage ist super, ich liebe alles, was nicht von der Stange kommt. Eigentlich schauen wir bei jedem Auftrag immer bei Ebay oder beim „Heißen Draht“. Wenn es wirkliche Unikate sind, dann sprechen wir das schnell mit den Kunden ab, damit sie bei der finalen Präsentation nicht schon verkauft sind.

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Müsst ihr die Kunden manchmal auch zu ihrem Glück zwingen?

 Silke: Wir haben letztens das Schlafzimmer von einem Pärchen umgestaltet – überall standen dreißig Jahre alte Kiefernholzmöbel mit quietschbunter Bettwäsche. Und der Mann sagte zu uns: „Der Wäschekorb stört mich am meisten“ – den haben wir aber letztlich in das neue Interior Design integriert (lacht) und es ist ein tolles Schlafzimmer geworden. Wichtig ist aber auch: Wir können nur Empfehlungen geben, was gut aussieht und was nicht – am Ende muss der Kunde sich wohlfühlen, das geht immer vor und wir müssen unsere Ideen notfalls zurückstecken.

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Die alten Stühle hat Silke bei Ebay Kleinanzeigen gefunden und aufgearbeitet, den schwarzen Esstisch findet ihr bei Hay in unterschiedlichen Größen.

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Welche Rolle spielt das Thema DIY bzw. Sachen selbst bauen bei euch?

 Julia: Ich liebe DIY-Lösungen. Es kommt natürlich immer auf den Kunden an, denn DIY ist vielleicht eher etwas für die Jüngeren, bei den Ende-Dreißigjährigen kann man einzelne Elemente aufnehmen, die wollen meistens aber lieber ein fertiges Produkt.

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We love pink velvet!

Wer sind eure Kunden?

Eigentlich haben wir nur Pärchen, die gerade zusammenziehen oder geheiratet haben, als Kunden. Ob homo oder hetero – es sind meistens Pärchen im Alter von Mitte/Ende dreißig, die ganz gut verdienen, einen festen Job haben und ein bisschen Geld in die Hand nehmen wollen, um es sich schön zu machen. Meistens sind sie im Job total busy und haben gar keine Zeit, sich mit Einrichtung zu beschäftigen. Es sind Leute, die wissen, was sie wollen, und einen geschulten Geschmack haben, aber keine Zeit, sich alles zusammenzusuchen. Das ist ein großer Aspekt: Wir sind Zeitsparer.

Wenn es eher etwas dunkler und edgy ist, übernehme ich den Job, wenn es hell und bunt werden soll, ist es etwas für Julia.

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Was macht ihr, wenn ihr euch bei einem Kunden mal nicht sicher seid mit dem Konzept?

Julia: Wir sind immer im Austausch, auch mit unseren externen Designern. Manchmal ist man sich unsicher, ob man den Kunden richtig „gelesen“ hat – es gibt ja Millionen von Richtungen, in die man gehen kann und es ist immer gut, eine zweite Meinung zu haben.

Silke: Unsere Herangehensweisen, Stile und Inspirationen sind ganz unterschiedlich. Teilweise wissen wir schon bei neuen Anfragen zu wem von uns es passt. Wenn es eher etwas dunkler und edgy ist, übernehme ich den Job, wenn es hell und bunt werden soll, ist es etwas für Julia. Oft machen wir die Konzepte aber auch zusammen – das macht es auch so facettenreich, weil wir so verschiedene Seiten haben. Manchmal kommen wir zusammen aber auch nicht weiter, dann gehen wir auseinander und denken unsere Ideen weiter. Wenn wir dann wieder zusammenhocken, geht das wie beim Ping Pong und auf einmal sind wir beim Endkonzept.

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Gibt es einen Raum, der besonders häufig für ein Umstyling angefragt wird?

Wohn- und Esszimmer – es sind meistens die öffentlichen Räume, die repräsentiert werden.

Mittlerweile habt ihr Interior-Stylisten über ganz Deutschland verteilt. Wie wählt ihr diese aus? Welche Voraussetzungen müssen sie erfüllen?

 Julia: Momentan haben wir drei externe Designerinnen. Unsere Designer müssen präsent sein. Wenn der Kunde die Tür aufmacht, muss er in ein strahlendes Gesicht blicken und das Gefühl haben, mit der besten Freundin einen Tag zu verbringen. Wir suchen vor allem Leute in großen Städten mit Know-how im Interior-Bereich. Neben der Berufserfahrung und Grafik-Know-how für die Konzepterstellung ist uns auch ein Einfühlungsvermögen beim Kunden besonders wichtig. Im Endeffekt wollen wir, dass die Designer freie Hand haben, trotzdem müssen sie auch zu unserem Stil passen – wir verstehen uns als Marke, unsere Corporate Identity muss also auch gewährleistet sein.

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Ihr gestaltet nicht nur Wohnräume, sondern auch Büros um …

Unser Einsteigerprojekt war das Office-Design von der Berliner Digitalagentur Fjord. Die Herangehensweise bei der Gestaltung von Büros ist ganz anders als bei der Wohnung einer Privatperson, weil man damit das Konzept eines Unternehmens repräsentiert. Wir haben ihnen eine kunterbunte Spielwiese gezaubert und Ordnung ins kreative Chaos gebracht.

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Wir wollen immer etwas Besonderes und kein 0-8-15 Projekt.

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Habt ihr ein Traumprojekt?

Julia: Ich komme ja aus der Architektur und würde sehr gerne irgendwann mal ein ganzes Haus renovieren und umbauen. Die Umgestaltung eines Hotels könnte ich mir auch sehr gut vorstellen.

Silke: Auf jeden Fall eine Bar, die ich nach meinen Vorstellung einrichten kann. Wir wollen immer etwas Besonderes und kein 0-8-15 Projekt.

Julia: Trotzdem wollen wir großen Architekturbüros keine Konkurrenz machen – ganz oben steht unser leistbarer Interior Service!

Bringt ihr auch manchmal Ideen von euren Konzepten mit nach Hause?

 Julia: Ja, auf jeden Fall! Wir bringen bei unserer Arbeit natürlich auch immer irgendwie unseren eigenen Geschmack mit ein.

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Welchen Stellenwert haben Interior-Trends bei eurer Arbeit?

Silke: Von Trends lassen wir uns eher weniger beeinflussen. Oft hat es nichts mit gelebten Räumen und Zeitlosigkeit zu tun. Die schwarz-weißen Typografie-Bilder finde ich zum Beispiel ganz schrecklich, das wurde so trivial, dass es nicht mehr reizvoll ist. Am Anfang sind Trends noch spannend und dann ist es plötzlich überall – ein gutes Beispiel sind auch Wohnaccessoires aus Kupfer und Messing. Als Inspiration finde ich eher alte Bilder und Bücher spannend. Durch meine Mama bin ich letztens auf ein Wohnbuch mit Bildern aus den Siebziger Jahren gestoßen – so etwas ist sehr inspirierend.

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Verratet ihr unseren Lesern abschließend drei Einrichtungs-Tricks, mit denen ihr immer arbeitet oder, die sich durch eure Konzepte ziehen?

Julia: Ich stehe total auf Spiegel, sie erzeugen eine physische Tiefe, der Raum erweitert sich und es ist immer ein bisschen Bewegung im Raum. Ich finde, ins Wohn- und Esszimmer gehört ein Spiegel, egal ob rund oder eckig.

Silke: Ich finde die Philosophie von Aufräumexpertin Marie Kondo gut: „Behalte nur das, was du richtig gut findest.“ Und genau das sollte man auch mit Wohnaccessoires machen. Alles was man sieht, sollte Freude bereiten. Alles was zwar funktional aber nicht schön ist, sollte weg. Und bei häßlichen Verpackungen ist der Trick, dass man Umverpackungen benutzen kann, also Körbe, Gläser oder Schachteln – das geht zum Beispiel auch gut in der Küche. Und ich gebe den Kunden immer Blumen-Empfehlungen, zum Beispiel im Sommer Artischocken in die Vase stellen, auch wenn ich selbst keinen grünen Daumen habe (lacht). Du kannst ein richtig schönes Interior haben, aber wenn du dir hässliche Blumen dazu kaufst, macht man alles kaputt. Man kann so viel damit machen – zum Beispiel auch die Kombination zwischen Trockenblumen und frischen Schnittblumen.

Julia: Ausgewählte Kontraste sind sehr wichtig, man muss nur aufpassen, dass man die richtigen Kontraste setzt, sonst wird es schnell flach. Wir hatten gerade eine Kundin, die es sehr skandinavisch mag, alles war hell und es gab keinen einzigen Kontrast. Alles, was dunkel war, hat sie mit heller Folie überklebt. Wir haben ihr dann zu den Kontrasten geraten – das tut einem Raum gut.

Silke: Ein Trick ist: Durch eine rote Brille kannst du sehen, welchen Hell-Dunkel-Kontrast du in der Wohnung hast, ohne Brille siehst du einfach nur Farben. Einige Farben haben aber genau den gleichen Tonwert. Es ist wichtig, dass der Kontrast nicht zu hart ist. Mit einem Schwarz-weiß-Kontrast sollte man zum Beispiel sehr sensibel umgehen, es sei denn man möchte diesen Stil straight durchziehen. Abstufungen sind immer gut, dass man zum Beispiel zu einem Petrolblau ein intensives Blau stellt Monochromie ist auch ein wichtiges Interiorthema.

Danke für das Interview und die spannenden Tipps!

Hier findet ihr Wit & Voi:

 

Fotos: Sophia Lukasch

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