Schluss mit Hochzeitschaos: Wie Jennifer Browarczyk das Heiraten erleichtert

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Wer heiraten möchte, muss viele Entscheidungen treffen: Welcher Florist macht die schönsten Blumen? Bei welchem Konditor bestelle ich die Torte und welcher DJ legt wirklich erträgliche Musik auf? Gründerin Jen Browarczyk will mit ihrem Start-up foreverly.de dem Planungschaos ein Ende bereiten. Der Marktplatz bringt Brautpaare und Anbieter zusammen und erleichtert so den Weg zur Traumhochzeit – und das mit ordentlich viel Köpfchen. Davon überzeugen wir uns selbst, als wir die 36-Jährige in ihrer Wohnung in Kreuzberg besuchen. Auf dem Weg in die foreverly-Zentrale erzählt uns Jennifer, die lange Zeit in Lateinamerika und den USA gelebt hat, von der aufreibenden Gründungsphase und, wie sie zu dem Thema Heiraten gekommen ist.

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femtastics: Bist du verheiratet?

Jennifer Browarczyk: Noch nicht.

Wie kam es dann dazu, dass du ausgerechnet ein Portal für Brautpaare gegründet hast?

Ich war letztes Jahr in Kapstadt und habe als Projekt Manager für Google und 88mph ein Accelerator Programme durchgeführt, bei dem es darum ging, in Südafrika ansässigen Tech-Firmen die Gründung mit Hilfe von Seed-Finanzierung zu ermöglichen. In der Zeit habe ich viel gelernt und wollte dann, als ich nach Berlin zurückgekehrt bin, selber gründen.

Warum hast du dir das Thema Heiraten ausgesucht?

Zwei meiner Schwestern haben damals geheiratet und mich ständig gefragt: Jen, kannst du uns bitte bei der Orga helfen? Ich habe zu ihnen gesagt: Geht online – da werdet ihr alles finden, was ihr braucht. Dann wollte ich sie bei der Suche nach dem Hochzeitskleid unterstützen und habe Termine in den Brautmodegeschäften gemacht. Es hat sich keiner zurückgemeldet, die Termine waren schwer zu kriegen. Außerdem haben die Mitarbeiter der Shops gar nicht richtig zugehört, was wir wirklich wollten. Irgendwann dachte ich, das kann doch nicht wahr sein, habe mich intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt und gemerkt: Da fehlt was.

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Also hast du die Sache selbst in die Hand genommen?

Ich kannte amerikanische Seiten wie Wedding Wire oder das New Yorker Start-up Carats and Cakes und habe dann angefangen, den deutschen Hochzeitsmarkt zu analysieren. Tendenziell heiraten gerade immer mehr Menschen in Deutschland, im letzten Jahr gab es rund 400.000 Eheschließungen.

Die Ehe bedeutet für mich, dass man seinen Seelenverwandten gefunden hat.

Heiraten ist Trend.

Ich wusste zumindest, dass es einen Markt gibt. Ich wollte nicht den Fehler machen, irgendwas online zu starten, ohne zu testen, ob es wirklich Bedarf gibt. Ich fand das Thema auch spannend, weil es mit Mode zu tun hat, emotional und persönlich ist und bisher einfach niemand groß Zeit in ein passendes Online-Angebot investiert hatte. So fing alles an.

Welche Bedeutung hat die Ehe für dich?

Die Ehe bedeutet für mich, dass man seinen Seelenverwandten gefunden hat. Manche Leute brauchen die Ehe, weil ihnen die Tradition wichtig ist. Es gibt aber genauso viele Paare, die ohne Ehe glücklich sind. Leider ist Deutschland in vielen Belangen noch sehr konservativ. Es gibt viele Dinge, die nur mit einer Heirat möglich sind, wie steuerliche Vorteile beispielsweise. Auch die homosexuelle Ehe sollte endlich Normalität werden.

Hast du eine Erklärung, warum Heiraten gerade wieder im Kommen ist?

Wir leben in einer sehr unpersönlichen Welt, in der wir viel Zeit vor dem Rechner verbringen. Viele Werte sind verloren gegangen. Man verbringt nicht mehr so viel Zeit mit Freunden, weil man eine Art Scheingefühl hat, dass man ständig in Kontakt ist, was aber eigentlich nicht stimmt. Es entsteht eine Sehnsucht nach alten Werten und danach, eine tiefere Bindung mit dem Partner zu haben.

Wie wird heute geheiratet? Muss eine Hochzeit 20.000 Euro kosten?

Im Durchschnitt geben deutsche Paare zwischen 15.000 und 20.000 Euro für die Hochzeit aus. Am Anfang beträgt das Budget meisten zwischen 7.000 und 10.000 Euro, aber die tatsächlichen Kosten sind immer höher. Es gibt auch Leute, die 30.000 bis 40.000 Euro für die Hochzeit ausgeben wollen. Die Kosten addieren sich schnell, das fängt beim Essen an und hört beim Hochzeitsvideo auf. Man muss ehrlich mit sich sein und sich überlegen, was man wirklich für die Hochzeit ausgeben will – mit allem drum und dran.

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Wie kriegt man das hin?

Wir launchen jetzt zum Beispiel eine App, die einen Budget-Planer hat und Richtwerte gibt, wie viel Prozent des Budgets man für welchen Posten am besten ausgibt. Das bietet Orientierung und erleichtert die Planung.

Welche Trends lest ihr anhand eurer Website ab?

Die USA sind uns immer zwei Jahre voraus, momentan geht der Trend wieder ganz stark in Richtung Bohème-Hochzeiten. Also weniger Hotel-Hochzeiten, die Leute suchen eher nach schönen Bauernhöfen auf dem Land. Food Trucks sind auch sehr gefragt, an Stelle von einem formalen gesetzten Dinner. Und Wildblumen sind sehr angesagt, alles also lockerer und entspannter. Auf Facebook haben wir Gruppen für Bräute, die demnächst heiraten. Die können sich hier mit all ihren verrückten Ideen untereinander austauschen, der Freundeskreis will manchmal gar nichts mehr von dem Thema hören.

Was treibt künftige Bräute noch so um?

Einer unserer bestlaufenden Artikel dreht sich um Hochzeitsspiele. Ich verstehe das überhaupt nicht, warum machen die Deutschen so gern Hochzeitsspiele!? Wir versuchen Alternativen zu finden – vom Photo Booth bis zum Quiz. Generell soll jede Hochzeit individuell sein. Die meisten Brautpaare möchten nicht die gleichen Dienstleister haben, wie die besten Freunde.

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Die Deutschen wollen viel selbst machen und die Kontrolle behalten. Dafür ist foreverly perfekt.

Siehst du Hochzeitsblogs als Konkurrenz?

Überhaupt nicht. Im Gegenteil: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir brauchen viel mehr Hochzeitsblogs! In Deutschland gibt es vielleicht eine Handvoll gute Hochzeitsblogs, das ist bei so einem wichtigen Thema extrem schade. Generell würde ich mir manchmal Konkurrenz wünschen, denn so könnte ich viel schneller sehen, was ich falsch und richtig mache.

Du kennst den amerikanischen Markt sehr gut. Lassen die Amerikaner sich öfters von einem Wedding Planner unterstützen?

Das ist in den USA viel verbreiteter, klar. Die Deutschen wollen viel selbst machen und die Kontrolle behalten. Dafür ist foreverly natürlich perfekt. Hier finden sie alle Dienstleister für alle Themen.

Wie findet ihr die Dienstleister?

Wir selektieren die Dienstleister nicht nach Geschmack, sondern nach Qualität. Wir möchten für jedes Brautpaar die richtigen, qualitativ hochwertigen Anbieter auf unserem Marktplatz haben. In der Regel telefonieren wir ein-, zweimal mit den Unternehmen und schauen uns die Website an, bevor wir sie in unseren Marktplatz aufnehmen. Viele Konditoren und Floristen sind nach wie vor nicht im Netz zu finden. Hier müssen wir einen Schritt zurückgehen und recherchieren selbst über die Gelben Seiten. Die Unternehmen sind oft sehr skeptisch, weil sie nicht tech-affin sind. Die haben Jahrzehnte lang Anzeigen in Magazinen geschaltet oder von Mund-zu-Mund-Propaganda gelebt. Die wenigsten Bräute von heute gehen allerdings zum Kiosk und wälzen Anzeigen.

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Das heißt, ihr seid richtig missionarisch unterwegs.

Total! Teilweise drucken die Dienstleister ihre Profile aus, machen Änderungen und wollen uns das dann zurück faxen – wir haben bloß kein Fax.

Wie wählst du die redaktionellen Themen für foreverly aus?

Ich schreibe nicht nur über Sachen, die mir gefallen. Das ist nicht Sinn der Sache. Ich versuche, alle Themen und Geschmäcker abzudecken. Ich will es allen recht machen.

Du befindest dich noch in der Gründungszeit – hast aber schon sieben Mitarbeiter. Wie hast du das geschafft?

Ich hatte das große Glück, dass ich den Studi-VZ-Gründer Michael Brehm kennengelernt habe. Er ist einer meiner Investoren. Von Anfang an war klar, dass ich das Projekt nur mit Investoren machen würde. Etwas Eigenkapital habe ich natürlich auch reingesteckt.

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Außerdem hast du gleich eine GmbH gegründet.

Eine GmbH zu gründen war wichtig, weil die Dienstleister, die wir für unseren Marktplatz akquirieren, teilweise sehr konservativ sind und mehr Vertrauen gegenüber einer GmbH haben. Für die Investorensuche war die Rechtsform ebenfalls wichtig. Ich wollte nie alleine gründen und bin eine Befürworterin von Teams. Leider habe ich keinen passenden Mitgründer gefunden. Bevor ich jemanden mit reinnehme, mit dem ich mich nicht verstehe, habe ich es also alleine gemacht. Ich suche aber immer noch jemanden, der stark im Vertrieb ist.

Wie viele Investoren hast du gefunden?

Es waren ein paar sogenannte Angel-Investoren mit an Bord, so dass ich das Team aufbauen konnte. Momentan befinden wir uns in der Proof-of-Concept-Phase, als nächstes werden wir in Marketing investieren.

Es ist eine große Herausforderung und manchmal auch sehr anstrengend. Aber ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt.

Eine aufregende Zeit.

Gerade die Anfangszeit ist extrem als neue Brand, die keiner kennt und bei der viele nicht verstehen, was du da überhaupt machst. Es ist eine große Herausforderung und manchmal auch sehr anstrengend. Aber ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg!

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Hier findet ihr Jennifer:

Fotos: Marlen Mueller

 

 

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