Family Portrait: Zu Besuch bei Mama-Bloggerin Ivy Meyer & Jonah

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Mama-Bloggerinnen gibt es (zum Glück!) viele – Ivy Meyer aus Hamburg finden wir besonders sympathisch! Die 29-Jährige ist seit 1,5 Jahren Mama von Jonah und teilt ihre Erfahrungen auf ihrem Blog Ivy.li. Hier gibt es neben Einblicken aus dem Familienleben auch immer wieder spannende Blog-Beiträge zum Thema „Attachement Parenting“. Ein Konzept, das Ivy und ihr Mann Tom tagtäglich leben und gerne mit anderen teilen. Darüber mussten wir sprechen! Wir besuchen Ivy, die als Designerin in einer Werbeagentur arbeitet, und Jonah in ihrer 3-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Winterhude. Mit im Gepäck: Ivys Lieblingsteile aus der Babykollektion von C&A.

Ich wusste immer, dass ich unbedingt ein Kind möchte.

femtastics: Du bist mit 27 Jahren Mutter geworden und gehörst damit gefühlt eher zu den jüngeren Müttern. War es eine bewusste Entscheidung, Mama zu werden?

Ivy Meyer: Ja, war es. Wir haben uns ein Kind gewünscht und ganz lange probiert, bevor es geklappt hat. Es war nicht so einfach, obwohl ich noch nicht 30 bin. Wenn man aus der Werbebranche kommt, ist man mit 27 Jahren eher eine von den jüngeren Müttern. Würde ich in einem Dorf leben, wäre ich vielleicht eher eine von den älteren.

Wolltest du schon immer gern Kinder haben?

Ich wusste immer, dass ich unbedingt ein Kind möchte. Für mich gehört das einfach dazu. Als im Bekanntenkreis immer mehr Leute Kinder bekamen, wurde der Wunsch größer. Es war mein Lebensziel, eine eigene Familie zu gründen. Mein Freund und ich kommen aus ganz kleinen Familien, wir haben beide keine Geschwister. Meine Tante und mein Onkel haben auch auch keine Kinder, auf meiner Seite bin ich das einzige Kind der Familie. Da war der Gedanke einfach da, die Familie etwas zu vergrößern.

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Hasen-Liebe: Das Langarmshirt mit „Miffy“ aus Bio-Baumwolle und die dunkelblaue Strumpfhose stammen aus der Baby-Kollektion von C&A!

Wie war die Geburt?

Eigentlich ganz geil. Wir waren beim Frauenarzt zum Ultraschall und es hieß, alles sei gut und das Kind würde schon relativ weit unten im Becken liegen. Das bedeutet, dass es jeden Moment losgehen kann. Die Ärztin war der Meinung, dass es noch ein Moment dauert. Aber ich bin unruhig geworden, das Kind bewegte sich weniger und das ist ein Anzeichen dafür, dass es bald losgehen könnte.

Also hast du zu Hause aufgeregt abgewartet?

Nein, wir waren noch bei Ikea und im Supermarkt. Auf dem Parkplatz bekam ich plötzlich krasse Unterleibsschmerzen. Die gingen dann aber wieder weg. Als ich vor der Haustür ausstieg, ist mir die Fruchtblase auf der Straße geplatzt. Zuerst hatte ich schon Angst, dass ich mir vielleicht in die Hose gepinkelt hatte, das war mir schon etwas peinlich.

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Die Kita ist die perfekte Möglichkeit für Jonah, um sich auszupowern.

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Krass! Seid ihr dann sofort ins Krankenhaus gefahren?

Wir sind in die Wohnung gegangen und da merkte ich, dass es einfach nicht aufhört zu laufen. Dann hatte ich von null auf hundert, alle drei Minuten richtig starke Wehen. Also sind wir ins Krankenhaus gefahren. Nachdem ich zwei PDA’s bekam, war auch alles gut. Die erste PDA hat meine linke Seite total betäubt, nach der zweiten konnte ich meine Beine dann nicht mehr bewegen. Das war nötig, weil ich so starke Schmerzen hatte und so erschöpft war, weil es so lange dauerte. Mit der PDA konnte ich wenigstens ein bisschen Kraft tanken. Zum Schluss musste alles schnell gehen, weil es Jonah nicht so gut ging. Ärzte und Hebamme haben sich auf mich drauf geworfen, damit er rauskommt.

Zum Glück ist alles gut gegangen! Hast du dich vorher viel über die Geburt informiert?

Ich habe viel gelesen, allerdings nicht in Foren, da ist die Berichterstattung eher nicht so positiv. Ich hab viele, gute Blogs gelesen, sowohl mit guten als auch negativen Geburtsgeschichten, um ein breites Spektrum zu bekommen.

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Jonah ist ein kleiner Küchen-Fan, Teig anrühren kann er aus dem Effeff! ;)

Hast du einen Tipp für einen guten Mama-Blog?

Ich bin ein großer Fan von Geborgen wachsen. Das ist ein bindungsorientierter Elternblog. Von Autorin Susanne gibt es auch einige Bücher, die ich sehr gerne gelesen habe. Gewünschtestes Wunschkind lese ich auch sehr gerne.

Wie hat sich dein Leben geändert, seit Jonah da ist? Wie organisierst du deinen Alltag?

Eigentlich wollte ich im Oktober schon wieder arbeiten. Fünf Wochen vorher hatten wir die Eingewöhnung in der Kita und die lief leider furchtbar. Am Anfang bleibt man noch dabei. Die ersten zwei Tage dachte ich, es läuft richtig gut und Jonah ist richtig gerne dort. Dann sollte ich fünf Minuten rausgehen und da ist es zum ersten Mal eskaliert.

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Jonah hatte Probleme damit, dass du weggehst?

Genau. Er selbst hatte kein Problem damit, den Raum zu verlassen. Sobald ich selbst den Raum verließ, ging gar nichts mehr. Nach zwei Wochen hat Tom die Eingewöhnung übernommen. Das hat einige Wochen hervorragend geklappt und dann kam die vierte und eigentlich letzte Woche – da haben wir überlegt, alles abzubrechen.

Was ist passiert?

Jonah wollte partout nicht in die Kita. Eigentlich hat jedes Kind einen Bezugserzieher, Jonah hat sich aber einen anderen Erzieher als seinen Lieblingserzieher ausgesucht. Sobald der aus dem Raum gegangen ist, hat Jonah auch bei ihm stark geklammert. Wir haben dann mit dem Erziehern gemeinsam die Eingewöhnung ausgedehnt und es einfach langsamer angehen lassen. Tom blieb länger mit Jonah in der Kita und irgendwann war Jonah fein damit, wenn Papa ging. Und der Erzieher, den sich Jonah ausgesucht hat, wurde letztendlich auch sein Bezugserzieher. Der nimmt sich besonders viel Zeit für ihn und trägt ihn auch in den Schlaf und Mittags schläft er bei ihm auf den Arm. Jetzt steht Jonah morgens um 7 Uhr vor der Tür und findet es gar nicht witzig, dass er noch eine Stunde warten muss. Er sagt auch nicht mehr Tschüss, wenn wir in der Kita ankommen.

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Ich stelle es mir schwierig vor, hart zu bleiben. Hast du einfach auf deinen Bauch gehört?

Das war total schwierig. Aus finanzieller Sicht ist es nicht unbedingt nötig, dass ich schnell wieder arbeiten gehe. Aber Jonah ist ein sehr aktives Kind und es gibt Tage, an denen kann ich die Betreuung alleine einfach nicht leisten. Andere Eltern können nebenbei andere Dinge machen, während das Kind spielt, bei uns geht das leider gar nicht. Die Kita ist die perfekte Möglichkeit für Jonah, um sich auszupowern. Inzwischen bin ich mega glücklich, dass er jeden Tag in die Kita geht. Wenn ich ihn dann am Nachmittag abhole, haben wir unseren Spaß auf dem Spielplatz.

Du hältst es dir also noch ein bisschen offen, wann du wieder in den Job einsteigst?

Wir haben jetzt geplant, dass ich im Januar wieder in den Job einsteige. Außerdem läuft mein Blog ziemlich gut, das beeinflusst die Entscheidung natürlich auch.

Apropos: Was hat dich dazu bewogen, einen Mama-Blog zu starten?

Nach meinem ersten Blog habe ich privat für meine Freunde weitergebloggt. Wir haben das untereinander gelesen. Während der Schwangerschaft wollte ich das gerne weiterführen und meine Erfahrungen gern mit jemanden teilen. Ich habe so viele Mama-Blogs gelesen, dass ich mich dazu entschieden habe, etwas davon zurückzugeben. Plötzlich hatte ich eine recht große Community, die sehr aktiv war. Viele Fans, die meinem ersten Blog folgten, waren wieder da.

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Es ist wichtig, das Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen aller Familienmitglieder und den eigenen Grenzen zu wahren.

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Jonah liebt … Wasser!

Auf deinem Blog geht es viel um „Attachement Parenting“, ein Konzept, das du in deiner Erziehung verfolgst. Was genau ist „Attachement Parenting“?

Der Begriff „Attachment Parenting“ ist vom amerikanischen Kinderarzt William Sears und seiner Erziehungslehre geprägt, die auf der Bindung zwischen Eltern und Kind und das Vertrauen in sich selbst, die eigenen Instinkte und die Kompetenz des Babys aufbaut. Er hat einige Grundsätze festgelegt, die wir als Werkzeug nutzen können, um eine gute Bindung aufzubauen.

Wie sieht das konkret aus?

„Attachment Parenting“ ist eigentlich kein klar definierter Begriff. Viele Familien leben diesen Weg und bei jeder sieht er anders aus. Im großen und ganzen geht es darum, eine gute Bindung zwischen Eltern und Kind aufzubauen und auf die Bedürfnisse aller Familienmitglieder einzugehen. Bedürfnisse gehen hier aber über Hunger und Durst hinaus. Nähe, Liebe und Geborgenheit gehören auch dazu und spielen eine große Rolle. Bindungs- und bedürfnisorientierte Elternschaft trifft es ganz gut.

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Wie wird das im Alltag mit dem Kind umgesetzt?

Für uns gehören Stillen, Tragen und Familienbett dazu, für andere geht es noch weiter und sie praktizieren Windel- und Kitafrei. Was bei allen gleich ist: Kein Kind wird schreien gelassen, denn jedes Weinen hat einen Grund und wenn es nur ein Erzählen und Meckern ist, das man mit Tragen und Zuhören begleitet. Es ist ein intuitiver Weg, bei dem auf das unvoreingenommene Bauchgefühl gehört wird.

Gibt es auch Kritiker?

Gerade in der letzten Zeit werden online immer mehr Stimmen laut, die das Konzept verteufeln. Vor allem Mütter schreien auf, dass es ein Weg sei, bei dem man sich aufopfern müsste. Ich glaube, da meckern viele, die sich nicht wirklich mit „Attachment Parenting“ beschäftigt haben. Einer der von Sears definierten Eckpfeiler ist „Balance and boundaries“. Es ist wichtig, das Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen aller Familienmitglieder und den eigenen Grenzen zu wahren. Dazu gehören ganz klar auch die Bedürfnisse der Eltern. Achte ich nicht auf mich selbst, kann ich auch nicht ausreichend und feinfühlig auf die Bedürfnisse der anderen eingehen. Selbstfürsorge gehört bei der modernen bedürfnisorientierten Elternschaft ganz klar dazu.

Es ist außerdem kein starrer Weg. Kann ich nicht stillen, bedeutet das nicht automatisch, dass ich keine gute Bindung zu meinem Kind aufbauen kann. Es gibt viele Möglichkeiten, eine gute und feste Bindung wachsen zu lassen und Geborgenheit gibt es nicht nur an Mamas Brust.

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Würdest du sagen, dass auch Alleinerziehende das umsetzen können? Nimmt das Modell viel Zeit (zweier Elternteile) in Anspruch?

Ich habe das Glück, einen Partner an meiner Seite zu haben, der mich unterstützt. Wir sind ein Team. Ich kann mich nur schlecht in die Rolle eines alleinerziehenden Elternteils hineinversetzten. Auch an Tagen, an denen ich alleine bin, weil mein Mann auf Geschäftsreise ist, muss ich mir keine existenziellen Sorgen machen. Aber abgesehen davon, lebe ich auch an solchen Tagen unseren Weg und ich glaube auch, dass er sich mit nur einem Elternteil umsetzen lässt. Es kostet nicht mehr Zeit, feinfühlig auf die Bedürfnisse meines Kindes einzugehen, als sie zu übergehen oder nur notdürftig zu stillen. Ich muss aber bereit dazu sein, mich darauf einzulassen. Ich glaube, dieser Weg lässt Kinder zu sehr selbstständigen und selbstsicheren Menschen heranwachsen.

Welche Vorteile siehst du noch im „Attachement Parenting“?

Es ist für mich sehr entspannend. Wir schlafen im Familienbett und ich stille nach Bedarf. Ich bin morgens fit, wenn ich nicht gerade bis in die Nacht hinein wach war oder irgendjemand krank ist. Wird mein Kind nachts wach, kuscheln wir uns einfach wieder aneinander, stillen und schlafen wieder ein. Niemand muss aufstehen, das Einschlafen geht oft viel schneller als ich es von vielen anderen Eltern höre, die sich gegen das Einschlafstillen oder das Familienbett entschieden haben und im Normalfall gleicht sich beim gemeinsamen Schlafen der Schlafrhythmus von Eltern und Kind an.

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Alle Mamas und Papas sollten zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen.

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Ist Fremdbetreuung ein Widerspruch zur bindungsorientierten Elternschaft?

Nein, unser Sohn geht seit er knapp 16 Monate alt ist in die Kita und ich kann vormittags arbeiten. Er hat einen Erzieher gefunden, den er liebt und zu dem er eine ganz hervorragende Bindung aufgebaut hat. Im modernen „Attachement Parenting“ gibt es mehr als nur eine Bindungsperson.

Ich habe das Gefühl, dass in Online-Magazinen und Blogs teilweise vieles zerredet wird und Mütter nichts richtig machen können. Es gibt so viele Regeln! Geht es dir manchmal auch so?

Es kommt immer darauf an, was man liest. Aber ja, gerade auf großen Plattformen wird immer mehr gemeckert, mit dem Finger auf andere gezeigt und heute dies und morgen das genaue Gegenteil verteufelt. Jeder stellt seinen Weg als genau den richtigen dar und wird dabei teilweise ziemlich unfreundlich und dogmatisch. Dabei gibt es so viele Wege, wie es Familien gibt. Alle Mamas und Papas sollten zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen, statt sich fertigzumachen.

Ich verteufele auch nicht andere Erziehungsmodelle. Erst wenn es um Kindesmisshandlung geht, körperliche und seelische, werde ich wütend und ich ertrage den Spruch „Das hat uns doch damals auch nicht geschadet“ nicht. Denn wer das sagt, dem hat es eben doch geschadet.

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Ich habe als Mama eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein.

Wie schaffst du es, dich von den ganzen Regeln frei zu machen?

Ich habe als Mama eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein. Ich glaube daran, dass wir den richtigen Weg für uns als Familie gehen. Das hilft, um mir dumme Sprüche nicht zu Herzen zu nehmen. Ich lese aber auch einfach nicht mehr jeden reißerischen Artikel und höre auf, in irgendwelchen Mama-Gruppen auf Facebook beleidigende Kommentare zu lesen, wenn es mir zu viel wird. Es ist wichtig, sich sicher in dem zu fühlen, was man tut und Menschen, physisch oder digital, um sich zu haben, die einen unterstützen und den gleichen Weg gehen.

Jetzt zum Thema Babykleidung: Was ist dir beim Kauf von Babykleidung wichtig?

Gerade bei der Kleidung für ganz kleine Babys ist es mir wichtig, dass kein Quatsch an die zarte Haut kommt. Die ersten Teile für unser Kind waren aus reiner Baumwolle, weicher Wolle und Seide – ohne dicke Chemiekeule zum Bleichen und Färben. Und ich achte auch jetzt noch darauf, dass die Kleidung aus Naturfasern besteht. Bei Regen- und Schneekleidung ist das natürlich etwas Anderes. Außerdem sollte die Kleidung praktisch und bequem sein. Kein Baby braucht enge Jeans mit drückenden Knöpfen oder muss einen engen Glitzerpulli mit Applikationen über den Kopf gezogen bekommen – und unser Kleinkind soll in all seinen Sachen draußen im Matsch toben dürfen und können.

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Wonach suchst du Baby-Kleidung aus?

Abgesehen vom Material und der Kuschel- und Tobetauglichkeit, muss mir Kleidung optisch gefallen. Mir gehen diese ganzen Geschlechterklischees tierisch auf die nerven. Meinem Sohn steht Rosa ganz hervorragend und niedliche Häschen sind nicht nur ein Mädchending. Wir gucken in der Jungs- und Mädchenabteilung nach schöner Kleidung und lassen uns nicht von irgendwelchen Etiketten beeinflussen. Und nicht jeder „süße“ Print ist auch ästhetisch niedlich.

Vielen Dank für den schönen Vormittag bei euch, liebe Ivy!

 

Hier findet ihr Ivy:

Fotos: Sophia Mahnert

Layout: Carolina Moscato

– Anzeige: Diese Story ist in Zusammenarbeit mit C&A entstanden –

 

 

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