Sie brennt für die Mode: Redakteurin Anastasia Velminski

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Hände hoch: Wer ist noch Fan vom Instagram-Account @veteminski? Was? Ihr folgt ihr noch nicht? Dann aber schnell! Die 29-jährige Hamburgerin Anastasia Velminski geht mit ordentlich Swag an die Modewelt heran: ihr Handwerk lernte sie als Moderedakteurin beim „Grazia“ Magazin. Hier jettete sie direkt nach dem Studium um die Welt, tanzte mit Rihanna auf Fashion Partys und brachte die neuesten Trends wieder mit nach Hause. Auf dem Boden ist sie dank ihren Freunden und ihrer Familie dennoch immer geblieben. Und genau das macht Anastasia, die mittlerweile als selbständige Musik- und Moderedakteurin arbeitet, so unfassbar sympathisch – wir mussten sie besuchen! Diesmal mit dabei: der Duft-Klassiker 4711 Echt Kölnisch Wasser, den Anastasia schon seit Kindheitstagen kennt.

{Werbung: Diese Story ist in Zusammenarbeit mit 4711 Echt Kölnisch Wasser entstanden.}

Umsonst gibt es nur den Käse in der Mausefalle!

femtastics: Verrätst du uns dein Lebensmotto?

Anastasia Velminski: Mein Vater sagt immer: “Umsonst gibt es nur den Käse in der Mausefalle!” Das heißt so viel wie: Du musst etwas tun, du kannst dich nicht darauf ausruhen, was du hast. Du musst kämpfen, du musst funktionieren, du musst arbeiten. Nur dann kannst du etwas erreichen. Und immer, wenn du denkst, ach mir fällt eh alles in den Schoß, dann fliegst du gewaltig auf die Nase.

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Wir besuchen Anastasia in ihrer 3-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Barmbek.

Anastasia trägt am allerliebsten Unisex- und Männerdüfte: "Das habe ich mir vor ungefähr einem Jahr angewöhnt. Ich habe irgendwann angefangen, das Parfum meines Freundes mit zu benutzen und habe es mir nachgekauft."

Anastasia trägt am allerliebsten Unisex- und Männerdüfte: „Das habe ich mir vor ungefähr einem Jahr angewöhnt. Ich habe irgendwann angefangen, das Parfum meines Freundes mit zu benutzen und habe es mir nachgekauft.“

Du hast Musikwissenschaften, Mathematik und Germanistik studiert. Eine ungewöhnliche Mischung. Wie kamst du darauf?

Ich habe mit Mathe auf Lehramt angefangen, weil ich das in der Schule immer cool fand und mir gut lag. Ich fand das Studium aber ganz fürchterlich. An der Uni Hamburg hat jeder für sich gekämpft, da gab es kein Teamwork. Ich wollte trotzdem nicht abbrechen und habe meinen Bachelor weitergemacht. Parallel dazu habe ich noch Germanistik und Musikwissenschaften studiert. Meinen Master habe ich dann in Germanistik als Hauptfach mit Musikwissenschaft als Nebenfach gemacht.

Was hattest du im Kopf, warum hast du dir das so zusammengestellt?

Ich hatte nie gedacht, dass ich mal Germanistik studieren würde, da ich als Kind nie gern gelesen habe. Grammatik und Diktate haben mir Spaß gemacht, aber Aufsätze waren der Horror für mich. Meine beste Freundin, die ich in der Uni kennengelernt habe, hat Germanistik studiert und mich einfach mal mitgenommen. Ich fand es super spannend, Werke auseinanderzunehmen, auf einmal habe ich auch Spaß am Schreiben gefunden! Daraufhin habe ich das Hauptfach im Master gewechselt.

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Hast du da schon gemerkt, dass du in den Journalismus gehen willst?

Nach dem Abitur habe ich mich gefragt, ob ich ins Lehramt möchte, oder etwas mit Mode mache. Ich habe mir an der AMD Modejournalismus und Medienkommunikation angeschaut, fand es auch toll, habe mich aber doch dagegen entschieden. Das war die richtige Entscheidung, weil ich jetzt viel breiter aufgestellt bin. Ich bin froh, dass ich dennoch den Bogen zur Mode gespannt habe.

Warum gerade Mode?

Schon im Germanistikstudium habe ich gemerkt, dass ich über Mode schreiben möchte. Mode war schon immer meine Leidenschaft. Das habe ich von meiner Mama geerbt. Zu der Zeit habe ich dann mein Blog gestartet. Den wollte ich eigentlich nur als Bewerbungsmappe nutzen; ich hatte ein paar Texte geschrieben, um mich damit bei verschiedenen Magazinen beziehungsweise Redaktionen vorzustellen.

Nach drei Monaten Praktikum wurde ich gefragt, ob ich Modeassistentin werden möchte. Da ging mein Lebenstraum in Erfüllung!

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Aber dein Blog wurde schnell erfolgreich, oder?

Ja, ich hatte schnell viele Besucher. Ich hatte mich dann mit Freundinnen zusammengetan und ein Magazin daraus gemacht, jede hatte eine Rubrik. Das hat mir viel Spaß gemacht. Bei einem Event, zu dem ich eingeladen war, habe ich die Mode-Chefin der „Grazia“ einfach angesprochen, und daraufhin ein Praktikum bei der „Grazia“ bekommen.

Das heißt, du hast nach dem Studium direkt bei der „Grazia“ angefangen?

Ja. Nach drei Monaten Praktikum wurde ich gefragt, ob ich Modeassistentin werden und fest ins Team einsteigen möchte. Da ging mein Lebenstraum in Erfüllung!

Bei der „Grazia“ musst du für die Themen brennen, für die Mode brennen.

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Wie sah dein Job bei der „Grazia“ aus?

Ich habe eigentlich nur noch geschrieben. Ich bin dann auch schnell Redakteurin geworden, durfte mit zu den Fashion Weeks oder auch allein nach London oder Mailand reisen, ich durfte auf Presse-Events gehen wie zum Beispiel in New York. Also richtig schöne Trips machen und noch im Flieger die Texte schreiben.

Die Schnelligkeit, die ein Wochentitel mit sich bringt, hat dir Spaß gemacht, höre ich heraus. Dafür muss man schon der Typ sein, oder?

Man muss total der Typ dafür sein, sonst funktioniert es nicht! Du musst mit Stress umgehen können, weil du jeden Tag abliefern musst. Bei der „Grazia“ musst du für die Themen brennen, für die Mode brennen. Wenn du nur ein bisschen darauf Lust hast, dann funktioniert es nicht.

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Den Duft 4711 Echt Kölnisch Wasser kennt Anastasia aus dem Duft-Repertoire ihrer Mutter: „Wenn ich den Flakon sehe, fühle ich mich zurück gebeamt in meine Kindheit!“

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Wie hast du deine Themen gefunden? Hat sich das so ergeben, weil du einfach alles auf allen Kanälen auf deinem Radar hattest?

Total. Du hast als Redakteurin deine Standardseiten, die du täglich checkst, wie zum Beispiel den „Telegraph“ oder ganz wichtig „Business of Fashion“, das ist meine Bibel. Natürlich auch Social Media, das ist ein großes Thema mittlerweile. Was nicht funktioniert, ist auf Krampf irgendwelche Mode-News rauszusuchen. Du musst als Moderedakteur die Sensoren haben zu merken, da entwickelt sich was.

Kann man das trainieren?

Ich glaube, du musst richtig Bock auf Mode haben, und du musst natürlich ein Gespür dafür haben. Ich habe ganz viel von meiner Mama gelernt und mitbekommen. Die Antennen waren sozusagen schon da. Man kann es aber schon trainieren, gerade wenn du dich rund um die Uhr damit auseinandersetzt.

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Du hast mal gesagt, so weit von dem Film „Der Teufel trägt Prada“ ist der Redaktionsalltag gar nicht entfernt. Really? Erzähl mal!

Damit meine ich nicht, dass die Menschen böse zueinander sind. Aber was den Luxus betrifft, stimmt es total. Du hast eine Requisite, und da hängen die krassesten Sachen! Taschen und Schmuck, die müssen teilweise mit Bodyguards abgeholt werden. Da hängen Taschen im Wert von zehn- bis zwanzigtausend Euro, die wundervollsten Kleider von Valentino und Prada. Das ist eine Parallelwelt.

Wenn man lange in der Modebranche arbeitet, kann man außerdem das Gefühl bekommen, dass gewisse Dinge einfach zur Modebranche dazu gehören und normal sind. Das sind sie aber nicht! Man darf es nicht für selbstverständlich halten, zum Beispiel mit Samples und Presse-Aufmerksamkeiten überschüttet zu werden. Du musst als Redakteurin auf der Hut sein, die Compliance-Regeln des Unternehmens, für das du arbeitest, nicht zu verletzen und neutral zu bleiben. Es ist schon krass, was man als Moderedakteurin macht. Du reist um die Welt und feierst mit Stars, das ist nicht normal.

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Es ist schon krass, was man als Moderedakteurin macht. Du reist um die Welt und feierst mit Stars, das ist nicht normal.

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„Man hat ja früher als Kind immer mal Parfums genommen oder Lippenstift von der Mama probiert. Wenn ich den Duft 4711 Echt Kölnisch Wasser sehe und rieche, denke ich zuallererst an meine Mama, die sich zurechtmacht. Sie ist sowieso mein großes Vorbild, deswegen assoziiere ich mit diesem Duft nur Gutes und Schönes.“

Das driftet manchmal fast ab in eine Art Parallelwelt. Musstest du aufpassen, dass du auf dem Boden bleibst?

Ich habe Freunde, die mich erden, die nichts mit Mode zu tun haben. Auch meine Familie, unterstützt mich in allem und hält mich auf dem Boden.

Es ist natürlich aufregend, unterwegs zu sein, aber auch schade, dass man allein ist und diese Erlebnisse nicht mit den Lieblingsmenschen teilen kann.

Ich habe mir antrainiert, offen zu sein, auf Leute zuzugehen und mit anderen Presseleuten zu quatschen. Die sind auch alleine da, und die sind genauso drauf wie du. So knüpfst du auch unglaublich wichtige Kontakte.

Nervt dich manchmal die Oberflächlichkeit der Thematik bzw. der Branche?

Ich habe natürlich Menschen in der Branche getroffen, mit denen du dich wirklich über nichts Anderes unterhalten kannst außer Mode. Was man natürlich gestehen muss – und da darf man sich nichts vormachen – wir arbeiten in der Mode und operieren nicht am offenen Herzen. Klar ist Mode Kunst und Geschichte und Gesellschaft und wichtig, aber wir retten keine Leben.

Es gibt noch andere Themen neben der Mode.

Natürlich habe ich auch Menschen getroffen, die wirklich nur die Mode in ihrem Leben hatten. So geht es mir überhaupt nicht, ich habe Familie und Freunde und andere Hobbys. Bei der „Grazia“ geht man miteinander lockerer um als bei anderen Heften. Natürlich möchtest du der Chefredakteurin professionell und zurechtgemacht gegenüber treten, aber du hast keine hohen Schuhe unter dem Tisch stehen. Bei der „Grazia“ hat dich niemand schief angesehen, wenn du mit Sneakern und ungeschminkt zur Arbeit gekommen bist. Was die Oberflächlichkeit in der Hinsicht anbelangt, habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht.

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Wir lieben Anastasias Schmuck! Ihre Ketten sind von Monica Vinader (A-Anhänger), Chanel, Asos (Mond & Sterne-Kette) und ein Erbstück (Medallion) ist auch dabei!

Man muss einmal in seinem Leben gekündigt haben, das ist eine ganz wichtige Erfahrung!

Es ist eben auch falsch zu sagen, Mode sei oberflächlich. Du kannst die Mode nur verstehen, wenn du die Bereiche Politik, Gesellschaft und Kultur im Blick hast.

Total! Solche Aussagen wie: „Ach, du arbeitest in der Mode, das ist ja bestimmt witzig. Und machst du auch was Richtiges?“ machen mich schon traurig. Am liebsten würde ich dann schreien: „Guck dich an, guck an dir herunter und sage mir, dass du nichts mit Mode zu tun hast!“ Kein Mensch auf dieser Welt hat nichts mit Mode zu tun. Mode ist Kunst, Kultur, Geschichte!

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Warum hast du dich entschieden „Grazia“ zu verlassen? Das war doch dein Traumjob!

Man muss einmal in seinem Leben gekündigt haben, das ist eine ganz wichtige Erfahrung! Zum anderen kam nach vier Jahren der Punkt, an dem ich merkte, ich mache Dinge jetzt das fünfte mal in Folge. Natürlich kommen immer neue Trends, aber die Struktur bleibt ja. So vielfältig die „Grazia“ auch ist, und du hast als Redakteurin auch alle Chancen, die du dir vorstellen kannst, bleiben das Heft, die Themen, die Bereiche immer gleich.

Du hattest Lust auf etwas Neues?

Ja und ich wollte auch etwas für meinen journalistischen Lebenslauf tun. Ich wollte noch mehr Kontakte knüpfen und mich journalistisch weiterentwickeln. Außerdem wollte ich mich selbstständig machen, um mehr Zeit für meine Familie zu haben. Ich bin schon ein fleißiges Bienchen und habe die Disziplin, zu ackern und Texte rauszuhauen.

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Du bist jetzt selbstständige Journalistin und Autorin – aber nicht nur für Mode, sondern auch Musik. Erzähl mal von deinem Spektrum!

Natürlich bin ich der Mode treu geblieben und schreibe nach wie vor sehr gerne darüber. Mein Traum war es aber, wieder mehr über Musik zu schreiben. Da bekam ich die Chance, bei „Musikexpress STYLE“, meine zwei Leidenschaften in einem Heft zu vereinen. Bei „This is Jane Wayne“ schreibe ich darüber, was mich gerade bewegt.

Wie ist es für dich selbständig zu sein? Fluch oder Segen?

Bisher kann ich nur von Segen sprechen. Die Umstellung ging schneller als ich es für möglich gehalten hätte. Ich wollte mir ein, zwei Monate Auszeit nehmen und danach anfangen, mich bei verschiedenen Magazinen zu bewerben. Es kam ganz anders. Gleich am ersten Tag nach meiner Kündigung bekam ich ein Angebot als Fashion-Director. Da das aber wieder eine Festanstellung gewesen wäre, habe ich mich dagegen entschieden. Generell wurde ich weiterhin zu Presse-Events eingeladen. Es ist schön, dass PR-Leute deine Arbeit zu schätzen wissen. Bei diesen Veranstaltungen haben mich viele Leute angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, für sie zu schreiben, zum Beispiel „This is Jane Wayne“, „Neon.de“ oder „Journelles“. Ich musste mich also nirgendwo bewerben, bisher kam alles auf mich zu. Ich bin sehr dankbar und weiß es wirklich zu schätzen.

Klingt super! Wir danken dir für das schöne Interview, liebe Anastasia!

 

Hier findet ihr Anastasia:

Fotos: Nassim Ohadi

Layout: Carolina Moscato

 

 

3 Comments

  • Neele sagt:

    Ich „kenne“ Anastasia aus dem Closet Diary bei Journelles und finde sie seitdem super sympathisch. Kaum vorstellbar, dass sie früher nicht gerne geschrieben hat, denn neben ihren coolen Outfits hat mich besonders ihr Schreibstil begeistert. Nach eurem Artikel finde ich sie noch sympathischer, denn den Satz „Wir operieren nicht am offenen Herzen“ bringe ich auch immer wieder… Das trifft es nämlich ganz gut. Auch was sie über Mode und die Leidenschaft dafür sagt, spricht mir aus der Seele. Vielen Dank für dieses inspirierende Interview. :) Liebe Grüße, Neele

  • Eine sehr sympathische Frau! Und das Wohnzimmer mit der Bilderwand ist ein echter Traum! Sehr schick!

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