Mit Bettwäsche zum Erfolg: Büsra Qadir vom Start-up Nindyaa

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An das Thema Bettwäsche wagen sich Start-ups nur selten. Die Hamburgerin Büsra Qadir hat es getan und bietet uns endlich eine schöne und nachhaltige Alternative zu den Laken großer schwedischer Einrichtungshäuser. Hauptberuflich arbeitet die geborene Kasselerin mit türkische und kurdische Wurzeln bei Twitter im Marketing – und Sales-Bereich. Ihr Label Nindyaa zieht sie abends und am Wochenende mit ihrem Mann Ehsaan hoch. Wir haben mit der 28-Jährigen über ihre Produktionsstätte in Pakistan, das Thema Nachhaltigkeit beim Packaging und ihren Plan, noch mehr Home Decor in Zusammenarbeit mit Künstlern zu designen, gesprochen.

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Büsra lebt mit ihrem Mann Ehsaan in einer großzügigen 2-Zimmer-Wohnung in Harvestehude in Hamburg.

femtastics: Erinnerst du dich noch an die Bettwäsche aus deiner Kindheit?

Büsra Qadir: Ich hatte pinke Barbie-Bettwäsche, das ist mir jetzt total peinlich (lacht). Ich fand die damals super schön. Sie war ganz weich und da war eine blonde Barbie drauf. Als Kind war es mir immer wichtig, dass die Bettwäsche, in der ich geschlafen habe, immer frisch gewaschen war – egal wo ich geschlafen habe. Das ist ein Tick, den ich heute noch habe. In Hotels wird immer zuerst die Bettwäsche abgescannt.

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Du musst nicht BWL studieren, um dein eigenes Unternehmen aufzubauen.

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Wie bist du auf die Idee gekommen, Nindyaa zu gründen?

Es fing mit dieser Wohnung an. Ich bin vor zweieinhalb Jahren aus Irland nach Hamburg gekommen und diese war meine erste richtige Wohnung, in die ich mit meinem Mann eingezogen bin. Ich musste unsere Wohnung von Grund auf neu einrichten, also neue Bettwäsche, Textilien, Dinge für die Küche kaufen usw. Bei der Bettwäsche wurde es allerdings etwas schwierig und mir haben die Produkte in Läden wie z.B. Karstadt oder Zara Home entweder nicht gefallen oder sie waren nicht nachhaltig produziert. In Deutschland sind Textilien meistens sehr schlicht und funktional, was ja auch gut ist, aber nicht meinem Stil entspricht. Dann habe ich in anderen Ländern, wie in der Türkei oder Pakistan geschaut. Dort fand ich die Muster und Farben zwar schön, aber sie waren mir insgesamt zu kitschig. Bettwäsche, die schöne Designs und Nachhaltigkeit vereint, hatte ich keine gefunden.

So entstand die Idee für Nindyaa: Hochwertige Bettwäsche mit außergewöhnlichen Designs, die hochwertig und nachhaltig produziert sind.

Wie hast du losgelegt?

Ich habe angefangen zu scribbeln und neue Design zu erstellen. Mein Mann hat parallel nach Lieferanten gesucht. Weil er aus Pakistan stammt und seine Familie in Lahore lebt, sind wir dort viel unterwegs. Pakistan ist einer der größten Textilmärkte weltweit und war daher der ideale Ort um uns umzusehen. Außerdem war uns der soziale Aspekt wichtig: Wir wollten mit einer Manufaktur arbeiten, in der die Angestellten fair verdienen und wo wir Biobaumwolle einsetzen können. Den richtigen Partner zu finden, dauerte, weil die meisten Firmen nicht unbedingt mit einem Start-up zusammenarbeiten wollen. Am Ende haben wir unseren Partner auf dem pakistanischen Flur einer Messe in Deutschland gefunden. Die Fabrik des Produzenten haben wir uns vor unserer Entscheidung in Pakistan vor Ort angeguckt, um genau zu wissen, mit wem wir in Zukunft zusammenarbeiten werden. Wir reisten also in die Sindh-Provinz, verfolgten die Produktion – auf diesen Reisen und Recherchen habe ich unheimlich viel über die Baumwollproduktion und die genauen Produktionsschritte gelernt. Eine sehr spannende Lernerfahrung!

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Breakfast bei Büsra

Woher kommt der Name Nindyaa?

Mein Mann Ehsaan und ich haben uns eines Abends Namen überlegt. Ihm fiel ein, dass es ein Wort in Urdu gibt, was Schlaflied bedeutet: Nindyaa. Eigentlich wird es etwas anders geschrieben. Wir haben sofort geguckt, ob die URL frei ist. Nindya mit einem A war bereits vergeben, also haben wir einfach ein weiteres A hinten drangehängt.

Ist es ein Side-Projekt oder ein Projekt, das mit Businessplan und allem drumherum entstanden ist?

Im Moment ist es noch ein Side-Projekt. Nach der Idee habe ich gleich ganz viele Bücher gekauft und wir haben sehr viel gelesen. Das Buch „Die 4-Stunden Woche“ von Timothy Ferriss hat mich sehr gefesselt, auch wenn ich heute nicht mehr komplett an dieses Konzept glaube. Außerdem habe ich Seminare belegt und auch einmal ein Business Model Canvas für uns entwickelt. Auf die Frage, wer unsere Zielgruppe ist, haben wir bis heute keine ganz klare Antwort. Eine Sache, die ich auf jeden Fall gelernt habe: Du musst nicht BWL studieren, um dein eigenes Unternehmen aufzubauen.

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Memories: Vor zweieinhalb Jahren hat Büsra ihren Mann in Pakistan geheiratet.

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Hattest du ein Startkapital oder Investoren?

Den größten Betrag haben wir durch eine Kickstarter-Kampagne bekommen. Das war im September 2016. Wir haben über 120 Vorbestellungen bekommen und dadurch 22.000 Euro gesammelt. Es gab immer mal wieder kleinere Kosten, die wir privat bezahlt haben, aber das meiste konnten wir am Anfang durch die Kickstarter-Kampagne decken.

An das Thema Bettwäsche haben sich bis jetzt wenige kleinere Labels herangewagt. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Ich glaube, Textilien sind schon noch immer eine Nische. Sie sind nicht so sexy wie zum Beispiel Tech-Start-Ups – das liegt auch an den Kosten und den Risiken, die damit verbunden sind. Ich glaube aber, dass echte, greifbare Produkte wieder in den Fokus kommen werden. In den USA gibt es viel mehr Nachfrage und Angebot im Bereich Heimtextilien. Die Menschen sind dort auch bereit, mehr Geld dafür auszugeben und investieren zum Beispiel in die Qualität von Bettwäsche. In Deutschland ist das weniger verbreitet. Unsere Kickstarter-Kampagne hat uns in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Wir haben gesehen, dass sich eine große globale Zielgruppe da draußen nach hochwertigen, ästhetischen und gleichzeitig nachhaltigen Brands wie Nindyaa sehnt. Deshalb ist unsere Zielgruppe eine globale.

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Unser Favorit von Nindyaa: die weiße Bettwäsche mit der bunten Blätter-Stickerei aus Biobaumwolle, 100% GOTS-zertifiziert.

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Die Bettwäsche und das Laken mit dem Namen „Lahori Dirwaza“ sind inspiriert von den geometrischen Mustern auf den Säulen im Lahore Flughafen in Pakistan.

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Wie entwickelst du die Designs und Muster?

Ohne viel zu überlegen, habe ich einfach angefangen Muster für unsere ersten Bettlaken zu skizzieren. Ich wusste aber von Anfang an, dass das Muster nur einen kleinen Teil des Laken einnehmen und sich nicht überall wiederholen wird. Durch meine Kenntnisse in Photoshop und InDesign, habe ich dann gleich digitale Skizzen erstellt. Diese habe ich dem Supplier geschickt, der mir dann Samples davon zurück lieferte. Das Sampling war wichtige Lernerfahrung für mich, da man zum Beispiel lernt, dass Pantone Farben im Fächer oder digital anders aussehen als auf real hergestellten Produkten.

Mir war von Anfang an wichtig, dass unsere Designs auf die Produkte gestickt und nicht gedruckt werden. Ich finde es schöner, wenn man die Muster anfassen kann. Und genau dieses Feedback bekommen wir jetzt ständig von unseren Kunden. Sie lieben das Embroidery!

Für die Punjab Kollektion hast du dich von Mustern aus Pakistan inspirieren lassen. Woher nimmst du noch deine Inspiration?

Das ist immer sehr unterschiedlich. Mich persönlich inspiriert das Reisen sehr.Unsere erste Kollektion “Punjab” ist stark von unserer Reisen in den Norden von Pakistan beeinflusst. Die Architektur und die Geschichten haben mich sofort gefesselt.

Einige denken, wir wollen nur pakistanische Designs machen, weil unsere Punjab Kollektion unsere erste war, und wir dazu auch noch made in Pakistan sind. Das ist aber nicht die Idee. Wir wollen möglichts made in Pakistan bleiben, weil wir die Industrie und die Manufakturen vor Ort unterstützen möchten.  In Zukunft werden wir aber mit Künstlern aus aller Welt an Limited Edition Kollektionen arbeiten. Dabei werden dann ganz neue Designs entstehen, die beispielsweise die kulturellen Einflüsse des jeweiligen Künstlers zum Ausdruck bringen können.

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Links: Büsra zeigt uns die allerersten Farb- und Stickmuster. Rechts Für die „Katas Raj“-Linie hat sich Büsra von einem „Tree of Life“-Gemälde vom Katasraj Tempel in Pakistan inspirieren lassen. Hier könnt ihr die Bettwäsche und -laken online kaufen.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei deinem Label?

Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle für Nindyaa. Das Schlimmste ist unnötiger Plastik. Bei unseren Verpackungen benutzten wir recyceltes Papier, auf dem direkt die Informationen zum Waschen und auch unsere Geschichte gedruckt sind. Auch bei der Herstellung ist uns Nachhaltigkeit enorm wichtig. Das Wasser in der Manufaktur wird zu mehr als 95 Prozent recycelt und die Arbeiter werden fair bezahlt. Nicht zuletzt trägt der Anbau von Biobaumwolle – da er nicht mit Pestiziden überschüttet wird – zu einer besseren Umwelt bei.

Würdest du sagen, dass man die hohe Qualität deiner Bettwäsche beim Schlafen oder im Bett liegen sofort wahrnimmt?

Ja, auf jeden Fall merkst du das direkt. Wir kriegen ständig freudige Nachrichten von unseren Kunden, die uns mitteilen wie wundervoll weich und angenehm sich das Material beim Schlafen anfühlt. Bei unserer Bettwäsche ist nämlich die Fadendichte sehr hoch und wir haben ein Satin Finish, dabei wird die Baumwolle auf eine spezielle Art gewoben.

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Das Packaging ist zu 100% nachhaltig – auf Plastik wird bei Nindyaa komplett verzichtet.

Verkaufst du nur in deinem Onlineshop oder auch in Stores?

Im Moment verkaufen wir nur online. Ich merke aber auch, dass die Käufer die Bettwäsche anfassen wollen. Deshalb haben schon einen Pop-up-Store in der B-Lage in Hamburg gemacht, um ein bisschen Laufkundschaft zu bekommen und uns mit unserer Zielgruppe direkt auszutauschen. Es folgen demnächst noch Pop-Up Shops mit FOLKDAYS & Friends in Berlin, München & Hamburg.

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Homeoffice: Das Esszimmer wird oft zum Nindyaa-Headquarter umfunktioniert – das Bettwäsche-Lager befindet sich im Moment auch noch bei Büsra zu Hause.

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Du hast Kommunikationspsychologie in London studiert. Wie muss man sich den Studiengang vorstellen?

Mein vorheriger Bachelor-Studiengang fokussierte sich auf die Sozialpsychologie. Wir haben untersucht, wie sich Menschen in Gruppen verhalten, wie Vorurteile und Stereotypen entstehen oder wie Menschen Emotionen zum Ausdruck bringen. In meinem Masterstudium in London habe ich dann meinen Schwerpunkt auf das Thema Kommunikation gelegt und einzelne Kurse in Marketing und Consumer-Psychologie belegt. Da geht es zum Beispiel darum, wie Werbeanzeigen unser Kaufverhalten steuern. Das interessierte mich sehr und so kam es dann auch, dass ich angefangen habe nach meinem Studium bei Facebook in Dublin zu arbeiten. Ich wusste aber immer, dass ich irgendwann nach Deutschland zurück will.

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Hauptberuflich arbeitest du jetzt bei Twitter. Was sind deine Aufgaben?

Bei Twitter, wie zuvor bei Facebook, berate ich verschiedenste Brands und Agenturen in ihrer digitalen Marketing-Strategie – dazu gehört welche Werbeprodukte am Besten eingesetzt werden oder welche Zielgruppen für sie relevant sind. Ich unterstütze vorwiegend Unternehmen im Tech, Telko und Retail Bereich.

Wann kümmerst du dich um dein Label?

Ich bin eher ein Nachtmensch, deshalb arbeite ich oft abends an Nindyaa. Dafür verschlafe ich morgens auch öfter mal (lacht). Da wir noch keine Kinder haben, können wir uns die Zeit ganz gut einteilen.

Und natürlich arbeite ich auch am Wochenende ganz viel. Samstag nehmen wir uns aber oft frei. Ich habe über die vergangenen Jahre gelernt, effektiv und priorisiert zu arbeiten, dabei helfen Methoden wie die ’80/20-Regel‘.

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Welche Messen möchtest du dieses Jahr noch besuchen.

Die Heimtextil Messe in Frankfurt steht oben auf meiner Liste. Außerdem sind diverse Design-Messen sehr spannend für mich, aber auch Konferenzen rund um E-Commerce und Digitales Marketing, wie zum Beispiel das Websummit in Lissabon.

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Was steht in Zukunft auf deiner Agenda? Möchtest du das Label weiter ausbauen? Wird es auch andere Produkte geben?

Unser Plan ist es das Label weiter auszubauen, dabei neue Produkte einzuführen und verschiedene Vertriebswege auszutesten. Wir arbeiten aktuell an einer neuen Dekokissen Kollektion mit einer – noch geheimen – Künstlerin.

Heimtextilien haben einen tollen  ‚Canvas-Charakter‘ – sie sind wie eine Art Leinwand, auf der Kunst gelebt werden kann. Unser Ziel ist es mindestens zwei bis drei Mal im Jahr etwas Neues zu launchen, einen neuen Bereich uns zu erschließen. Und daran arbeiten wir!

 

Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg – vielen Dank für das Interview!

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Yippie! Büsra ist #femtasticsgirlgang-Mitglied. Unser Earjacket könnt ihr hier kaufen.

Hier findet ihr Nindyaa:

Fotos: Sophia Mahnert

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