Schöner essen mit Our Food Stories

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Es gibt Foodblogs, die sind so schön, dass man sich in jedes Foto verliebt und die Bilder am liebsten einrahmen und in die Küche hängen würde. Our Food Stories ist definitiv eines davon. Auf dem Blog finden sich nicht einfach nur Rezepte – jeder Beitrag ist eine stimmungsvolle und bis ins kleinste Detail liebevoll und ästhetisch gestaltete eigene Welt. Egal, ob es um Blaubeerwaffeln, Lebkuchenmänner oder ein Wochenende in Schweden geht. Hinter dem Projekt stecken die Stylistin Nora Eisermann und die Fotografin Laura Muthesius. Als sie einwilligten, dass wir sie für eine Home Story in ihrer gemeinsamen Wohnung in Berlin und ihrem Studio besuchen dürfen, war unsere Freude natürlich riesig – und die Neugierde auch. Wir sprechen mit ihnen über Instagram, natürliche Foodfotografie und ihre Arbeit als hauptberufliche Blogger und Freelancer. Und wie sollte es bei zwei Foodbloggern anders sein: Wir bekommen superleckeren hausgemachten Kuchen serviert.

 

femtastics: Seit es Instagram gibt, möchte jeder Zweite Foodfotograf sein. Was haltet ihr davon, dass plötzlich jeder sein Essen fotografiert?

Laura Muthesius: Ich glaube, es ist gar nicht so ein Phänomen. Essen war schon immer wichtig. Jeder isst und die meisten essen gerne. Es ist nur eine logische Konsequenz, dass Essen ins Medium Instagram einfließt.

Schaut ihr euch diese Fotos gerne an?

Nora Eisermann: Ja, es ist ja auch inspirierend und interessant.

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Typisch: das Gespräch mit Nora (links) und Laura (rechts) findet mal wieder in der Küche statt.

Was braucht es denn für ein gutes Instagram-Foodfoto?

Nora: Gutes Licht.

Laura: Ja, Tageslicht ist das A und O. Kein elektrisches, sondern natürliches Licht.

Tageslicht ist das A und O für ein gutes Instagram-Foodfoto.

Bei euch kommen zwei wichtigste Kompetenzen zusammen: Styling und Fotografie. Wie habt ihr beide euch gefunden?

Nora: Eine Freundin von Laura hatte ein Filmprojekt, bei dem Laura assistiert hat. Sie haben für eine Szene eine Location gesucht, an der sie filmen können. Ich hatte damals ein Atelier in Kreuzberg und mich hat wiederum eine Freundin gefragt, ob mein Atelier nicht als Location dienen könnte. Und darüber haben wir uns kennengelernt. Laura und ich haben uns auf Anhieb gut verstanden und lagen auf einer Wellenlänge.

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Ich muss euch ein großes Kompliment zu „Our Food Stories“ aussprechen. Ich liebe euer Blog und könnte mich stundenlang durch die Fotos und Texte klicken. Wie kam die Idee zustande, das Projekt zu starten?

Laura: Es begann mit meiner Gluten- und Histaminintoleranz. Beides wurde plötzlich schlimmer. Früher sind wir oft essen gegangen, aber das war dann nicht mehr möglich. Wir haben also jeden Tag gekocht und immer nach neuen Rezepten gesucht. Wir kannten uns mit Foodblogs nicht aus, aber wir haben nichts gefunden, was uns richtig angesprochen hat und in Cafés gab es damals auch nicht viele glutenfreie Alternativen. Also hat Nora angefangen, Rezepte für mich auszuprobieren. Ich kann überhaupt nicht kochen (lacht). Irgendwann haben wir gedacht: Wenn wir nichts Passendes im Internet finden, können wir doch unsere Erfahrungen teilen und unser Essen fotografieren. So haben wir angefangen.

Wie wurde aus dem Experiment dann Ernst?

Laura: Ich stand kurz davor mein Fotografiestudium zu beenden. Wir haben überlegt: Das Blog läuft eigentlich ganz gut. Also entweder ganz oder gar nicht!

Verdient ihr jetzt hauptberuflich Geld mit euerem Blog?

Laura: Das Blog ist wie unser Portfolio. Wir verdienen auch Geld mit Projekten, die übers Blog laufen oder über Instagram. Aber wir machen auch viele andere Jobs, die wir auf dem Blog nicht zeigen.

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Nora und Laura haben ein Faible für dänisches Design.

Was macht euch daran am meisten Spaß?

Nora: Die Vielfältigkeit. Dass man immer eine andere Aufgabe hat und versucht, sie bestmöglich zu lösen und etwas Neues zu kreieren.

Laura: Auch, dass wir so frei sind. Natürlich haben wir manchmal Vorgaben, aber wir können uns unsere Zeit selber einteilen. Ich liebe es einfach zu fotografieren. Das ist einfach meine Leidenschaft!

Nora: … Und wir dürfen berufsbedingt schöne Sachen kaufen (lacht).

Laura: Ja, genau! (lacht). Wir mochten schon immer gerne schöne Dinge: schöne Keramik, schöne Accessoires, … Jetzt dürfen wir die für unsere Arbeit kaufen. Und da kann man auch nie genug haben.

Setzt ihr Auftragsarbeiten für Kunden auch in eurem Studio um?

Nora: Ja, meistens schon.

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Wie kommen eure freien Arbeiten, die ihr auf eurem Blog zeigt, zustande? Was ist ausschlaggebend für ein neues Rezept und neue Fotos?

Laura: Wir haben immer tausende Ideen, die in unseren Notizbüchern sind und in unseren Köpfen herumschwirren. Manchmal gibt eine einzelne Zutat den Ausschlag.

Nora: Dann überlegen wir, welche anderen Komponenten passen würden und wie wir das Rezept umsetzen wollen. Und wenn gedanklich der Look des Essens steht, dann überlegen wir, wie das Drumherum aussehen soll.

Laura: Wollen wir zum Beispiel picknicken gehen, oder wollen wir etwas Gemütliches zu Hause machen?

Und die Rezepte entwickelst du, Nora?

Nora: Die Zutaten überlegen wir uns zusammen, aber die konkreten Mengenangaben und die Zubereitung übernehme ich. Man könnte auch sagen: Das Design entwickeln wir zusammen, aber die Ausführung mache ich (lacht).

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Noras und Lauras Mitbewohner heißt Colin.

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Macht ihr euch Moodboards bevor ihr loslegt?

Nora: Nein, gar nicht.

Laura: Ich habe meistens das fertige Bild schon vor Augen und weiß genau, wie es aussehen soll. Wenn man kein Bild vor Augen hat, ist das in der Regel kein gutes Zeichen. Wir sind ja beide sehr visuelle Menschen.

Ich habe meistens das fertige Bild schon vor Augen und weiß genau, wie es aussehen soll. Wenn man kein Bild vor Augen hat, ist das in der Regel kein gutes Zeichen.

Wo findet ihr Inspiration?

Nora: Oft ist es ganz einfach. Wenn man den ersten Rhabarber sieht, dann fällt einem direkt etwas dazu ein. Dann sieht man an der nächsten Ecke Kirschblüten – und dann entsteht aus der Kombination automatisch eine Idee. Man hat ja offene Sinne, wenn man an einem neuen Projekt arbeitet.

Laura: Und natürlich können auch klassische Sachen wie andere Blogs, Instagram, Kochmagazine und Kochbücher manchmal als Inspiration dienen. Da nimmt man ja unterbewusst auch Ideen auf.

Wie lange dauert es, bis die perfekten Fotos im Kasten sind?

Laura: Bei einem Blogpost dauert es meistens am längsten bis der Kuchen fertig ist, das Shooting geht relativ schnell.

Nora: Wenn wir ganz schnell sein müssen, schaffen wir es auch in eineinhalb Stunden, aber es ist schön, wenn wir mehr Zeit haben. Besonders wenn wir draußen unterwegs sind.

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Das Schlafzimmer: Eine Mischung aus kühlen Farben und warmem Holz.

Ihr benutzt viele Biozutaten und Zutaten von lokalen Produzenten. Warum ist das für euch ein Thema?

Laura: Zunächst aus einem praktischen Grund: Ich muss mich glutenfrei ernähren und im Biomarkt gibt es mehr glutenfreie Produkte, also haben wir angefangen, dort einzukaufen. Außerdem schmeckt es einfach besser. Wenn man aufgrund von Intoleranzen sowieso schon eingeschränkt ist, ist es umso wichtiger, dass man gute Zutaten verwendet. Auf dem Land haben wir auch einen Garten, in dem wir Obst ernten können.

Zum Thema Foodfotografie hört man manchmal, dass bei Produktionen für die Werbung oder für Magazine gar keine richtigen Zutaten verwendet werden, und zum Beispiel Haarspray auf Obst gesprüht wird, damit es mehr glänzt …

Nora: Wir kennen uns damit gar nicht gut aus, weil wir immer echte Zutaten benutzen. Unsere Sachen sehen auch nicht so perfekt und clean aus wie manche Hochglanzbilder aus früheren Zeiten. Deshalb brauchen wir so etwas auch gar nicht.

Laura: Ich habe auch das Gefühl, dass der Trend immer mehr in Richtung Natürlichkeit geht. Viele Menschen und auch große Firmen wollen gar nicht mehr, dass alles perfekt aussieht. Es darf ruhig noch ein bisschen Erde dran sein oder ein Wassertropfen. Es soll authentisch wirken. Und das tut uns gut, weil wir das auch lieber mögen. Lebensmittel haben für mich auch nichts mit Künstlichkeit zu tun.

Nora: Der Trend zur Natürlichkeit findet sich auf vielen Ebenen wieder. Selbst in Sternerestaurants findet man jetzt roughe Keramik.

Laura: Das macht es einfach lebendiger.

Der Trend geht in Richtung Natürlichkeit. Viele Menschen wollen gar nicht mehr, dass auf Foodfotos alles perfekt aussieht. Es darf ruhig noch ein bisschen Erde dran sein oder ein Wassertropfen. Es soll authentisch wirken.

Wo findet ihr denn eure Accessoires, zum Beispiel Keramik, die ihr für eure Fotos nutzt?

Nora: Wir haben ein, zwei Keramiker, die wir regelmäßig ansteuern. Auch in Dänemark, wo man leider nicht direkt online ordern kann.

Also fahrt ihr dort öfters hin?

Nora: Wir sind generell öfters in Kopenhagen, auch für Jobs.

Laura: In Berlin haben wir einen Lieblingskeramiker – tausende Sachen in unserer Wohnung stammen von ihm. Er macht superschöne Sachen und ist total nett. Dirk Aleksic heißt er. Er hat aber nur eine kleine Werkstatt und produziert nicht in großen Massen.

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Das neue Studio, in dem Laura und Nora arbeiten.

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Die Werkbank haben die beiden bei J&V gefunden, die Barhocker sind von Urban Industrial.

Ihr habt auch die Serie „Dinner Stories“ gestartet, bei der ihr mit anderen Menschen kocht und das fotografiert. Wie kam das zustande?

Laura: Wir wollten zeigen, dass glutenfreies Kochen nicht kompliziert sein muss und dass man trotzdem zusammen mit anderen Menschen kochen kann. Wir fotografieren die Momente, in denen wir mit anderen gesellig zusammen sind und gleichzeitig sammeln wir einfache Rezepte, die jeder umsetzen kann.

Nora: Und natürlich geht es auch ums kleine voyeuristische Auge, indem wir Einblicke in andere Küchen geben – was wir total spannend finden.

Welche anderen Blogs oder Instagram-Accounts mögt ihr gerne?

Nora: Wir haben einige gute Freunde aus Skandinavien und Holland.

Laura: Wir sind so eine Crew geworden. Zum Beispiel Signe Bay aus Kopenhagen, sie ist auch Foodfotografin. Marie Verdenius, sie ist aus Amsterdam und arbeitet fürs Jamie Oliver Magazin. Sie macht ganz andere Fotos als wir, was sehr inspirierend für uns ist. Es ist ja auch schön, ganz andere Stile anzusehen. Außerdem mögen wir Linda Lomelinos Arbeit total gerne. Sif Orellana ist auch toll.

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Keramik, Leinentücher, dänische Designobjekte, … soo viele schöne Dinge im Studio!

Woher kennt ihr euch alle?

Laura: Wir haben uns über Instagram kennengelernt. Zum Teil auch über Events und gemeinsame Projekte.

Nora: Es ist auch wichtig und hilfreich, sich mit anderen Foodbloggern auszutauschen. Zum Beispiel auch über Preise.

Laura: Viele Unternehmen denken, wenn man einen Foodblog hat, dann hätte man keine Ahnung. Aber wir sind ja keine Hobbyblogger, sondern machen das professionell und arbeiten eben auch als Stylist und Fotograf. Viele Firmen versuchen, dich mit einem Kochtopf zu bezahlen und wollen dafür eine Leistung im Wert von mehreren tausend Euro haben. Da ist es wichtig, dass man sich gegenseitig unterstützt, berät und zusammenhält.

Viele Firmen versuchen, dich mit einem Kochtopf zu bezahlen und wollen dafür eine Leistung im Wert von mehreren tausend Euro haben.

Absolut! Was war für euch denn ein Highlight, seitdem ihr „Our Food Stories“ gestartet habt?

Nora: Unser neues Studio. Das bedeutet für uns einen großen Schritt in der Selbstständigkeit und viel Verantwortung.

Laura: Vorher hatten wir ein Studio auf dem Land in einem Haus, das meinem Vater gehört. Da mussten wir keine Miete zahlen. Das war super, aber nicht mit so viel Verantwortung verbunden wie jetzt. Irgendwann war klar, dass wir ein Studio in Berlin brauchen. Und wir haben lange gesucht, bis wir etwas Passendes gefunden haben.

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Selbst gemachter Käsekuchen – macht sich nicht nur auf den Fotos gut, sondern schmeckt auch superlecker!

Wie oft seid ihr jetzt in eurem Studio?

Laura: Wir haben keine richte Routine, weil unsere Aufträge immer so verschieden sind. Wir müssen ja auch viel einkaufen für die Produktionen und Rezepte schreiben, jeden Tag fallen andere Aufgaben an. Wir sind jeden Tag im Studio, aber nicht zu festen Zeiten. Natürlich gibt auch das Licht unsere Arbeitszeit zum Fotografieren vor, weil wir ja nur mit Tageslicht arbeiten.

Habt ihr ein Traumprojekt, das ihr gerne einmal umsetzen würdet?

Nora: Ja, ich finde schon.

Laura: Jetzt bin ich gespannt!

Nora: Wir würden gerne mal für zwei, drei Monate an einen Ort fahren, an dem es schön warm und sonnig ist und da vor Ort arbeiten.

Laura: Stimmt! Damit würden wir auch das Problem mit dem Tageslicht lösen. … Wir sind aber generell total happy so wie es gerade ist. Wir könnten es uns nicht besser vorstellen (lacht).

Das ist doch großartig! Vielen Dank für das schöne Gespräch und weiter so!

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Hier findet ihr Nora und Laura:

  

Fotos: Mirjam Klessmann

 

 

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