Vreni Frost – mit allen Blogger-Wassern gewaschen

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Vreni Frost ist eine der wenigen Modebloggerinnen, die man sofort erkennt – ob auf Events, Fashion Weeks oder auf Social Media –, weil sie sich traut, ihren eigenen Style zu leben. Und der ist meist bunt, beinhaltet außergewöhnliche Accessoires, Kleidungsstücke mit humorvollen Prints oder Decors, Sneakers – und ein großes Lachen. Auf ihrem Blog neverever.me teilt Vreni Lieblings-Looks (Vrenistyles), Lifestyle-Entdeckungen und Reise-Stories. Vreni ist zwar in Bad Tölz geboren, aber sie verköpert eine Mischung aus lässiger Berlinerin und modemutiger Engländerin. Wir treffen die 34-Jährige in ihrer Wohnung in Berlin, die sie sich mit ihrem Freund und ihrem Kater Willi teilt, um mit ihr über das Blogger-Business, persönliche Fashion-Schätze und ihre Ziele für die Zukunft zu sprechen.

 

femtastics: Du kommst ursprünglich aus der PR. Warum hast du dich entschieden, ein Blog zu betreiben?

Vreni Frost: Ich habe ein Volontariat bei der PR-Agentur Silk Relations gemacht. Als das beendet war, wusste ich nicht genau, wie es für mich weiter geht. Ich wollte auf jeden Fall irgendwie mit der Branche in Verbindung bleiben. Dann habe ich in einer Sonntagsnachmittagsaktion zusammen mit meinem Freund und einem Kumpel, der sich mit Programmierung auskennt, das Blog aufgesetzt. Das war vor circa acht Jahren.

Hattest du eine genaue Vorstellung, was du mit dem Blog willst?

„Neverever“ sollte eigentlich die „Nevers“ und die „Evers“ der Modebranche aufzeigen. Wobei ich ein positiver Mensch bin, weil ich immer nur die schönen Sachen sehe. Das Schlechte zeige ich eher mit einem Augenzwinkern, weil Mode ja immer etwas Subjektives ist: Was ich schrecklich finde, kann ein anderer Mensch wiederum toll finden.

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Vreni hat für uns Frühstück gemacht!

Anfangs hast du in deiner Freizeit gebloggt, richtig?

Ich habe das parallel zu meinem Job gemacht. Ich war in Festanstellung bei der Agentur K-MB. Da habe ich vier Tage die Woche gearbeitet und einen Tag für mein Blog gehabt. Das Blog wurde größer und größer und ich habe immer mehr Anfragen bekommen. Irgendwann habe ich echt überlegen müssen, wie ich das zeitlich hinkriege. Beide Sachen konnte ich nicht mehr richtig machen. Im Alter von 30 wurde mir die Entscheidung abgenommen: Ich wurde chronisch krank und bin beruflich ziemlich lange ausgefallen. Ich habe meinen Vertrag für die Festanstellung nicht verlängert und mich entschieden, ins kalte Wasser zu springen. Mit den knapp 10.000 Euro, die ich gespart hatte, konnte ich mir und dem Blog ein halbes Jahr Zeit geben, um herauszufinden, ob ich davon leben kann.

Hat das funktionert?

Nach einem halben Jahr waren die 10.000 Euro weg, für Versicherungen, Miete und alles. Aber dann lief’s. Jetzt mache ich das Blog seit drei Jahren hauptberuflich und ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen.

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Fiel dir der Schritt in die Selbstständigkeit schwer?

Nein, gar nicht. Es fühlte sich direkt gut an. Ich hatte ja vor der Festanstellung schon einmal frei gearbeitet und mochte das sehr. Ich bin einfach jemand, der frei arbeiten muss. Ich liebe es, dass ich selbst entscheiden kann, wann ich arbeite. Ich bin ein early bird und sitze manchmal schon um fünf Uhr am Schreibtisch. Ich mag keine festen Strukturen, ich fühle mich da eingeengt und kann nicht so produktiv sein wie ich möchte.

Plan B gibt es bei mir nicht.

Hattest du dir einen Plan B überlegt, falls es mit dem Bloggen nicht klappt?

Ehrlich gesagt nicht. Ich habe gedacht: Das wird schon hinhauen! Das war schon immer so: Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, hat es auch geklappt. Plan B gibt es bei mir nicht.

Haben dir deine Kontakte aus der PR-Arbeit geholfen?

Total! Vor allem, weil du weißt, was der Kunde von dir will. Mädels, die neu mit einem Blog anfangen und aus ganz anderen Bereichen kommen, die wissen gar nicht, wie diese Branche funktioniert. Kunden schätzen bei mir zum Beispiel, dass sie von mir Media Values gesagt bekommen und ich ihnen Clippings rüberschicke, also, dass ich ihnen genau sagen kann, was ihnen die Zusammenarbeit mit mir bringt.

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Vreni zeigt uns ihre Schmucksammlung – wir sind baff!

Lebst du rein vom Bloggen oder machst du nebenbei noch Beratung oder Ähnliches?

Nein, ich lebe vom Blog. Ich habe früher, neben meinem Studium, als Rhetorik- und Kommunikationstrainerin gearbeitet. Ich spreche sehr gerne vor Leuten, war früher an der Uni Tutorin und habe Workshops gegeben. Kürzlich habe ich einen Workshop für Studierende des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), die ins Ausland gehen und ein Blog machen, gegeben. Das war supercool! Bei Zalando habe ich auch einen internen Vortrag gehalten und das Feedback war so toll. Jetzt denke ich, ein bisschen über den Tellerrand schauen oder wieder wissenschaftlich arbeiten, wäre schon toll! Wenn man sich nur mit dem Blog beschäftigt, hat es nicht so viel Tiefe …

Wenn ich merke, dass es mir zu oberflächlich wird, dann stoppe ich alle Kanäle. Ich fokussiere mich dann auf mich selbst.

Apropos Oberflächlichkeit in der Fashionblog-Szene: Hast du dir jemals gedacht, es reicht – ich höre auf?

Ich habe nie gedacht, ich höre auf. Pausiert habe ich auch nur einmal kurz für ein paar Wochen. Wenn ich merke, dass es mir zu oberflächlich wird, dann stoppe ich alle Kanäle. Ich fokussiere mich dann auf mich selbst. Je länger du auf Snapchat und Instagram bist, desto demotivierter wirst du. Es wird immer jemanden geben, der dünner ist, der schöner ist, der reicher ist, der erfolgreicher ist. Manchmal lässt man sich so mitreißen … Aber davon muss man sich komplett frei machen. Mir geht es total gut und ich will eigentlich gar kein anderes Leben als meins. Ich finde mein Leben, so wie es ist, super! Ich brauche gar kein Auto und ich brauche auch keine vier Chanel-Taschen. Ich versuche mich, aus diesen Oberflächlichkeiten relativ rauszuhalten. Ich glaube, je älter du bist, desto mehr hältst du dich da raus.

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Vreni ist eine Accessoire- und Taschensammlerin!

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Die Chanel-Ohrclips hat Vreni erst kürzlich vintage ergattert.

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Wie würdest du deinen Modestil beschreiben?

Ich bin ein verrücktes Sneakers-Mädchen mit einem großen, großen Hang zu ausgefallenen Designertaschen. Ich trage, was ich will, ohne auf Trends zu achten. Zu meinem Stil gehören ausgefallene Accessoires, meistens ist er gemütlich – und relativ bunt.

Wo shoppst du am liebsten?

Die großen Massen-Stores mag ich nicht so gern. Natürlich shoppe ich auch bei ASOS, aber ich mag eher ausgefallene Stücke. Deshalb kaufe ich superviel Vintage, viel auf Flohmärkten und viel in Online-Vintage-Shops.

Gehst du gezielt auf die Suche oder stöberst du eher?

Ich suche auch gezielt. Ich wollte unbedingt Vintage-Chanel-Ohrclips haben und lag lange auf der Lauer. In meinen Lieblings-Online-Shops schaue ich regelmäßig. Wenn du gute Vintage-Stücke finden willst, musst du regelmäßig online sein.

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Du musst überall gucken. Du darfst keine Läden ausschließen, weil du überall kleine Schätze findest.

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XL-Statement-Ketten gehören zu Vrenis Markenzeichen.

Hast Du Lieblings-Vintage-Stores?

Hier in Berlin finde ich „Garments“ ziemlich geil. Bei mir auf dem Flohmarkt auf dem Boxhagener Platz ist sonntags immer ein älteres Pärchen, die sind so süß und so witzig. Bei ihnen kaufe ich regelmäßig schöne Stücke. Da habe ich mir letzten Sonntag einen alten Moschino-Gürtel gekauft.

Hast du einen Shopping-Tipp für uns?

Du musst überall gucken. Du darfst keine Läden ausschließen, weil du überall kleine Schätze findest.

Man darf nicht elitär denken und irgendwas auschließen?

Nein, gar nicht! Gerade was Accessoires angeht, findest du oft in den Läden, wo du es gar nicht erwartest, die coolsten Stücke. Und du musst in allen Abteilungen schauen – dieses T-Shirt, das ich anhabe, ist aus der Männerabteilung. In der Kinderabteilung schaue ich auch oft, weil ich so gerne bunte Sachen liebe. Und wenn es mal eine verrückte Mütze ist.

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Im Uhrzeigersinn: Tasche mit Regenbogen: Shourouk, Tasche mit Mond: Benedetta Bruzziches, „Blah Blah“-Tasche: Jimmy Choo, Tasche mit Ananas: Uterque, Tasche mit Katzenmotiv: Karl Lagerfeld.

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Wir dürfen uns durch Vrenis Kleiderschrank arbeiten.

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Femtastics-Vreni-Frost-Mode

Trotz deiner Liebe zur Mode ist Mode nicht das einzige Thema auf deinem Blog. Du hast auch andere Themen mit aufgenommen. Warum?

Als ich angefangen habe, hauptberuflich zu bloggen, war mir einerseits Mode zu wenig. Andererseits gibt es in der Mode einfach nicht so viel Budget. Mit einem Beauty-Kunden verdienst du einfach mehr als mit einem Modekunden. Beauty und Technik interessieren mich zum Beispiel auch sehr. Und Reisen. Aber mit Reisen verdiene ich nichts, ich darf einfach tolle Destinationen kennenlernen und schöne Häuser testen.

Wie kommen Kooperationen auf deinem Blog zustande?

Ich hatte mal eine Agentur für die Vermarktung, aber habe mich dagegen entschieden, weil es mir nicht transparent genug war. Durch mein PR-Wissen brauche ich auch keine Agentur. Ich kann mich alleine gut vermarkten. Bei den meisten Kooperationen, die ich dieses Jahr umgesetzt habe, wurde ich von den jeweiligen Marken angefragt. Manchmal mache ich für Herzensprojekte aber auch selbst Akquise. Bei meiner Reise nach Tokio, zum Beispiel. Ich bin mit meiner freien Mitarbeiterin geflogen und ihre Reise musste ja auch bezahlt werden. Dafür haben wir uns Kooperationsideen überlegt und haben eine schöne Kooperation mit max factor umgesetzt. Meine freie Mitarbeiterin ist Hair- und Make-up Artist und hat zwei ganz tolle Looks an mir gezeigt.

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Vrenis Kater Willi sieht nicht nur superniedlich aus, er kann sogar Kunststücke!

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Als Selbstständiger hat man keine finanzielle Sicherheit – hast du schon mal mit Marken zusammengearbeitet, nur weil du das Geld brauchtest?

Ich habe gerade das Glück, dass ich dieses Jahr wieder etwas zur Seite legen konnte. Ich kann mir momentan leisten, zu sagen: Ich brauche diese Anfrage nicht. Ich denke, auf lange Sicht ist es besser, Kooperationen mit Marken, die nicht zu einem passen, abzusagen. Ich nehme heute nichts an, wohinter ich nicht stehen kann. Früher war das anders, aber es hat mich damals gerettet: Ich konnte meine Miete und meine Versicherungen zahlen.

Wie gehst du mit dem Thema Kennzeichnung von Werbung um?

Alles wird gekennzeichnet. Selbst wenn ich mir Rüffel einhole, von wegen „Zu viel Werbung!“. Aber dann versuche ich zu erklären, dass ich davon lebe. Und im Gegensatz zu vielen anderen kennzeichne ich Werbung immer.

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Klar, ein Selfie für Instagram muss sein!

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Wie siehst du die Entwicklung zwischen der neuen Generation der Instagram-Stars und der alten Generation der Blogger? Fällt dir bei der Zusammenarbeit mit Marken auf, dass es da einen Wechsel gibt?

Es ist eine Parallelwelt. Ich glaube, beides kann gut parallel funktionieren, weil die Zielgruppen so unterschiedlich sind. Ich habe Leser, die sind seit acht Jahren dabei. Das weiß ich nur, weil sie mir einmal im Jahr eine E-Mail schreiben, wenn sie etwas wissen wollen. Diese jungen Instagram-Stars haben oft ja gar keine Blogs – oder keiner schaut sich ihre Blogs an, sondern nur ihre Instagram-Feeds. Da funktioniert alles ganz anders. Aber manchmal wundere ich mich, wenn ich sehe, dass diese zwanzigjährigen Mädchen mit Designertaschen überschüttet werden – dann denke ich mir aus PR-Sicht, dass es kompletter Unsinn ist. Selbst, wenn diese Tasche zehntausend mal geliked wird, sind die Follower 14- bis 16-jährige Mädels, die sich diese Tasche in der Regel gar nicht kaufen können. Das ist ein falscher Ansatz – du bekommst zwar die Reichweite, aber die bringt dir überhaupt nichts!

Wenn ich alt bin, laufe ich mit einem weißen Pagenschnitt rum, ganz vielen Perlenketten und verrücktem Lippenstift. Das ist der Plan.

Wie sehen denn deine Ziele für die Zukunft aus?

Wenn ich alt bin, laufe ich mit einem weißen Pagenschnitt rum, ganz vielen Perlenketten und verrücktem Lippenstift. Das ist der Plan. Witzigerweise sagen alle: Du kannst doch mit 40 nicht mehr dieses Blog machen. Ich denke mir: Warum nicht? Wir sind die erste Generation, die damit angefangen hat, wir wachsen alle mit dem Internet weiter. Die Leute hören ja nicht plötzlich auf, das Internet zu nutzen. Wenn ich 50 bin und ich schöne Sachen zeige und das gut gemacht ist, haben die Leute vielleicht immer noch Spaß daran.

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Hier findet ihr Vreni:

Fotos: Mirjam Klessmann

 

 

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