Sie stylen dein Zuhause um: Julia White und Silke Voigtländer von wit & voi | Part 1

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Sich einmal das Wohnzimmer, das Schlafzimmer oder die Küche von einem Interior Stylisten umstylen lassen  – wit & voi, ein moderner und bezahlbarer Interior Design Service aus Berlin, macht’s möglich. Die Architektin Julia White (re.) und die Produktdesignerin Silke Voigtländer (li.) entwickeln persönliche Wohnkonzepte. Wir haben die beiden in ihren ganz unterschiedlichen Wohnungen besucht. Im Interview erzählen sie von ihrer Gründung, wie ihr Interior Stylist bei ihnen werden könnt, welche Rolle Trends spielen und mit welchen einfachen Styling-Tricks ihr viel in eurer Wohnung verändern könnt. Los geht’s mit Teil 1 unserer Story und dem Besuch bei Julia.

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Julia White lebt mit ihrem Mann in einer 75 Quadratmeter großen Dachgeschosswohnung in Berlin. (Esstisch von Hay)

femtastics: Wie würdet ihr das Konzept hinter wit & voi beschreiben?

Silke: Wir bieten einen Interior-Service für Menschen wie du und ich an. Es kann in alle Richtungen gehen und das Budget ist auch offen. Unser Hauptaugenmerk ist Inneneinrichtung mit einer konkreten Planung und Produktauswahl. Wir machen Vorschläge und der Kunde entscheidet letztendlich selbst, was er kauft und umsetzt.

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Hingucker: Pflanzen und Neonakzente findet man zahlreich in Julias Wohnung.

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Woher kommt der Name wit & voi?

Silke: Wir dachten eigentlich, dass wir uns in der Bibliothek ganz spannende Fremdwörter raussuchen und uns etwas total Tiefgründiges ausdenken, aber das klang alles so konstruiert. Julia hat beim Programmieren unserer Website dann ein bisschen was ausprobiert und einfach unsere ersten drei Anfangsbuchstaben unserer Nachnamen White und Voigtländer genommen und das H aus Versehen vergessen. Und wir guckten uns das an und dachten „Das sieht voll gut aus und klingt auch noch gut!“…

Julia: … und dann waren wir im Betahaus in unserer Anfangsphase und ein Holländer saß neben uns. Er meinte: “ ‚wit & voi‘ sieht ja super aus und ‚wit‘ heißt auf holländisch weiß“ und das hat dann wiederum zu Julias Nachnamen gepasst.

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Wir sind beide sehr designverliebt und wurden von Freunden früher schon oft um Einrichtungs-Tipps gebeten.

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Silke und Julia haben sich vor ein paar Jahren bei einem Job kennengelernt und 2015 wit & voi gegründet.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen wit & voi zu gründen?

Julia: Ursprünglich haben wir uns bei einem Job kennengelernt und gemerkt, dass wir den gleichen Anspruch an Design und die gleichen Vorstellungen haben und, dass es eigentlich vielen Menschen zugänglich gemacht werden sollte. Wir sind beide sehr designverliebt und wurden von Freunden oft um Einrichtungs-Tipps gebeten. Vor über zwei Jahren waren wir gemeinsam in einer Bar unterwegs und nach ein paar Getränken war uns klar, wir haben nichts zu verlieren und sollten einfach loslegen. Dann haben wir unser Unternehmen gegründet und einen Businesplan geschrieben.

Gab es internationale Vorbilder?

Julia: In New York gibt es den Anbieter „Homepolish“ und in Los Angeles „Laurel and Wolf“, die haben ein ähnliches Konzept wie wir. Die Beratung ist bezahlbar und die Einrichter werden vernünftig bezahlt – die Konzepte werden in den USA sehr gut angenommen. Es gibt auch Konzepte, die sich über den Abverkauf von Interior-Stücken finanzieren – das wollten wir bei uns bewusst nicht. Bei uns zahlt man für das Interior-Konzept, das wir entwickeln. Uns geht es nicht darum, dass die Leute bei uns zehn Stühle kaufen. Wir entwickeln ganz individuelle Konzepte und nehmen auch gern Ebay-Sachen mit rein – die Sachen, die es letztendlich persönlich machen und es nicht wie ein seelenloser Möbelladen aussehen lassen.

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Einrichtung muss nicht immer teuer sein!

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Objekt der Begierde: Spiegel vom Berliner Label „Objekte unserer Tage“.

Einrichtung ist seit ein paar Jahren ein riesengroßes Thema und gewinnt auch in der Masse immer mehr an Bedeutung…

Der Trend geht dahin, dass man im Hier und Jetzt lebt. Man kauft sich nicht mehr das teure Auto, auf das man spart, sondern will jetzt eine gute Zeit haben und sich schön einrichten. Zudem nimmt das allgemeine Bewusstsein für den psychologischen Wert einer gut gestalteten Inneneinrichtung zu…was uns natürlich sehr freut.

Sich schön einzurichten bedeutet aber nicht gleich, dass man viel Geld dafür ausgeben muss – das ist auch euer Ansatz?

Julia: Das ist auch unser Ansatz und das merken wir auch immer wieder, wenn jemand in unsere eigenen Wohnungen kommt. Wir hören oft: „Oh, das ist so schön und war bestimmt teuer!“ Wir, als junge Gründerinnen, haben aber auch beide kein Geld – Einrichtung muss nicht immer teuer sein! Man muss nur eine Ästhetik reinbringen, eine Harmonie und ein bisschen mit Kontrasten spielen – das macht es schon aus. Es ist eine Mischung aus Ikea mit ein paar teureren Stücken. Es ist wie in der Mode: Ich mixe meine Teile von & Other Stories oder H&M mit Schuhen, die etwas mehr gekostet haben und schon sieht es hochwertig und nicht mehr nach H&M aus.

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Julia dekoriert gerne kleine Stilleben in ihrer Wohnung.

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Wie läuft es genau ab, wenn man euren Service bucht?

Julia: Das Prozedere sieht wie folgt aus: Man bucht auf unserer Homepage eine Beratungsstunde für 49 Euro. Dann bekommt man einen Fragebogen zugeschickt, in dem wir bestimmte Dinge abfragen. Wer wohnt in der Wohnung oder dem Haus? Welche Materialien gefallen? Wie würde man seinen Stil beschreiben? Wie sind die Gegebenheiten, was soll verändert werden? Wenn wir alle Infos haben, machen wir uns erste Gedanken und erstellen ein Moodboard – wir gehen also vorbereitet mit einer ersten visuellen Basis und mit ersten Ideen ins Gespräch. „Es soll gemütlich und rustikal werden“ kann für Menschen zum Beispiel etwas ganz anderes bedeuten. Es ist wichtig, das bei einem persönlichen Gespräch genau abzuklären.

Silke: Aus dem Fragebogen kann man auch viel zwischen den Zeilen lesen: Wie schreiben und antworten unsere Kunden – wir machen also auch eine kleine Psychoanalyse.

Und dann besucht ihr den Kunden zu Hause…

Julia: In Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Köln bieten wir Hausbesuche an und ansonsten machen wir es via Skype. Beim ersten Gespräch lernen wir uns kennen. Es ist immer spannend den Raum das erste Mal zu betreten bzw. zu sehen. Wir machen dann Fotos und nehmen Maße. Mit den ganzen Infos gehen wir wieder nach Hause und machen uns Gedanken und erarbeiten das Angebot, in dem wir die Arbeitsstunden einschätzen.

Silke: Wenn der Auftrag erteilt wird und der Kunde sich entschieden hat die veranschlagten Konzeptionsstunden zu buchen – eine Konzeptionsstunde kostet 59 Euro – gehen wir ins Brainstorming und in die Produktrecherche. Natürlich haben wir hier schon unsere Lieblinge aber es soll immer wieder individuell sein. Wir greifen nur auf einzelne Produkte zurück, nie auf fertige Ideen.

Julia: Das Konzept schicken wir dem Kunden ein paar Tage vor unserem finalen Präsentationstermin zu, damit er das Ganze auf sich wirken lassen kann und wir dann auch schon ein konkretes Feedback von ihm bekommen. Gibt es Änderungswünsche, sind bis zu zwei Stunden im Preis inbegriffen.

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Immer wieder neue Räume einrichten – das macht sicherlich super viel Spaß!

Silke: Ja, es ist toll, wenn die Kunden uns vertrauen und sich so auf die Umgestaltung freuen. Man baut oft eine freundschaftliche Beziehung auf und es wird auch nicht jede Stunde abgerechnet – das ist eine Herzensgeschichte. Gerade sind wir noch in der Aufbauphase – die Qualität und das Ergebnis sind gerade am Anfang das A und O unserer Arbeit. Irgendwann müssen wir natürlich schauen, dass wir noch effizienter werden und mehr ans Business denken (beide lachen).

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So sieht es aus, wenn Silke und Julia ein Interior-Konzept für Kunden erstellen: Sie erstellen einen Grundriss, Farbschemata und machen individuelle Produktvorschläge.

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Der Kunde bekommt dann das fertige Konzept und Shopping-Vorschläge von euch. Wie sieht das aus?

Der Kunde bekommt das Konzept inklusive Grundrisszeichnung und Shopping-Liste mit direkten Links und oft auch mit Rabatt-Codes für bestimmte Onlineshops. Zusätzlich empfehlen wir auch immer noch Alternativen, die zum Beispiel preisgünstiger sind oder ein bisschen anders aussehen.

Das heißt ihr arbeitet mit bestimmten Onlineshops zusammen?

Ja, wir haben ein Netzwerk, bauen das weiter aus und nehmen immer wieder neue Shops mit auf. Das ist auch für den Kunden super – das Geld, was er bei uns für die Beratung ausgibt, hat er schon wieder drin, wenn er sich zum Beispiel ein Sofa mit Rabatt bei einem unserer Partnershops kauft. Und das ist genau das, was es uns ermöglicht unseren Service bezahlbar anzubieten und für den Kunden bezahlbar zu machen.

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In ihrem hellen Schlafzimmer hat Julia den perfekten Blick auf den Berliner Fernsehturm.

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Ihr empfehlt den Kunden manchmal auch neue Wandfarben oder Bodenbelege. Macht ihr auch da Produktvorschläge und gebt Kontakte weiter?

Ja, wir arbeiten zum Beispiel eng mit den Innenaustatter Lars Leppin zusammen. Dort können wir dann auch mal wieder die echten Materialien in der Hand halten und auswählen, was natürlich immer viel Spaß macht. Wir holen dort dann Angebote ein und bieten den Kunden konkrete Produkte an.

Kann man vorab ein Budget bei euch festlegen?

Auf jeden Fall, das ist ganz wichtig und da fragen wir auch immer nach. Bei manchen Budgets müssen wir aber auch sagen, dass es unrealistisch ist. Wir versuchen aber sehr transparent und ehrlich zu sein und auch zu verstehen, wenn jemand nur 1.500 Euro für das Umstyling eines kompletten Raumes hat. Da würden wir dann zum Beispiel hauptsächlich Ikea-Produkte nehmen und diese so gestalten und einbinden, dass sie nach mehr aussehen.

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Gerade bauen Julia und ihr Mann eine größere Wohnung ums Eck um, denn sie erwarten Nachwuchs.

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Mögt ihr ein bisschen etwas zu eurem Background erzählen?

Julia: Bevor ich nach New York gezogen bin, habe ich Architektur an der FH Potsdam studiert. Es gab allerdings nur ganz wenig gute Jobs für Architekten in Deutschland. In Berlin und Potsdam ist das Thema Architektur sehr starr, da geht es um bauliche Restaurierungen und die Rasterfassade. Ich wollte lieber experimentelle Sachen ausprobieren. Ich habe dann herausgefunden, dass es tolle Universitäten in den USA gibt, die verrückte Sachen machen, so wie die berühmte Architektin Zaha Hadid. Es ist natürlich sauteuer in den USA zu leben. Ich habe mich dann auf ein Stipendium beworben, die einem ein Aufbaustudium finanzieren und teilweise die Lebenshaltungskosten übernehmen. Da dachte ich: Das ist meine Chance! Es hat mit dem Stipendium geklappt – es war mein Traum, seitdem ich 16 bin, irgendwann in New York zu leben. Ich habe dann am Pratt Institute in Brooklyn studiert und es war höchst experimentell.

Ich habe dort meinen Mann kennengelernt und acht Jahre in New York gelebt und in verschiedenen Architekturbüros gearbeitet. Kurz bevor ich zurück nach Berlin gezogen bin, habe ich in einem Büro schon viel mit Innenarchitektur und Interior Design zu tun gehabt und Kunden betreut, die sich Penthouse-Wohnungen gekauft haben, die ich dann einrichten durfte – das Budget spielte da natürlich keine Rolle.

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Warum sind du und dein Mann dann zurück nach Berlin gezogen?

Irgendwann war New York so anstrengend, weil man so viel arbeitet. Dann haben mein Mann und ich gesagt, dass wir mal etwas anderes machen müssen und sind nach Berlin gezogen. Ich hab dann hier in verschiedenen Büros gearbeitet, fand es aber überhaupt nicht gut. Es war eine ganz andere Professionalität zwischen den Leuten – die war in New York hingegen super.

Inwiefern?

Ich habe hier schon Diskriminierung erfahren. Der Projektleiter ist dann ein Mann und die Frauen, die dort arbeiten, sind die „fleißigen Bienchen“. Und ich dachte mir: Es geht doch um Zusammenarbeit und nicht um Geschlechter!

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Es muss nicht gleich eine neue Küche sein: Julia hat ihre alte Küche mit gesprenkelter Arbeitsplatte einfach mit Wohnaccessoires im angesagten Memphis-Stil aufgepimpt und sich so den Gegebenheiten angepasst.

Hier geht es zu Teil 2 der Homestory und des Interviews – wir sind bei Silke zu Besuch.

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Hier findet ihr wit & voi:

 

Fotos: Sophia Lukasch

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