Female Finance: Wie sich die Steuererklärung lohnt

27. Juli 2020

Am 31. Juli ist wieder Deadline: Die Steuererklärung steht an. Für viele ein jährlicher Kampf und Grund für wochenlanges Hadern. Warum sich die Mühe lohnt, wie es am einfachsten geht und was ihr beachten solltet.

Muss das sein?

Dein Erwerbsstatus entscheidet darüber, ob du eine Steuererklärung machen musst oder nicht. Wenn du „nur“ angestellt tätig bist und keine Einkünfte aus z.B. Vermietung hast, bist du nicht dazu verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen. Wenn du Einkünfte aus selbständiger Arbeit hast, kommst du um eine Steuererklärung nicht herum.

Lohnt es sich?

Klare Antwort: Ja! Selbst, wenn du nicht zu einer Steuererklärung verpflichtet bist, lohnt es sich. Im Schnitt bringt jede eingereichte Steuererklärung eine Rückzahlung in Höhe von 1.027 Euro! Das ist ein verdammt guter Stundenlohn: Selbst, wenn du fünf Stunden für deine Steuererklärung brauchst, ist das ein Stundenlohn von 200 Euro netto. Rechne dir einmal den Netto-Stundenlohn deiner anderen Erwerbstätigkeit aus, der dürfte bei den meisten von uns deutlich niedriger sein.

Wie geht das?

Die Steuererklärung einzureichen, wird von Jahr zu Jahr einfacher. Mittlerweile kannst du sie vollelektronisch beim Finanzamt abgeben, nämlich mit dem Elster-Formular des Finanzamts. Elster steht für Elektronische LohnSteuerErklärung. Deine Angaben machst du entweder direkt im Elster-Formular, das es als Papier- und als Online-Version gibt. Alternativ kannst du eine Steuer-Software benutzen. Diese Computer- oder App-basierten Programme gibt es schon ab 15 Euro. Der Vorteil: Sie geben dir konkrete Hinweise, wo du welche Ausgaben eingeben musst und Tipps, wie du Steuern sparen kannst.

Was sind die größten Posten?

Für die meisten Arbeitnehmerinnen gibt es einige wichtige Punkte, mit denen du die meiste Ersparnis bekommen kannst:

  • Werbungskosten: hierunter fallen alle Kosten zum Erwerb und Behalten deiner Arbeit (z.B. Fahrtkosten zur Arbeitsstätte (sogenannte Pendlerpauschale), Arbeitskleidung, Büromaterialien, Fortbildungskosten), ebenso wie Steuerberatungskosten oder Ausgaben für deine vermietete Immobilie
  • Sonderausgaben: hierzu zählen u.a. Ausgaben für Kranken- und Pflegeversicherung, Unfall-, Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits-, Lebens- und Rentenversicherung, Riester- und Rürup-Rente, Spenden, Kosten für eigene Berufsausbildung, gezahlte Unterhaltsleistungen oder Versorgungsausgleich
  • Sonstige Ausgaben: das sind u.a. Handwerkerleistungen (Zahlungsnachweis notwendig), haushaltsnahe Dienstleistungen (z.B. Gartenarbeit, Haushaltshilfe, Reinigungskraft; Rechnung und Zahlungsnachweis notwendig), Nebenkostenabrechnung der Vermieterin, Bescheinigung über Vermögenswirksame Leistungen

Hier kannst du dir eine Checkliste für deine Steuererklärung herunterladen.

Claudia Müller ist Gründerin des „Female Finance Forum“.

Wie vermeide ich die Bauchschmerzen?

Viele von uns quälen sich bereits Wochen vor der Deadline bei dem bloßen Gedanken an die Steuererklärung. Dabei gibt es viele Gründe, weshalb das gar nicht notwendig ist:

  •  Steuern sind toll! Wir zahlen nur Steuern, wenn wir auch ein Einkommen haben. Höhere Steuern sind also ein Zeichen für höheres Einkommen. Steuern sind (bei allen Verbesserungsvorschlägen) ein Mittel für sozialen Ausgleich.
  • Der Stundenlohn ist super. Wie oben aufgeführt, ist der Gewinn durch die Steuererklärung bei den meisten von uns lohnend; insbesondere, wenn wir uns den Stundenlohn ausrechnen.
  • Das Wasser wird nicht wärmer, wenn du länger wartest. Was ist schlimmer: Die vielen Wochen, die du über die Steuererklärung nachdenkst und vor ihr Angst hast, oder die paar Stunden, die du letztlich dafür benötigst? Unnötig lange am Ufer zu stehen, bringt dich nicht weiter; irgendwann musst du springen. Und wahrscheinlich fühlt sich das Wasser gar nicht mehr so kalt an, wenn du erst einmal drin bist.

 

Text: Claudia Müller

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Illustration: Stefanie Berkmann

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