Themenwoche #49 | Buch-Tipps für den Herbst: Anna

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Wir haben in den vergangenen Wochen am Strand, im Freibad, auf dem Balkon und im Schrebergarten emsig gelesen – das heißt: Es ist mal wieder an der Zeit für eine Runde Buchtipps! Diese Woche empfehlen wir euch jede Menge Schmöker, die euch den bevorstehenden Herbst verschönern und gemütliche Stunden auf dem Sofa oder im Bett noch besser machen werden. Anna legt euch vier Romane ans Herz.

 

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Der Roman Panikherz von Benjamin von Stuckrad Barre wurde im Frühling geradezu durch die Feuilletons gejagt. Wenn ihr ihn immer noch nicht gelesen habt, solltet ihr das schleunigst tun. Gerade weil schon so viel über das Buch gesagt und geschrieben worden ist, spare ich mir eine Inhaltsbeschreibung. Nur so viel: Ich war, zugegeben, anfangs skeptisch. Ich habe keinen der Romane gelesen, mit denen Benjamin von Stuckrad Barre berühmt geworden ist und kannte nur ein paar journalistische Texte von ihm. Aber als mein Freund das Buch im Flugzeug nach Costa Rica las und immer wieder in Begeisterung verfiel, las ich dann mal rein – und wollte es ihm nach ein paar Passagen gar nicht mehr zurückgeben. Ich geduldete mich bis er es fertig gelesen hatte, um Beziehungsstreit zu vermeiden, und las es anschließend in einem Schwung durch. Teilweise sehr witzig, weil von Stuckrad Barre so wahnsinnig gekonnt und haarscharf bestimmte Szenen oder Charaktere beschreibt, die man einfach sofort mitfühlt (zum Beispiel seine Kindheit im Pastorenhaushalt in der Kleinstadt). Teilweise auch beinahe unangenehm ehrlich und offenherzig. In jedem Fall absolut lesenswert!

A Little Life von Hanya Yanagihara stand schon im Frühling auf meiner Lesewunschliste. Vor ein paar Wochen habe ich es mir endlich gekauft und ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das mich so tief berührt hat. Anfangs wusste ich nicht so ganz, wohin der Roman führen will, der von vier sehr unterschiedlichen Freunden in New York City handelt. Stück für Stück erfährt man mehr über die einzelnen Protagonisten: ihre Vergangenheit, ihre Familiengeschichte, warum sie sind wie sie sind. Schnell rückt einer der Freunde in den Fokus des Romans: Jude, der eine Art Ruhepol im Freundeskreis darstellt und seine dunkle Vergangenheit geheim hält. Der Roman erzählt, wie Jude sich langsam öffnet, wie er versucht, einen Zugang zum Leben zu finden, wie alle vier Freunde ihre unterschiedlichen Wege gehen und auf ihre Weise erfolgreich werden, wie ihre Freundschaft für alle eines der wichtigsten Elemente in ihren Leben bleibt und wie Jude dennoch nie von seiner Vergangenheit loskommt. Die Charaktere sind mir so schnell ans Herz gewachsen, dass es sich anfühlte, als würde ich sie persönlich kennen. Ich fand den Roman unbeschreiblich fesselnd und er hat mich emotional sehr beschäftigt. Wahrscheinlich ist es nichts für zartbesaitete Menschen und es hat mich mit schwerem Herzen zurückgelassen als es zu Ende war, aber ich bin richtig froh, dass ich dieses Buch gelesen habe.

 

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Fates and Furies von Lauren Groff lese ich zurzeit und ich muss sagen, dass es mir – im Vergleich zu den sehr tief entwickelten Charakteren aus „A Little Life“ – ziemlich oberflächlich vorkommt. Nicht primär die Geschichte, sondern die Entwicklung der Protagonisten. Sie bleiben irgendwie flach. Dennoch habe ich das Buch bislang auch noch nicht zur Seite gelegt, es ist auf eine merkwürdige Weise interessant und macht neugierig, zu erfahren, wie es mit den beiden Protagonisten – einem Ehepaar, das sehr jung und kaum miteinander bekannt geheiratet hat – weitergeht. Der Roman erzählt die Geschichte zuerst aus der Perspektive des Ehemanns, Lotto, Schauspieler in seiner Jugend, erfolgreicher Stückeschreiber in seinem erwachsenen Leben. Anschließend wechselt die Perspektive und wir erfahren, wie die Ehefrau, Mathilde, die gemeinsamen Jahre erlebt – und welche Geheimnisse die Ehe am Laufen halten.

A Visit from the Goon Squad von Jennifer Egan hingegen kann ich aus vollstem Herzen empfehlen. Die Charaktere, die Handlung, der Sprachwitz, die scharfen gesellschaftlichen Beobachtungen – einfach großartig! Ich habe den Roman letztes (oder vorletztes?) Jahr erstmals gelesen und kürzlich wiedergelesen, weil er so gut ist. Und das schreibe ich nicht, weil er den Pulitzer Preis gewonnen hat, sondern weil er mich hervorragend unterhalten und zum Nachdenken gebracht hat. Der Roman handelt von mehreren Charakteren, die alle jeweils einmal zum Ich-Erzähler werden bevor sie wieder in den Wirrungen der Handlung untertauchen und mit den Leben anderer Protagonisten, die fast alle irgendetwas mit der Medien- oder Popkultur zu tun haben, verwoben werden. Ich habe von Jennifer Egan auch Invisible Circus gelesen, aber ich muss unbedingt noch mehr von ihr lesen. Sehr clever!

Mehr Buch-Tipps findet ihr hier!

Fotos: femtastics

 

 

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