Vom Plattenlabel auf Facebook entdeckt: Sängerin Antje Schomaker

femtastics-Antje-Schomaker-Musik-Interview

Sie war vergangenes Jahr mit Bosse auf Tour, hat vor einem ausverkauften Molotow Club in Hamburg gespielt, und ihre erste Single, „Bis mich jemand findet“, ist im November bei Sony erschienen. Antje Schomaker ist definitiv eine der talentiertesten jungen Singer-Songwriter aus Hamburg. Wir haben sie im gemütlichen Café Schmidtchen in der Hamburger Sternschanze zum Gespräch über YouTube-Videos als Karrierestarter, deutsche Texte, und die erste große Tour getroffen.

 

femtastics: Seit wann machst du Musik?

Antje Schomaker: Das sagt wahrscheinlicher jeder, aber: schon immer. Ich habe immer Instrumente gespielt und schreibe schon lange Songs. Ich hatte auch schon kleine Auftritte, aber der Entschluss, professioneller Musik zu machen und auch herauszubringen, fiel vor etwa einem Jahr.

Ich habe immer Lieder geschrieben und irgendwann kamen die richtigen Leute dazu und es hat sich weiterentwickelt.

Wann hast du gemerkt, dass Musik für dich mehr als ein Hobby, sogar eine mögliche Karriere, sein könnte?

Es war ein Prozess: Ich habe immer Lieder geschrieben und irgendwann kamen die richtigen Leute dazu und es hat sich weiterentwickelt. Es war für mich aber nie eine bewusste Veränderung. Durch meine Single kamen in letzter Zeit viele Bekannte auf mich zu und sagten: „Boah, Wahnsinn, jetzt geht es für dich richtig los!“ So hat sich das für mich aber nie angefühlt.

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Antje geht gerne mal auf einen Kaffee ins Café Schmidtchen auf dem Schulterblatt, in dem wir unser Interview führen.

Die erste Single kam dir nicht vor wie ein großer Schritt?

Doch, klar. Ich bin froh, dass es jetzt endlich offiziell etwas von mir zu hören gibt. Das hatte ich ja ganz lange nicht.

 

Ich kenne viele Menschen, die ein krasses Talent haben, aber nichts draus machen. Es geht viel um Biss.

Woher kommt dein musikalisches Talent?

Meine Eltern sind sehr musikaffin und ich war auf einer Waldorfschule. Ich denke aber, es braucht mehr Wille als Talent. Ich kenne viele Menschen, die ein krasses Talent haben, aber nichts draus machen. Es geht viel um Biss. Und Glück.

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Tolle rosa Cap, Antje!

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Du hast drei Jungs als Band. Wie hast du sie gefunden?

Die habe ich alle hier kennengelernt, lustigerweise sogar direkt hier vor der Tür. Ich mache nebenbei die Durchführung von Poetry Slams und kam nach einer Veranstaltung hier raus, als ein Kumpel von mir mit den Jungs vorbeilief. Wir sind gemeinsam etwas trinken gegangen und so habe ich Felix, Felix und André kennengelernt. Irgendwann haben wir festgestellt, dass wir alle Musik machen und so hat es sich ergeben, dass sie meine Band wurden.

Haben sie auch Mitspracherecht bei deinen Songs, also entwickelt ihr diese gemeinsam?

Die Songs schreibe ich immer mit Gitarre und Klavier. Wenn ich noch keine Aufnahmen der Songs gemacht habe, entstehen die Arrangements mit den anderen Instrumenten aber mit den Jungs zusammen. Mittlerweile fühlt es sich viel mehr wie ein Gemeinschaftsprojekt an – ich sage auch immer „Bald kommt unser Musikvideo heraus“, weil wir das auch gemeinsam mit Freunden gemacht haben.

Du bist beim Label Columbia unter Vertrag. Wie hat sich das ergeben?

Das kam tatsächlich durch das Video zu „Mein Herz braucht eine Pause“, das ich zusammen mit Kilian Reischl, Felix Gerlach und Robin Karow aufgenommen und auf YouTube veröffentlicht habe.

Das kann also wirklich so passieren?

Mich gab es als Musikerin vorher schon, das heißt, man konnte vorher ab und zu schon etwas von mir mitbekommen. Das Plattenlabel sagte mir, sie hätten mich auf Facebook unter „empfohlene Künstler“ entdeckt und haben sich dann an mein Management gewendet.

Wie hat es sich für dich angefühlt, als du die Anfrage bekommen hast?

Ich war bei einem Major-Label eher vorsichtig, aber hatte das Gefühl, dass sie mich gut verstehen, dass alles im Dialog stattfindet und dass ich sehr viel Mitspracherecht habe. Es war nicht wie man es vielleicht aus bösen Geschichten hört, dass das Plattenlabel den Künstler ganz glatt bügeln will.

Plötzlich kam Bosse auf mich zu, hat mich umarmt und mir erzählt, dass er meine Musik schon länger kennt und super findet.

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Du hast in einem Interview erzählt, dass auch der Musiker Bosse dein Musikvideo “Mein Herz braucht eine Pause” im Internet gesehen hat und dich daraufhin eingeladen hat, ihn als Support-Act bei seiner Tour zu begleiten. Wie kam es denn überhaupt zu dem Treffen?

Das war auf dem „Feel Festival“. Ich war mit ein paar Freundinnen backstage und plötzlich lief Bosse vorbei. Aus Spaß haben wir gesagt, dass ich ja zu ihm hingehen und mich vorstellen könnte. Aber ich mag es nicht, wenn man sich so anbiedert. Niklas, den Chellisten von Bosse, kenne ich aus Hamburg. Als ich mich mit ihm unterhalten habe, kam Bosse dazu, hat mich umarmt und mir erzählt, dass er meine Musik schon länger kennt und super findet. Er meinte: „Lass was zusammen machen! Im Winter gehen wir auf Tour!“

Wenn man einmal vor 7.500 Menschen aufgetreten ist und gemerkt hat, dass es funktioniert, dann fühlt man sich danach auf der Bühne wohler.

Ihr wart dann im Dezember 2016 gemeinsam auf Tour. Wie hast du das erlebt?

Ich bin ein Riesen-Fan von Bosse! Ich kann alle Lieder mitsingen. Deshalb war die Tour echt perfekt für mich (lacht). Es war wirklich eine super Erfahrung. Ich habe sehr viel gelernt. Ich bin jetzt viel mehr ich selbst auf der Bühne. Wenn man einmal vor 7.500 Menschen aufgetreten ist und gemerkt hat, dass es funktioniert, dann fühlt man sich danach auf der Bühne wohler.

Musst du eigentlich oft erklären, warum du deine Texte auf Deutsch schreibst?

Nein. Mittlerweile ist es ja total etabliert, dass man auf Deutsch singt. Ich persönlich habe das nie hinterfragt. Ich war mal eine Zeit lang in Dublin und habe dort Texte auf Englisch geschrieben – aber das hat sich einfach nicht richtig angefühlt.

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Auf deiner Webseite steht: “Hört man sie das erste Mal singen, scheint es als wäre sie eine gute Freundin”. War es eine bewusste Entscheidung, so persönliche Texte zu schreiben oder hat sich das eher ergeben?

Ich denke nie darüber nach, was ich schreibe. Es kommt einfach. Ich schreibe über Alltagssituationen von mir und Freunden – sehr persönliche Sachen. Ich versuche nie, mir etwas auszudenken. „Oh, ich habe so viele Liebeslieder geschrieben, jetzt brauche ich mal was Anderes“ – so mache ich das nicht.

Wann ist ein Text für dich ein guter Text?

Wenn ich einen neuen Song habe, spiele ich ihn immer Leuten vor, und wenn ich mich schon beim Vorspielen komisch fühle, weiß ich, dass der Song nicht richtig ist.

Schreibst du die Texte zuerst?

Ja, ich fange mit den Texten an und dann schreibe ich die Musik dazu. Wenn ich eine Melodie habe und einen Text für sie schreiben will, wirkt es meistens zu gewollt. Genauso ist es, wenn ich denke, dass ich unbedingt etwas Gesellschaftskritisches schreiben muss – dann wirkt es schnell gezwungen.

Welche Musik hörst du selbst gerne?

Wie gesagt höre ich Bosse sehr gerne. Ansonsten mag ich Elif, Enno Bunger, Julian Philipp David, Clueso, … Aber auch ziemlich viel Hip Hop, wie zum Beispiel Loyle Carner oder Goldroger.

Welche Musik hast du mit 13 oder 14 gehört?

Ich habe viel Musik von meinem Papa gehört. Aber auch von meinen beiden älteren Schwestern: Red Hot Chili Peppers, Green Day, …

Du studierst Systematische Musikwissenschaften. Wie kam es zu diesem Studium?

Ich wollte gerne nach Hamburg und habe das einzige musikbezogene Studium gewählt. Erst hatte ich Geschichte im Nebenfach, dann VWL, jetzt historische Musikwissenschaften. Aber: Ich bin bald fertig! Ich muss nur noch eine Klausur schreiben, dann kommt meine Bachelor-Arbeit.

Neulich wurde ich erkannt – und ich glaube, ich war aufgeregter als das Mädchen, das mich angesprochen hat.

Und hast du das Gefühl, dass dir das Studium auch etwas für deine persönliche musikalische Entwicklung bringt?

Es gab zwei Seminare zu Musik und Recht sowie Wirtschaft. Das war schon interessant. Aber ansonsten … ist es eher: schnell ins Seminar und danach meine Musik machen! Ich will es jetzt auch hinter mich bringen.

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Deine Single “Bis mich jemand findet” ist im November erschienen. Wann kommt das Album?

Im Spätsommer erst. Aber bald kommt das erste Musikvideo! Die Story-Ebene haben wir in München produziert, die Performance hier in Hamburg, an vielen meiner Lieblingsorte.

Aufregend!

Ja, total! Im Moment passiert so viel. Neulich wurde ich erkannt – und ich glaube, ich war aufgeregter als das Mädchen, das mich angesprochen hat. Wir sind dann direkt Schnaps trinken gegangen an die Bar. Das sind so Situationen, mit denen ich noch nicht richtig umgehen kann.

Steht auch schon fest, wann man dich das nächste Mal live erleben kann?

Wir planen fürs Frühjahr eine kleine Tour. Im Mai geht es los!

Wir behalten deine Facebook-Seite im Auge. Vielen Dank für das Interview, Antje!

 

Hier findet ihr Antje Schomaker:

  

Fotos: Lena Jürgensen

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