1A-Produkte in der B-Lage – Interview mit Vanessa Janneck

b_lage_hamburg_store_besitzerin

Hamburg ist gerade ordentlich in Bewegung. Der neueste Zugang: der Store B-Lage in der Schanze von Vanessa Janneck. Das Besondere: Der ständige Pop-up-Store der 28-Jährigen ist immer im Wandel – sie verkauft nicht nur ihr eigenes Brand Vanewonderland, sondern auch Jungdesigner aus den Bereichen Fashion & Interior, die sich bei ihr einmieten können. Zusätzlich bietet sie die Fläche für Events und Ausstellungen an. Wir haben die gelernte Kommunikationswissenschaftlerin und Designerin zum Interview getroffen und mit ihr über ihre innovative Idee, den Einzelhandel und die Hamburger Designszene gesprochen.

b_lage_hamburg_store_8

femtastics: Erst im Oktober hast du deinen eigenen Shop eröffnet. Wie bist du auf den Namen B-Lage gekommen? 

Vanessa Janneck: Weil ich zum einen nach einem neutralen Namen gesucht habe, bei dem offen bleibt, was im Laden geschieht und zum anderen wurde der Laden als „Schanze B-Lage“ ausgeschrieben.

b_lage_hamburg_store_2 Kopie

Wo hast du den Laden entdeckt?

André von nebenan, vom Mojo Store, hatte die Anzeige bei Facebook gepostet und ich war sowieso gerade in einer Phase, in der ich unglücklich mit meinem Agenturjob war und mein Herz mehr zum Kreativen hinwollte. Dann habe ich mir den Laden kurz angeguckt und hatte direkt eine Vision. Danach ging alles ganz schnell.

b_lage_hamburg_store_10 b_lage_hamburg_store_6

Also war es eine spontane Entscheidung?

Total, ich hatte immer einen Laden im Kopf und es war auch immer ein großer Wunsch von mir einen Laden aufzumachen. Ich wusste aber auch, dass ich niemals nur einen Laden für mein eigenes Label aufmachen würde – ich hatte immer mehr geplant. Dadurch, dass ich vorher PR gemacht und Kommunikationswissenschaften studiert habe, waren meine Visionen schon immer größer. Dann ist das Konzept entstanden, dass ich mehrere Labels im Laden haben möchte.

Und wie lange machst du dein eigenes Label Vanewondrland schon?

Seit 2011. Ich habe neben dem Studium angefangen und dann neben dem Job weitergemacht. Ich war damit oft auf dem „Hello Handmade“-Markt und anderen verschiedenen Märkten. Ich bin erst seit zwei Jahren in Hamburg und habe beim „Hallo Frau Nachbar“-Markt die Mädels kennengelernt, die jetzt mit ihren Labels im Laden sind.

b_lage_hamburg_store_9

Anker-Armbänder von Vanessas eigenem Label Vanewonderland.

Ich habe das Konzept so erstellt, dass ich immer einen Plan B habe.

b_lage_hamburg_store_5 Kopie

Also sind es vor allem Leute aus deinem Netzwerk, deren Produkte du hier verkaufst?

Genau. Mit denen hatte ich letztes Jahr auch schon mal einen Pop-up-Store im Betahaus für zwei Wochen – das lief ganz gut, alle waren sofort Feuer und Flamme und hatten Lust bei B-Lage dabei zu sein.

Erzähl mal, wer alles mit an Bord ist!

Die Ledertaschen sind handgemacht und von Jule, also von Miau Design. Sie ist eigentlich gelernte Illustratorin. Der Schmuck auf den Ständern ist von Naiona. Madeva ist ein Label aus Berlin, die macht die ganzen Holzdrucke und auch die Kisten. Und die bunten T-Shirts sind von mir und zum Teil aus Köln von LikeLife. Wohnaccessoires wie die Vasen und Körbe habe ich zusätzlich eingekauft. Im Dezember ändert sich das Sortiment wieder komplett. Wir planen einen X-Mas Pop-up-Store. Dabei sind zum Beispiel Kvinna, Tiphine, Pase und ausgewählte Artikel von Feingeisterei.

b_lage_hamburg_store_1

Dein Laden ist so toll eingerichtet. Hattest du dabei Unterstützung?

Eine Freundin von mir, Saskia, ist Gestalterin für visuelles Marketing, von ihr sind auch die Dekoartikel – unter dem Namen Köhnigreich schafft sie neue Wohnideen und kümmert sich bei B-Lage um die Dekoration. Wir haben zusammen entschieden, wo was steht und was ungefähr der Stil sein wird. Sie hat einfach das Händchen dafür und wir ergänzen uns super. Die Holzeinbauten haben wir auch selbst gemacht. Meine Mitbewohnerin ist handwerklich sehr begabt. In zwei Wochen waren wir mit der Renovierung und dem Umbau fertig.

Nur beim Verkauf der Labels soll es aber nicht bleiben …

Die Pop-up-Fläche kann sowohl für das Pop-up-Store-Konzept genutzt werden, ich würde dadurch, dass ich selber aus dem PR-Bereich komme, aber auch gerne PR-Aktionen machen wie Presseevents, Buchpräsentationen oder Magazin-Releases – alles, was sich in der Szene vereint. Draußen auf dem Balkon kann man einen Grill aufstellen und wir haben überlegt, ob wir zum Beispiel an Weihnachten einen Adventsmarkt mit Glühwein machen.

b_lage_hamburg_store_4 Kopie

Der Plan ist auch, dass das Sortiment regelmäßig wechselt oder erweitert wird?

Ja! Bis Dezember werden einige Labels dazukommen und andere gehen. Els Nel aus Holland machen ganz tolle Kalender und Notizhefte – die kommen zum Beispiel noch dazu und Kleinigkeiten, die ich entdecke, nehme ich spontan auf.

Die Brands können sich bei dir melden und sich bewerben?

 Ja, oder fragen, ob sie den Store zum Beispiel für einen Monat komplett mieten können, wenn sie so ein großes Sortiment haben, das den Raum füllt.

Haben die einzelnen Brands Plätze gemietet oder hängen die Teile hier auf Kommission?

Die Labels zahlen einen einmaligen Betrag, dieser umfasst die Ladenmiete, aber auch PR- und Marketingmaßnahmen und das Verkaufspersonal. Dafür bekommen die Labels die kompletten Einnahmen des Verkaufs ihrer Teile – das ist fairer. Wenn ich eine Provision einbehalten würde, müssten die Labels ihre Preisen noch höher ansetzen, die wollen ja aber auch einen fairen Preis für die Kunden machen.

b_lage_hamburg_store_3

Ein schlaues Konzept. So hast du auch für dich feste Einnahmen im Monat.

Genau, durch die Mieten und die Einnahmen mit meinen Label. Außerdem habe ich für mein eigenes Label auch noch einen Onlineshop und versuche nebenbei noch ein paar Märkte zu machen.

Hattest du denn ein bisschen Startkapital?

Ja, ich hatte ein bisschen gespart und mein Opa hat mich unterstützt. Dadurch, dass ich nebenbei auch noch die Pressearbeit weitermachen kann, habe ich noch eine zusätzliche Sicherheit. Ich habe ein Label im Store dabei, bei dem ich fest als PR-Frau gebucht bin.

Dann kannst du den Laden also gleichzeitig als dein Büro nutzen. Hattest du Angst vor dem Einzelhandel?  Es ist ja kein einfaches Pflaster.

Ich habe das Konzept so erstellt, dass ich immer einen Plan B habe. Von Januar bis März kann ich zum Beispiel mehr Ausstellungen oder Kulturelles machen, weil es in den Monaten im Einzelhandel eher nicht so gut läuft. Die Sicherheit ist mir wichtig, ich möchte nicht irgendwann da sitzen uns sagen: Okay, es läuft nicht, ich mache den Laden wieder zu. Das wäre schade. Man muss einfach immer ein paar Ideen in petto haben. Ich habe auf jeden Fall noch eine größere Idee (grinst).

b_lage_hamburg_store_7

Hast du auch das Gefühl, dass in Hamburg gerade viel im Lifestyle-Bereich passiert?

Auf jeden Fall. Jetzt auf einmal kommt ganz viel. Ich habe mich total über das Pop-Up-Festival in Wilhelmsburg und das Store-Opening von Black Velvet Circus gefreut. Es ist auch toll, dass man sich dann austauschen kann und nicht alleine ist. Ich habe auch einfach Lust mit Leuten zusammenzuarbeiten. Vorher saß ich in einer Agentur, ich habe mit Leuten telefoniert und saß am PC und habe Mails geschrieben. Ich mag aber einfach diesen direkten Kontakt, Leuten in die Augen zu schauen und die Kunden direkt zu begrüßen – das ist für mich einfach etwas Schönes.

Dann wünschen wir dir ganz viel Erfolg mit deiner hübschen B-Lage!

 

Hier findet ihr Vanessa und ihren Store B-Lage:

Store: Kampstraße 11, Hamburg

Fotos: Pelle Buys

 

 

17 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *