Backstage beim „König der Löwen“ mit Futhi Mhlongo

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Seit fünfzehn Jahren begeistert das Disney-Musical „Der König der Löwen“ Hamburgbesucher – und natürlich die Hamburger selbst. Das gelbe Zelt an der Elbe ist aus dem Hafenpanorama nicht mehr wegzudenken, schließlich wird hier Abend für Abend die berührende Geschichte vom Löwenjungen Simba erzählt, die bereits unzählige Zuschauer zu Tränen rührte. Mitverantwortlich dafür ist auch Futhi Mhlongo, die seit 2010 die Rolle der Rafiki spielt. Bevor die Südafrikanerin nach Hamburg kam, stand sie bereits in Kanada und den USA im Musical „Der König der Löwen“ auf der Bühne. Wir treffen Futhi zum Interview und läuten damit unser Musical-Special ein: Wir haben in den vergangenen Wochen hinter die Kulissen bei drei von Hamburgs bekanntesten Musical-Produktionen geschaut, haben Darstellerinnen kennengelernt, Kostüme aus der Nähe bewundert, waren backstage und kurz vor der Show in der Maske dabei. Seid gespannt!

 

femtastics: Wann wusstest du, dass Musical-Darstellerin ein Karriereweg ist?

Futhi Mhlongo: Als ich sehr jung war. Ich habe im Alter von drei oder vier mit dem Singen angefangen. Im Alter von sechzehn bin ich zur „Committed Artist Academy“ in Johannesburg gegangen. Ich selbst komme aus Durban, an der Küste. Die Akademie hat südafrikanische Sänger gesucht und ich bin nach Johannesburg gefahren, um dort vorzusingen. Meine ältere Schwester war schon an der Akademie und ich bin ihr gefolgt. Man kann sagen, dass ich seit 1989 auf Tour bin.

Also hast du andere Sänger oder Schauspieler in der Familie?

Ja, meine Schwester hat auch im König der Löwen gespielt.

Und deine Eltern?

Nicht direkt. Aber ich denke, hätten sie die Chance dazu gehabt, wären sie auch Sänger geworden. Damals sah die Kunstwelt anders aus.

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Das Musical „Der König der Löwen“ hat sein eigenes Theater an der Elbe in Hamburg.

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Wir treffen Futhi gut gelaunt zum Interview.

Aber deine Eltern haben dein Talent früh entdeckt?

Ja, ich habe einfach immer gesungen, die ganze Zeit – während ich meine Hausaufgaben gemacht habe, wenn ich mein Zimmer aufgeräumt habe, beim Spülen, einfach immer. Das mache ich heute noch so.

Was hast du an der “Committed Artist Academy” in Johannesburg gelernt?

In Durban haben wir so gesungen, wie wir sprechen. Englisch ist nicht unsere Muttersprache, sondern Zulu. Ich bin ein Zulu-Girl. An der Akademie haben wir gelernt, wie man weicher und auf Englisch singt. Außerdem wie man schauspielert und wie man seinen Text auf der Bühne richtig rüberbringt. Tag für Tag haben wir daran gearbeitet, es war eine sehr gute Erfahrung.

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Backstage, im so genannten „Bunker“, haben wir die Chance, uns die detailreichen Kostüme aus der Nähe anzusehen.

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War es schon immer dein Traum, die Welt zu sehen und für den Job zu reisen?

Ja, das war es. Wir haben damals mit einem der größten Musikpoduzenten Südafrikas zusammengearbeitet und das Ziel der Akademie war es, Kinder und ihre musikalischen Talente zu unterstützen. Viele von uns waren als Darsteller in Produktionen von Der König der Löwen auf der ganzen Welt. Natürlich war es eine große Sache für mich, in dieser weltbekannten Produktion mitzuwirken.

Du warst für „Der König der Löwen“ erst in Kanada, dann in New York. Und bist für die Rolle der Rafiki nach Hamburg gezogen. Fiel Dir diese Entscheidung leicht?

Um ehrlich zu sein, war ich total aufgeregt (lacht). Als sie mich angerufen haben, habe ich gerade eine kleine Pause gemacht. Ich hatte als Lead Singer in „Afrika! Afrika!“ gearbeitet und dachte: Ich vermisse mein Zuhause, ich vermisse „Der König der Löwen“. „Der König der Löwen“ ist wie mein Zuhause, weil ich die Lieder schon so früh gelernt habe. Ich war gerade in Südafrika – und da bekam ich den Anruf. Sie sagten: „Futhi, möchtest Du gerne beim König der Löwen in Hamburg dabei sein?“ Ich habe geantwortet: „Könntest Du das noch mal wiederholen?“ (lacht). Dann habe ich gesagt: „Einen Moment bitte!“ und ich bin ins andere Zimmer gerannt und habe erst einmal vor Freude geschrien. Dann bin ich zurück ans Telefon gegangen und habe gesagt: „Ja natürlich!“

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Rechts unten zu sehen: Futhis „Füße“, die sie in der Rolle der Rafiki trägt.

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Kanntest Du schon jemanden in Hamburg?

Ich bin vorher für verschiedene Produktionen und Tourneen schon in Hamburg gewesen. Aber für diese Rolle bin ich das erste Mal dauerhaft nach Hamburg gezogen. Ich musste die Stadt, die Menschen, das Publikum kennenlernen – und das Wetter (lacht).

Machst du in deiner Freizeit auch viel mit deinen Musical-Kollegen?

Ja, manchmal. Sonntags treffen wir uns zum Beispiel manchmal gemeinsam auf einen Drink und quatschen oder singen. Dann fühlt es sich wie zu Hause in Afrika an.

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Für alle Fälle: die wichtigsten Masken gibt es jeweils in mehrfacher Ausführung.

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Wie hast du dich auf die spezielle Rolle der Rafiki vorbereitet?

Für mich war das einfach. Es ist eine spirituelle Rolle und ich kannte in Südafrika schon früh spirituelle Menschen, die wir dort Sangoma nennen. Ich wusste, wie sie ihre Lieder singen, wie sie sich in Trance verhalten, das alles kannte ich. Das musste mir niemand beibringen. Das einzige, was ich wirklich lernen musste, war den Bühnenaufbau zu verstehen: Wo muss ich hingehen? Wo muss ich stehen? Aber musikalisch war die Rolle schon in mir drin. Als Kind habe ich manchmal das Dorf meiner Großmutter besucht und wusste, wie die Menschen dort reden und singen. Ich wusste: Okay, das wollen sie auf der Bühne sehen.

Also orientiert sich die Rolle der Rafiki an Sangoma?

Ja, vieles der Rolle. Die Rolle vermischt die spirituellen Rituale der Sangoma mit christlicher Heilung. Im Kostüm der Rafiki finden sich ganz viele Anspielungen auf traditionelle Kleidung südafrikanischer Stämme und deren Symbole.

Was gefällt dir am besten an der Rolle?

Das Singen.

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In der „Puppet Werkstatt“ entstehen die Masken und Kostüme, werden aufgefrischt und repariert.

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Vom Gras bis zum Elefanten: alles wird hier liebevoll handgemacht.

Deine Rolle ist sehr humorvoll. Fällt es dir leicht auf der Bühne witzig zu sein?

Ich glaube, ich wurde witzig geboren (lacht). Manchmal mache ich Witze mit todernstem Gesicht und dann muss ich lachen und sage: „Got you!“. Auf der Bühne ist es manchmal schwer, weil jeder Tag anders ist. Aber unser Boss, unser kreativer Leiter, bringt uns dann wieder auf die Spur.

Du spielst Rafiki in Hamburg seit sechs Jahren – wie motivierst du dich, wenn Du mal einen schlechten Tag hast?

Es gibt nicht direkt einen Trick dafür. Manchmal fühle ich mich nicht gut, warum auch immer, und dann komme ich hier her und nur hier zu sein, das gibt mir so viel gute Energie und Power. Wenn ich in diesem schönen Gebäude bin und die Energie der Leute spüre, dann geht es mir direkt besser. Automatisch sind die schlechten Gefühle verschwunden. Bis die Show beginnt, bin ich bereit.

Du hast die gleiche Rolle auch in Kanada und New York gespielt. Gibt es Unterschiede zwischen „Der König der Löwen“ in Deutschland und anderen Ländern – abgesehen von der Sprache?

Für mich ist es immer gleich. Wenn ich auf der Bühne stehe, vergesse ich sogar, dass ich die Rolle in einer anderen Sprache spiele.

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Bis sich Futhi in Rafiki verwandelt, braucht es viele, gekonnte Make-up-Schritte.

Wie gesagt bist du für Deine Arbeit schon viel herumgekommen. Wo hat es dir bislang am besten gefallen?

Ich gebe euch eine ehrliche Antwort. Ich mag es hier. Ich habe hier sehr viel gelernt. Zum Beispiel, dass Leute sehr pünktlich sind (lacht). Ich habe das schon selbst übernommen: Als ich das letzte Mal zu Hause war, habe ich meine Schwester schwer damit beeindruckt, wie pünktlich und organisiert ich war. Ich lerne hier viel, was ich für die Zukunft nutzen kann. Wenn ich vielleicht eines Tages meine eigene Akademie in Johannesburg eröffne, dann kann ich den Kindern alles beibringen, was sie wissen müssen.

Wäre das ein Traum von dir, eine eigene Akademie zu eröffnen?

Ja, Kindern beizubringen, wie sie auf der Bühne singen, tanzen und schauspielern.

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Foto von © Stage Entertainment/Brinkhoff/Moegenburg

Wie oft bist du noch in Johannesburg? Lebt dort noch Deine Familie? 

Ja, ich habe dort Familie, und ich sehe sie regelmäßig. Ich war über Neujahr zu Hause und im Juli besuche ich meine Familie wieder.

Hast Du einen Trick, wie Du dich in fremden Städten heimisch fühlst? 

Es braucht einfach Zeit. Alles braucht seine Zeit. Ich denke, was dir am meisten dabei hilft, dich zu Hause zu fühlen, ist einfach, das zu tun, wofür du hergekommen bist. Danach kommt alles zusammen.

Vielen Dank für das Interview, Futhi!

 

Fotos: Maria Gibert

 – in Kooperation mit Stage Entertainment –

 

 

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