Katrin Koch über ihr Café Kropkå und die Realität des Gastro-Alltags

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Katrin Koch träumte schon früh vom eigenen Café – und setzte diesen Traum im Frühling dieses Jahres mit „Kropkå“ in die Tat um. Wir treffen die 32-Jährige, die gebürtig aus dem Ruhrgebiet kommt, in ihrem stilvollen Café in Hamburg-Hoheluft und sprechen darüber, welche Hürden sie auf dem Weg zum eigenen Lokal nehmen musste, wer sie bei der Realisierung ihrer Idee unterstützt hat, warum ihr neuer Arbeitsalltag sie an ihre Grenzen bringt, was sie trotzdem weiter machen lässt – und wieso sich auf ihrer Speisekarte Avocado- ebenso wie Mettbrot und Kuchen neben Bacon-Becher finden.

 

femtastics: Was hast Du gemacht, bevor es „Kropkå“ gab?

Katrin Koch: Ich habe Kommunikationsdesign studiert und hier in Hamburg 2010 einen Job in einer Werbeagentur angenommen. Da habe ich relativ lange gearbeitet, war aber nie richtig happy damit. Mein Herz hat schon immer für die Gastronomie geschlagen. 

Mein Herz hat schon immer für die Gastronomie geschlagen.

Auf deiner Website schreibst du, „Irgendwann mache ich meinen eigenen Laden auf!“ – war ein eigener Laden dein Kindheitstraum?  

Ich habe früher in Dortmund schon in der Gastronomie gearbeitet und auch eine Barista-Ausbildung gemacht, in einem der ersten Coffeeshops Dortmunds. Das war damals noch ganz neu. Zu der Zeit habe ich schon von einem eigenen Café geträumt, aber wie das so ist, studiert man erst einmal und macht etwas „Ordentliches“. Und ich war ja noch sehr jung. Mit 18 nach dem Abitur macht man ja nicht gleich einen Laden auf.

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Das Café liegt mitten auf dem Eppendorfer Weg, direkt zwischen dem schönen „Liv“ Store und dem Dittsche-Imbiss.

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War dir klar, dass es ein Café werden soll oder hattest du auch andere Ideen?

Das war für mich klar – meine „Cafézeit“ hat mich geprägt und hat mir immer Spaß gemacht.

Wann fiel die Entscheidung: „Ok, ich mache es“? Und warum?

Es hat gedauert, mir einzugestehen, dass die Arbeit in der Agentur nicht das Richtige für mich war. Man fragt sich dann aber: „Wie mache ich das, wie kriege ich das finanziell überhaupt gewuppt?“ Und so weiter. Man hält auch am Alten fest. Ich habe häufig versucht, die Agentur zu wechseln, mit dem Gedanken „in der nächsten wird’s besser“, aber ich wurde nie richtig glücklich.

Ich hatte einen Unternehmensberater, der mich begleitet, weil es einfach viel zu bedenken gibt und finanziell viel auf dem Spiel steht.

Es war insgesamt eine extrem lange Vorbereitungsphase. Ich habe mich lange damit beschäftigt, was ich überhaupt machen möchte, wie das Konzept aussehen soll. Dann habe ich einen Unternehmensberater gesucht, der mich begleitet, weil es einfach viel zu bedenken gibt und finanziell viel auf dem Spiel steht. Allein in Hamburg eine Immobilie zu finden, dann mit der Bank zu sprechen … für Gastronomiebetriebe ist es heutzutage schwer, Geld von der Bank zu bekommen. Wir haben auch lange gebraucht, den Businessplan zu schreiben.

Was war deine Vision für dein Café?

Ich wollte etwas Gemütliches haben, und mir war es wichtig, dass auch Männer sich wohlfühlen! In Hamburg gibt es viele niedliche Lädchen, die nur Frauen ansprechen; Cafés, in denen man mit der Freundin oder der Mama frühstücken geht, aber die man nicht unbedingt mit dem Freund oder Kumpel besucht. Mein Café sollte etwas rustikaler und cooler sein – wobei es hier auch ein bisschen mädchenhaft geworden ist. Wir haben aber zumindest einen „Playboy“ auf dem Klo aufgehängt. (lacht)

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Katrin war es wichtig, dass sich auch Männer wohl fühlen in ihrem Café.

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Was bedeutet eigentlich der Name „Kropkå“ und woher kommt er?

Ich wollte auch beim Namen etwas Rustikales. Ich habe lange herumüberlegt und meine Freundinnen mit ins Boot geholt. Irgendwann war der Name da. Ich mochte ihn vom Klang, der irgendwie eckig und kantig ist. Dann haben wir gegoogelt, um zu gucken, ob der Name schon vergeben ist und haben herausgefunden, dass „Kropka“ polnisch für „Punkt“ ist. Der Kringel auf dem „a“ war designtechnisch das I-Tüpfelchen.

Wie hast du die Eröffnung finanziert?

Zum Teil mit meinem Ersparten, zu einem großen Teil aber auch mit einem Kredit von der Bank. Ich glaube, ich habe den Kredit bekommen, weil die Vorbereitung echt gut war. Mein Businessplan war fast wie eine Doktorarbeit, wir haben uns viel Mühe gegeben, das Konzept so lebendig wie möglich zu machen.

Das Schwierigste für mich war, so lange durchzuhalten und eine Immobilie zu finden.

Was war das Schwierigste bei der Eröffnung?

Es ist schwer das zu erzählen – es gab viele schwierige Instanzen, aber das Schwierigste für mich war, so lange durchzuhalten und eine Immobilie zu finden. Da gab es viele Rückschläge. Zuerst habe ich an Altona gedacht, habe aber auch in Winterhude und irgendwann auch in Barmbek gesucht. Aber entweder waren die Ladenflächen zu groß oder zu klein – und mit einem Café ist man extrem auf Laufkundschaft angewiesen! Vor zwei Jahren hatte ich hier in der Nähe eine tolle Immobilie in Aussicht, das hat sich dann aber leider zerschlagen. Das war damals ein Drama für mich. Heute denke ich: „Wer weiß, wofür es gut war!“ Letztlich habe ich diesen Laden hier über eine Maklerin gefunden. Zuerst hat er mir nicht gut gefallen, aber er war auch ganz anders eingerichtet. Wir haben hier viel umgebaut. 

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Dreamteam: Uwe unterstützt Katrin mit Service, Küche und Geschäftsleitung.

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Wie groß ist dein Team? Wer hat dich von Anfang an unterstützt?

Von Anfang an unterstützt, als es den Laden noch nicht mal gab, hat mich mein Unternehmensberater Markus. Und unglaublich happy bin ich jetzt mit Uwe, der seit Oktober in Festanstellung bei mir arbeitet und die stellvertretende Geschäftsleitung macht, aber auch als Koch tätig ist. Seitdem bieten wir auch einen leckeren Mittagstisch an.

Es gab gerade am Anfang Tage, an denen der Laden auf einmal voll war, auch draußen, und dann habe ich meine Mama von der Toilette aus angerufen und gesagt: „Ich weiß nicht, wie wir das schaffen sollen!“

Ihr habt unheimlich viel Herzblut in den Laden gesteckt. Gab es Momente, in denen du an deiner Idee gezweifelt hast?

Mein Gedanke war immer: „Schaffe ich das? Und wie soll ich das hinbekommen, wenn ich nach vier Monaten schon im Eimer bin?“ Es ist einfach neu für mich, selbstständig zu sein. Ich habe vorher jahrelang in Festanstellung gearbeitet, mit allen Sicherheiten. Ich spreche da mit meiner Mama ganz häufig drüber. Es gab gerade am Anfang Tage, an denen der Laden auf einmal voll war, auch draußen, und dann habe ich meine Mama von der Toilette aus angerufen und gesagt: „Ich weiß nicht, wie wir das schaffen sollen!“ Da ist auch viel schief gegangen, wir waren ja alle noch gar nicht eingespielt! Wir mussten uns erst einmal eingrooven. Dann gibt es auch den umgekehrten Fall: Es gibt Tage, da kommt keiner rein und du fragst dich: „Wieso kommt denn jetzt keiner? Wie sollen wir die Miete zahlen?“ Es ist total schwierig, du kannst es in der Gastronomie überhaupt nicht vorhersehen. Da musst du total flexibel sein.

Auf einmal dreht sich 24 Stunden am Tag alles um diesen Laden.

Welche anderen Herausforderungen gibt es?

Da gab es viele Dinge, es ist schon ein enorm großer Schritt. Es geht um echt viel Geld, es stellt dein ganzes Leben auf den Kopf! Auf einmal dreht sich 24 Stunden am Tag alles um diesen Laden. Gefühlt habe ich hier eine Neun-Tage-Woche. Das Arbeitspensum ist enorm: Du machst die Einkäufe selbst, du stehst den ganzen Tag im Laden und putzt selbst, backst selbst, machst alles selbst. Deswegen bin ich sehr froh, dass jetzt Uwe da ist und mich entlastet. Ich habe noch nie in meinem Leben so wenig geschlafen wie seit der Eröffnung. Wir haben 11 Stunden am Tag geöffnet – und das sind nur die Stunden, die ich hier stehe, da sind noch keine Einkäufe getätigt, da ist noch kein Saubermachen drin … also es ist eher ein 15 bis 16-Stunden-Tag im Moment, sieben Tage die Woche. Und das ist hart. Das ist dir im Vorfeld schon klar, du weißt, was auf dich zukommt und dass es anstrengend wird, aber wenn du dann drin steckst … ich bin noch nie in meinem Leben so an meine Grenzen gegangen.

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Was hat dir bislang am meisten Freude bereitet? 

Es ist ein besonderes Gefühl, morgens den eigenen Laden aufzuschließen. Und es kommen nach vier Monaten auch immer noch Leute an den Tresen, die sagen, wie schön es hier ist und wie gut es schmeckt. Jedes Lob ist etwas ganz Besonderes! Wenn ich eine tolle Bewertung im Internet bekomme, wenn die Leute sagen „Oh, ich habe schon lange nicht mehr so lecker gefrühstückt!“… viele Kleinigkeiten, die es ganz toll machen. Ich habe mittlerweile auch echt viele nette Stammgäste, es gibt sehr viele sehr schöne Momente! Auch in der Nachbarschaft fühle ich mich sehr wohl. Wir kennen uns alle, gegenüber wohnt zum Beispiel ein älteres Paar, das uns manchmal nach Feierabend noch Abendessen bringt. Im Sommer trinkt man gemeinsam noch einen Wein auf der Terrasse … Es fühlt sich hier nach vier Monaten schon wie eine Familie an. Man unterstützt sich gegenseitig, es sind richtige Freundschaften entstanden.

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Es fühlt sich hier nach vier Monaten schon wie eine Familie an. Man unterstützt sich gegenseitig, es sind richtige Freundschaften entstanden.

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Vertraust du auf Mund-zu-Mund-Propaganda und Laufkundschaft oder machst du aktiv Werbung für dein Café?

Wir haben, ehrlich gesagt, recht wenig Werbung gemacht. Da bin ich echt gesegnet, ich denke wirklich, dass es an der guten Lage liegt – und wir sind ja auch direkt neben Liv, Wand an Wand. Die Laufkundschaft ist sehr gut. Es kommen viele Eltern, weil es in der Umgebung viele Spielplätze und Kitas gibt. Es lief von Anfang an ziemlich gut.

Wie stehst du eigentlich zum Thema Kinderwagen und Stillen im Café? Ist das bei euch ein Thema?

Ein großes. Ich habe das, ehrlich gesagt, ein bisschen auf mich zukommen lassen. Ich wusste nicht, dass es so doll wird, also dass so viele mit dem Kinderwagen kommen.

In Berlin gibt es ja schon Kinderwagenverbote in Cafés.

Das machen wir hier nicht! Nur wenn viele am Wochenende mit dem Kinderwagen reinkommen, muss ich manchmal sagen: „Das geht leider nicht, wir kommen nicht mehr durch zu den Tischen.“

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Superlecker: Das Brot mit frischen Pilzen!

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Das mit den Broten ist übrigens so ein Ruhrgebietding.

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Ihr habt die ganze Einrichtung selbst gemacht. Wo hast du dich inspirieren lassen und wo hast du die Einrichtungselemente gefunden?

Am Anfang hatte ich Unterstützung von einer Interior-Designerin. Da ging es erst einmal um die Aufteilung der Räume, wohin mit unserem Tresen, wie hoch muss der überhaupt sein, wo kommt die Kuchenvitrine hin? Es gibt auch extrem viele Bestimmungen vom Amt. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis wir das Okay vom Amt hatten. Dann haben wir noch gebangt, ob wir draußen Stühle und Tische hinstellen können, da ist wieder ein anderes Amt für zuständig. Das ist übrigens auch nicht günstig: draußen kostet extra, weil das öffentlicher Raum ist. Das wird nach Quadratmetern berechnet. Außerdem ist es jetzt Vorschrift, mehr Platz für Kinderwagen zu lassen.

Um Ideen für die Dekoration zu sammeln, habe ich Pinterest genutzt und hatte am Ende gefühlt drei Millionen Pins. Ich habe die Möbelstücke und Deko-Objekte nicht alle in einem Laden gekauft – die Stühle, zum Beispiel, sind alte umlackierte Schulstühle, die Tische haben wir selbst zusammmengebaut, wie auch den Tresen und die Bank. Wir haben alles selbst zusammengesucht. Mein Bedenken war, dass es am Ende nicht zusammenpasst. Wir haben viel im Internet bestellt, was erst geliefert werden musste. Viele Dinge waren auch einfach nicht geplant! Als der Handwerker den alten Tresen abgenommen hat, sind dahinter Fliesen zum Vorschein gekommen. Die erstrecken sich tatsächlich über die ganzen Wände. Als wir sie freigelegt hatten, war ich zunächst überhaupt nicht happy damit. Mir war klar, dass etwas aus Holz an die Wand muss, ein Regal, damit es nicht so nackig aussieht.

Woher stammen die Fliesen? War der Laden früher mal eine Schlachterei?

Ja, dieser Teil des Eppendorfer Weges gehörte früher zum Grindel, das war das jüdische Viertel, und das hier war eine jüdische Fleischerei.

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Lass uns über eure Karte sprechen! Auf eurer Frühstückskarte findet sich das heute fast schon obligatorische Avocadobrot ebenso wie das gute alte Brot mit Mett. Was ist eure Philosophie in Sachen Speisen?

Ich war mir gar nicht sicher, wie das Mettbrot ankommt, es war für die Jungs gedacht. Es gibt bei uns auch den Bacon Becher: Du kannst abends zum Bier einen Becher mit Bacon bestellen, schön knusprig gebraten. Mir ist es wichtig, auf der Karte für jeden etwas dabei zu haben. Ich persönlich bin überhaupt kein Avocado-Fan sondern eher deftig unterwegs. Deshalb ist so etwas wie das Brot mit Pilzen meins. Das sind Rezepte von zu Hause, von meiner Mama. Das mit den Broten ist übrigens so ein Ruhrgebietding, da wird abends eher noch ein deftiges Brot gegessen. Uwe und ich sind gerade dabei, die Karte ein bisschen auszubauen. Seit Oktober bieten wir auch wechselnden Mittagstisch an und es ist immer auch etwas Vegetarisches dabei. Ich denke, das ist ganz wichtig, dass man nicht stehen bleibt, dass man immer mal etwas Neues macht. Ebenso wichtig ist, dass wir gute Produkte verwenden. Wir haben zum Beispiel einen fantastischen Bäcker gefunden, der uns Brot liefert, das nach traditionellem Handwerk gemacht wird.

Ich denke, das ist ganz wichtig, dass man nicht stehen bleibt, dass man immer mal etwas Neues macht.

Hast du eine Vision für die Zukunft?

Also ich kann mir aktuell nicht vorstellen, auch noch einen zweiten und dritten Laden aufzumachen. Dieser hier reicht mir erst einmal (lacht). Ich möchte gerne die Qualität halten. Es gibt noch viele Punkte, an denen wir arbeiten müssen, die noch verbesserungswürdig sind. Manchmal gibt es immer noch Sonntage, an denen die Gäste zu lange auf ihr Frühstück warten müssen – das meine ich mit Optimieren. Es soll niemand lange warten müssen, es soll allen schmecken, die Brote sollen immer gleich aussehen und gleich schmecken, egal wer in der Küche steht. Aber ich merke jetzt schon einen enormen Unterschied zu damals, vor vier Monaten. Nun sind wir sonntags zu viert und wir sind ein gut eingespieltes Team.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Katrin. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg!

 

Hier findet ihr Katrin und Das Kropkå:

Eppendorfer Weg 174, 20253 Hamburg

Fotos: Maria Gibert

Layout: Carolina Moscato

 

 

1 Comment

  • Charlotte sagt:

    Danke für dieses tolle, ehrliche, authentische Interview! Was für eine starke Frau! Zu lesen, wie Katrin mit Enthusiasmus und auch Zweifeln ihren Weg geht und ihre Ideen zum Leben erweckt, berührt mich sehr. Toi toi toi!! Mein nächster Hamburg-Besuch muss mich unbedingt in ihr Café führen.

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