Second Hand kaufen und Gutes tun – Laura Maria Weiß von Love Garments

Laura Maria Weiß, 32, studiert Modedesign an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Während ihres Studiums erfährt sie viel über die schwierigen Produktionsbedingungen in den Ländern, in denen viele große und kleine Modehersteller produzieren. Anstatt die Geschäfte der Fast Fashion Retailer zu boykottieren, überlegt sie sich einen weiteren Verwertungsweg für die schnelle Mode, der auch noch Gutes tut. Sie startet die Love Garments Märkte. Hier verkauft sie Second Hand-Kleidung, die sie nach Terminvereinbarung bei Hamburger Frauen regelmäßig einsammelt. Ein Teilerlös wird dabei an Projekte, die sich für Frauenrechte und bessere Produktionsbedingungen einsetzen, gespendet. Wie genau das funktioniert, erzählt Laura uns bei dem Love Garments Markt Anfang Januar und im femtastics Office.

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Die Love Garments Märkte finden alle drei Monate in den formschön Räumen statt.

femtastics: Was ist die Idee hinter Love Garments?

Laura Maria Weiß: Die Idee hatte ich schon 2014, zuerst war es ein Hirngespinst. Wir alle kaufen gern Second Hand-Mode, aber in Hamburg findet man nicht die Ware, die wir gern hätten – also auch von den Fast Fashion Retailern wie H&M oder COS. Durch das Studium wiederum bin ich mit dem Thema Nachhaltigkeit und Eco Fashion in Berührung gekommen. Wir haben viel über die schlechten Produktionsbedingungen erfahren, die vielen Menschen nicht bewusst sind. Mir war klar, die Textilarbeiter vor Ort, beispielsweise in Bangladesch oder in Indien, kriegen den kleinsten Teil vom Geschäft mit Kleidung.

In jedem Kleiderschrank gibt es mindestens zwanzig Teile, die nicht mehr getragen werden, aber noch super aussehen und gut erhalten sind.

Du wolltest etwas zurückgeben, richtig?

Ich habe angefangen nach Foundations und Vereinen zu recherchieren, die sich für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen einsetzen. Sowas wie Krankenversicherung oder Mutterschutz gibt es in den Produktionsländern ja gar nicht.

Die Idee war dann, dass es in jedem Kleiderschrank mindestens zwanzig Teile gibt, die nicht mehr getragen werden, aber noch super aussehen und gut erhalten sind. Das sind Fehlkäufe oder man denkt, ach, das trage ich in einem Jahr vielleicht noch mal. Ich habe mir überlegt zu den Frauen nach Hause zu kommen, den Kleiderschrank zu sortieren und die Sachen weiterzuverkaufen, wovon ein Teilerlös gespendet wird. Es wird also ein Betrag wieder zurückgeführt an die Orte, wo die Kleidung produziert wird.

Deine Idee hast du dann einfach in die Tat umgesetzt!

Ich habe einfach gemacht und schon beim ersten Markt hatte ich eine wahnsinnig gute Resonanz.

Die Kleidung ist beim Markt nach Farben sortiert – we like!

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Foto Credit: Badrieh Wanli

Dass du zu einem nach Hause kommst, ist auch wirklich ein toller Service. Wird das viel in Anspruch genommen?

Ich bin jetzt schon wieder bis Mitte Februar ausgebucht. Jeden Samstag bin ich unterwegs und besuche Frauen zu Hause. Ich habe mir ein System überlegt, wie ich die Ware aufbereiten und lagern kann. 

Dabei gebe ich auch Ratschläge, wie man am besten mit Altkleidern umgeht. Die Altkleidercontainer von karitativen Organisationen wie AWO, Oxfam oder Das rote Kreuz sind okay – die Kleidung geht wirklich an Bedürftige. Auch wir bringen Überschussware direkt zur Karitas. Aber hinter den Containern, auf denen nur „Altkleider“ steht, steckt oft ein Millionen-Business. Die Kleidung wird ballenweise nach Asien, Afrika und Russland verschickt und weiterverkauft.

Wenn der Bedarf da ist, gehe ich zusammen mit den Frauen den Kleiderschrank durch und sortieren ihn.

Überlegen sich die Frauen vorher, was sie nicht mehr haben wollen oder geht ihr das gemeinsam durch?

Idealerweise sind die Teile schon aussortiert. Wenn der Bedarf da ist, gehe ich aber auch gern zusammen mit den Frauen den Kleiderschrank durch und wir sortieren zusammen. Wir haben Labels, die wir besonders gern nehmen, weil die sich einfach gut verkaufen. Es geht ja auch darum, dass wir ein Sortiment aufbauen. Die Mädels sollen wissen, dass sie bei uns das bekommen, was sie sonst nicht kriegen.

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Wie kann man der Versuchung von Fast Fashion widerstehen?

Fast Fashion ist immer verfügbar und deswegen ist es so leicht, sich in den Geschäften Kleidung zu kaufen. Jede Woche gibt es neue Sachen. Deswegen war mein Ansatz eine Plattform zu bauen, die kuratiert ist und ebenfalls eine Begehrlichkeit auslöst. Die Sachen sind modisch und trendy – aber eben Second Hand! Das Ziel ist, dass die Mädels was in den Geschäften sehen und denken, oh, das finde ich toll, aber ich schaue erstmal nächste Woche beim Love Garments Markt, was ich da finde.

Wie empfänglich bist du für Trends?

Es geht immer darum, dass Teile eine Begehrlichkeit wecken, klar. Das können aber eben auch Vintage-Teile sein, wenn du zum Beispiel darüber nachdenkst, wer das Teil vor dir in den Siebzigern getragen hat.

Ich bin damit aufgewachsen, dass Second Hand immer eine Option ist.

Wie ist dir die Idee zu Love Garments gekommen? Gab es einen bestimmten Auslöser?

Ich selber kaufe schon immer gern Second Hand. Ich bin damit aufgewachsen, dass Second Hand immer eine Option ist. Ich komme aus Karlsruhe und da gibt es eine große Flohmarkt-Kultur. Meine Mutter hat oft auf Flohmärkten verkauft und ich bin da immer mit meinen Freundinnen hin gegangen. Flohmarkt ist aber immer mit Aufwand verbunden. Ich habe angefangen, viel online zu kaufen. Man findet die Sachen schon irgendwie bei Mädchenflohmarkt, eBay oder Kleiderkreisel. Es ist aber eine Trüffelsuche. Wenn du konkret nach etwas suchst, dann geht es. Wenn du aber nur schauen willst, dann wird es schwierig.

Als ich vor elf Jahren nach Hamburg kam, habe ich gemerkt, dass es viele Flohmärkte gibt, aber die Preise sind viel teurer. Es gibt viele professionelle Händler, besonders auf der Flohschanze.

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Psssst: Bei den nächsten Love Garments Märkten wird es auch Männersachen geben!

 

Welche Projekte unterstützt du mit Love Garments?

Das ist einmal Fashion Revolution, die Aufklärung im textilen Bereich betreiben. Dann Femnet e.V., die Textilarbeiter vor Ort unterstützen. Sie klären in Vorträgen über fair produzierte Kleidung auf. Als Drittes unterstützen wir die Awaj Foundation in Bangladesch, die sich besonders für Frauenrechte in Bangladesch stark machen.

Wie findest du die Projekte?

Ich habe viel recherchiert. Es gibt viele Projekte und Vereine, man kann aber nicht an alle Geld spenden. Ich wollte jemanden, der Aufklärung betreibt, jemand, der sich vor Ort einsetzt und dann noch mal jemand, der sich speziell für Frauenrechte einsetzt. Die habe ich dann gefunden!

Machst du Love Garments alleine? Wer unterstützt dich?

Bei den Events unterstützt mich ein Team aus tollen Mädels, meine Goldschätze! Alles andere mache ich allein.

Wie hast du die Location für die Märkte gefunden?

Die Märkte finden in den formschön Räumen statt. Sarah ist eine Studienkollegin von mir und verwaltet den Raum. Es ist eigentlich ein Design- und Näh-Atelier, die Plätze kann man mieten. Das Gebäude gehört der Stadt und muss regelmäßig bespielt werden, so sieht die Stadt, dass da was passiert und ist gewillt, den Vertrag weiter zu verlängern.

Das soll die Stadt bitte unbedingt tun, damit wir noch viele deiner Märkte besuchen können. Vielen Dank für das Gespräch, liebe Laura!

Hier findet ihr Love Garments:

Fotos: femtastics

 

 

2 Comments

  • Susanne sagt:

    Tolles Interview, wünschte, solche Märkte gäbe es auch woanders. Das klingt nach einem guten konzept! Denn diese Trüffelsuche auf ebay ist mir immer zu anstrengend. ..

  • Anna sagt:

    Ein schönes Interview!
    Ich hatte Laura und ihre Seite schon entdeckt – doppelt toll, nun etwas hinter die Kulissen zu blicken und ein wenig über die Motivation zu erfahren! Ein sympathisches Konzept, und toll, dass sowas in Hamburg entsteht…<3

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