Tschüß Currywurst, hallo Pausenkick(er)!

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Für die Mittagspause hat jeder so sein eigenes Konzept: Von der Currywurst in der Kantine bis zum gemütlichen Spaziergang zur nächsten Eisdiele. Aber Yoga? Gedächtnistraining? Oder gar Stimmübungen? Was zunächst vielleicht ungewohnt klingt, ist das Geschäftsmodell der Pausenkicker. Lena Wittneben, Sina Morcinek und Katrin Wulff entdeckten ihre gemeinsame Leidenschaft für ganzheitliches Training mit Entertainment-Faktor und verpassen seit über einem Jahr der Mittagspause einen gehörigen Kick! Wie sie uns ihr innovatives Programm schmackhaft machen, erfahren wir von den dreien beim Gespräch in der Modern Life School.

Femtastics: Viele Menschen freuen sich auf die Mittagspause mit Currywurst in der Kantine. Mit eurem Konzept Pausenkicker möchtet ihr sie hingegen dazu animieren, in der Pause etwas für ihre Gesundheit zu tun – mit welchen Argumenten?

Katrin Wulff: Menschen sind einfach glücklicher, wenn sie sich gesund fühlen. Es ist wichtig, die Ressourcen zu stärken. Wir sind mittlerweile sehr abhängig von Smartphones und Computern. Wir glauben, dass es gut tut, den eigenen Kopf mal wieder konzentriert zu haben und achtsam mit dem eigenen Körper umzugehen. Das Wohlgefühl ist dann einfach ein anderes.

Lena Wittneben: Letzten Endes wollen wir den Menschen ein Kontrastprogramm zu ihrer ersten Tageshälfte am Schreibtisch bieten. Wir wollen den Menschen zeigen, welche eigenen Ressourcen sie haben – mit dem Kopf, mit dem Körper und mit der Stimme. Wenn man diese einfach mal wieder anspricht, merkt man: Oh, das macht ja Spaß!

Katrin: Das stärkt auch das Selbstbewusstsein.

Sina Morcinek: Wir überzeugen die Menschen durch uns drei, weil wir mit Spaß und Humor an die Geschichte herangehen. Außerdem können sie danach immer noch eine Currywurst essen.

Lena: Wir kommen nie mit dem erhobenen Zeigefinger, das ist uns ganz wichtig.

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Sehr sympathisch! Ihr bietet „GesundheitsEntertainment“ an. Was kann man sich darunter vorstellen?

Katrin: Wir sind sehr kommunikative Menschen und gehen das Ganze mit viel Humor an. Außerdem sind wir alle bühnenerfahren. Sina hat eine Schauspielausbildung, Lena hat sehr viele Präsentationen gehalten und ich bin Sängerin.

Nur was du mit Freude und Spaß machst, implementierst du in deinen Alltag.

Und woher kommt der Link zu der Gesundheit?

Lena: Wir sind drei Mädels mit drei Berufen und einer Leidenschaft – das Interesse und die Begeisterung für ganzheitliche Fitness. Du kennst vielleicht den Begriff des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Was wir machen, schlägt genau in diese Kerbe: Menschen in Berufen ganzheitlich zu trainieren. Aber wir machen es eben mit Spaß. Der philosophische Überbau ist: Nur was du mit Freude und Spaß machst, implementierst du in deinen Alltag.

Katrin: Wir sind alle körperbewusste Menschen und haben das alle schon immer gelebt. In Form von Sport, Yoga oder auch Singen. Ich habe immer gemerkt, dass Singen mir total gut tut. Das habe ich auch bei anderen gespürt. Singen macht gesund, da bestimmte Botenstoffe ausgesendet werden. Das kann berühren und beruhigen, aber auch die Menschen öffnen.

Wie habt ihr euch gefunden?

Lena: Katrin und ich waren schon länger befreundet. Ende 2013 wollten wir ihr Stimmtraining und mein Gedächtnistraining miteinander verknüpfen. Wir wollten uns was Cooles überlegen und in die Firmen reingehen. Sina und ich waren beide Trainer in einem Fitnessstudio, waren uns sympathisch und haben uns auch privat angefreundet. Schließlich haben wir uns alle drei getroffen. Die Chemie stimmte und schnell stand die Idee für Pausenkicker.

Wie habt ihr das Programm entwickelt?

Sina: Wir haben erst Locations gesucht, in denen wir Kurse für Endverbraucher anbieten können. Schnell haben wir gemerkt, dass das zwar Spaß macht, wir davon aber nicht leben können. Dann hatten wir die Idee, in Firmen zu gehen.

Lena: Unser Geheimrezept ist, dass wir es einfach gemacht haben. Angefangen haben wir mit Freunden und Bekannten in der Bar Nouar. Mit denen haben wir rumgeturnt und gegessen. Von der Stunde Null haben wir mit Pressearbeit angefangen und unsere eigenen beruflichen Netzwerke genutzt. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kamen schnell die Nachfragen und so fingen wir an, Konzepte zu entwickeln.

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Was passiert, wenn man euch bucht?

Sina: Wir kommen immer zu dritt, das macht uns aus – wie eine kleine Girlband.

Katrin: Wir bieten unterschiedliche Module an, die kleinste Einheit ist der Frischeblitz mit 15 Minuten, in denen die Leute zum Beispiel bei Tagungen erfrischt werden. Dann gibt es den Remix. In den 35 Minuten fangen wir mit dem Kopf an und trainieren Merktechniken und machen Konzentrationsübungen. Dann geht es weiter mit dem Körper, beispielsweise mit Yoga. Den Abschluss bildet das Stimmentraining, das ich mache.

Lena: Außerdem bieten wir auch tagesfüllende Seminare an.

Aus welchen Unternehmen kommen die Teilnehmer?

Lena: Aus den unterschiedlichsten Bereichen, letztes Jahr haben wir bei Adobe eine Gesundheitswoche mit Workshops und Trainings gegeben.

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Müsst ihr in den Unternehmen noch viel Überzeugungsarbeit leisten?

Lena: Eigentlich nicht. Unser Ansatz ist auch ein ganz anderer. Viele Unternehmen machen solche Angebote vielleicht aus einer Alibi-Funktion heraus. Die wissen, damit die Leute nicht komplett zusammenbrechen, machen wir mal wieder was für die. Aber es gibt eben auch Unternehmen, die erkannt haben, dass du guten Mitarbeitern mehr bieten musst, als eine vergünstigte Mitgliedschaft im Fitness Club. Du musst etwas für deine Mitarbeiter tun …

… damit die Mitarbeiter noch besser funktionieren? Führt das nicht zu noch mehr Selbstoptimierung und Leistungsdruck?

Lena: Natürlich geht es darum, aktiv an mir zu arbeiten, um noch leistungsfähiger zu sein. Aber warum mache ich es wirklich? Aus einem Leistungsgedanken heraus, damit ich nächstes Jahr die dicke Gehaltserhöhung bekomme? Oder, weil ich es spannend finde, mich mit der Stimme zu befassen – was ich vorher vielleicht noch nie getan habe.

Auf das Motiv kommt es also an.

Lena: Diese ganzen Tracking-Apps, die jede Leistung bewerten und vergleichen, finde ich zum Beispiel fürchterlich. Klar, unter diese große Glocke rund um die Selbstoptimierung fallen wir sicherlich auch. Aber wir arbeiten ohne digitale Hilfsmittel.

Wir geben den Menschen Raum, sich auszuprobieren.

Es funktioniert nur, wenn es aus einer Eigenmotivation heraus kommt?

Sina: Genau. Wenn ich mich einen ganzen Tag mit meiner Stimme und meinem Körper befasse, muss ich mich darauf einlassen. Genau das suchen viele Menschen, um wieder zu sich zu kommen.

Lena: Es geht auch darum, den Leuten – besonders den Männern – eine Schwellenangst zu nehmen. Es geht nicht um Performen, Leistungsdruck, richtig oder falsch.

Katrin: Es hat auch etwas spielerisches. Wir geben den Menschen Raum, sich auszuprobieren.

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Auf eurer Seite spricht ihr von dem digitalen Overload, dem ihr ein ganzheitliches Gedächtnistraining entgegensetzt.

Lena: Wir kennen das alle: Das Smartphone ist den ganzen Tag an und wir sitzen vor verschiedenen Rechnern und wahrscheinlich noch vor verschiedenen E-Mail-Programmen. Es gibt also ein digitales Grundrauschen. Mitunter ist es sehr schwer, sich wieder einer Sache konzentriert zu widmen. Ich will das gar nicht verteufeln. Mir gibt es gleichzeitig auch eine innere Ruhe, wenn ich weiß, dass ich meine E-Mails dabei habe und da nichts anbrennen kann.

Wo setzt ihr also an?

Lena: Wir trainieren das Gedächtnis mit Übungen für Konzentration, Merkfähigkeit und Wahrnehmung. Aber auch Urteilsfähigkeit, Strukturierung und Phantasie, Kreativität. Wenn man diese Bereiche mal wieder reaktiviert, dann bist du am Ende auch konzentrierter.

Es gibt also Hoffnung?

Lena: Auf jeden Fall!

Diesen Kurs könnten wir bei femtastics auch ganz gut gebrauchen! Habt ihr ein paar schnelle Tipps für uns?

Katrin: Klar! Wenn man zum Beispiel nervös oder gestresst ist, rutscht die Stimme schnell gern nach oben. Um den Atem wieder zur beruhigen, hilft ganz normales Einatmen mit einem verlängerten Ausatmen. Den Atem einfach so lange halten wie man kann. Wenn man dann noch einen Finger vor die Nase hält und fokussiert, tut man gleich noch was für die Konzentration. Für den Stimmklang kann man einfach mal einen Vokal klingen lassen und den Resonanzraum in der Brust spüren.

Welcher Tipp hilft meinem Gedächtnis auf die Sprünge?

Lena: Du kannst dir am Schreibtisch einen Nachrichten-Clip auf Youtube anschauen und dich einfach darauf konzentrieren, wie oft ein bestimmtes Wort vorkommt – zum Beispiel „und“ oder „aber“. Alternativ kannst du dich mit einem Textmarker vor eine Zeitung setzen und alle „ch’s“ anstreichen.

Und was hilft dem Körper?

Sina: Einfach mal zwischendurch aufrichten. Um in den Körper reinzukommen hilft Atmen. Den kann man beobachten, so kommt man zu sich selbst und tut was für die Wirbelsäule.

Das werden wir ausprobieren. Vielen Dank für das Gespräch, liebe Pausenkicker!

Hier findet ihr Pausenkicker:

  

Fotos: Femtastics

 

 

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