Endlich ein verpackungsfreier Supermarkt in Hamburg!

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Es ist soweit! Endlich soll ein ein Laden mit unverpackten Artikeln in Hamburg aufmachen. Noch bis zum 16. Oktober läuft die Crowdfunding-Kampagne von Stückgut – und es sieht ganz gut aus, dass das Quartett die Hürde von 45.000 Euro knackt. Hinter Stückgut stecken Sonja Schelbach, 40, Christiane Bors, 34, Dominik Lorenzen, 38, und Insa Dehne, 33. Wir haben Insa zum Interview in unserem Office getroffen und mit ihr über das Konzept hinter Stückgut, das Thema „Zero Waste“ im Alltag und Zukunftspläne gesprochen.

Edit: Im Januar 2017 hat Stückgut den Laden in Ottensen eröffnet: Am Felde 91.

femtastics: Wie bist du mit dem Thema verpackungsfreier Supermarkt in Berührung gekommen?

Insa Dehne: Ich hatte mich schon länger mit dem Thema beschäftigt, weil es mich beim Einkaufen, besonders im Supermarkt, wahnsinnig stört, dass das ganze Obst und Gemüse nochmal eingeschweißt ist. Klar, kann man zum Wochenmarkt gehen, wenn man berufstätig ist, schafft man das aber nicht immer. Letztes Jahr bin ich in Berlin gewesen und habe mir den Original Unverpackt Laden angeguckt und seitdem hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.

Ihr macht Stückgut zu viert. Wie habt ihr euch als Team gefunden?

Wir kannten uns vor dem Projekt alle nicht. Christiane wurde vor zwei Jahren in einem Artikel im Hamburger Abendblatt erwähnt, dort hatte sie erzählt, dass sie gerne einen Laden mit unverpackten Artikeln eröffnen würde. Und dann haben wir uns alle über ihre Seite – sie betreibt in Hamburg ein kleines veganes Bed & Breakfast – gemeldet. Sonja und Christiane haben sich schon letztes Jahr zusammengetan und Dominik und ich sind Anfang dieses Jahres dazugekommen.

Ihr wollt das Projekt hauptberuflich machen. Aus welchen Bereichen kommt ihr ursprünglich?

Sonja hat Architektur studiert und kommt aus dem Bereich ressourcenschonendes Bauen, Dominik ist Unternehmer und ist ganz stark bei den Grünen engagiert, Christiane hat das Hostel und kommt aus dem Gastronomie- und Hotelbereich und ich selbst habe Betriebswirtschaft studiert und eine Ausbildung zur Speditionskauffrau gemacht.

Klingt nach einer guten Kombi.

Das einzige Manko ist vielleicht, dass wir alle nicht aus dem Einzelhandels- und dem Ernährungsmittelbereich kommen – das ist jetzt die Herausforderung.

Ich würde jedem empfehlen, das Thema Zero Waste Stück für Stück anzugehen.

Habt ihr Leute, die euch bei den Themen zur Seite stehen?

Ja, wir hatten aber schon einige Beratungen. Das Projekt stößt auf ganz viel Zuspruch und uns haben Leute, die sich zum Beispiel im Biobereich in Hamburg gut auskennen, kostenfrei beraten – das ist toll! Wir haben mittlerweile ein gutes Hintergrundwissen. Wenn wir den Laden eröffnen, werden wir bestimmt erstmal viele Fehler machen, aber das ist ja überall so.

Wie müssen wir uns das Konzept hinter eurem Laden Stückgut vorstellen?

Wir werden uns auf Produkte konzentrieren, die man momentan nicht unverpackt bekommen kann. Also alles, was Trockenware ist, Grundnahrungsmittel wie Reis und Nudeln, alles fürs Müsli, Haferflocken, Trockenobst usw.

Wir werden die großen Spender haben, die man aufdreht und sich dann etwas abfüllen kann, oder auch Behälter mit Schaufeln, in denen sich dann zum Beispiel Gewürze befinden. Obst und Gemüse wird es natürlich auch geben. Aus dem Hygienebereich finde ich das Thema Zahnpasta sehr spannend. Wir werden Tabletten und feste Zahnpasta verkaufen. Putz- und Spülmittel werden wir auch anbieten – der Kunde kann dann mit seiner Spülmittelflasche kommen und es sich aus unserem großen Behälter abfüllen.

Bietet ihr auch Behältnisse an, die man bei euch kaufen und für immer nutzen kann?

Die Idee ist, dass der Kunde sich Behältnisse selber mitbringt, aber natürlich werden wir etwas da haben, wenn der Kunde es mal vergisst oder spontan zum Einkauf vorbeikommt. Wir hatten erst überlegt, ein Pfandsystem anzubieten. Das ist aber, gerade in Bezug auf die ganzen Hygienestandards, zu kompliziert.

Die Vorreiter der Unverpackt-Idee kommen aus Kanada, in Kiel eröffnete vor zwei Jahren der bundesweit erste Unverpackt Laden und Berlin zog mit Original Unverpackt nach – seid ihr untereinander im Austausch?

Sonja hat Marie Delaperrière vom Laden Unverpackt aus Kiel schon vor zwei Jahren kennengelernt. Wir sind auch mal einen Tag hingefahren und ich werde dort demnächst ein paar Tage hospitieren. Sonja wird noch zum LoLa Laden nach Hannover fahren. Sie hat außerdem das letzte halbe Jahr in einem Bioladen gearbeitet. So bekommen wir mit, wie andere es machen und können uns noch besser vorbereiten.

Wenn man weniger konsumiert, hat man einfach weniger Müll.

Das heißt, dass unter den Unverpackt Läden kein Konkurrenzkampf herrscht, sondern Support an erster Stelle steht?

Wir wollen alle die gleiche Sache vorantreiben. Gerade in den anderen Städten sehen wir das überhaupt nicht als Konkurrenzkampf. Wir wissen auch von Bio.lose in Hamburg, die in Eimsbüttel einen Laden eröffnen werde – mit den Gründern haben wir uns letzte Woche getroffen. Selbst da ist es so, dass wir uns nicht darum streiten wollen, wer der erste Laden mit unverpackten Produkten in Hamburg ist.

Das Thema Zero Waste liegt gerade in aller Munde. Setzt du das Thema auch in deinem Alltag um?

Ich versuche es, bin da aber noch lange nicht angekommen. Ich würde jedem empfehlen, das Thema Zero Waste Stück für Stück anzugehen.

Was setzt du konkret im Alltag um? Hast du Tipps?

Wenn man Obst und Gemüse auf dem Markt kauft, hat man schon mal weniger Müll. Viele Lebensmittel kann man selbst aus frischen Zutaten herstellen, zum Beispiel habe ich mir im Sommer Eistee selbstgemacht. Zum Duschen benutze ich Seife, anstatt Shampoo. Man sollte generell überlegen: Was brauche ich? Brauche ich zehn Cremes und auch noch einen Conditioner oder finde ich ein Shampoo, bei dem ich das nicht mehr brauche. Es gibt zum Beispiel auch tolle Haarseifen. Ich komme immer wieder zu dem Punkt, dass das Thema „weniger konsumieren“ dahinter steckt. Wenn man weniger konsumiert, hat man einfach weniger Müll.

Man muss sein Verhalten immer wieder hinterfragen …

Genau! Das sind auch oft Kleinigkeiten. Bei Taschentüchern könnte man die ganz harte Variante nehmen und wieder Stofftaschentücher benutzen. So weit bin ich persönlich aber noch nicht (lacht). Ich habe zumindest zu Hause und im Büro die Papierboxen mit Taschentüchern, wo dann nicht mehr zehn Tücher in Plastik eingewickelt sind.

Ihr wollt euch über Crowdfunding finanzieren, das noch bis Sonntag, den 16. Okober, läuft. Die Fundingschwelle von 30.000 habt ihr schon gegknackt, euer Ziel sind 45.000 Euro.

Genau, das ist ein Part, wobei die Spender, zum Beispiel auch Einkaufsgutscheine bekommen – man kann den Betrag also nicht 1 zu 1 gegenrechnen. Wir haben natürlich auch alle eine private Einlage, die Zweitfinanzierung wäre ein Bankkredit. Wir hoffen, dass wir unser Ziel beim Crowdfunding erreichen und freuen uns über jeden, der mitmacht!

Habt ihr euch denn schon ein Viertel für den Laden ausgeguckt?

Wir haben gerade etwas in Ottensen ins Auge gefasst, das ist aber noch nicht fix. Wenn das klappt, könnten wir die Immobilie ab November mieten. Dann müssten wir noch einiges renovieren und natürlich die Boxen und die Ware bestellen. Eine Eröffnung würden wir dann für Ende 2016 oder Anfang 2017 anvisieren.

Wir drücken euch die Daumen und wünschen euch ganz viel Erfolg!

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Hier findet ihr Stückgut:

Crowdfunding-Kampagne (bis 16.10.2016)

Foto: femtastics

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