Vegane Kuchen? Stefanie Horn startet mit ihrer Smells Good Vegan Bakery durch

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Diese Torten werden euch den letzten süßen Nerv rauben – aber die Kreationen von Stefanie Horn sind jede Sünde wert! Die 28-jährige Gründerin backt mit ihrem Projekt Smells Good Vegan Bakery freiberuflich für Cafés, Wochenmärkte, Unternehmen und private Kunden. Mit ganz viel Leidenschaft entstehen ihre simplen und köstlichen Kreationen – und das alles vegan. Veganes Backen ist für viele immer noch eine Herausforderung: Kuchen ohne Ei, Sahne und Butter? Dabei geht es gar nicht nur darum, wie man die gängigen tierischen Zutaten einfach ersetzt, sondern vielmehr um neue Wege beim Backen ohne die gewohnten Bindemittel und Fette.

Aber wie ist Stefanie eigentlich dazu gekommen? Und worauf sollte man beim veganen Backen achten? Gibt es vielleicht sogar Backtrends, die ihr auf den Keks gehen? Wir haben Stefanie, die nebenbei auch noch als Model arbeitet, über ihre Leidenschaft ausgefragt!

Viele glauben nicht, dass meine Torten vegan und sogar noch lecker sind.

femtastics: Veganes Backen – wie kommt das bei den Hamburgern an?

Stefanie Horn: Es ist so ein geiles Gefühl: Im Moment bekomme ich so viel gutes Feedback, dass ich manchmal selbst etwas Angst bekomme. Ich war für ein Vegan Special auf der Marktzeit eingeladen. Ich bin um 3 Uhr nachts aufgestanden und habe 200 Donuts gebacken. Ich mache alle Donuts frisch und von Hand. Ich habe noch nicht einmal eine Fritteuse, das heißt, alle Donuts werden in Töpfen mit Öl ausgebacken. Dazu habe ich noch sechs Torten mitgenommen und nach drei Stunden war alles verkauft. Das Feedback von privaten Kunden ist ebenfalls toll. Viele glauben nicht, dass meine Torten vegan und sogar noch lecker sind.

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femtastics-Autorin Friderike Weinert hat Stefanie Horn bei Bidges & Sons zum Interview getroffen!

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Wie bist du auf die Idee gekommen, Smells Good Vegan Bakery zu gründen?

Ich habe schon immer gern gebacken. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich damit angefangen habe. Zu Zeiten von Instagram habe ich auf meinem privaten Instagram-Account Fotos von meinen Kuchen gepostet. Dann kann schnell das Feedback, ob ich das Rezept hochladen oder neue Rezepte ausprobieren kann. Das hat irgendwann überhandgenommen. Irgendwann habe ich mich entschieden, mein eigenes Blog und einen Instagram-Account nur für Backthemen zu gründen. Ich stecke sehr viel Liebe in die Rezepte und habe mit dem Blog einen angemessenen Rahmen, diese zu präsentieren. Meine Motivation war nie in erster Linie, dass das Blog erfolgreich wird.

Was hast du ursprünglich gelernt?

Ich habe Systemgastronomin gelernt und als Restaurantmanagerin gearbeitet. Danach habe ich Ökotrophologie für Produktmanagement studiert. Nach meinem Studium hätte ich anfangen sollen zu arbeiten. Aber die Vorstellung, im Büro zu arbeiten. hat mich wahnsinnig gemacht. Ich habe noch ein bisschen gejobbt und war in der Ideenfindung. Mir wurde schnell klar, dass ich beruflich backen möchte. Bei Bidges & Sons backe ich hauptsächlich und helfe im Service mit. Ich kann mir meine Zeit relativ frei einteilen, da ich die Hauptverantwortliche für die Kuchen bin. Ich sehe, welche Kuchen und Torten gebraucht werden und überlege, was ich gerne backen möchte.

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Die Leute feiern es, wenn du Kuchen mitbringst.

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Woher kommt deine Begeisterung fürs Backen? Bist du damit aufgewachsen?

Meine Familie ist eher weniger back- und kochaffin. Meine Mutter backt den leckersten Marmorkuchen der Welt und ich durfte den früher an meinem Geburtstag mit in die Schule nehmen. Ich habe schnell herausgefunden, dass man sich mit Kuchen und Torten viele Freunde macht (lacht). Ich glaube, das ist hängen geblieben. Die Leute feiern es, wenn du einen Kuchen mitbringst. Du zeigst Aufmerksamkeit und die Leute wissen es zu schätzen, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich koche aber nicht gern. Ich habe nur eine Leidenschaft fürs Backen.

Wie kommst du auf deine Kuchen-Ideen?

Ich lasse mich von Social Media Plattformen wie Instagram und Pinterest inspirieren. Aber das Wichtigste ist, dass ich unglaublich gern süß esse. Ich sitze manchmal so da – meist nachts – und dann kommen mir Ideen. Die Ideen setze ich meist direkt um. Ich lasse mich von den Einflüssen leiten, die mir in den Sinn kommen. Ich backe schon lange, aber noch nicht so lange auf professioneller Ebene.

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Meine Herausforderung war es, den Leuten zu zeigen, dass man auch ohne tierische Produkte backen kann und es genauso gut schmeckt.

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Deine Rezepte sind ausschließlich vegan.

Ich bin seit acht Jahren Veganerin und seitdem backe ich auch vegan. Davor habe ich noch mit Eiern und Milchprodukten gebacken. Seitdem ich meine Ernährung umgestellt habe, wollte ich vegan backen. Das war für mich die Herausforderung und der Wunsch, den Leuten zu zeigen, dass man auch ohne tierische Produkte backen kann und es genauso gut schmeckt. Tierische Produkte braucht man meiner Meinung nach nicht.

Vermeidest du bestimmte Lebensmittel?

Ich versuche meine Kuchen möglichst schlicht zu halten mit wenig Zutaten und wenig Zucker. Nicht unbedingt, weil es gesünder ist. Ich finde, ein Stück Kuchen zu essen, ist etwas Besonderes. Ich möchte nicht erst vorher 30 Zutaten besorgen müssen, um einen Kuchen zu backen. Aufwendige Rezepte sind nicht zum Nachbacken geeignet. Ich probiere auch glutenfreie Rezepte aus. Ich habe viele Freunde, die Gluten nicht vertragen. Damit stehe ich noch auf Kriegsfuß. Nicht, weil ich es nicht möchte. Wenn man glutenfrei backen will, muss man die Zutaten sehr gut verstehen. Also, wie sie untereinander funktionieren. Da habe ich Nachholbedarf. Glutenfreie Brownies und Carrot Cakes funktionieren bei mir sehr gut. Ein gewisses Angebot habe ich in dem Bereich schon in petto.

Das Auge isst mit. Zählt die Optik genauso viel wie der Geschmack?

Ich freue mich immer, wenn meine Kuchen gut aussehen. Dann bin ich happy, aber in der Regel schaut es nicht gut aus. Ich würde mir wünschen, dass die Fähigkeit, Kuchen und Torten gut aussehen zu lassen, bald auch bei mir kommen. Ich sehe auch eine Entwicklung bei mir, jedoch ist mir Geschmack wichtiger. Nur Food für Fotos anzurichten oder nur bloggen wäre gar nicht mein Ding. Das ist mir zu viel Hektik. Ich will nur in der Küche stehen und backen.

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Aber deine Kunden haben sicherlich gewisse Ansprüche, wie die Torten auszusehen haben?

Definitiv. Der Slogan meines Blogs ist „Keep it sweet and simple“. Ich finde es mega schön, wenn ich sehe, wie andere Leute mit Buttercremeverzierungen Kuchen anrichten. So wie andere Leute sich Make-up-Tutorials anschauen, gucke ich mir Back-Tutorials an. Das beruhigt mich total, aber ich selber bin das nicht. Ich mag es, wenn Kuchen schlicht sind. Ich verstehe, warum man einen Kuchen vielleicht mit Matcha backen möchte – das schmeckt geil. Aber ein Kuchen muss keinen Rosmarinzweig als Verzierung haben. Der Kuchen soll einfach nur gegessen werden.

Was war dein chaotischstes Küchenerlebnis?

Das ist gar nicht so lange her, vor zwei Monaten. Ich habe für eine kleine Gesellschaft gebacken, die auf einer Hochzeit eingeladen war. Ich habe einen Carrot Cake mit Cream Cheese Frosting gebacken. Der sah ganz toll aus. Dann wollte ich den Kuchen kurz vor knapp rausholen, um sie einzupacken und auszuliefern. Beim Aufziehen der Schublade, die etwas störrisch ist, ist mir der komplette Kuchen auseinander gebrochen und als Matsch in der Schublade gelandet. Ohne Kommentar habe ich die Schublade wieder geschlossen. Ich habe einen Schnaps getrunken und zwei Zigaretten geraucht. Dann habe ich mich damit auseinandergesetzt, was passiert ist. In Windeseile habe ich den Kuchen noch einmal neu gebacken. Der sah dann leider nicht mehr ganz so schön aus wie der erste. Ich habe mich tausendfach entschuldigt, aber das passiert einfach Mal.

Passiert es dir noch, dass dir ein Kuchen mal nicht gelingt?

Ja, schon. Ich kann mich da ziemlich reinsteigern, wenn mir ein Kuchen nicht gelingt. Dann ist der Tag für mich gelaufen und ich habe schlechte Laune. Ich habe aber den Ehrgeiz, mich am nächsten Tag wieder hinzustellen und den gleichen Kuchen so lange zu backen, bis er funktioniert.

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Wie ist dein Tagesablauf? Wann stehst du auf zum Backen?

Das Café öffnet um 12 Uhr. Ich kann mir meine Backschichten einteilen wie ich möchte und auch vor 12 Uhr hier sein. Wenn es private Aufträge sind, dann wollen die Kunden meist die Torten gegen 8 oder 9 Uhr abholen. Es gibt Nächte, in denen ich um vier Uhr nachts aufstehe und backe, um alles fertig zu kriegen.

Dir gefällt die freie Arbeitseinteilung?

Komplett. Ich plane meine Tage zwar im Voraus, aber ich muss auch flexibel bleiben. Backen ist etwas, was man nicht erzwingen kann. Wenn du keine Lust hast zu backen, wird es höchstwahrscheinlich nicht funktionieren. Gerade, wenn man neue Sachen ausprobieren möchte. Ich habe meine Standardrezepte, die kann ich nachts aus dem FF backen. Aber wenn ich neue, komplizierte Rezepte backe, dann muss ich mir Zeit nehmen und im Kopf gut drauf sein. Also auf den Punkt kreativ sein, funktioniert für mich beim Backen nicht.

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Wo bist du regelmäßig mit der Vegan Smells Good Bakery unterwegs?

Im Moment bin ich hauptsächlich für Cafés unterwegs, für die ich regelmäßig backe. Die wünschen sich Umsetzungen wie Cupcakes oder Torten. Und ich beliefere private Anlässe wie Geburtstage und Hochzeiten. Für Unternehmen mache ich hauptsächlich Rezeptentwicklungen und binde dabei deren Produkte ein.

Welche Blogs oder Magazine liest du gerne?

Ich bin noch nicht richtig in die Bloggerszene eingestiegen. Ich will mich davon auch gar nicht beeinflussen lassen. Ich habe nicht das Bedürfnis, mir andere Sachen anzuschauen. Welches Blog ich gerne lese, ist Vegan Mom. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Autorin meine Kollegin ist. Ansonsten liebe ich den Instagram-Account der Valhalla Bakery aus Orlando. Die backen viereckige Donuts und die krassesten Torten, die ich je gesehen habe. Mehr geht einfach nicht. Wenn ich irgendwann mal auf so ein Level komme, wäre ich sehr happy. Die vegane Koch- und Backszene in Deutschland ist noch sehr klein. Wenn ich mir anschaue, was in Amerika, in der Türkei oder in Russland abgeht – die Backen wirklich, was das Zeug hält und vor allem mit einer Leichtigkeit.

Was sind deine Lieblingscafés in Hamburg?

Ich mag das Café Latte in der Wohlwillstraße sehr gern. Nicht unbedingt wegen der Kuchen, sie bieten, glaube ich, nur einen veganen Kuchen an. Aber da kann man unglaublich gut frühstücken. Die machen richtig gutes Essen und starken Kaffee.

Ich weiß, Eigenlob stinkt, aber ich finde uns am besten. Alles, was du hier im Laden anfassen und essen kannst, ist vegan. Unsere Cocktails, unsere Kuchen, unsere Kleidung. Ich stehe hier im Café und habe manchmal noch zwei Stunden Zeit und nichts mehr zu tun. Dann backe ich irgendetwas Neues und verkaufe es. Unsere Kunden haben die Wahl zwischen sechs veganen Kuchen.

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Was sind deine drei Lieblingskuchen?

1.    Chocolate Raspberry Fuge-Torte
2.    Brownies gehen immer. Es dürfen aber nur Rohkost-Brownies sein, die richtig saftig sind.
3.    Zimtschnecken

Welche Zutaten dürfen in einem Vorratsschrank nie fehlen?

Zuhause darf ich keine Süßigkeiten haben, weil ich die sonst alle aufesse. Aber ich habe alle Zutaten da, um einen Notfall-Brownie zu backen. Du brauchst auf jeden Fall Kakaopulver, Pflanzenmilch, Öl, Zucker, Mehl und Mineralwasser. Wenn man vegan backen möchte, ist Mineralwasser essenziell. Die meisten meiner Tortenböden sind auf Mineralwasserbasis, damit sie schön fluffig werden.

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Hast du noch einen Tipp fürs Backen?

Ich höre öfter mal „Ich backe mal schnell eine Torte oder einen Kuchen“. Man backt niemals schnell eine Torte oder einen Kuchen. Dafür muss man sich immer doppelt so viel Zeit nehmen, wie man geplant hat. Sobald man irgendwie in Stress oder Hektik gerät, vergisst man den Zucker, das Backpulver, man lässt den Kuchen nicht genügend auskühlen oder man lässt Karamell anbrennen. Torten und Kuchen kosten Zeit. Deshalb freuen sich die Leute auch darüber, weil Arbeit drin steckt.

Hast du den Wunsch, ein eigenes Café zu eröffnen?

Das wäre mein größter Wunsch. Ich glaube, jeder, der professionell backt, möchte ein eigenes Café haben. Das ist mein Lebenstraum und den möchte ich bald realisieren. Ich habe keine Ausbildung zur Konditorin gemacht, daher kann ich noch einiges lernen. Im Moment wäre das noch zu riskant für mich und es wäre schade, wenn es nach einem Jahr nicht funktionieren würde. Gerade hier auf St. Pauli und in Hamburg allgemein gibt es viele kleine, gute Cafés. Aber für meinen Geschmack noch zu wenig ausschließlich vegane Cafés.

Wir sind auf den Geschmack gekommen. Vielen Dank für das interessante Interview, Stefanie!

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Hier findet ihr Smells Good Vegan Bakery:

Fotos: Isabella Hager

Interview: Friderike Weinert

Layout: Carolina Moscato

 

 

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