Verena Bauer hat einen feministischen Podcast gestartet

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Wie können Frauen ermutigt werden, ihre beruflichen Ziele zu verfolgen, Beförderungen oder Gehaltserhöhungen einzufordern, und sich generell mehr zuzutrauen? Es braucht mehr starke Vorbilder und Austausch über diese Themen, sagt Verena Bauer. Sie hat deshalb vergangenes Jahr Women!stas gegründet, Podcast und Blogazine unter dem Motto „Kenne deinen Wert. Nutze deine Fähigkeiten und habe die Stärke beides einzusetzen“. Wir treffen Verena via Skype zum Interview zwischen Hamburg und Wien.

 

femtastics: Du hast einen Podcast namens “Women!stas Radio Show” gegründet. Wie kamst du auf die Idee?

Verena Bauer: Ich bin 26 Jahre alt und ich habe es im letzten Jahr häufiger erlebt, dass Bekannte von mir, mit denen ich mich vor einem Jahr noch über Berufspläne und Karrierethemen unterhalten habe, plötzlich total desillusioniert waren. Sie hatten das Gefühl, dass sie beruflich schon feststecken und sich keine Mühe mehr geben müssen, weil sie in wenigen Jahren eh in Elternzeit gehen. Ich dachte nur: Diese Frauen haben doch irrsinniges Potential! Warum wollen sie aufgeben? Das hat mich sehr wütend gemacht und das war für mich ein Impuls, Women!stas zu gründen.

Ich habe es im letzten Jahr häufiger erlebt, dass Bekannte von mir, mit denen ich mich vor einem Jahr noch über Berufspläne und Karrierethemen unterhalten habe, plötzlich total desillusioniert waren.

Worum geht es bei Women!stas?

Women!stas soll Frauen als Inspirationsquelle dienen und sie darin bestärken, über ihren Tellerrand hinaus zu blicken. Es geht darum, von anderen zu lernen. Jede von uns hat so ungemein viele Erfahrungen. Wir müssen nicht alle den selben Weg gehen, sondern können den Weg anderer verstehen und auf unser eigenes Leben umlegen.

An wen richtet sich Women!stas?

Grundsätzlich sind es Frauen von 25 bis 35, die schon erste berufliche Erfahrungen gemacht haben und sich fragen, wie es für sie beruflich weitergeht. Vielleicht auch Frauen, die an einem Scheideweg stehen und sich fragen, wie sie beruflich weiterkommen können.

Die Themen reichen von “Wie ich lernte, Dinge nicht mehr persönlich zu nehmen” bis zum Women’s March. Wie findest du die Themen?

In erster Linie nach meinem persönlichen Interesse. Oftmals sind es Themen, die mir im Alltag begegnet sind. Für meine Interviews wähle ich Frauen aus, die in Sachen Karriere schon etwas erreicht haben und ihre Erfahrungen und ihren Werdegang teilen können.

Du betreibst Women!stas nebenbei. Hauptberuflich arbeitest du in der Baubranche in Wien. Hast du es da eher mit männlichen Kollegen zu tun?

Ja. In meinem Umfeld liegt der Frauenanteil vielleicht bei zwanzig bis dreißig Prozent.

Hat deine Arbeit dir geholfen, selbstbewusster zu werden und stärker aufzutreten?

Ich arbeite zurzeit als Projektleiterin in einer Baufirma. Ich bin da reingestoßen worden – mitten in einer Besprechung hieß es plötzlich: Verena leitet das Projekt. Und dann haben die Chefs den Konferenzraum verlassen. Projektleitung und Führung haben mich zwar schon interessiert, aber ausgeübt hatte ich beides bis dahin noch nie. Ich musste mich total neu einarbeiten und aus meiner beruflichen Komfortzone heraus. Für diese Chance bin ich sehr dankbar und nachdem mir das gelungen war, dachte ich: Andere Frauen können das auch, wenn sie dazu ermutigt werden!

Um Selbstbewusstsein aufzubauen, braucht man viel Selbstreflexion, aber man muss sich auch trauen, um Hilfe zu bitten.

Warum fehlt es deiner Meinung nach immer noch so vielen Frauen an Selbstbewusstsein?

Ich denke, es liegt daran, dass man ständig verunsichert wird. Es kommen immer wieder neue Herausforderungen, man kann sich nie zurücklehnen. Um Selbstbewusstsein aufzubauen, braucht man viel Selbstreflexion, aber man muss sich auch trauen, um Hilfe zu bitten. Ich habe mir, bei meiner Arbeit, zum Beispiel bewusst einen Mentor gesucht. Und wenn ich das Gefühl habe, ich brauche eine Schulung, frage ich meinen Chef auch danach. Viele Menschen haben Angst, Schwäche zu zeigen, aber wenn du Schwäche zeigst, gibst du der anderen Person die Chance, dir zu helfen. Und das ist gut. Selbstbewusstsein muss man natürlich in vielen Bereichen aufbauen, nicht nur im Beruf.

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Verena und ihr Interview- und Podcast-Gadget: das mobile Aufnahmegerät.

Du sprichst gerade schon an, dass du beruflich auch Dinge einforderst, zum Beispiel Schulungen oder auch Gehaltserhöhungen?

Ja, ich habe bislang zweimal nach einer Gehaltserhöhung gefragt und das erste Mal habe ich mich intensiv vorbereitet, mir aufgelistet, was ich alles geleistet habe, meinem damaligen Chef dutzende Gründe genannt, warum ich eine Gehaltserhöhung verdient habe – und mein Chef hat nur geantwortet, dass er mich schon längst für eine Gehaltserhöhung auf dem Zettel hatte. Er hat aber darauf gewartet, dass ich sie einfordere.

Eine andere Situation war, dass sich eine Bekannte bei mir beschwert hat, dass alle ihre männlichen Kollegen viel mehr verdienen als sie. Aber als ich sie dann gefragt habe, ob sie denn schon einmal um eine Gehaltserhöhung gebeten hat, hat sie mich verdutzt angeguckt und Nein gesagt.

Wenn ich selbst einen Schritt weiter gekommen bin, dann kann ich anfangen, die anderen mitzuziehen.

Was können wir alle tun, um uns für mehr Gleichberechtigung, gleiche Gehälter zwischen Männer und Frauen, etc. einzusetzen?

Ich denke, wenn man bei sich selbst anfängt, kommt man schon einen ganzen Schritt weiter. Wenn ich mich mehr traue, wenn ich selbstbewusster werde, wenn ich meine Erfahrungen mache, Dinge einfordere, und so weiter, dann erreiche ich das auch. Vielleicht nicht beim ersten Mal, aber irgendwann erreiche ich es. Und wenn ich selbst einen Schritt weiter gekommen bin, dann kann ich anfangen, die anderen mitzuziehen. Und, ganz wichtig ist es, ein Kollektiv zu bilden, also die Frauen im eigenen Umfeld mitzunehmen. Oft ist es hilfreich, wenn eine Person anfängt und die anderen aufrüttelt.

Neben dem Podcast betreibst du auch ein Blogazine. Warum hast du dich dafür entschieden, sowohl Texte als auch Audioaufnahmen anzubieten?

Ich habe mit dem Blog angefangen, also zuerst nur Texte geschrieben. Aber ich habe gemerkt, dass ich neben meinem Beruf sehr wenig Zeit zum Schreiben habe – besonders zum Abtippen von Interviews, die ich geführt und aufgenommen habe, fehlt mir die Zeit. Deshalb habe ich mich im Dezember entschieden, den Fokus auf einen Podcast zu legen, weil das so viel schneller geht. Im Dezember habe ich fast jeden Tag eine Folge für meinen Podcast aufgenommen, als Test für mich selbst. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass ich mit dem Podcast weitermachen möchte.

Wie hast du das technisch umgesetzt? Betreibst du Women!stas allein?

Ich mache das nach dem Learning-by-doing-Prinzip. Für meinen Podcast brauche ich nur ein Audioaufnahmegerät und das ist ziemlich selbst erklärend. Bei Womenistas habe ich noch Unterstützung von Vanessa, die für mich Grafiken und Illustrationen macht, und von einer Assistentin, die mir dabei hilft, die Interviews in Blogbeiträge zu übertragen.

Hörst du selbst auch gerne Podcasts?

Ja. Ich mag sehr gerne die Podcasts von Christian Bischoff und Laura Seiler – die höre ich immer auf dem Weg zur Arbeit. Matthew Mockridge höre ich auch gerne.

Welche Pläne hast du für Women!stas?

Meine große Vision ist es, Womenistas internationaler zu machen, also auch Frauen aus anderen Kulturkreisen vorzustellen. Außerdem würde ich irgendwann gerne auch Coachings, Mentoring-Programme und Workshops anbieten.

Wir wünschen dir viel Erfolg! Vielen Dank für das Interview!

 

Hier findet ihr Verena Bauer:

  

Fotos: femtastics

 

 

 

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