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“Jede Frau ist eine Heldin” – Sina Jurina vom Taschenlabel Maison Héroïne

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Mit Mitte 30 wechselt Sina Jurina von der Finanzwelt in die Modebranche, um gemeinsam mit ihrem Mann das Taschenlabel Maison Héroïne zu gründen. Wer meint, es gäbe bereits genug davon, kennt diese in Italien produzierten Modelle noch nicht. Denn die Taschen sind nicht nur ein schickes Armcandy, sondern beweisen auch das nötige Organisationstalent für den Alltag. Die Idee wurde geboren, als Anton Jurina, Co-Gründer des nachhaltigen Labels Armedangels, seine Frau stets mit mindestens zwei Taschen das Haus verlassen sah. Eine praktische, schöne Handtasche, die genug Platz bietet für alles, was im Business-Alltag nicht fehlen darf, musste her! Es folgten ein Umzug nach Berlin, lange Recherchen und schließlich die Gründung von Maison Héroïne.

Auf ihrem Weg vom klassischen BWL-Studium zur aktuellen Position als Head of Product bei ihrem Label legte die heute 38-jährige Sina mehrere Stationen ein – Trainee für Unternehmensfinanzierung bei einer Bank, Yoga-Ausbildung in New York und CFO im Start-up Tausendkind. Bei einem Besuch in ihrer Kreuzberger Altbauwohnung zeigt Sina uns nicht nur ihre Schwäche für Vintage-Design, sondern erzählt uns auch von modischen Fehlkäufen, beruflichen Zukunftsplänen und ihrer Vorstellung vom Himmel auf Erden.

 

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Mit ihrem Mann wohnt Sina in einer großzügigen Wohnung in Kreuzberg.

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Foto links: die “Marlene” von Maison Héroïne

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femtastics: Sina, wie bist du in Berlin gelandet?

Sina Jurina: Ich rechne sehr gerne und habe mein Leben lang im Finanzbereich gearbeitet. Mein Mann findet es heute noch ein bisschen peinlich, dass ich in einer Bank angestellt war. Aber das hat mir bei vielen Dingen, die wir jetzt machen, total geholfen. Ehrlicherweise habe ich es aber nicht länger als 18 Monate in der Bank ausgehalten. Ich bin in den Mittelstand gewechselt, bevor ich mir für ein paar Monate eine Auszeit genommen und eine Yoga-Ausbildung in New York gemacht habe. Wir haben bis dahin elf Jahre lang in Köln gewohnt und hatten Lust auf etwas Neues – und sind nach Berlin gezogen.

Wie ging es dort für euch weiter?

Nachdem Armedangels verkauft wurde, war Anton auf der Suche nach etwas Neuem. Dass ich immer mit mindestens zwei Taschen das Haus verließ, inspirierte ihn zu einer Idee. Der Laptop hat nie in meine Handtasche gepasst, daher hatte ich immer einen Jutebeutel dabei. Daraufhin hat Anton in Berlin mit einem kleinen Team Maison Héroïne gegründet. Mich juckte es irgendwann auch in den Fingern. Finanzen sind ja schön, aber ich hatte Lust, mal etwas ganz Anderes zu machen. Im vergangenen April bin ich dann in Teilzeit dazugekommen. Das würde ich heute nicht nochmal so machen, das war eine blöde Idee. Wenn du zwei Jobs gleichzeitig hast, wirst du einfach keinem wirklich gerecht. Nach drei Monaten habe ich gemerkt, dass ich mich auf eins konzentrieren muss und so ist Maison Héroïne zu einem Familienunternehmen geworden.

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Das Interview führt femtastics-Autorin Lea.

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Was ist das Konzept eurer Marke?

Wir bieten eine Tasche, die alles kann, die eine Frau von morgens bis abends im Alltag begleitet, super stylisch aussieht, aber gleichzeitig total praktisch ist. In die dein Laptop passt, dein Sammelsurium an Lippenstift, Deo, Spiegel, Powerbank – eben alles, was man den ganzen Tag über braucht. Es soll alles möglichst sortiert seinen Platz finden, deswegen haben wir ein ganz durchdachtes Innenleben.

Was ist deine Aufgabe im Unternehmen?

Ich bin von Haus aus kein Kreativer. Im Moment liegt mein Hauptaugenmerk auf der Koordination und dem Projektmanagement zwischen der Designerin, der Produktionsbetreuerin in Italien, der Produktionsstätte vor Ort und der Qualitätskontrolle. Auch die Finanzplanung mache ich – das Thema liegt mir schließlich.

Von der ersten Idee bis zum Launch – wie lange hat es gedauert, das Unternehmen aufzubauen?

Von der Idee bis zum Verkauf der ersten Tasche hat es gut 18 Monate gedauert. Man fängt ja wirklich bei Null an. In unserem Fall mit der Suche nach einer Produktionsstätte. Wir produzieren jetzt in Italien und die waren anfangs erstmal skeptisch. Man fängt mit der Auswahl des Leders und der anderen Materialien an und braucht mehrere Läufe bis man überhaupt etwas hat, was man auch produzieren möchte. Wir haben vorab viel ausprobiert und das kommt uns jetzt zugute.

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Sina hat ein Faible für Vintage-Möbel.

Woher stammt der Name Maison Héroïne?

Wir haben überlegt, wie wir diese unabhängige Frau, die wir vor Augen hatten, nennen können. Unser damaliger Vertriebler warf das Wort “Héroïne”, französisch für “Heldin”, in den Raum. Der Begriff “Héroïne” allein kann den Menschen allerdings auch Angst machen und man muss erklären, dass es sich nicht um die Droge handelt. Auf den Taschen steht ja nur “Héroïne” und wenn ich selber mit einer unterwegs bin, habe ich schon beobachtet, dass sich Leute manchmal zuflüstern, dass da “Heroin” steht. Dann muss ich noch manchmal betonen, dass die “Heldin” gemeint ist.

Warum überhaupt “Heldin”?

Unsere Marke ist das Haus der Heldin – jede Frau ist eine Heldin. Eine Frau, die ihren Alltag meistert – egal, ob mit Kindern, dem Studium oder dem Job. Die Tasche soll sie den ganzen Tag lang begleiten, in allen Lebenslagen. Sie soll ihr ein gutes Gefühl geben. Die Form der Tasche ist sehr klassisch, auffällig und kantig, ein bisschen wie beim Bauhausstil. Wir glauben, dass die Form die Persönlichkeit der Frau unterstützt. Für uns steht die Heldin im Mittelpunkt und deswegen haben wir auch solche Motti wie “Lead with grace”. Wobei das nicht bedeutet, dass wir nur Frauen ansprechen wollen, die einen Führungsanspruch haben. Jeder kann etwas kreiieren.

Wer ist für das Design der Taschen verantwortlich?

Wir haben eine ganz tolle Designerin in Mailand: Marta Vitali. Ein sehr kreativer Kopf, die lange für Labels wie Diesel, Armani und Dsquared2 entworfen hat und sich dann von der italienischen Männerwelt entfernen wollte. Die haben sie alle genervt und sie konnte nie so frei sein, wie sie wollte. Wir haben sie bei LinkedIn während unserer Recherche gefunden. Sie hat uns mit ihren Entwürfen überzeugt und ist bis heute Chefin des Designs. Wir können viel vorschlagen, aber sie hat letztlich das Sagen.

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Wenn es eine Person gäbe, die Maison Héroïne symbolisiert, wer wäre das?

Ich identifiziere mich stark mit der Marke, das ist klar. Aber ich finde schon, dass diejenige, die die Marke und ihren Look geschaffen hat, die Designerin ist. Wir sind sehr unterschiedlich, aber haben eine sehr gute Verbindung, da wir ähnliche Werte teilen. Wir wollen unseren eigenen Weg gehen, verfolgen unsere eigenen Ziele und sind nicht in allem Mainstream unterwegs.

Maison Héroïne wurde erst vor kurzem gelauncht – worauf kommt es bei der Gründung eines Labels deiner Meinung nach an?

Auf ziemlich viel Mut und teilweise Selbstausbeutung. Ich habe noch nie so viel gearbeitet, war aber auch noch nie so frei. Du musst dich in Themen einarbeiten, von denen du keine Ahnung hast. Du musst offen bleiben. Keiner kann alles, daher musst du viel fragen, lernen und wissen wollen. Wir probieren mehrere Vertriebskanäle aus. Wir wollen bewusst keine Online-only-Marke sein, sondern wollen auch in Geschäften für jeden sichtbar sein. Das ist eine Herausforderung. Auf der anderen Seite vertreiben wir über unseren Onlineshop und wollen auf den sozialen Kanälen präsent sein. Wenn es an einer Stelle gut funktioniert, taucht an einer anderen ein Problem auf. Es gibt kein Gefühl wie in einer Angestelltentätigkeit, bei der man nach Hause kommt und denkt, heute gut durchgekommen zu sein. Man muss entspannt bleiben, denn man ist nie fertig.

Du hast sie gerade schon erwähnt – wie wichtig sind die Social-Media-Kanäle für euch?

Sie werden immer wichtiger. Es sind die Kanäle, über die wir viele junge Leute erreichen, die super modisch unterwegs sind. Darüber lässt sich natürlich schön unsere ganze Idee und die Markenwelt transportieren. Es ist noch kein super Verkaufskanal, aber ein Kanal, der das Brand Image schärft.

Wie versucht ihr euch von der Konkurrenz zu unterscheiden?

Unser Alleinstellungsmerkmal ist es sicherlich, Design und Funktionalität zu vereinen. Wir haben auch ganz viele Ideen, wie man noch funktionaler und noch schicker werden kann. Die Kombination aus beidem ist das, was wir in den Vordergrund stellen wollen, in einer Markenwelt, die die Frau, ihren Charakter, starken Willen und ihre Unabhängigkeit in den Fokus rückt.

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Eure Taschen werden in Italien produziert, warst du auch schon vor Ort?

Ich bin mindestens einmal im Monat dort. Man kann das meiste auf dem Postweg machen, aber es ist schöner, wenn man das Produkt in die Hand nehmen und persönlich besprechen kann. Es ist von Vorteil, wenn man die Produktion innerhalb Europas hat. Man ist in 90 Minuten da, man kennt sich gut. Nach Asien könnte ich nicht andauernd fliegen.

Die Taschen kosten maximal 700 Euro und sind damit im Vergleich zu anderen Premium Brands relativ günstig – wie ist das möglich?

Mit ganz harten Verhandlungen. Im Herzen sind wir ja Betriebswirte und wir wollen ein Produkt auf den Markt bringen, von dem wir glauben, dass es sich in zwei, drei Jahren rechnet. Im Handel sind wir mit Absicht ein bisschen günstiger, weil wir den erstmal subventionieren, um uns bekannt zu machen. Wenn man in Italien mit kleinen Manufakturen zusammenarbeitet, die nicht für Prada tausende Stücke produzieren, ist man schon ein wichtiger Kunde. Wir arbeiten mit einem Familienbetrieb in der dritten Generation zusammen, das ist sehr partnerschaftlich! Wir kaufen natürlich auch Materialien in größeren Mengen. Zum Beispiel Farben, die immer im Sortiment sind. Auch für die Gerberei ist das von Vorteil, da wir dort bestimmte Mengen zusagen können. Das sind viele kleine Dinge, die da zusammenkommen. Aber um den Preis sicherzustellen, muss immer spitz gerechnet werden.

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Bisher gibt es drei Taschenmodelle – wird das Sortiment noch erweitert?

Ja, im Juli kommen neue Modelle. Es kommt eine Tote Bag, die etwas sportlicher anmutet, in zwei verschiedenen Größen, angelehnt an die Maße eines Laptops und mit Schultergurt. Dann kommt eine Art Shopper, der schon super gut angenommen wurde. Auf der Modemesse Premium im Januar haben wir die neuen Produkte ja bereits vorgestellt. Es kommen auch neue Winterfarben und gekörntes Leder hinzu. Und wir werden zwei unterschiedliche Metallfarben anbieten: Bisher haben wir ja nur Gold, nun kommt noch Silber dazu.

Wird es irgendwann auch mal über Taschen hinaus gehen?

Wir arbeiten gerade parallel an mehreren Strängen. Sogenannte Small Leather Goods wie Portemonnaies sind auch immer interessant und darüber denken wir gerade nach. Wir haben auch schon die ersten Prototypen gesehen. Wir hoffen auf der kommenden Premium im Juli zudem unsere Seidenschals vorstellen zu können.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Natürlich unsere Taschen immer weiter zu entwickeln. In den nächsten Jahren ist der Markenaufbau das wichtigste. Wenn wir Deutschland, Österreich und die Schweiz erobert haben, können wir uns auch vorstellen, weiter zu expandieren – sei es Frankreich, die USA oder Italien. Dort kommen unsere Modelle in vereinzelten Läden in Mailand und Venedig tatsächlich schon ziemlich gut an. Es war eine bewusste Entscheidung, das Unternehmen zu keinem Venture Capital zu machen, wir wollen stattdessen eine Marke bauen, die bleibt. Uns ist es wichtig, eins nach dem anderen, in unserem Tempo zu machen. Natürlich müssen wir auch profitabel arbeiten, sodass wir Menschen um uns herum haben, die jeden Tag gerne zur Arbeit kommen und die sich freuen, gemeinsam mit uns etwas zu schaffen. Wir wollen, dass jeder, der mit uns arbeitet, seinen Platz findet und sich vorstellen kann, jahrelang zu bleiben.

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Welche Tasche ist dein Lieblingsmodell und warum?

“Marlene 13 Zoll”, die trage ich täglich. Sie hat viele Fächer, in denen ich alles unterkriege, was ich täglich mit mir herumtrage, und zudem passt auch mein Laptop rein. Trotzdem sieht sie nicht überdimensioniert aus, wenn ich sie am Körper trage – obwohl sie bei voller Beladung auf sechs Kilo kommt.

Wer hat eigentlich eure Wohnung eingerichtet?

Grundsätzlich gefällt uns beiden die Einrichtung. Wir haben so etwas wie “Königreiche” definiert, so machen wir das auch in der Firma. In einem Bereich habe ich das letzte Wort und in einem anderen mein Mann. Die Deko-Hoheit obliegt am Ende mir. Wobei mein Mann sehr darauf bedacht ist, dass es nicht zu voll wird und wenn ein neues Teil dazukommt, muss ein anderes gehen.

Was war eure letzte Entdeckung?

Die Bilder, die hier hängen. Lange Zeit war die Wand leer. Dass wir etwas entdecken, was wir beide super finden, gerade bei Bildern, ist immer schwierig.

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Hast du einen Lieblingsort?

Ich habe zwei Lieblingsorte. Der eine ist unser Balkon mit Blick auf das Paul-Lincke-Ufer, wo ich in Ruhe ein Buch lesen kann. Der andere, wo ich nach einem stressigen Arbeitstag unglaublich gut runterkomme, ist das Yoga Studio ums Eck.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

 

Hier findet ihr Maison Héroïne:

 

Fotos: Sophia Lukasch

Interview: Lea Braskamp

Layout: Carolina Moscato

– Werbung: Diese Story entstand in Zusammenarbeit mit Maison Héroïne –

 

 

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