Laura Eckrodt bringt mit L.A. Poké Kalifornien nach Berlin

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Journalistik-Studium in England, sechs Jahre Axel Springer in Berlin, Umzug nach Dubai, Führungsposition im Digitalen Marketing bei Emirates – der Lebenslauf von Laura Eckrodt klingt beeindruckend. Doch Laura und ihr Mann Asif Oomer träumen vom eigenen Unternehmen. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes steht fest: Sie wollen ihre Leidenschaft für gesundes Essen zu ihrem Beruf machen! Und so ziehen sie vergangenes Jahr von Dubai zurück nach Berlin, um ihren Traum vom eigenen Restaurant zu verwirklichen. Das Ergebnis: L.A. Poke im Ladenlokal der ehemaligen Pony-Bar. Dank des einladenden Interieurs von Architektin Ester Bruzkus, das in Anlehnung an David Hockneys “A Bigger Splash” entstanden ist, fühlt man sich dem Trubel der Großstadt unmittelbar entzogen und an die amerikanische Westküste versetzt. Dafür sorgt auch die kuratierte Playlist von Mateo, Mitglied der Berliner Band Culcha Candela. Wir haben Laura in ihrer Wohlfühl-Oase im Herzen der Hauptstadt besucht.

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femtastics: Wie seid ihr auf die Idee zu L.A. Poke gekommen?

Laura Eckrodt: Mein Mann ist Entrepreneur und hat bereits mehrere Unternehmen aufgebaut. Er kommt ursprünglich aus Indien, wir haben uns in Dubai kennengelernt und geheiratet. Vor drei Jahren waren wir das erste Mal gemeinsam in Los Angeles. Wir saßen am Strand von Venice Beach, haben Poke gegessen und dachten, dass es so etwas auch bei uns geben müsste. Wir sind absolute Foodies und finden es spannend, herauszufinden, was die unterschiedlichen Kulturen bieten. Nachdem unser Sohn geboren wurde, war für mich klar, dass ich mich beruflich verändern will. Wir wollten etwas Eigenes auf die Beine stellen, haben lange an verschiedenen Ideen gearbeitet. Die Pokes haben uns nie ganz losgelassen.

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LA Poke findet ihr in der Alte Schönhauser Str. 44 in Berlin.

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Wie habt ihr euer Konzept entwickelt?

Wir haben zunächst in unserer kleinen Küche in Dubai mit einem Koch an der Idee gearbeitet. Mit ihm waren wir in Los Angeles und New York, wo wir uns die verschiedenen Poke-Läden angeschaut haben. Zusammen haben wir unser eigenes Rezept auf die Beine gestellt. Das war ein Sprung ins kalte Wasser und es fiel mir nicht ganz leicht, einen guten Job in einer guten Firma aufzugeben. Gerade, wenn man ein kleines Kind hat. Aber wir waren von der Idee überzeugt.

Warum habt ihr euch als Standort für Berlin entschieden?

Erst wollten wir das Restaurant in Dubai eröffnen. Letztlich war Berlin für uns aber interessanter. Zur Geburt von Elias waren wir hier und meinem Mann hat die Stadt wahnsinnig gut gefallen. Meine Eltern wohnen auch hier und es ist schön, wieder näher an der Familie zu sein. Also sind wir mit einem riesigen Container hier aufgeschlagen. Damals wussten wir noch nichts von der Gastronomie. Wir haben uns Stück für Stück durchgeschlagen. Dass wir die Location gefunden haben, war reiner Zufall. Wir kamen an der alten Pony-Bar vorbei und es hing ein winziger “Zu vermieten”-Zettel im Schaufenster. Wir konnten gar nicht glauben, dass diese Fläche noch frei ist, haben uns darauf beworben und nach einigem hin und her haben wir die Fläche bekommen.

Warum hat Berlin auf dieses Restaurant gewartet?

Ich war die letzten acht Jahre im Ausland und sehe, dass sich in Berlin wahnsinnig viel getan hat, gerade was die Essenskultur betrifft. Es sind super viele interessante Konzepte entstanden und Berlin ist viel internationaler geworden. Dennoch finde ich, dass Berlin, gerade in Bezug auf gesunde und schnelle Optionen, etwas hinterherhinkt. Poke-Läden kann man an einer Hand abzählen. Es ist genau das, was die Stadt braucht. Poke ist vielseitig – du kannst es jeden Tag essen und es ist nie das gleiche, da es Millionen von Kombinationen gibt.

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Haben dir Erfahrungen deiner bisherigen Jobs bei der Gründung geholfen?

Egal, was du vorher gemacht hast, es hilft dir alles weiter. Eine Gründung ist trotzdem etwas Anderes, weil du alles alleine machen musst. Ich habe noch nie so viel gearbeitet wie jetzt, aber ich war auch noch nie so frei. Die Arbeit hört zwar nie auf, aber ich habe die Freiheit, mir die Arbeit so einzuteilen, wie ich möchte. 

Welche Hürden gab es bei der Gründung?

Sicherlich, dass wir nicht aus der Gastronomie kommen. Für uns war alles neu. Die Behörden waren definitiv etwas, was wir so noch nicht kannten. Eine weitere Hürde war der Umbau. Es geht immer etwas schief. Es ist eine große Herausforderung, den Zeitplan einzuhalten und dabei die Kosten im Blick zu haben. Gleichzeitig muss man das Menü weiterentwickeln und die richtigen Zutaten finden. Wir haben viele Zutaten aus dem japanischen Raum – die passenden Lieferanten zu finden, war durchaus schwierig. 

Würdest du rückblickend irgendetwas anders machen?

Rückblickend würde ich vermutlich viel anders machen. Bis jetzt sind wir aber sehr stolz auf das Ergebnis. Wir haben viel aus unseren Fehlern gelernt. Und wir haben tolle Freunde und Partner gefunden! 

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Lauras Sohn schmeckt Poke offenbar auch!

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Du hast das Restaurant gemeinsam mit deinem Mann gegründet – wie schwierig ist es, mit seinem Partner etwas aufzubauen?

Ich bin ehrlich, es ist nicht einfach. Man muss bereit dafür sein, den Partner auf einer anderen Ebene kennenzulernen. Da passieren Sachen, die man vorher so noch nicht gesehen hat. Es bedarf gerade am Anfang vieler Gespräche. Aber das Tolle ist, wenn man die gleiche Vision für das Geschäft hat – und das haben wir. Wir gehen nur manchmal andere Wege, um dorthin zu kommen. Ich lerne viele tolle neue Seiten an meinem Mann kennen. Und wenn wir das zusammen schaffen, dann schaffen wir alles zusammen! 

Was sind die Vorteile vom gemeinsamen Unternehmen?

Der größte Vorteil ist es, dass man sich sehr gut kennt und weiß, warum der Partner etwas macht, welche Motivation er hat. Es gibt einfach keine Missverständnisse. Der Laden ist wie unser zweites Kind, man sieht es gemeinsam heranwachsen und man kann zusammen stolz darauf sein. Das verbindet uns. Man arbeitet sehr hart an etwas auf gemeinsamer Ebene, so können wir auch den Erfolg teilen. 

Wie sieht heute euer Arbeitsalltag aus?

Es ist ein Balanceakt und manchmal kommt man sich vor wie ein Internetbrowser, in dem zu viele Tabs offen sind. Wir machen gerade wirklich alles, vom Teller Waschen bis zum Servieren. Wir wollen einmal richtig reingehen, damit wir später auch wissen, wie es funktioniert. Unser Tag fängt gegen fünf oder sechs mit dem Kleinen an. Dann werden Waren geliefert, die Angestellten kommen und man fängt mit den Vorbereitungen an. Alles wird jeden Tag frisch vorbereitet. Mittags öffnen wir und erst ab dem Nachmittag haben wir Zeit, uns um die Büroarbeit zu kümmern. Ab 17 Uhr verbringe ich den restlichen Tag mit Elias. Später ist dann einer von uns wieder hier. Wir haben bis 22 Uhr geöffnet und müssen uns zudem um die Bestellungen für den nächsten Tag kümmern. Um 23:30 Uhr schließen wir die Türen. 

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Alle Zutaten und Bowls werden frisch zubereitet.

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Welche Eigenschaften sind als selbstständiger Gastronom unverzichtbar?

Leidenschaft für das, was man tut. Denn es ist ein knochenharter Job. Ich habe viel Respekt gewonnen vor allen Leuten, die in der Gastro arbeiten – egal, ob Service, Köche oder Lieferanten. Man braucht Durchhaltevermögen und muss den Willen haben, sein Ding durchzuziehen. Auch gutes Timing ist wichtig. Und eine gute Menschenkenntnis ist von Vorteil, da man mit so vielen Menschen zusammenarbeitet.

Als Selbstständiger arbeitet man ja ständig. Wie schaffst du dir einen Ausgleich?

Das ist ja das Schöne daran, wenn man in seiner eigenen Firma arbeitet: Es ist nicht wirklich Arbeit. Man tut ja etwas, was man liebt. Deswegen ist das Bedürfnis nach einem Ausgleich vielleicht nicht ganz so groß, zumindest spüre ich es nicht so sehr. Aber es ist natürlich wichtig, dass wir beide einen Ausgleich haben. Wir versuchen, es zu schaffen, dass jeder am Tag ein paar Stunden hat, um auch seine Sachen zu machen. Letztlich gibt mir die Zeit mit meinem Sohn den Ausgleich. In den Stunden, die wir gemeinsam haben, bin ich nur auf ihn fokussiert. Diese Zeit holt einen wieder zurück zu dem, was wichtig ist.

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In der Gastronomie werden immer noch viel zu viele Lebensmittel verschwendet. Wie wollt ihr dem entgegenwirken?

Du hast vollkommen Recht. Man kann am Abend nicht weniger anbieten, sprich, wir müssen auch am Abend noch eine volle Theke haben. Aber ganz bewusst bereiten wir bestimmte Lebensmittel nicht mehr in dem Volumen zu wie tagsüber. Das Gemüse wird auch so gelagert, dass wir es weiter verwenden können. Beim Fisch geht das natürlich nicht. Wir suchen aber gerade nach Möglichkeiten, das Essen, was übrig bleibt, anderen Leuten zukommen zu lassen. Momentan sind das unsere Mitarbeiter. Wir wollen aber eine langfristige Lösung finden. Es gibt verschiedene Start-ups zu diesem Thema, bisher war aber noch nicht das richtige dabei.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit grundsätzlich für euch?

Eine sehr große! Wir versuchen, Nachhaltigkeit wie einen roten Faden durch unser Unternehmen zu ziehen – vom Strom, den wir nutzen, bis hin zu den Verpackungen. Auch beim Fisch achten wir sehr darauf: Wir verwenden nur Thunfisch, der mit der Leine gefangen wird, sodass keine Delfine und andere Lebewesen in den Netzen als Beifang sterben. Das war uns besonders wichtig und dafür zahlen wir auch gern mehr. Auch unser Lachs kommt aus Farmen, die nachhaltig betrieben werden. Wir können leider nicht alles ganz so machen, wie wir es gerne hätten, weil wir dann auf Preise kämen, die die Leute nicht mehr zu zahlen bereit sind.

Was ist eigentlich das Besondere an euren Bowls?

Poke kommt ursprünglich aus Hawaii. Dort ist es eine Art Streetfood: Die Fischer schneiden ihre verschiedenen Fischsorten auf und marinieren diese. Die Versionen, die wir anbieten, sind die, die die Surfer nach Kalifornien mitgebracht haben. Daraus sind verschiedene Bowls entstanden. Uns war es wichtig, eine Vielfalt zu haben. Was uns besonders macht, sind die Marinaden. Wir marinieren den Fisch frisch. Dazu gibt es dann ein Dressing, was oben drauf kommt. Das Besondere ist das leckere Zusammenspiel der unterschiedlichen Zutaten. 

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Poke Bowls sind momentan total angesagt. Glaubst du nicht, dass der Trend auch wieder ein Ende findet?

Ich glaube nicht, dass Poke ein Trend ist, dafür ist es zu vielseitig. Es ist wie Sushi: “it is here to stay”. Aber ich denke, es wird verschiedene Variationen geben. Man sieht es ja jetzt schon: Jeder Poke-Laden macht sein Ding und schafft etwas Neues. Mir ist es auch ganz wichtig, dass wir uns immer weiterentwickeln, dass unser Menü nicht gleich bleibt. Ich finde veganes Essen sehr interessant und wir würden bald gerne veganen “Thunfisch”, der aus Tomaten gemacht wird, in unser Sortiment aufnehmen. Wir halten immer unsere Ohren offen und so bleibt Poke auch immer interessant.  

Wer kreiert denn eure Rezepte?

Die ersten Rezepte haben wir mit unserem Kreativchef gemacht. Diese haben wir mitgenommen, um weiter daran zu arbeiten. Mittlerweile sind einige der Rezepte auch von mir. Das ist eine Leidenschaft, die ich neu entdeckt habe: Ich stehe wahnsinnig gerne in der Küche und koche. Es gibt so viele tolle Kombinationen von Marinaden. Man muss nur viel recherchieren und sich die Zeit nehmen, sie auszuprobieren.

Wieso habt ihr euch dazu entschlossen, alle Gerichte glutenfrei zu machen?

Alle Gerichte, mit dem kleinen Vermerk, dass einige der Toppings nicht glutenfrei sind, zum Beispiel die Wasabinüsse. Es entspricht einfach der Nachfrage. Gluten ist mittlerweile ein großes Allergen, viele Leute vertragen es nicht. Oft ist in Bowls Sojasauce drin. Wir haben uns stattdessen für Tamari entschieden. Auch, weil wir den Geschmack besser finden. Und wir merken an den Reaktionen der Leute, dass das die richtige Entscheidung war. 

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Das Interview führt femtastics-Autorin Lea Braskamp.

Was kann ein hungriger Berliner erwarten, wenn er zu L.A. Poke kommt?

Normalerweise denkt man bei Poke an Hawaii, aber wir haben uns ganz bewusst auf Kalifornien konzentriert, da dort auch unsere Liebe zu Poke entstanden. Mit unserer Architektin Esther haben wir in Anlehnung an eine David Hockney-Poollandschaft die Inneneinrichtung designt. Wir wollten einen Raum schaffen, der ein sommerliches Gefühl gibt, in dem man auch verweilen kann: ein bisschen kalifornische Sonne, Leichtigkeit und frisches, gesundes, leckeres Essen.

Im hippen Berlin-Mitte ist euer Restaurant wie eine kleine Wohlfühl-Oase. Kannst du uns mehr über das Interieur erzählen?

Ich finde den angesagten Industrielook toll, aber genau den wollten wir nicht. Das Gefühl, was wir unseren Kunden vermitteln wollen, ist, ihnen eine Pause zu gönnen, egal ob am Mittag oder Abend. Du tust deinem Körper und deiner Seele etwas Gutes. Da kann es auch ruhig etwas bunter sein – unsere Idee von dem, was Kalifornien und was Poke ist. 

Die Berliner Gastronomieszene ist riesig. Ist es wichtig, gut vernetzt zu sein oder herrscht eher ein Konkurrenzkampf?

Es herrscht gar kein Konkurrenzkampf. Ich war eher überrascht, wie solidarisch man miteinander umgeht und wieviel Unterstützung wir bekommen haben. Alle haben uns willkommen geheißen. Das ist meine Erfahrung. Natürlich hat man eine gewissen Konkurrenz, gerade mit den Unternehmen, die das gleiche machen, das ist ja klar. Aber ich finde nicht, dass sich das bemerkbar macht.

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Wie sind eure Zukunftspläne?

Wir planen auf jeden Fall für das nächste Jahr, noch einen Laden zu eröffnen. Momentan konzentrieren wir uns aber auf diesen. Wir fangen jetzt auch an, mit Lieferdiensten zusammenzuarbeiten und Catering mit aufzunehmen. Wir gucken uns auch ein paar Kooperationspartner an. Langfristig gesehen sollen die nächsten zwei Läden auf jeden Fall noch in Berlin eröffnen und dann schauen wir mal, wie es läuft.

Verrätst du uns noch dein persönliches Lieblingsessen?

Jede Bowl mit Avocado und Yuzukoshō finde ich super lecker, weil das so eine tolle Schärfe gibt. Ich mag alle unsere Bowls – und das Schöne ist, dass ich sie alle noch sehen kann. Ich habe mich noch nicht satt gegessen. 

Was steht auf eurem privaten Speiseplan?

Es gibt einen schönen Mix verschiedener Kulturen. Mein Mann kommt aus Indien, meine Mutter aus Finnland und ich bin in Brasilien, England und Deutschland aufgewachsen. Zudem haben meine Eltern sechs Jahre in Japan verbracht und dort eine Vorliebe für die japanischen Lebensmittel entwickelt. Momentan gibt es viel Poke, gebe ich ehrlich zu. Wir kreieren gern Gerichte aus den Lebensmitteln, die am Abend übrigbleiben. Es gibt viel indisch, da ich viel von der Mutter meines Mannes gelernt habe, aber auch gute deutsche Küche, wie Spargel. 

Vielen Dank für das nette Gespräch!

 

Hier findet ihr LA Poke:

Alte Schönhauser Str. 44, Berlin

Interview: Lea Braskamp

Fotos: Sophia Lukasch

Layout: Carolina Moscato

 

 

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