Im Herzen Poetin – Sängerin Alex Becht

alex-becht-pathos-legal

Seit die Frankfurterin Alex Becht ihren Namen schreiben kann, schreibt sie für ihr Leben gern. Aus ihrer ersten Leidenschaft entwickelte sich später eine zweite Leidenschaft für den Poetry Slam. Auf der Bühne konnte sie endlich ihre Texte, die damals schon ihren späteren Songtexten ähnelten, vor einem größeren Publikum vortragen und geriet dabei immer mehr ins Singen. Weil Singen beim Poetry Slam aber nicht erlaubt ist, gründete sie schließlich ihre Band Pathos Legal – zusammen mit ihrem Mann Berkant. Wie sie es geschafft hat, der Kunst den nötigen Platz in ihrem Leben einzuräumen und wie es ist, mit dem Mann eine Band zu haben, das erzählt sie uns an einem Frühlingsfreitag in Hamburg.

femtastics: Wie bist du zum Poetry Slam gekommen?

Alex Becht: Über das Schreiben, ich wollte meine Texte mit anderen teilen. Im Grunde waren das damals schon Songtexte, die ich vorgetragen habe. Vor zehn Jahren hatte auch noch nicht jeder einen Blog oder eine Facebook-Seite, damals ging man wirklich noch auf Bühnen. Es war eine tolle Schule, vor allem um Bühnenpräsenz zu lernen.

Und irgendwann hast du einfach angefangen zu singen?

Es hat sich bei mir aus den Poetry Slams entwickelt, da bin ich alleine aufgetreten und es wurde immer singsangiger – bis die Leute gesagt haben, dass ich bei Poetry Slams nicht singen darf.

01-alex-becht

Also hast du mit deinem Mann eine Band gegründet – Talent muss schon immer da gewesen sein!

Es war eher überraschend für mich, dass es mit dem Singen so gut klappt. Im Herzen bin ich eine Poetin und ein Schreiberling, mein Fokus liegt auf Text. Das Artwork und das Singen sind dazu gekommen.

Die wenigstens Künstler können von ihrer Kunst leben.

Neben der Band hast du einen normalen Job?

Die wenigstens Künstler können von ihrer Kunst leben. Ich bin im PR-Bereich für Film und Unterhaltung tätig und kann das ganz gut mit meiner Musik verbinden. Ich arbeite in Teilzeit, sodass ich noch genug Zeit für Pathos Legal habe.

Du kennst aber auch das andere Extrem, die Vollzeitarbeit.

Ja, das habe ich auch gemacht. Ich habe dann gemerkt, dass ich mehr Zeit für meine Leidenschaft, die Musik, brauche. Ich will nicht Montags bis Freitags bei der Arbeit sitzen.

Gab es einen bestimmen Auslöser, dass du wusstest, dass es so nicht weiter geht?

Eigentlich war das eine innere Stimme. Du brauchst natürlich auch den passenden Arbeitgeber, der das mitmacht. Aber es ist schon so, dass ich lange dahin gewirkt habe, dass ich mir das Leben so gestalten kann. Es war harte Arbeit und ein langer Weg.

Aber es lohnt sich. Wenn man seine Leidenschaft unterdrückt, wird man auf lange Sicht unglücklich.

Auf jeden Fall, ich kann es jedem nur empfehlen. Aber es macht eben nicht jeder, weil nicht jeder den Mut dazu hat. Es kann auch nicht jeder die Freiheit tragen – es ist teilweise auch belastend.

Nichts ist für immer.

Du meinst den Verlust von Sicherheit. Kennst du auch Momente des Zweifelns?

Ich fühle mich relativ glücklich, ich glaube aber nicht, dass wir an dem Punkt angekommen sind, das alles so bleiben kann. Man entwickelt sich eben weiter. Aber ich habe eine Basis, auf der ich sowohl persönlich als auch musikalisch gut aufbauen kann. Nichts ist für immer.

Das wäre auch schlecht, das würde Stillstand bedeuten.

Das Musik-Business ist knallhart und man muss sich überlegen, ob man den langen Atem hat und diesen Weg gehen will. Ich habe mich dafür entschieden. Trotzdem gibt es immer wieder Durststrecken. Deswegen habe ich den Teilzeitjob als Sicherheit. Ich muss nicht von der Musik leben und wüsste ehrlich gesagt auch gar nicht, wie das gehen soll. Viele Musiker geben nebenbei noch Musikunterricht oder haben andere Nebenjobs.

02-alex-becht-saengerin

Wie definierst du Erfolg?

Mir ist wichtig, dass ich glücklich mit unserer eigenen Kunst bin und mein Leben entsprechen gestalten kann. Das ist der größte Erfolg.

Du brauchst ein gesundes Selbstvertrauen und darfst dich nicht von der Angst treiben lassen.

Und das wiederum merken auch die Fans und es kommt zu dir zurück!

Ja, das merke ich auch. Dennoch, du brauchst ein gesundes Selbstvertrauen und darfst dich nicht von der Angst treiben lassen. Das ist die größte Veränderung in den letzten zehn Jahren bei mir gewesen: Ich habe die Angst verloren. Im Moment würde ich mich als absolut mutig bezeichnen. Ich nehme Dinge in Angriff, die ich mir vorher nicht zugetraut habe.

Du hast die Band zusammen mit deinem Mann gegründet – wie ist es, mit dem eigenen Mann zusammen zu arbeiten?

Das ist wie in einer typischen Ehe. Es gibt sehr gute und befruchtende Momente, aber klar geht man sich auch mal auf die Nerven. Das ist ja vollkommen normal, alles andere wäre komisch. Unser gemeinsamer kreativer Output ist eine totale Bereicherung.

Gerade die kreative Verbindung ist fast noch höher als die Liebe selbst.

Ihr beflügelt euch gegenseitig.

Gerade die kreative Verbindung ist fast noch höher als die Liebe selbst. Wenn du gemeinsam einen Song geschrieben hast und sich alles zusammenfügt, dann ist das so ein schönes Gefühl.

Ihr kümmert euch zusammen um alle Anliegen der Band. Habt ihr da eine klare Arbeitsteilung?

Berkant kümmert sich ausschließlich um die Komposition und Produktion der Songs, da hat er auch genug mit zu tun. Ich kümmere mich um alles andere: Vom Text schreiben und Einsingen bis hin zum Netzwerken und PR. Teilweise arbeite ich Nächte durch, zum Beispiel vor dem Album-Release.

Kannst du auch gut abschalten?

Ich stehe meistens auf dem fahrenden Zug und versuche, unsere Band voranzubringen. Ich muss mich regelmäßig selbst daran erinnern, dass ich auch mal den Stecker ziehe und entspanne, damit ich wieder weitermachen kann. Man verliert auch den Spaß, wenn es nur noch ein Muss ist.

Den Moment der Muße kennt man heute nicht mehr wirklich.

Man muss sich ihn auf jeden Fall bewahren. Gerade als kreativer Mensch ziehst du überall her Inspiration, aber du musst eben auch lernen, sie bewusst wahrzunehmen.

Wie kriegst du das hin? Machst du dein Handy einfach aus?

Mir gelingt das eher selten. Was ich extrem entspannend finde, ist Zug fahren. Hier kann ich in drei Stunden einfach nur schreiben.

Apropos: Woher nimmst du die Ideen für deine Texte?

Indem ich mit offenen Augen durch die Welt laufe. Ich habe eine Antenne für gewisse Dinge, bei mir mündet alles in Text.

Ihr habt gerade euer Album rausgebracht, was steht als nächstes bei euch an?

Unsere Single “Du, mein wilder Geist” erscheint in zwei besonderen Versionen als Symphonic-Version, aufgenommen mit einem Streicher-Ensemble, und als ruhige und nahe Pianoversion, da freu ich mich sehr drauf. Und dann führen wir unsere Album-Tour in Deutschland, Holland, Schweiz und Österreich weiter!

Super, viel Erfolg dabei, liebe Alex!

Hier findet ihr Alex und Pathos Legal:

Fotos: Pelle Buys

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

zu unseren Datenschutzrichtlinien