Zu Besuch in Janine Arnolds Goldschmiedeatelier

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Sie hat in Maastricht und am Royal College of Art in London Schmuckdesign studiert, bevor sich Janine Arnold in Hamburg niederließ, um ein Goldschmiedeatelier in einem verträumten Hinterhof in Hamburg-Altona zu eröffnen. Dort arbeitet die 42-Jährige an ihren eigenen Schmuckkollektionen – faltet Gold wie Papier und bemalt Goldschmuck mit Nagellack – und gibt Trauring- und Goldschmiedekurse für alle, die ihr Handwerk kennenlernen möchten. Wir besuchen Janine Arnold an einem regnerischen Tag in ihrer Werkstatt – und verlieben uns auch bei Regen direkt in dieses wunderschöne Fleckchen.

 

femtastics: Wolltest Du schon immer Goldschmiedin werden?

Janine Arnold: Ganz und gar nicht. Ich wollte tatsächlich Fotografie studieren. Ich bin über Umwege nach Maastricht gekommen. Einerseits hat mich die Liebe zu einem Seemann dahin verschlagen – ich war oft Segeln in Holland und habe mich da in einen Skipper verliebt. Andererseits wollte ich Fotografie studieren. So bin ich an die Kunstakademie in Maastricht geraten. Dort ist das Tolle, dass man im ersten Jahr alle Fachrichtungen kennenlernt und gerade wenn man so jung ist, entscheidet man sich dann schnell noch einmal um.

Alle künstlerischen Fachrichtungen meinst Du?

Genau. Man macht räumliches Zeichnen, Malerei, plastische Formgebung, lernt Fotografie, … Und da habe ich mich so in die Schmuckwerkstatt verliebt als ich sie gesehen habe. Das Handwerk fand ich so klasse!

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Janine Arnolds Werkstatt versteckt sich in einem Hinterhof in Hamburg-Altona.

 

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Das heißt, Du hast dann einen Abschluss im Goldschmiedehandwerk in Maastricht gemacht?

Ich habe 1998 meinen Bachelor in Schmuck- und Produktdesign gemacht. Das war wie eine Fachhochschule, wir hatten acht Stunden am Tag Unterricht und haben unter anderem über Technik, Oberflächen, alles Mögliche gelernt. Ich habe keine klassische Goldschmiedeausbildung gemacht, aber man lernt dort sehr viel. Und man kann sehr frei entwerfen und anhand der Entwürfe die Technik lernen.

Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Silber- und Goldschmied?

Traditionell arbeiten Silberschmiede größer – sie machen zum Beispiel Gefäße und Produkte in Silber. Goldschmiede dagegen arbeiten fein, sie machen Zierrat. Tatsächlich arbeiten Goldschmiede heute auch in Silber und anderen Materialien, aber klassisch gibt es diesen Unterschied.

Und Du hast dann auch noch in London am Royal College of Art studiert. Wieso hast Du Dich für dieses zweite Studium entschieden?

Nach vier Jahren Studium und einem Bachelor-Abschluss ist man in diesem Bereich überhaupt noch nicht fertig. Man hat Ideen und hat Praktika gemacht, aber man entdeckt gerade erst, welche Möglichkeiten es gibt. Mein Professor in Maastricht hatte mir empfohlen, weiter zu studieren und mir eine Ausstellung von Studenten des Royal College of Art anzusehen. Ich habe schnell gemerkt: Das ist die beste Schule weltweit. Allerdings hat es eine Weile gedauert, bis ich mich getraut habe, mich dort zu bewerben.

Ein Master-Studium am Royal College of Art ist das Intensivste, was man machen kann. Es war die beste Zeit überhaupt.

Und wie war es dann am RCA?

Ein Master-Studium am Royal College of Art ist das Intensivste, was man machen kann. Es war die beste Zeit überhaupt. Man bekommt den vollen Support, finanzielle Unterstützung und man kann sich sieben Tage die Woche mit seinem Studium beschäftigen. Und das tut man auch, man nutzt die Zeit. Die Schule hat sieben Tage die Woche geöffnet, sie hat sogar eine eigene Bar. In den zwei Jahren in London habe ich intensiver studiert als in vier Jahren in Maastricht. Der Druck ist auch sehr groß, aber die Schule ist unglaublich. Ein Ameisenhaufen. Man dreht durch. Ich habe noch jahrelang von den Inspirationen aus diesen zwei Jahren gezehrt. Es war sauanstrengend, aber ganz ganz großartig. Man ist nach dem Studium gestärkt und hat auch ein tolles internationales Netzwerk aufgebaut. Das gibt einem eine gute Basis.

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Für viele Designabsolventen ist der Berufseinstieg nach dem Studium ja nicht leicht. Wie war das für Dich?

Ich glaube, grundsätzlich haben 80% der Absolventen des RCA super Berufseinstiege. Die Leute dort sind wirklich die Top-Designer. Für mich war es anders, ich gehöre nicht zu diesen 80%. Ich bin nach Deutschland zurückgekommen, weil mein jetziger Mann damals krank wurde. Ich hatte keinen Top-Start ins Berufsleben, denn als Gestalter von Autorenschmuck muss man Galerien finden, sich einen Namen machen. Ich wollte ja keine Anstellung als Produktdesignerin in einem Unternehmen. Mir haben die Kontakte aus dem RCA sehr geholfen, aber machen muss man es dann selber. Gerade, wenn man sich für den Standort Hamburg entscheidet, der echt nicht einfach ist für Schmuck.

Erklär doch bitte einmal, was „Autorenschmuck“ ist.

Es gibt verschiedene Namen: „contemporary jewellery“, „Autorenschmuck“. Da geht es darum, dass man völlig frei von Traditionen Schmuck gestaltet. Die Idee und das Konzept zählen. Es ist wie freie Kunst. Der Schmuck muss auch nicht tragbar sein. Es hat eigentlich nichts mit dem Handwerk des Goldschmieds zu tun, man muss keine Goldschmiedeausbildung haben, aber viele Gestalter von Autorenschmuck haben eine.

Es ist bestimmt nicht leicht, davon zu leben, oder?

Es ist anders als in der freien Kunst. Die Marge beim Verkauf von Autorenschmuck – besonders, wenn es nicht tragbare Stücke sind – ist viel kleiner als bei Kunst. Reich wird man damit nicht. Viele Designer in diesem Bereich haben deshalb ein zweites Standbein.

Und Du bist dann aus London nach Hamburg gekommen?

Ja, ich hatte hier viele Kontakte und Freunde und hatte auch das Atelier schon bevor ich nach London gegangen bin. Außerdem hatten wir eine bezahlbare Wohnung. Erst dachten wir, dass wir ein Jahr hier bleiben. Daraus sind jetzt zehn Jahre geworden. Jetzt bin ich hier sesshaft. Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob ich es hier gut finde.

Weil Du hier keinen Markt gesehen hast? Du sagtest, Hamburg sei schlecht geeignet für Autorenschmuck …

Ja, für diese Fachrichtung gibt es hier keine Galerien, keine Kunsthochschule, … Und ich mochte London einfach, ich wollte da eigentlich nicht weg, aber es war wahnsinnig teuer. Ich halte hier in Hamburg jetzt aber international Kontakt.

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Diese Eheringe hat Janine entworfen: zusammen ergeben die Motive auf den beiden Ringen ein Herz.

 

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Und jetzt hast Du schon seit einigen Jahren Dein eigenes Atelier.

Ja, ich habe mein Atelier und mache meinen eigenen Schmuck. In Hamburg kann ich über die Messe „Blickfang“ ausstellen, darüber bin ich froh. Dieses Jahr mache ich nicht mit, aber nächstes Jahr wieder. Außerdem veranstalte ich jedes Jahr meinen „Salon“ hier im Atelier. Dann baue ich diesen Raum zu einem Showroom um. Ich finde es wichtig, hier in Hamburg meine Kunden einzuladen und zu zeigen, was ich mache. Wenn ich Ausstellungen in Hong Kong oder Antwerpen habe, bin ich ja selbst nicht vor Ort und treffe meine Kunden nicht.

 

Es gibt nichts Intimeres als Schmuck. Man trägt ihn am Körper und er begleitet einen.

 

Welche Rolle spielt Schmuck für Dich?

Bis vor ein paar Jahren hat Schmuck für mich gar keine Rolle gespielt. Ich bin dann über Umwege zum Schmuck gekommen und ich merke immer mehr, dass Schmuck für mich einer der wichtigsten Bedeutungsträger ist. Weil man ihn am Körper trägt. Du trägst keine Hose oder Jacke dreißig Jahre lang, aber Schmuck kann Dich wirklich begleiten. Es gibt nichts Intimeres, finde ich. Es sind oft besondere Anlässe, zu denen man Schmuck verschenkt. Man kann ihn weitergeben. Das ist wunderbar. Ich bin besonders verliebt in Gold. Diese Edelmetalle sind faszinierend.

Was ist Dir wichtig, wenn Du Schmuck designst?

Ich möchte ein bisschen Grenzen austesten, Ironie und Humor spielen eine Rolle. Es geht um etwas Anderes als bei der normalen Schmuckherstellung. Es hat auch etwas Gutes, dass es in Hamburg nicht so viele Macher von Autorenschmuck gibt. Denn dann entdecken die Leute meinen Schmuck und sind neugierig darauf. Ich habe hier in diesem Feld nicht so viel Konkurrenz. Man bekommt bei mir unter 300 oder 400 Euro kaum ein Stück – und dann muss man sich schon für meinen Schmuck interessieren. Geld gibt es hier in Hamburg genug, aber die meisten Leute wollen dann das klassische Collier oder Schmuck von bekannten Luxusmarken kaufen. Die Szene für Autorenschmuck ist nicht so groß, aber es gibt sie. Es muss aber auch nicht die Masse sein.

Fragen Deine Kunden denn auch nach, wenn sie Deinen Schmuck nicht direkt verstehen?

Ja, das machen sie. Und mein Schmuck ist ja gar nicht abgehoben, finde ich, und relativ tragbar. Aber zum Beispiel die Tatsache, dass man meinen Schmuck mit Nagellack bemalen kann – bei meinen „Candybirds“ mache ich das – verwundert die Leute. Ich muss ständig erzählen, dass die Farbe auf dem Goldschmuck wirklich Nagellack ist. „Man bemalt doch nicht Goldschmuck mit Nagellack!“ Das finde ich gerade spannend! Und es funktioniert ja super und sieht sehr ästhetisch aus.

Sind Deine Schmuckkreationen nur bei Dir erhältlich oder bist Du auch in Läden vertreten?

Ich bin in Hamburg bei “Fatiha Iklef” in Eppendorf vertreten. Ansonsten gibt es meine Kreationen nur bei mir. Ich arbeite gerade an einer neuen Website mit einem neuen Shop. Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit Direktverkäufen. Ich habe aber auch eine Galerie in Hong Kong und eine in Antwerpen. Ich finde es immer schön, wenn man auch im Ausland vertreten ist. Aber ich möchte mir auch nicht so viel vornehmen, denn ich stelle ja alles von Hand her und kann nur in kleinen Mengen produzieren. Außerdem habe ich ja auch noch meine Schmuckkurse.

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Ihre “Candybird”-Ringe bemalt Janine mit buntem Nagellack.

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Du bietest regelmäßig Trauring- und Goldschmiedekurse an. Kamst Du auf die Idee, weil Du auch das schon angesprochene zweite Standbein brauchtest – oder hatten Dich Kunden gezielt danach gefragt?

Ich hatte mit Studenten schon Teaching-Erfahrung gesammelt. Ich wusste, es macht mir Spaß, Dinge zu erklären und weiterzugeben. Als ich nach Hamburg kam und einen Job suchte, habe ich an der VHS unterrichtet. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dachte, ich gebe in kleinem Rahmen eigene Kurse. Hier in schöner Atmosphäre und in kleinen Gruppen. Mittlerweile habe ich zwei Frauen, Daniela und Astrid, die mich bei den Kursen unterstützen. Das wäre sonst zu viel für mich.

Unsere Goldschmiedekurse sind ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht.

Die Kurse finden regelmäßig statt, richtig?

Ja, und die Leute bleiben, die kommen immer wieder. Die entdecken das als Hobby, als Meditation. Wir sind Monate im Voraus ausgebucht.

Was lässt sich denn an einem Wochenende lernen? Man lernt ja nicht das Handwerk an zwei Tagen.

Nein, darum geht es auch nicht. Es geht um den Spaß und darum, einen Einblick ins Handwerk zu bekommen, zu löten, zu feilen. Aber man schafft es, sich ein fertiges Schmuckstück zu machen, zum Beispiel einen Ring oder eine Kette.

Hast Du ein Lieblingsschmuckstück, das Du gemacht hast?

Nein, nicht eins. Ich muss ehrlich sagen, ich trage sehr gerne meinen Schmuck. Ich fange jetzt langsam an, auch Schmuck von Kolleginnen zu tragen. Aber ich habe kein Lieblingsstück. … Ich trage meinen Trauring sehr gerne, weil er von meinem Mann gemacht wurde.

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Janines Arbeitsplatz in ihrer Werkstatt.

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Eine Schmuckkreation, die während Janines Studium in London entstanden ist.

 

Was hast Du für die kommende Zeit geplant?

Also, ich plane jetzt wieder meinen „Salon“. Letztes Jahr hatte ich erstmals andere Schmuckkünstler dabei, was ich großartig fand. Mein Traum wäre, zwei mal im Jahr eine Art temporäre Galerie zu machen – Sommer- und Winter-Salon. Darauf hätte ich richtig Lust! Und auch hier, in diesem Hof, ich könnte mir keinen anderen Ort vorstellen. Ich kenne so viele befreundete Designer und es macht mir Spaß zu kuratieren, habe ich entdeckt. Ich finde es toll, den eigenen Schmuck in Bezug zu anderem Handwerk zu sehen.

Halte uns gerne auf dem Laufenden! Und vielen Dank für das Gespräch, Janine.

 

 

Hier findet ihr Janine:

 

Fotos: Linda David

 

 

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