Franziska Rub von „Cantura Organics“ klärt über Cannabis und CBD auf

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30. Oktober 2020

Franziska Rub hat mit ihrem Interesse für Naturheilkunde und Alternativmedizin ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Sie arbeitet im Bereich Education und Produktentwicklung bei Cantura Organics – einer Wellbeing-Marke, die CBD-Produkte in Bioqualität herstellt. Ihre Liebe zur Natur kommt ihr dabei ebenso zugute wie ihr abgeschlossenes Biochemiestudium in Halle. Wir treffen die 28-Jährige im Mauerpark in Berlin und sprechen mit ihr über den schlechten Ruf von Cannabis, die Vorteile von CBD, wie es am besten eingenommen wird, und die Zukunft des „CBD-Trends“.

femtastics: Wann hast du das erste Mal von CBD gehört?

Franziska Rub: Das war letztes Jahr im Herbst. Ich hatte Besuch von einer Freundin, die Medizinerin ist. Sie hat ein kleines Fläschchen rausgeholt und gesagt: „Franzi, ich habe etwas entdeckt, das nehme ich seit circa einem halben Jahr und das ist der Wahnsinn.“ Sie hat mir erzählt, dass sie selten so gut geschlafen hat und dass ich das Wundermittel auch unbedingt nehmen soll. Mit meinem Biochemiehintergrund habe ich angefangen, mich zu informieren. Anfangs war ich ein bisschen skeptisch – Cannabis assoziiert man zunächst vielleicht mit Hippies und der Kiffer-Szene. Ich war aber schnell begeistert, was es schon alles gibt und besonders wie weit die USA in dieser Hinsicht sind. Die sind uns drei bis fünf Jahre voraus!

Wie kamst du dazu, dich näher mit CBD zu beschäftigen?

Anfang des Jahres ist Markus, der Gründer von „Cantura Organics“ bzw. der Muttergesellschaft „Thank you Jane“ auf mich zugekommen. Da ging das noch mehr in die Tiefe. Ich hatte mir bis dato auch noch gar kein CBD-Öl bestellt. Dann habe ich das Öl von „Cantura“ ausprobiert und gemerkt, dass es mir besser gefallen hat als das von meiner Freundin.

Hanf wird seit Jahrtausenden verwendet. In der chinesischen Medizin, in Ayurveda, bei Hildegard von Bingen aus der Klostermedizin.

„Cantura Organics“ hat es sich zum Ziel gesetzt, die guten Seiten von Hanf wieder zugänglich zu machen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Hanf war lange verschrien. Aber es gibt zwei verschiedene Arten von Hanf. Die Blüten, die wir verwenden, kommen von ganz anderen Pflanzen als die Blüten, die man zum Kiffen benutzt. Es gibt in Deutschland einen EU-Sortenkatalog, in dem die Hanfsorten aufgelistet sind, die man legal anpflanzen darf. Hanf wird seit Jahrtausenden verwendet. In der chinesischen Medizin, in Ayurveda, bei Hildegard von Bingen aus der Klostermedizin – überall wurde Hanf verwendet, aber das ist in Verruf geraten, weil es irgendwann als Betäubungsmittel galt. Und so war Hanf lange illegal und ist es ja in Teilen bis heute noch. Wir versuchen das Ganze zu entstigmatisieren und zu zeigen, dass Hanf viele gute Seiten hat.

Was ist der Unterschied zwischen CBD und THC?

THC macht high, wirkt auch nachweislich schmerzlindernd, was bei CBD noch nicht wissenschaftlich bestätigt ist. CBD ist der Gegenspieler und wirkt der berauschenden Wirkung sogar entgegen. Angenommen man raucht Cannabisblüten mit einer signifikanten Menge an THC, dann ist die berauschende Wirkung schwächer, wenn ein höherer CBD-Anteil enthalten ist. Das CBD ist der beruhigende Anteil. Mit unseren Vollspektrum CBD-Ölen nutzen wir das Zusammenspiel von CBD und anderen Cannabinoiden, denn es gibt noch 112 weitere in der Hanfpflanze. Bei der Extraktion versuchen wir so viele wie möglich davon zu bewahren.

Die Menschen wissen einfach noch viel zu wenig über CBD-Öl und es ist viel Aufklärungsarbeit notwendig, um Cannabis in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.

CBD-Öl ist der neueste Trend in der Beauty- und Wellnessindustrie und wird als Wundermittel angepriesen. Was kann es wirklich?

Viele fragen uns: Ich habe Migräne, PMS, Regelschmerzen, Depressionen – hilft euer Öl dabei? CBD ist kein Arzneimittel. Wir heilen keine Krankheiten, unsere Produkte sind Nahrungsergänzungsmittel, die den eigenen Körper unterstützen und die Balance wiederherstellen. Wenn man gestresst und gereizt ist, schafft man es oft nicht, gut mit kleinen Herausforderungen umzugehen. Einfach durch den psychischen Druck. Die Einnahme von CBD kann da helfen. Es gibt auch viele Berichte von Menschen, die jahrelang Opiate genommen haben, davon abhängig waren und mit CBD davon losgekommen sind. Es gibt Fälle, die so passiert sind, aber man kann nicht sagen: Nimm CBD und dein Leben wird besser und du bist von all deinen Krankheiten geheilt.

Du bist bei „Cantura Organics“ für Education und Produktentwicklung verantwortlich. Was bedeutet das konkret? Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Das Start-up sitzt in München und ich bin in Berlin. Deshalb arbeite ich remote von hier aus. Wir haben dreimal in der Woche Videocalls, bei denen wir uns gegenseitig updaten. Das ist eigentlich der einzige feste Termin, den ich habe. Ich bin sehr frei, was ich super finde. Im Education Bereich ist viel zu tun, die Menschen wissen einfach noch viel zu wenig über CBD-Öl und es ist viel Aufklärungsarbeit notwendig, um Cannabis in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.

Es gibt viele Fragen: Kann ich das überhaupt einnehmen, wenn ich noch ein Medikament zusätzlich nehme? Ist es sicher? Macht es abhängig? Macht es high? Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, viel Aufklärung auf Instagram zu betreiben, weil dort die meisten unserer Kund*innen sind. Wir planen gerade eine Serie aus erklärenden Videos. Ich drehe die Videos im Homeoffice und gehe auf einzelne Fragen ein. Ich merke, dass die gleichen Fragen immer und immer wieder kommen. Wir haben zwar eine FAQ-Seite auf unsere Website, aber Videos auf Instagram sind leichter zugänglich. Wir haben auch ein E-Book geschrieben, das wir gerne an Kund*innen verschicken.

In der Produktentwicklung arbeiten wir gerade an vielen neuen Produkten. Wir haben momentan erst zwei Öle und unsere CBD-Schokolade auf dem Markt, also ein noch relativ kleines Portfolio. In den kommenden Monaten werden wir ganz besondere CBD-Produkte launchen, die nochmal gezielter auf die individuellen Päckchen eingehen, die jede*r von uns zu tragen hat. Ab nächster Woche haben wir unsere CBD-Badebomben in unserem Shop, weil CBD auch über die Haut aufgenommen werden kann.

Wo lasst ihr euch für neue Produkte inspirieren?

Wir blicken viel in die USA, wo CBD schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Da nimmt das die Großmutter genauso wie die Mutter, der Vater, der Sohn oder die Tochter. Es gibt dort sehr viele CBD-Produkte: Kaugummis, Cremes, Bodylotion, Badebomben und Öle sowieso. Im Bereich Sex ist CBD auch ein großes Thema, weil es eine entspannende Wirkung hat. In Kalifornien wurden zum Beispiel Gleitgele und Kondome, in denen THC und CBD in Kombination enthalten sind, entwickelt.

Da du die unterschiedlichen Produkte mit CBD ansprichst: Welche Arten der Einnahme gibt es? Und wie wirken sie sich jeweils auf den Körper aus?

Die gängigste Einnahmeform ist die sublinguale Einnahme, das Träufeln des Öls unter die Zunge. Das ist besonders effektiv, weil unter der Zunge die Mundschleimhaut ist und das CBD von dort direkt in die Blutbahn gelangt und im ganzen Körper verteilt werden kann. Gemeinsam mit dem Vapen ist das die effektivste Methode. Viele stört allerdings der Geschmack, das Öl ist ein wenig bitter. Deshalb gibt es auch Kapseln, die man schlucken kann, oder man kann sich das Öl ins Essen mischen. Dann wird das CBD bei der Verdauung über die Darmschleimhaut aufgenommen. Der Nachteil davon ist, dass auf dem Weg dahin schon vieles verstoffwechselt wird, also weniger Wirkstoffe ankommen. Man kann CBD auch über die Haut aufnehmen, allerdings weiß man noch nicht, wieviel Prozent wirklich in den Blutbahnen ankommt. Es ist schwer zu messen und es gibt einfach noch zu wenig Studien dazu. Dadurch, dass es an einer bestimmten Stelle aufgetragen wird, hat es den Effekt, dass es auch lokal wirkt. Das ist für Kund*innen mit Hautproblemen, Neurodermitis oder Rosazea ein großes Thema.

Welche Dosierung empfehlt ihr?

Wir empfehlen einen Tropfen pro Tag. Der Wert hängt damit zusammen, dass in unseren Ölen auch THC enthalten ist. Als Hersteller müssen wir uns den Richtwert von einem Tropfen halten, weil nicht mehr THC erlaubt ist. Wir folgen einem ganzheitlichen Konzept, das heißt, wir wollen alle Stoffe aus der Hanfpflanze erhalten und nichts herausfiltern. Manche Hersteller benutzen Isolate, die ausschließlich chemisch hergestelltes CBD enthalten. Davon halten wir nicht so viel. Wir setzen auf den Entourage-Effekt, der besagt, dass die Cannabinoide sich untereinander verstärken. Deshalb besitzt ein Vollspektrum-Öl ein viel breiteres Wirkspektrum, weil es andere Rezeptoren angeht. Aus diesem Grund haben CBD-Öle auch diese breite Wirkung beim Schlaf, Immunsystem, Schmerzempfinden, Regulation von Entzündungsprozessen – das klingt wie ein Wundermittel. Das ist so, weil viele CBD-Öle Vollspektrum-Öle sind, die an viele verschiedenen Rezeptoren wirken können.

Also ist es besser, ein Vollspektrum-Öl zu kaufen und kein Isolat. Worauf sollte man beim Kauf von CBD-Produkten außerdem achten?

Man sollte darauf achten, dass der Hanf biologisch angebaut wird und am besten auch biozertifiziert ist. Hanf ist dafür bekannt, dass er extrem viele Stoffe aus dem Boden aufnimmt. In Chernobyl wurde nach der Reaktorkatastrophe Hanf angebaut, um den Boden von der Radioaktivität zu reinigen. Deshalb sollte man aufpassen, wo die Hanfpflanzen angebaut werden. Ab besten sollte das Öl noch GMP-Siegel haben, das sagt aus, dass die Herstellungsbedingungen immer gleich bleiben. Das sind die pharmazeutischen Standards, die auch jedes Arzneimittel durchlaufen muss. Man sollte also nicht einfach das günstigste Öl kaufen, sondern genau darauf achten, dass es ein sicheres Produkt ist. Ab besten sollte das Trägeröl auch ein Hanfsamenöl sein. Das ist regionaler und nachhaltiger als z.B. MCT-Öle.

Wir setzen auf den Entourage-Effekt, der besagt, dass die Cannabinoide sich untereinander verstärken. Deshalb besitzt ein Vollspektrum-Öl ein viel breiteres Wirkspektrum, weil es andere Rezeptoren angeht.

Kann CBD in der Naturheilkunde als adäquater Ersatz für pharmazeutische Medikation genutzt werden?

CBD ist kein Arzneimittel. Es gibt aber Menschen, die durch CBD mit Schmerzen besser umgehen können. Sie sind kleinen Alltagsherausforderungen gegenüber widerstandsfähiger. Es gibt CBD als Arzneimittel, das man sich verschreiben lassen kann. Das ist ein zugelassenes CBD-Medikament, eigentlich für eine spezielle Form von Kinder-Epilepsie entwickelt. Aktuell ist CBD aber einfach nur ein Nahrungsergänzungsmittel, das den Körper unterstützen kann. Es ist weit davon entfernt, ein Arzneimittel zu sein. Manche nehmen es in Ergänzung zu anderen Medikamenten. Wenn das der Fall ist, sollte man das unbedingt mit einem/einer Arzt/Ärztin absprechen. Wir dürfen keine Empfehlungen geben, weil wir keine Ärzt*innen sind. Es gibt aber ein Patient*innentelefon der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e. V. – da kann man immer freitags anrufen, wenn man sich informieren möchte.

Ihr steht für ein ganzheitliches Konzept in Bezug auf den Körper. Was gehört dazu?

CBD ist ein Baustein, der zu einem gesunden und ausgewogenen Lifestyle dazugehört, aber nicht das A und O ist. Du nimmst nicht CBD ein und plötzlich geht es dir gut. CBD ist kein Wundermittel, es ist subtil und man muss ein bisschen in sich hineinhören, um zu verstehen wie es wirkt. Man muss generell auf seinen Körper hören. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung, Bewegung und auch das Thema Mental Health. Das sind Dinge, die ich mit ganzheitlicher Gesundheit assoziiere.

Wie schätzt du die Zukunft des „CBD-Trends“ ein – was kommt als nächstes und wie wird sich das Thema in Deutschland entwickeln?

Ich hoffe auf eine positive Entwicklung. Es gibt aktuell ziemlich viele rechtliche Hürden. Es gibt zurzeit die Diskussion um die Zulassung von Vollspektrum-Ölen und ob die enthaltenen Cannabinoide illegal sind. Jetzt rüstet sich die Cannabis-Industrie in Deutschland vor und überlegt, was man als Alternative anbieten kann. Wir überlegen uns gerade, wie wir trotzdem das Naturprodukt und nicht das synthetisch hergestellte CBD anbieten können. Ich hoffe aber, dass CBD wie in den USA bald den Weg in die Mitte der Gesellschaft findet.

Vielen Dank für das Interview, liebe Franzi.

Hier findet ihr „Cantura Organics“:

Layout: Kaja Paradiek

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