Aleks Skwarc kreiert den Sound für die Hotspots Berlins

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10. Mai 2015

Den Namen Aleksandra Skwarc verbinden wir seit vielen Jahren mit musikalischem Hochgenuss in einem spannenden Kontext. Früher brachte sie die Holzwände im Hamburger Golden Pudel Klub zum Beben, heute den Laufsteg bei der Lala Berlin Fashion Show. Mit Geschäftspartnerin Katrin Erichsen hat Aleks Musique Couture gegründet, eine Agentur für Musikberatung. Die beiden Berlinerinnen entwickeln maßgeschneiderte Konzepte und Playlisten für illustre Kunden wie das KaDeWe, Hotel Zoo oder Converse. Platten auflegen ist natürlich immer noch Aleks größte Leidenschaft, unter ihrem Synonym Bonnie war sie zuletzt einer der Residents in der King Size Bar.

Höchste Zeit also, sie in der Agentur und in ihrer eklektisch eingerichteten Dachgeschosswohnung in Prenzlauer Berg zu besuchen. An einem entspannten Berliner Freitagnachmittag kurz vor Partybeginn sprechen wir über Frauen in der Männerdomäne Techno, den Glamour des Musik-Business‘ und wie ihre lebenslange Liebe zur Musik entstanden ist.

Femtastics: Was ist deine früheste Erinnerung an Musik?

Aleks Skwarc: Meine Mutter hat immer für mich gesungen als sie mit mir schwanger war. Angeblich habe ich dann immer ganz wild im Bauch rumgehüpft. Mein Vater war Tontechniker und zu Hause lief immer viel traditionelle polnische Musik, aber auch Rock, Soul und Klassik.

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Musik ist für uns alle prägend, du hast Musik zu deinem Job gemacht. Wie kam es dazu?

1998 habe ich zum ersten Mal mit Musik Geld verdient, als ich bei Polygram – später Universal Music – als Praktikantin angefangen habe. Davor habe ich schon lange beim FSK Radio gemacht und im Hamburger Golden Pudel Klub oder auch in der Roten Flora aufgelegt. Alles mit ganz viel Leidenschaft und Liebe. Aus einem Idealismus heraus und immer mit einer gewissen Haltung.

Die da wäre?

Anti! Wir sind dagegen. Wir sind die Punks aus der Schanze und machen Sachen, die Andere nicht machen. Wir sind solidarisch und wir machen unser eigenes Ding. Ich war Teil des Flora-Kollektivs und fester Teil der Flora-Veranstaltungsgruppe. Zu der Zeit wohnte ich am Schulterblatt über dem Latte-Macchiato-Laden gegenüber.

 

Goldies „Inner City Life“ lief auf repeat, ich wollte dabei sein.

 

Dann hast du die Seiten gewechselt.

Damals habe ich mein Abi gemacht und gemerkt, dass Musik mein Leben bestimmt. Zu der Zeit habe ich sehr viel Musik aus UK wie DJ Shadow und DJ Krush auf Mo`Wax gehört und aufgelegt und wollte noch tiefer ins Musik-Business eintauchen und einen Blick hinter die Kulissen werfen. Goldies „Inner City Life“ lief auf repeat, ich wollte dabei sein.

Also nicht nur konsumieren, sondern mitwirken?

Genau. Ich wollte wissen, wie die ganze Kette funktioniert und habe eine Initiativbewerbung an Motor Music geschickt und habe sofort den Praktikumsplatz bekommen.

Wie glamourös bis nervenaufreibend ist das Musik-Business denn nun wirklich?

Es ist tatsächlich beides. In dem Moment, in dem du dich entscheidest, selbständig zu sein, dein eigener Chef zu sein, vielleicht eine Agentur zu gründen, hast du natürlich viel Freiheit. Du brauchst aber auch eine Menge Selbstdisziplin. Ich liebe meine Arbeit und mein Office in Berlin Mitte, aber ich muss auch wirklich hingehen. Auch Montags nach dem Sonntag im Berghain.

Und der Glamour?

Das sind dann natürlich so Abende wie heute, an denen ich mit Freunden im Grill Royal essen gehe, Champagner bestellen kann und in einem der besten Restaurants Berlins einfach eine schöne Zeit verbringe. Danach lege ich in der kleinen tollen Bar King Size auf und freue mich auf die Nacht.

Wie steht’s mit der Fashion Week Berlin, für die du Playlisten für Schauen entwickelst?

Wenn ich Musik für eine Fashion Show mache, fühle ich mich auch glamourös. Es ist eine Modenschau mit tollen, kreativen Menschen. Da wird viel Arbeit und Herzblut reingesteckt und das macht es so besonders. Meine Freundin Leyla Piedayesh macht das Label Lala Berlin, bei ihr sitzen Schauspieler und Freunde in der Frontrow. Wenn dann meine Mama die Heike Makatsch sieht, dann ist es der absolute Glamour.

 

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Wie kommt man auf die Idee, eine Agentur für Musikberatung zu gründen?

Meine Geschäftspartnerin Katrin Erichsen, mit der ich schon bei Universal zusammengearbeitet habe, hatte die Idee. Sie rief mich eines Tages an und sagte: „Aleksandra, ich habe einen Namen geträumt: Musique Couture. Und ich will das mit dir machen.“ Zu dem Zeitpunkt haben wir beide schon so lonely-pony-mäßig Musikberatung und -Konzeption gemacht. Es hat also nur Sinn ergeben, sich zusammenzutun. Seit 2014 ist mit Charlotte Goltermann auch noch eine der besten Musikmanagerinnen Deutschlands mit an Bord.

Wen beratet ihr alles?

Wir machen maßgeschneiderte Musik-Konzepte für Marken, Filme, Concept Stores bis hin zu Fashion Shows. Außerdem machen wir Bookings für DJ’s und haben einen Musikverlag gegründet.

Bei euch gibt es keine Musik von der Stange. Wie kommt ihr mit den Kunden auf einen Nenner?

Musik ist nicht nur die Komposition und der Text. Es gibt ganz viele Faktoren, die dazu führen, dass du einen Song als angenehm empfindest. Das ist die Physik und die Chemie des jeweiligen Tracks. Es gibt Harmonien, Dur und Moll, Stimmfarben, Timbres, Tempi. Beim Kunden ist es so, dass sie viele Stücke, die wir vorschlagen, nicht kennen.

Aber sie vertrauen euch.

Total! Wenn wir merken, dass der Track gut ins Konzept passt, dann wissen wir auch, dass er dem Kunden gefallen wird. Unsere Kunden wissen, dass wir einen guten Musikgeschmack haben.

Wie findet ihr eure Tracks?

Wir kaufen ständig neue Musik und gehen richtig in die Tiefe, um gute Stücke zu finden.

Gibt es überhaupt noch Neues?

Und wie! Ich entdecke jeden Tag neue Formen von Gesang oder Komposition. Man muss in die Tiefen des Internets abtauchen und wissen, welche Blogs relevant und welche Labels bei Soundcloud sind. Das Know-how muss man pflegen und am Ball bleiben. Anhören und aufsaugen.

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Sind Frauen weniger musikdiktatorisch unterwegs als Männer?

Das kann man so nicht sagen, das ist keine Frage des Geschlechts.

 

Es gibt sehr viele weibliche DJ’s, aber es ist nach wie vor total schwierig, gute Bookings für sie zu bekommen.

 

Warum gibt es deiner Meinung nach immer noch deutlich weniger weibliche DJ’s?

Schwieriges Thema. Tatsächlich sind in der Regel nur drei Prozent der Bookings, beispielsweise bei großen Festivals, weibliche DJ’s. Es gibt sehr viele weibliche DJ’s, aber es ist nach wie vor total schwierig, gute Bookings für sie zu bekommen.

Woran liegt das?

Ich glaube, das hängt damit zusammen, wie aktiv man ist und welche Ziele man sich setzt. Nina Kraviz oder Ellen Allien sind extrem erfolgreich und jetten um die ganze Welt. Es gibt aber vermutlich einfach weniger Frauen, die den eisernen Wunsch haben, DJ’s zu werden. Im Grunde kann ja jeder Idiot DJ sein. Du gehst auf den Flohmarkt, kaufst Platten und legst in der Bar von einem Kumpel auf. Dann bist du für eine Nacht ein DJ.

That’s all?

Nein. Im Grunde geht es natürlich darum, einen guten Musikgeschmack zu haben. Es geht auch um Mixing-Skills, klar. Trotzdem: Es gibt wenige sehr, sehr gute weibliche DJ’s und gerade das Techno-Business ist nach wie vor eine Männerdomäne.

Wie gehst du selbst damit um?

Bei uns gab es immer Vinyl und Plattenspieler zu Hause. Ich habe schon mit acht Jahren mit den Platten meines Vaters im Wohnzimmer für die ganze Familie aufgelegt. Mir kam es nie in den Sinn, DJ zu werden und das so profimäßig voranzutreiben. Es war eher etwas ganz Natürliches für mich. Ich war nie der DJ, der es supergeil findet, auf Festivals oder in Clubs vor Massen aufzulegen. Ich lege lieber in coolen Bars, netten Clubs oder eben auf Fashion Events auf.

Was ist mit Promi-DJ’s?

Die verbuchen wir auch für unsere Events, klar. Wenn Promis das gut können und charmant machen, so what!? D- oder C-Promis – am besten oben ohne – braucht natürlich trotzdem niemand.

Gibt es besondere Fähigkeiten, die man braucht, um im Musik-Biz bestehen zu können?

Kommunikation ist alles. Wenn du ein Konzept entwickelst, musst du auch eine Geschichte erzählen können. Du musst musikalisch sein, ein Gehör haben und einen Zugang zur Musik finden. Ich höre nicht nur House oder Techno, sondern sehr viel Klassik und habe viele Jahre Geige gespielt.

Und das hilft?

Ich kann nur allen Müttern raten, ihre Kinder in den Musik- und den Mathe-Unterricht zu schicken. Dann klappt es auch mit der Karriere im Musik-Business. (Lacht.)

Word. Das geben wir so weiter. Danke, Aleks!

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Musique Couture N°24 – Durch die Nacht by Musique Couture on Mixcloud

Hier findet ihr Aleks:

 

 Fotos: Janna Tode

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