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Mit Mitte 20 ein eigenes Fitnessstudio – Linda und Kaya Stork

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30. Juli 2015

Eigentlich wollten die beiden Schwestern Linda (23) und Kaya Stork (26) nach ihrem Studium nur eine gemeinsame Auszeit in den USA nehmen. Aus dieser Reise ist ein Unternehmen entstanden, das sie seit Oktober 2014 gemeinsam führen: BodyMethod, das auf der Lagree Fitness-Methode basiert. Wie funktioniert es, ein Fitnessstudio mit der eigenen Schwester zu führen? Wer sind ihre Kunden? Und wie kamen sie auf die Idee, das „Training der Hollywood-Stars“ nach Deutschland zu importieren? Wir besuchen die BodyMethod-Gründerinnen an einem heißen Juli-Tag in Lindas Wohnung in Hamburg-Eppendorf und in ihrem Studio. 

 

Femtastics: Ihr habt beide nichts mit Sport studiert, oder?

Linda Stork: Nein, wir kommen beide aus dem wirtschaftlichen Bereich. Ich habe International Business Management studiert. Kaya war erst in der Wirtschaftspsychologie, dann im Human Resource Management tätig, mit Schwerpunkt auf Entrepreneurship. Kaya hat ihren Bachelor und Master gemacht, ich habe kürzlich meinen Bachelor abgeschlossen.

Und was haben eure Eltern gesagt als ihr ihnen erzählt habt, dass ihr ein Fitnessstudio eröffnen wollt?

Kaya Stork: Mama fand‘s toll, wie Mamas so sind. Aber sie hatte uns auch in den USA besucht und wusste schon, worum es bei unserer Idee ging. Bei Papa war es so: „Ihr wollt eine Muckibude eröffnen?“ … Er war etwas verwundert.

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Linda hat nicht nur eine Leidenschaft für Sport, sondern auch für Mode …

Wie kamt ihr denn auf diese Idee? Ihr habt gerade schon eine USA-Reise erwähnt.

Linda: Wir waren Anfang 2014 für drei Monate in den USA, um uns eine kleine Auszeit zu nehmen. Für mich wäre es danach weiter ins Master-Studium gegangen, für Kaya in die Jobsuche. Wir haben in Santa Monica gewohnt und sind in unserer ersten Woche an einem „Lagree Fitness“-Studio vorbeigelaufen. Wir kannten es ein bisschen aus der internationalen Presse als das Workout der Stars und Models. Wir sind reingegangen und wollten eine Probestunde ausmachen und lustigerweise war die Mastertrainerin da, die auch für die internationale Lizenzierung zuständig ist. Wir haben sie kennengelernt und haben angefangen, selbst zu trainieren. Von der ersten Stunde an waren wir begeistert und wir haben uns gefragt: Warum gibt es das nicht in Deutschland? Irgendwann sagte die Cheftrainerin zu uns: Macht doch ein Studio in Hamburg auf. Und dann haben wir uns Gedanken darüber gemacht.

Für Lagree Fitness braucht es ja nicht nur die Methoden, sondern auch Geräte. Habt ihr die aus den USA importiert?

Kaya: Ja, die Geräte werden in den USA gebaut und die haben wir mit der Lizenz gekauft. Wir haben acht Geräte nach Deutschland geschifft.

Wann ist denn für euch die Entscheidung gefallen, dass ihr es machen wollt?

Linda: Noch in den USA. Als wir in Deutschland waren, mussten wir erst einmal unseren Papa überzeugen und die finanzielle Situation für uns checken. Und nach einer Immobilie suchen.

Das ist in Hamburg ja nicht einfach.

Linda: Wir hatten einen Glücksgriff.

Kaya: Die Immobilie hat uns gefunden. Wir waren eigentlich noch gar nicht soweit. Einen Tag bevor wir die Lizenzverträge in den USA unterschrieben haben, haben wir die Immobilie in Hamburg gefunden und genommen. Das war schon mutig von uns – aber wir wussten, dass die Immobilie passt.

War das Stadtviertel wichtig für euch?

Kaya: Ja, wir haben in Eppendorf und Winterhude gesucht und Winterhude ist letztlich perfekt, weil es hier ein gemischtes Publikum gibt – von jüngeren Pärchen über Singles bis zu Familien und älteren Menschen. Und wir wollten ein gemischtes Publikum.

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Noch einmal zurück zur Gründung – für die Lizenz und den Kauf der Geräte brauchtet ihr doch sicher ein gewisses Startkapital. Wie habt ihr das geregelt?

Kaya: Wir hatten selbst etwas Erspartes, das wir nutzen konnten. Und hätten wir uns den Rest nicht von der Familie leihen können, wären wir auch zur Bank gegangen, um einen Kredit aufzunehmen. Geld von der Familie zu leihen, ist der schönere Kredit, aber es löst auch nicht weniger Druck aus …

Linda: Aber einen guten Druck. Man ist doppelt und dreifach motiviert. Wir wollen es Papa jetzt auch beweisen. Und er ist schon ziemlich stolz auf uns.

Hatte ihr selbst keine Angst vor dem Schritt?

Kaya: Unser Bauchgefühl hat gestimmt. Wir waren uns, warum auch immer, so sicher, dass es funktionieren würde. Wir hatten eher Angst, dass es jemand Anderes macht, wenn wir es nicht machen. Das wäre das Schlimmste für uns gewesen.

Linda: Und auch wenn wir nur ein Vierteljahr in den USA waren, hat uns das schon beeinflusst. Die Denkweise. Man muss sich etwas trauen. Außerdem glauben wir ans Schicksal.

 

Das Tolle daran, mit der eigenen Schwester zusammen zu arbeiten, ist das Vertrauen. Wir vertrauen uns blind.

 

Ihr meint, es war kein Zufall, dass ihr an diesem Studio in den USA vorbeigelaufen seid?

Linda: Nein. Auch die Tatsache, dass wir die Mastertrainerin direkt kennengelernt haben, war kein Zufall.

Kaya: Und das hat sich hier fortgesetzt. Es hat sich alles gefügt.

Ihr seid jetzt ein Dreivierteljahr auf dem Markt. Wie beurteilt ihr die Lage?

Linda: Wir sind jetzt raus aus den Babyschuhen. Lange noch nicht da, wo wir hinwollen, aber wir sind auf einem sehr guten Weg.

Kaya: Wir haben auch viele tolle Kunden, die von Anfang an offen waren.

Das wollte ich euch fragen. Wie offen sind denn die Hamburger für neue Fitness-Trends?

Kaya: Ziemlich offen, zumindest was unsere Kunden angeht. Zu uns kommen Frauen wie Männer aus unterschiedlichen Altersgruppen. Etwas mehr Frauen als Männer, aber vielleicht machen Frauen generell mehr Sport als Männer – zumindest bei Gruppensport. Die Männer, die sich trauen, BodyMethod auszuprobieren, sind in der Regel aber begeistert.

Linda: Am Anfang kamen viele sehr junge Kunden zu uns und jetzt kommen auch immer mehr ältere.

Wenn man in den Trainingsplan schaut, sieht man: ihr arbeitet an sechs Tagen pro Woche …

Kaya: Jetzt sind es sechs Tage, anfangs waren es sieben Tage pro Woche.

Linda: Wir haben nach einem halben Jahr gemerkt, dass es zu sehr schlaucht. Klar muss man am Anfang besonders viel arbeiten und das wollen wir auch, aber man braucht einen Tag Pause pro Woche.

Ihr macht ja auch alles, oder? Ihr gebt nicht nur Kurse, sondern managet das Unternehmen auch …

Kaya: Ja und das schlaucht schon. Es gibt einem auch viel Energie, aber an einem Tag pro Woche muss man die Batterien wieder aufladen. Zum Beispiel Yoga machen – oder mal versuchen, einen halben Tag lang nichts zu machen.

Linda: Ich kann das sehr gut. Ich bin dann einen halben Tag lang nur auf der Couch.

Kaya: Ich kann das leider überhaupt nicht.

 

Ein Kunde hat neulich gesagt: „Ihr seid aber auch immer hier!“ und die Frage kam mir total komisch vor. Ich dachte nur: Warum denn auch nicht? Wo sollen wir denn hin?

 

Trainiert ihr denn auch selbst in eurem Studio? Oder seid ihr froh, wenn ihr mal raus kommt?

Kaya: Ja, wenn mal ein Platz in einem Kurs frei bleibt, trainieren wir gerne mit.

Linda: Wir versuchen, ab und zu gegenseitig in unsere Kurse zu gehen, wenn es geht.

Ihr habt also noch Spaß an dem Training?

Linda: Total! In den letzten Monaten hat sich kein einziger Tag wie Arbeit angefühlt.

Kaya: Ein Kunde hat neulich gesagt: „Ihr seid aber auch immer hier!“ und die Frage kam mir total komisch vor. Ich dachte nur: Warum denn auch nicht? Wo sollen wir denn hin? (lacht) Wir fühlen uns in unserem Studio auch total wohl, wir haben alles so gestaltet wie wir es haben wollten. Es ist wie ein zweites Zuhause.

Ich kann mir vorstellen, dass es gar nicht so leicht ist, ein Unternehmen mit seiner Schwester zu führen. Wie läuft das für euch?

Kaya: Darüber haben wir uns, ehrlich gesagt, gar keine Gedanken gemacht. Wir haben uns immer gut verstanden, aber ich hätte vor zwei Jahren auch nicht gedacht, dass wir beide mal ein Unternehmen zusammen gründen werden.

Linda: Das war nie die Planung.

Kaya: Aber wir hatten in den USA eine sehr intensive Zeit mit einander, wir haben jeden Tag 24 Stunden miteinander verbracht. Und das hat noch besser geklappt als wir gedacht hätten. Es gab gar keine Reibungspunkte. Außerdem haben wir Lagree Fitness zusammen entdeckt. Ich weiß nicht, wie es gewesen wäre, wenn nur eine von uns das Training kennengelernt hätte …

Linda: Wir haben es zusammen kennen und lieben gelernt und haben immer zusammen trainiert.

Kaya: Deshalb war der Grundstein gut.

Linda: Das Tolle daran, mit der eigenen Schwester zusammen zu arbeiten, ist das Vertrauen. Wir vertrauen uns blind.

Kaya: Ja, das ist echt Luxus.

Linda: Und wir ergänzen uns gut.

Schafft ihr es denn noch, Privates und Arbeit zu trennen? Oder redet ihr auf Familientreffen jetzt auch immer über BodyMethod?

Kaya: Wir driften oft auf das Thema ab.

Linda: Manchmal will ich aber auch nicht über das Thema reden. Die Arbeit nimmt so viel Zeit ein, manchmal brauche ich eine Auszeit. Oft kommt man am Ende dann aber doch wieder auf BodyMethod zu sprechen.

Kaya: Gerade stecken wir ja auch noch in der heißen Phase, da denkt man halt viel über das Thema nach.

 

Das Ziel ist definitiv, zeitnah mindestens ein weiteres Studio in Hamburg zu eröffnen

 

Habt ihr eine Vision, wohin es gehen soll?

Beide gleichzeitig: Ja.

Kaya: Das Ziel ist definitiv, zeitnah mindestens ein weiteres Studio in Hamburg zu eröffnen. Wir bekommen auch von den Kunden die Rückmeldung, dass es ein weiteres Studio in einer anderen Ecke geben soll. Es ist schließlich schön, ein Fitnessstudio in der Nähe zu haben. Das hat auch unsere Anfangsphase bestätigt. Da kamen unsere Kunden wirklich aus dem Umkreis von vier Straßen rund um unser Studio. Wir sind aus unserer Umgebung heraus gewachsen.

Linda: Aber unsere allererste Kundin haben wir über Instagram gefunden. Die hat uns schon vor unserer Eröffnung angeschrieben und gesagt, dass sie gerne vorbeikommen will.

Funktionieren Social Media als Werbekanäle gut für euch?

Linda: Ja, Instagram und Facebook funktionieren sehr gut für uns. Die betreuen wir auch selbst.

Kaya: Es fällt uns auch leicht, die Posts zu machen, weil wir selbst voll im Thema stecken. Wir teilen, was wir täglich erleben.

Linda: Man lernt auch schnell, welche Posts am beliebtesten sind. Wir merken, dass die Kunden uns sehen wollen. Selfies bekommen die meisten Likes.

Kaya: Ja, die Menschen freuen sich über Persönliches.

Ihr seid ja auch gute Aushängeschilder für euer eigenes Unternehmen.

Kaya: Das hebt uns auch von anderen Fitnessstudios ab. In anderen Studios hast Du in der Regel keinen persönlichen Ansprechpartner. Bei uns wissen die Kunden: Linda und Kaya sind BodyMethod.

Linda: Es ist eine kleine Community.

Kaya: Wir sagen auch immer, dass wir uns zwischen einem normalen Fitnessstudio und einem Personal Trainer befinden. Einerseits preislich, aber auch, was die Betreuung betrifft. Wir sehen unsere Kunden in der Regel alle zwei, drei Tage.

Linda: Es sind auch schon erste Freundschaften entstanden – auch zwischen den Kunden untereinander.

Trainieren eure Eltern denn auch bei euch?

Linda: Mami kommt einmal die Woche. Papa haben wir noch nicht auf ein Gerät bekommen.

Kaya: Der steht eher auf Motorsport (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch!

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Ihr BodyMethod Studio haben sich Kaya und Linda ganz nach ihrem Geschmack eingerichtet – inklusive Sofaecke.

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Hier findet ihr Linda und Kaya:

   

Fotos: Mirjam Klessmann

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