In Kryptowährungen investieren: Finanzexpertin Elisa Spiess von „FemmeCapital“ verrät, wie es geht

10. Januar 2022

Durch Zufall ist Elisa Spiess durch einen Mitbewohner in Berlin vor mittlerweile fast zehn Jahren auf das Thema Krypto gestoßen. Nach anfänglich kritischer Haltung hat sie sich dennoch peu à peu mit dem Thema auseinandergesetzt – und konnte sich für die Vision dahinter begeistern. Mit „FemmeCapital“ möchte sie anderen Frauen den mühsamen und holprigen Weg in die Krypto-Welt ersparen und sie vor Fehlern bewahren, die sie selbst bereits gemacht hat. Ihr Start-up stattet Frauen dazu in Online-Workshops mit ausreichend Wissen aus, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Elisa vertraut darauf, dass das finanzielle Empowerment von Frauen auf diesem Weg weitaus nachhaltiger ist und gibt daher keine Anlageberatungen oder Kaufempfehlungen.

femtastics: Elisa, lass uns mit den Basics beginnen. Was verbirgt sich eigentlich hinter der Blockchain-Technologie und Kryptowährungen?

Elisa Spiess: Die Kryptowährungen würde es nicht geben, wenn wir keine Blockchain-Technologie hätten. Eine „Blockchain“ ist eine dezentrale Datenbank, die öffentlich und komplett transparent ist. Bisher sind Datenbanken zentralisiert verwaltet worden, in vielen Fällen von Banken, wenn es zum Beispiel um das Finanzsystem geht. In einem zentralisierten System gibt es immer einen Mittelsmann oder einen Intermediate, dem beide Seiten vertrauen müssen, wenn sie in irgendeiner Form einen Vertrag oder Abmachung eingehen wollen. Bei Blockchain gibt es diese Mittelsmänner nicht mehr, ich kann dir beispielsweise jetzt einen Bitcoin schicken und der ist dann in paar Minuten bei dir.

Wichtig ist zu wissen, was man tut. Dann kann man auch aushalten, wenn die Kurse einbrechen, um später wieder erfolgreich daraus hervorzugehen.

Und glaubst du, jede*r sollte in Kryptowährungen investieren? Oder für wen lohnt es sich?

Theoretisch kann jede*r in Kryptowährungen investieren. Die Informationslage ist im Moment relativ wild und damit ist es nicht so leicht zu erkennen, was die wirklich guten und seriösen Projekte sind. Man sollte auch ernsthaft überlegen, was man investieren kann und inwiefern man eben auch diversifizieren möchte, wie mit ETFs, Aktien, Gold und Co. Wichtig ist zu wissen, was man tut. Dann kann man auch aushalten, wenn die Kurse einbrechen, um später wieder erfolgreich daraus hervorzugehen. Wer die Krypto nicht verstehen und sich damit nicht auseinandersetzen will, sollte nicht investieren.

Bitcoins zu kaufen, ist nicht schwierig. Viel wichtiger ist, sich zu fragen: Wie kann ich meine Kryptowährungen sicher aufbewahren? Was ist eigentlich, wenn mein Account gehackt wird? Wie kann ich mich vor Betrug schützen?

Angenommen, ich möchte einsteigen und anfangen zu investieren. Wo starte ich?

Ich sage immer: lesen, lesen, lesen. Sich einen Account bei einer Krypto-Börse zu machen, ist nicht schwierig, das ist so wie einen Facebook Account zu eröffnen. Ich empfehle die Plattformen „Kraken“ oder „Coinbase“, weil hier das Interface sehr gut für Anfänger*innen geeignet ist. Bitcoins zu kaufen, ist ebenfalls nicht schwierig. Viel wichtiger ist, sich zu fragen: Wie kann ich meine Kryptowährungen sicher aufbewahren? Was ist eigentlich, wenn mein Account gehackt wird? Wie kann ich mich vor Betrug schützen?

Elisa Spiess hat Ethnologie, Politologie und Soziologie studiert und 2020 „FemmeCapital“ gegründet. Sie lebt in Grünwald.

Langfristig gibt es viele Projekte, die meines Erachtens viel spannender als Bitcoin sind und ein viel größeres Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten bieten.

Wie entscheide ich mich für eine Kryptowährung?

Das ist etwas ganz Individuelles und Persönliches und kann jede*r nur selbst entscheiden. Ich finde allerdings Beratungskonzepte schwierig, denn dann ist man selbst immer abhängig davon, dass jemand einen berät. Ich glaube, es ist wichtig, dass man seine eigenen Entscheidungen treffen kann, weil wir letzten Endes selbst die Suppe auslöffeln müssen, im Positiven wie im Negativen. Jemand, der Kinder hat und kranke Eltern, für die er oder sie sorgen muss, hat zudem sicherlich ein anderes Risikobewusstsein als jemand, der gerade als Single mit Mitte 20 in sein Berufsleben startet.

Frage dich: Was macht eigentlich dieses Krypto-Projekt oder diese Kryptowährung? Und wo ist der Sinn und der Nutzen? Und wenn du keinen Sinn oder Nutzen findest, dann ist es wahrscheinlich nicht so ein cleveres Investment.

Man kann sich also nicht einfach darauf verlassen, die zehn- oder fünftgrößten Kryptowährungen zu kaufen. Man muss wirklich verstehen, was dahinter steht.

In welche Kryptowährungen hast du investiert und wann hast du damit angefangen?

Ich möchte keine Kaufentscheidungen beeinflussen und zeige mein Portfolio daher nicht. Aber so viel kann ich sagen: Ich habe circa 2015 mit meinen Investitionen in Ethereum angefangen, weil ich das einfach wesentlich spannender fand als Bitcoin. Ich glaube schon, dass Bitcoin seine Vormachtstellung noch eine ganze Weile halten wird. Langfristig gibt es viele Projekte, die meines Erachtens viel spannender sind und ein viel größeres Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten bieten. Für den täglichen Gebrauch wird es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit andere Kryptowährungen geben, die zum Beipsiel weniger Energie verbrauchen, schneller Transaktionen abwickeln können und stabiler im Wert sein werden.

Andersherum gibt es allein in den Top 10 einige, die ich überbewertet finde. In meinen Augen haben nicht unbedingt alle eine Rechtfertigung, so erfolgreich zu sein und dass da so viel Geld darin steckt. Es gibt Kryptowährungen, die letztes Jahr noch unter den Top 10 waren und jetzt schon fast irrelevant geworden sind. Man kann sich also nicht einfach darauf verlassen, die zehn- oder fünftgrößten Kryptowährungen zu kaufen. Man muss wirklich verstehen, was dahinter steht, um auch zu erkennen, ob das Investieren Sinn ergibt.

Mein Tipp: Suche dir Krypto-Projekte in Branchen oder zu Themen, die dich interessieren und die du verstehst.

Auch hier gilt wieder, selbst zu recherchieren?

Genau. Also es gibt einen ganz großen Slogan in der Krypto-Welt, der heißt „dyor“, also „do your own research“. Folge nicht der oder dem YouTuber*in, der oder die dir gerade verspricht, dass diese fünf Assets nächste Woche pumpen werden. Die haben alle keine Kristallkugel und meines Erachtens ist die Krypto-Welt viel zu jung, als dass wir jetzt ernsthaft die Entwicklung der letzten zehn Jahre auf die aktuelle Situation ansetzen können. Frage dich: Was macht eigentlich dieses Krypto-Projekt oder diese Kryptowährung? Und wo ist der Sinn und der Nutzen? Und wenn du keinen Sinn oder Nutzen findest, dann ist es wahrscheinlich nicht so ein cleveres Investment.

Mein Tipp: Suche dir Krypto-Projekte in Branchen oder zu Themen, die dich interessieren und die du verstehst. Vielleicht interessierst du dich für den Klimawandel, dann ist „Klima Dao“ vielleicht ein spannendes Projekt, das den Preisanstieg von CO2-Zertifikaten beschleunigen möchte. Ein hoher Preis für solche Zertifikate zwingt Unternehmen nämlich dazu, sich schneller an den Klimawandel anzupassen. Auch im Bereich Konsumgüter gibt es spannende Projekte. „Lukso“ zum Beispiel ermöglicht es, digitale Echtheits- und Eigentumszertifikate von Luxusgüter sicher zu empfangen, zu speichern und zu senden.

Stichwort Recherche: Hast du Tipps für Bücher, Websites oder Podcasts?

Eine Buchempfehlung ist „Token Economy“ von Shermin Voshmgir, das ist eines der Basic Werke und super! Ansonsten würde ich wirklich aktuelle Dinge im Internet lesen. Meine Lieblingsquellen sind auf Englisch und auch nicht unbedingt Einsteiger*innen-Futter. Aber wer trotzdem Lust hat sich damit auseinanderzusetzen, dem empfehle ich „Bankless“, das ist ein Podcast und ein Newsletter oder den Podcast „Unchained“ von Laura Shin, die erste Vollzeit-Krypto-Journalistin, die für „Forbes“ gearbeitet hat. „The Block“ ist ein Newsletter, den ich auch empfehlen kann. Und wenn man die drei im Blick hat, dann ist man immer gut informiert.

Dass Bitcoin in Europa den Euro ersetzt, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ganz anders kann das allerdings in Ländern mit sehr schwachen Währungen aussehen.

Danke für die Tipps, Elisa. Glaubst du, Kryptowährungen können in Zukunft Landeswährungen ersetzen? El Salvador hat ja Bitcoin zum Beispiel im September 2021 als erstes Land der Welt als Zahlungsmittel zugelassen.

Da muss man ganz stark differenzieren. Es wird sicherlich in nicht allzu ferner Zukunft einen digitalen Euro geben. Dass aber zum Beispiel Bitcoin in Europa den Euro ersetzt, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ganz anders kann das allerdings in Ländern mit sehr schwachen Währungen aussehen. Wenn du in Brasilien lebst und der brasilianische Real gerade wieder um 20 oder 30 Prozent eingebrochen ist, hast du eine Alternative. Das ist für die Bürger*innen sehr attraktiv. El Salvador möchte sich damit natürlich auch ein bisschen absetzen. Ich glaube, dass wir letzten Endes digitale, nationale Währungen haben, zum Beispiel einen digitalen Euro und dieser höchstwahrscheinlich von einer zentralen Instanz wie der „EZB“ ausgegeben wird und der Rechtsstaat die Oberhand hat.

Ich glaube, dass uns das Thema Krypto nicht nur begleiten wird, sondern dass es ein ganz, ganz großer Teil in unserem Leben sein wird.

Und wenn du zum Thema Kryptowährungen in die Zukunft schaust? Welche Entwicklung zeichnet sich ab?

Ich glaube, dass uns das Thema Krypto nicht nur begleiten wird, sondern dass es ein ganz, ganz großer Teil in unserem Leben sein wird. Bei vielen, ohne dass sie es wissen. Etwa so, wie wir heutzutage Apps oder 3G verwenden, ohne dass wir uns immer bewusst darüber sind, wie sie genau funktionieren. In der Kunstwelt, im Gesundheitswesen, im Gaming, im Bereich Filme und interaktive Medien sehe ich viel Potenzial, die Anwendungsfälle sind nahezu unbegrenzt.

Und wo geht es mit „FemmeCapital“ hin?

Es ist uns ein großes Anliegen, die Inhalte international und damit auch Frauen anbieten zu können, die nicht unbedingt in einem Land wie Deutschland und damit bezogen auf die Stabilität des Finanzsystems unter einer Käseglocke leben wie wir. Ab jetzt gibt es die Workshops deswegen sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch, genau wie Linklisten, Chatrooms und die Events mit Gäst*innen.

Danke Elisa für deine Zeit und die spannenden Einblicke!


Hier findet ihr „FemmeCapital“:


Text: Katharina Heilen


Fotos: „FemmeCapital“

Disclaimer: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar

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