Mia Martins Wohnung ist rund – und ein Bauhaus-Traum!

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7. September 2020

Unternehmerin Kristina (Mia) Maria Martin, 33, lebt in einer runden Wohnung – etwas ganz Besonderes! Die ungewöhnliche Form der Immobilie hat Mia nicht davon abgehalten, sich in München mit ihrem Freund und ihren bald vier Hunden eine wunderschöne Oase mit großer Dachterrasse zu schaffen. Im Gegenteil! Das komplette Wohnhaus hat eine Zylinderform. Die Kernsanierung war dementsprechend eine große Herausforderung. Mit viel Liebe für Farben, Textur und besonderen Einzelstücken hat Mia ihre Wohnung gestaltet und dabei die ursprüngliche Idee des Architekten nie vergessen: Er liebte Bauhaus. Mia hat uns in ihr einzigartiges Zuhause eingeladen, von der interessanten Sanierung erzählt, über die Inspiration für ihre Einrichtung gesprochen und uns verraten, wie es für sie war, schon mit Mitte zwanzig eine erfolgreiche Kreativagentur zu gründen und wieso sie mit Anfang dreißig die Geschäftsführung abgegeben hat.

Ich war schockverliebt. Total. Ich habe mir davor bestimmt 40 Wohnungen angeschaut und als ich hier reinkam, wusste ich einfach: Das ist es.

Mia Martin wohnt mit ihrem Freund und bald vier Hunden in München.

femtastics: Deine Wohnung ist rund. Wie kamst du zu diesem ungewöhnlichen Objekt?

Mia Martin: Gefunden habe ich die Wohnung über einen Makler. Es gab einige Interessenten, aber nicht viele. Die Wohnung war in so einem schlechten Zustand, den meisten Leuten fehlte die Vorstellungskraft. Wer in so ein Haus zieht, kann keine Standardmöbel kaufen. Es ist sehr ungewöhnlich, sowas einzurichten. Man muss es sich ein bisschen so vorstellen, als würde man auf einer Pizza Tetris spielen. Es ist wirklich schwer, individuelle Möbel zu finden. Der Aufwand, so eine Wohnung auch noch zu renovieren, war den meisten zu groß.

Was war dein erstes Gefühl, als du hier reingekommen bist?

Ich war schockverliebt. Total. Ich habe mir davor bestimmt 40 Wohnungen angeschaut und als ich hier reinkam, wusste ich einfach: Das ist es. Alle Leute haben mir davon abgeraten. Sachen wie „schlecht isoliert“ und „hier ist bestimmt irgendwo Asbest“ wurden gesagt. Es gab große Skepsis, auch in der Familie. Und jetzt sind alle begeistert.

Der Eckbank-Sideboard-Raumteiler wurde mit viel Liebe einbetoniert.

Der Erbauer war ein totaler Bauhaus-Freak und hat sich zusätzlich von dem berühmten BMW-Vierzylinder-Gebäude in München inspirieren lassen.

Was weißt du über die Geschichte des Hauses? Es ist ja vom Bauhaus inspiriert …

Ich glaube tatsächlich, dass der Erbauer so eine Art Hobby-Architekt war. Er war wohl ein totaler Bauhaus-Freak und hat sich zusätzlich von dem berühmten BMW-Vierzylinder-Gebäude in München inspirieren lassen. Der große Turm, der ungefähr zur gleichen Zeit entstanden ist. An den beiden Häusern mit jeweils vier Wohnungen war ursprünglich noch ein Tennisplatz und ein Pool. Es war seine Vision, ein Haus für die besseren, betuchten Münchner zu schaffen, die ein bisschen aus der Innenstadt raus wollen. Soweit ich weiß, hat er nach dem Bau in einer der Wohnungen gelebt, bevor er gestorben ist. Nach und nach wurden die Wohnungen verkauft. Aktuell wohnt niemand der ursprünglichen Besitzer hier.

Mia kombiniert das „Pyllow“ Sofa von „Mycs“ zu einem Berberteppich und dem Tisch „Enoki“ von „e15“.

Weißt du, was mit dem Tennisplatz und dem Pool passiert ist?

Sie hatten irgendwann wohl kein Geld mehr und haben das Grundstück verkleinert. Man sieht jetzt auch außen an den Gebäuden, der Lack ist ein bisschen ab. Wir sind eine super nette Eigentümergemeinschaft. Wir kümmern uns gemeinsam um den großen Garten und besprechen die Gestaltung der Fassade. Von der 82-jährigen Uschi von gegenüber bis zur jungen Familie aus dem Irak, die gerade nach Deutschland gekommen sind. Es ist super harmonisch. Ein-, zweimal im Jahr machen wir ein Gartenfest.

Die Küche sollte eigentlich durch einen hohen Raumteiler vom Wohnzimmer getrennt werden, Mia hat sich dann aber doch entschlossen, alles offen zu lassen.

Die Vase ist von „Hay“.

Man muss einfach in einem Raum leben und ihn spüren. Dann kann man Einrichtungsentscheidungen besser treffen.

Hast du vor der Renovierung eine feste Vision gehabt, wie die Wohnung am Ende aussehen sollte?

Ich hatte einiges geplant, hauptsächlich die großen Möbel. Ich hatte mir vorgenommen, den großen Wohnraum aufzuteilen, damit er eine gewisse Struktur bekommt. Ursprünglich dachte ich, ich will einen Glas-Stahl-Trenner, aber die Renovierung hat gedauert. Bis alles gekommen wäre, hatte ich alles fünfmal geändert. Heute bin ich sehr froh. Hätte ich alles schon von vornherein eingerichtet, wäre es jetzt nicht so. Ich finde, man muss einfach in einem Raum leben und ihn spüren. Dann kann man die Entscheidungen besser treffen. Ich habe gelernt, dass man keine Angst vor großen Möbeln haben darf: Es gibt den Trugschluss, kleine Räume vertragen nur kleine Möbel, weil es nicht so schwer wirkt. Aber dann wird es schnell unruhig. Das Sofa ist eigentlich riesig für den Raum. Es wirkt aber nicht so. Das ist eins meiner größten Learnings.

Ihr habt eine einjährige Kernsanierung hinter euch: Was war die größte Baustelle in dieser Zeit?

Die kompliziertesten Sachen sind immer die, die man nicht sieht. Wir hatten zum Beispiel im Badezimmer einen Gutachter da. Er meinte: kein Schimmel, kein Asbest, alles gut. Als dann der Badezimmersanierer die erste Fliese weggeklopft hat, ist die Wand dahinter zu Staub zerfallen. Sie war komplett vom Schimmel zersetzt. Das hieß: Wir mussten alles komplett entkernen und eine recht aufwendige Schimmelsanierung machen. Ewig haben wir nach dem Leck gesucht. Irgendwo musste Wasser eingetreten sein. Dann kam raus: Die Dame, die hier vorher gewohnt hat, war ungefähr 1,40 groß. Sie ist nicht an das hohe Badezimmerfenster gekommen und hat dreißig Jahre das Bad nicht gelüftet. Deshalb war die Badsanierung dann das Aufwendigste. Ich wollte zum Beispiel die Toilette gerne nach hinten versetzen, aber wegen der Anschlüsse ging es nicht. Dann habe ich einfach eine grüne Toilette ausgesucht. Jetzt ist sie wenigstens ein optisches Highlight.

Die goldene Spüle ist von „Reginox.“

Das Bild links ist von Mike Klar, den wir hier in seiner schön bunten Wohnung besucht haben.

War es schwer, Handwerker und Spezialisten zu finden, die keine Angst vor diesem ungewöhnlichen Objekt haben?

Wir hatten Kontakt mit einigen Bauunternehmern, die auch Kernsanierungen machen. Einer von ihnen kam zum Beispiel rein und meinte, also er könnte hier kein Angebot schreiben, weil in seinen Augen das Haus eh gleich einstürzen würde.

Man muss Leute finden, die einen in seiner Vision unterstützen.

Tatsächlich. Wir hatten sehr viel Glück mit unserem Schreiner. Hier sind die Böden überhaupt nicht gerade und alle abschüssig. Von der Mitte des Grundrisses bis zur Außenwand sind es sechs Zentimeter Unterschied. Der Boden hat sich im Lauf der Jahre gesenkt. Das muss in den Möbeln alles ausgeglichen werden und er hatte richtig Lust auf dieses Projekt.

Mitte zwanzig hat Kristina Mia Martin eine erfolgreiche Kreativagentur gegründet und mit Anfang dreißig die Geschäftsführung abgegeben.

Wir wussten, dass es ein Bauhaus-Gebäude ist und sind mit der ganzen Familie nach Israel gereist. Ich hatte Lust, mich von Tel Aviv inspirieren zu lassen und habe auch eine Bauhaus-Führung gemacht.

Ultramarin ist eine der Lieblingsfarben, die Mia in ihrer Wohnung verwendet hat. Die Lampe über dem Bett stammt von „Market Set“.

Du hast wunderschöne Heizkörper aus Marmor. Wie funktioniert dieses System?

Ich habe mich sehr viel mit dem Thema Heizen beschäftigt. Es ist eine Infrarotheizung. Es ist der gleiche Effekt wie eine Infrarotlampe. Die Marmorplatten geben eine sehr schöne, angenehme Wärme ab. Die Platten habe ich bestellt und perfekt angepasst. Es wird mit Strom betrieben. Die Heizung war erstaunlicherweise nicht viel teurer als ein normales Heizsystem.

Hast du dich bei der Einrichtung mit den Bauhaus-Regeln beschäftigt?

Wir wussten, dass es ein Bauhaus-Gebäude ist und sind mit der ganzen Familie nach Israel gereist. Ich hatte Lust, mich von Tel Aviv inspirieren zu lassen und habe auch eine Bauhaus-Führung gemacht. Die vielen Rundungen, die Dachgärten, die berühmten Regeln von Le Corbusier, die eine Säule, die das ganze Haus hält, keine tragenden Wände. Ich habe dort viel gelernt. Ich habe mich sehr vom Tel-Aviv-Flair inspirieren lassen. Das Helle, die vielen Pflanzen, ein bisschen Siebziger-Style. Ich wollte nicht, dass die Wohnung ihre Seele verliert, die der Architekt ursprünglich mal gesehen hat.

Mut zur Farbe ist bei vielen eine Bürde im Kopf, die man durchbrechen muss.

Wo hast du deine Möbel gefunden? Bei Designern oder Second Hand?

Es ist eine Kombination. Ich bin ein großer Fan von Second-Hand-Shopping und eBay-Kleinanzeigen, aber ein paar Stücke habe ich mir neu gekauft. Zum Beispiel den grauen Bold-Chair. Ansonsten viel Second Hand. München ist da ein guter Ort für.

Warum?

Es hört sich im ersten Moment komisch an, aber hier gibt es viele Menschen, die aus großen Villen ausziehen und einfach ihr Zeug loswerden wollen. Zum Beispiel mein großer Spiegel über dem Sofa. Der ist von „Gervasoni“, aber er war mir neu immer viel zu teuer. Er war unter den Schlagworten „Spiegel, rund“ auf eBay inseriert. Solche Sachen findet man natürlich nur durch Zufälle und man muss wissen, was genau es ist. Es macht Spaß, ein bisschen auf Schatzsuche zu gehen.

Mia ist Veganerin und arbeitet gerade an einer veganen Start-up-Idee!

Wie sah dein Farbkonzept aus?

Ich hatte kein wirkliches Konzept, es wurde immer bunter. Ich habe mich sehr stark von einem tollen Instagram-Account inspirieren lassen: Mike Klar. Er hat eine wunderschöne Wohnung in Berlin und wurde auch schon bei euch auf homtastics.com vorgestellt. Mut zur Farbe ist bei vielen eine Bürde im Kopf, die man durchbrechen muss. Viele sind mit Farben zögerlich und haben Angst, verschiedene Farben miteinander zu kombinieren. In meiner Wohnung kombiniere ich gelb, terrakotta, grün, rosa, blau. Trotzdem kommt man hier nicht rein und denkt: Oh, Villa Kunterbunt.


Woher ziehst du deine Inspiration für die Einrichtung?

Ich liebe schöne Bildbände, zum Beispiel „Who is afraid of pink, orange and green“, Literatur und ein klein bisschen Pinterest. Wobei das Fluch und Segen sein kann. Bei Pinterest wird man schnell von Bildern erschlagen und verliert sich sehr. Alles wirkt wunderschön. Ab einem gewissen Punkt muss man aufhören.

Irgendwann ist der Algorithmus zu gut. Es werden einem nur die ewig gleichen Sachen angezeigt.

Richtig und man findet nicht immer die Quellen. Ich sehe etwas, weiß aber nicht, wo ich es herkriegen kann. Ab einem gewissen Punkt muss man bei der Einrichtung einfach auf sein Bauchgefühl hören. Es geht schnell, auf Instagram eine tolle Lampe zu sehen, die man dann irgendwann unbedingt haben will. Manchmal macht man die App zu und ist unglücklicher als vorher. Dieses ständige Vergleichen. Die Wertschätzung für die eigenen Dinge geht schnell verloren.

Die blauen Eyecatcher-Stühle sind von „Petite Friture“.

Ich liebe Marrakesch. Ich finde es sehr inspirierend, wie anders die Uhren dort ticken. Statussymbole haben dort keinen Wert und Zeit ist eine ganz andere Einheit als in Deutschland.

Woher kommt deine Affinität für Marokko?

Ich war oft dort. Ich liebe Marrakesch. Ich finde es sehr inspirierend, wie anders die Uhren dort ticken. Statussymbole haben dort keinen Wert und Zeit ist eine ganz andere Einheit als in Deutschland. Ich habe mittlerweile schöne Freundschaften in Marokko und engagiere mich dort für den Tierschutz. Unsere vierte Hündin, die bald kommt, ist auch eine kleine Marokkanerin. Ich unterstütze dort eine Freundin, die eine kleine Hunde-Rettungsstation betreibt.

Was bedeutet für dich Schönheit?

Schön muss für mich ein bisschen kantig sein. Wenn ich etwas schön finde, darf es nicht gerade sein, nicht zu glatt, zu aufgeräumt, zu minimalistisch. Schönheit hat für mich immer ganz viel mit wohlfühlen zu tun. In einen Raum voller Helligkeit kommen, der einfach nicht zu perfekt ist.

Das grüne Waschbecken und die farblich passende Toilette hat Mia bei „Ceramica Globo“ gefunden.

Dir gehört die Wohnung. Eine Immobilie zu kaufen ist ein großer Schritt.

Ich bin im Allgäu geboren und wer dort aufwächst, in dem wird die schwäbische „Häusle baue“-Mentalität sehr verankert. Diese Vorstellung – „ich habe jetzt einen Bausparvertrag und möchte irgendwann etwas kaufen“ – war schon lange in meinem Kopf. Ich hatte lange die Überlegung, im Allgäu zu investieren und in München nur etwas Kleines zu kaufen, um zu pendeln. Dann hat sich herausgestellt, in München ist es sehr teuer, eine sehr kleine Wohnung zu kaufen. Durch die Preise hat es sich für uns nicht ergeben. Keiner von uns hat geerbt, wir haben normale Jobs. Mit dreißig muss man sich überlegen, ob man eine Immobilie bis zum Rentenalter abbezahlten kann. Die Wohnung war kein Schnäppchen, aber für Münchner Verhältnisse war es ok. Der Kauf ist zwei Jahre her. Ich habe das Gefühl, die Preise sind seitdem noch gestiegen.

Das Interview führt femtastics-Autorin Elena Dangel.

Du hast mit Mitte zwanzig bereits eine eigene Kreativagentur gegründet. Wie kamst du dazu?

Ich habe klassisch BWL mit dem Schwerpunkt Marketing studiert. Noch während des Studiums habe ich ein Praktikum bei einem großen Autohersteller gemacht und dort meinen zukünftigen Agenturpartner kennengelernt. Mich hat die Arbeit im Agenturumfeld mehr angesprochen als die starre Hierarchie, die in Großkonzernen herrscht. Ich wusste relativ schnell, dass ich dafür nicht gemacht war. Ich will einfach in einem harmonischen Team arbeiten.

Ich bleibe positiv. Sich Sorgen machen bringt dich nicht weiter. Aber du musst in allem was du tust, eine gewisse Ernsthaftigkeit haben.

Trotzdem bieten große Firmen oft mehr Sicherheit.

Klar. Es war definitiv ein großer Schritt. Anfangs war der Umgang mit großen Zahlen für mich Horror. Ich konnte nächtelang nicht schlafen, weil ich mir solche Gedanken gemacht habe. Ob wohl alles gut geht? Diese große Verantwortung? Aber ich lebe wirklich nach dem Prinzip: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Meistens ist das Schlimmste gar nicht so dramatisch, sondern auch regelbar. Natürlich hat man Sorgen und aktuell ist mit Corona alles schwer vorhersehbar. Ich bleibe einfach positiv. Sich Sorgen machen bringt dich nicht weiter. Aber du musst in allem, was du tust, eine gewisse Ernsthaftigkeit haben.

Ich hatte kurz vor meinem dreißigsten Geburtstag einen Rappel bekommen, weil ich das Gefühl hatte, mir sind in den Zwanzigern einige Dinge flöten gegangen.

Gibt es Dinge, die du in deinem beruflichen Werdegang bereust?

Dass ich mich komplett vergessen habe und irgendwann das Gefühl hatte, ich habe etwas verpasst. Ich hatte sehr schnell Abi, Studium, Firma, Arbeiten. Es gab nie eine Pause dazwischen. Wenn ich was bereue, dann ist es, mir nie eine Pause gegönnt zu habe. Umso schöner ist es jetzt für mich, diesen Schritt geschafft zu haben. Ich habe viel Verantwortung in der Firma abgegeben, kann als Angestellte auch Urlaub nehmen und mich hier in meiner Wohnung kreativ verwirklichen. Ich hatte kurz vor meinem dreißigsten Geburtstag einen Rappel bekommen, weil ich das Gefühl hatte, mir sind in den Zwanzigern einige Dinge flöten gegangen. In der Zeit waren viele Freunde auf Reisen, haben viel von der Welt gesehen, persönliche Erfahrungen gemacht und ich habe die Verantwortung für zehn Mitarbeiter getragen. Ich war zwar viel auf Business-Reisen, aber eine Woche einfach mal in den Urlaub fahren, war nicht möglich. Ich musste irgendwann für mich den Entschluss fällen, ich liebe die Firma, aber ich muss die Geschäftsführung abgeben. Trotzdem habe ich noch einen großen Unternehmerspirit. Vor allem jetzt, wegen Corona, nutzen wir die Zeit, um eigene Produkte zu entwickeln. Wir haben mit Partnern bereits regionales Bio-Hundefutter auf den Markt gebracht. Ein Herzensprojekt. Aktuell arbeiten wir an einer veganen Start-up-Idee.

Kannst du schon Details verraten?

Ich bin selbst Veganerin und hatte schon lange eine Idee dazu. Aber wirklich alles ausplaudern will ich noch nicht. Es wird in die Richtung Snacks und Süßigkeiten gehen.

Bist du schon lange Veganerin?

Vegetarierin bin ich schon ganz lange. Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden. Meine Großeltern hatten einen Bio-Bauernhof im Allgäu. Ich hatte immer einen großen Bezug zu Tieren. Als Kind habe ich Kälber mit der Flasche großgezogen. Vegetarierin zu sein, war für mich eine logische Erkenntnis. Veganerin bin ich, seit ich achtzehn bin.

Wow, das ist lang. Wie fühlt sich der Vegan-Trend aktuell für dich an?

Richtig gut. Ich bin total glücklich. Es ist ein Traum. Ich erinnere mich noch an früher. Wenn ich als Teenager im Allgäu einen Salat bestellt habe und um einen vegetarischen gebeten habe, allein das Wort kannte keiner. Dann kam statt Putenstreifen auf dem Salat, einer mit Schinken und Käse. Schinken ist ja kein Fleisch, sondern Wurst. Jetzt ist es großartig. Überall gibt es Hafermilch. Die Produkte werden immer besser. Ich bin auch irgendwie stolz.

Oft stellt sich raus: Die Dinge sind nicht so dramatisch, wie befürchtet, weil sich die Welt irgendwie weiterdreht.

Wie sehr hat euch Corona aus der Bahn geworfen?

Es gab einen ganz schwarzen Tag für uns. Der Freitag, an dem Angela Merkel ihre Ansprache gehalten hat. Dann kam der Lockdown und nächsten Montag waren ungefähr 90 Prozent unserer Aufträge weg. Unsere Kunden konnten nichts mehr machen. Fotoshootings, Messeauftritte, Kampagnen – alles ergab keinen Sinn mehr. Plötzlich stand man im Nichts. Die eine Woche war vom Gefühl her sehr schlimm. Aber oft stellt sich raus: Die Dinge sind nicht so dramatisch, wie befürchtet, weil sich die Welt irgendwie weiterdreht. Ohne es abschwächen zu wollen, es ist eine furchtbare Situation, für uns ist es nicht leicht, aber es bringt nichts, die ganze Zeit darüber nachzudenken, wie schlimm es gerade ist. Man muss kreativ werden und überlegen, was ich mit dieser frei gewordenen Zeit sinnvoll anstellen kann. Ich denke, man kann aus so einer Situation auch als Gewinner*in hervorgehen, wenn man eine gute Idee hat. Wir arbeiten jetzt schon an verschiedenen Konzepten, wie wir Firmen unterstützen, die nicht ganz liquide sind, aber trotzdem Marketing brauchen.

Wie hast du es geschafft in der Corona-Zeit, die für viele lähmend war, kreativ zu sein?

Ich habe eine Woche ganz laut „Scheiße“ geschrien und dann war ich durch damit. Wir rennen eigentlich in der Agentur den meisten Projekten hinterher. Krasse Deadlines, Termine. Man ist gar nicht mehr am Agieren, sondern nur am Reagieren. Jetzt konnten wir mal wieder selbst kreativ sein, ganz ohne Zeitdruck. Das ist ein schönes Gefühl.

Vielen Dank für den schönen Vormittag bei dir, liebe Mia!

Hier findet ihr Mia Martin:

Interview: Elena Dangel

Layout: Kaja Paradiek

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