Vegan und schadstoffarm: das Nagellacklabel OZN von Nina Skarabela

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23. Dezember 2019

Die Liebe zu Nagellack und der Wunsch im Beautybereich etwas zu kreieren, das gleichzeitig schön, clean und modern ist – und das ohne schädliche Inhaltsstoffe – hat die 41-jährige Nina Skarabela 2015 dazu gebracht, gemeinsam mit einem Geschäftspartner ihr eigenes Nagellacklabel „OZN“ zu gründen. „OZN“, das sind vegane, schadstoffarme Nagellacke in großer Farbvielfalt. Wir treffen Nina zum Interview in München.

Nina lebt in ihrer 3-Zimmer-Wohnung mit ihrem Mann und ihrer Tochter. Sie pendeln zwischen Berlin und München.

femtastics: Aus welchem Grund sollten Konsument*innen, vegane Nagellacke verwenden?

Nina Skarabela: Erstmal ist es für diejenigen, die auch ansonsten konsequent vegan leben, sehr wichtig, vegane Kosmetik zu benutzen. Mir persönlich ist allerdings die schadstoffarme Komponente fast noch wichtiger. Mit „OZN“ haben wir beides realisiert. Gerade bei Kosmetikprodukten sollten wir bewusster einkaufen. Wenn man sich über die Inhaltsstoffe unsicher ist, kann man diese einfach mit der App „Codecheck“ prüfen.

Was hast du vor „OZN“ gemacht?

Ich habe Grafikdesign studiert und eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie angefangen – in beiden Berufen bin ich auch noch tätig. „OZN“ mache ich nebenher, es ist mir aber eine absolute Herzensangelegenheit. Vor „OZN“ hatte ich bereits schon eine kleine Beauty-Firma.

Wie wichtig ist es dir selbständig zu arbeiten?

Ich war in meinem ganzen Leben noch nie einen Tag fest angestellt und wollte immer ein eigenes Produkt herstellen, das man in die Hand nehmen kann.

Ich war in meinem ganzen Leben noch nie einen Tag fest angestellt und wollte immer ein eigenes Produkt herstellen, das man in die Hand nehmen kann.

Wie kam es zur Gründung von „OZN“?

Ich hatte davor gemeinsam mit einer Freundin ein kleines Beauty-Unternehmen. Wir haben in Teleshopping-Sendern Nagelweiß-Stifte verkauft und uns später auf Nagelfolien spezialisiert. Wir waren mit die ersten, die in Deutschland Nagelfolien auf den Markt gebracht haben. Auf einer Messe habe ich meinen jetzigen Geschäftspartner David kennengelernt. Irgendwann hat er mich angerufen, weil er etwas bei mir kaufen wollte, da gab es unsere Firma allerdings schon nicht mehr.

Wir sind ins Gespräch gekommen und schließlich hat er mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, etwas mit ihm gemeinsam auf die Beine zu stellen. Mein Kompagnon ist seit über zehn Jahren im Geschäft und Hersteller von Kosmetikprodukten. Er produziert also unsere Produkte. Wir verstehen uns sehr gut, es gibt niemals Missverständnisse und es macht wirklich großen Spaß.

Stellt ihr eure Nagellacke in Deutschland her?

Ja, in Bielefeld. Dort hat mein Geschäftspartner seinen Firmensitz.

Wie sind eure Aufgaben in der Firma verteilt?

Mein Kollege produziert die Lacke, kümmert sich um die ganze Logistik, die komplette Buchhaltung, das Finanzwesen und er entscheidet letztlich auch die Preise. Ich bin das Gesicht nach außen, ich mache die komplette Kommunikation, die PR – zusammen mit meiner PR Agentur „The Beauty & Love Concept“. Ich denke mir neue Produkte aus, gestalte die Verpackung, mache den Vertrieb und überlege, mit wem wir kooperieren können.

Unser Bestseller ist der geruchlose Nagellackentferner. Der ist so ungiftig, dass man ihn sogar trinken könnte – was ich nicht unbedingt empfehlen würde, aber man könnte.

Was bedeutet der Name „OZN“?

Der Name hat keinen tieferen Sinn. Für mich waren bei der Namenswahl zwei Sachen wichtig: dass der Name nicht so ähnlich klingt wie der einer schon vorhandenen Marke und, dass er eigenständig ist. Gleichzeitig war mir aus rein optischen Gründen wichtig, dass das Logo gut sichtbar und groß ist. Wenn ich durch die Presse blättere, sehe ich mein Produkt immer sofort, weil „OZN“ sehr plakativ ist. Außerdem sind die Abstände und das Spacing dazwischen bei diesen drei Buchstaben total ausgewogen. Später haben wir erfahren, dass es auf rumänisch die Abkürzung für „unbekanntes Flugobjekt“ ist. (lacht)

Was beinhaltet eure Produktpalette?

Außer den Nagellacken haben wir Pflegeprodukte, wie Unter- und Überlack sowie Nagelöl. Unser Bestseller ist der geruchlose Nagellackentferner. Der ist so ungiftig, dass man ihn sogar trinken könnte – was ich nicht unbedingt empfehlen würde, aber man könnte. Das Besondere an unserem Entferner ist, dass er auf dibasischem Ester basiert, das ist grob gesagt ähnlich wie Essig nur stärker. Riecht nach nichts und hat eine ölige, pflegende Konsistenz. Dann haben wir noch unsere Handcreme und Handmaske.

Eure Nagellacke haben alle Frauennamen. Wie sucht ihr die aus?

Ich habe damals die komplette Farbrange an meine Freundinnen verschickt – jede durfte sich eine Farbe aussuchen und nach ihrem eigenen Namen benennen. Das hat sich im Nachhinein als relativ clever herausgestellt, weil ich bei neuen Farben verschiedenen Redakteurinnen Proben geschickt habe und die dann quasi Patinnen einer Farbe werden durften. Beispielsweise gibt es eine Kerstin im Sortiment, benannt nach Kerstin Weng von der „InStyle“. Wir bieten in unserem Onlineshop, unter „My OZN“, auch an, dass du dir eine Farbe aussuchen und den Nagellack mit deinem eigenen Namen beschriften lassen kannst. Das wird gern als Geschenk oder zu PR-Zwecken genutzt.

Wie viele Farben habt ihr im Sortiment?

Wir hatten anfangs 150, aber nachdem wir circa 20 Rottöne hatten, die man kaum mehr unterscheiden konnte, haben wir insgesamt auf 90 reduziert.

Was inspiriert dich zu neuen Farben?

Entweder sehe ich irgendwo eine schöne Farbe, die ich unbedingt als Nagellack realisieren möchte, oder wir suchen die Farben aus dem RAL-Fächer aus.

Welche Farbe trägst du persönlich am liebsten?

Ich mag Schwarz sehr gern, das passt zu allem und ist klassisch.

Welche Farben sind momentan besonders gefragt?

Lila und Hellblau. Immer noch total angesagt ist, jeden Nagel in einer anderen Farbe zu lackieren, genauso wie kleine Nailart-Geschichten. Letztlich schafft auch Instagram immer wieder Trends. Wenn da drei einflussreiche Persönlichkeiten die gleiche Nagellackfarbe tragen, ist sie auf einmal ein Trend.

Immer noch angesagt: Jeden Fingernagel in einer anderen Farbe lackieren!

Was ist an euren Lacken vegan? Beziehungsweise was ist an herkömmlichen Lacken nicht vegan?

In erster Linie geht es dabei um die rote Farbe, das Karmin, was normalerweise aus Nepal-Läusen gewonnen wird. Das wird bei uns durch synthetisches Karmin ersetzt. Für Verbraucher ist allerdings anhand der sogenannten CI-Nummer nicht zu erkennen, ob synthetisches oder echtes Karmin verwendet wurde. Um sicherzugehen, sollte man auf jeden Fall auf vegane Lacke zurückgreifen. Und natürlich verzichten wir auf Tierversuche.

Und inwiefern sind „OZN“-Nagellacke schadstoffarm?

Wir haben sogenannte „7-free“ Lacke. Wir verwenden einfach einige chemische Stoffe nicht in unseren Lacken. Stoffe wie Weichmacher oder Lösungsmittel, wie sie oft in herkömmlichen Lacken vorhanden sind und welche im Verdacht stehen den Körper nachhaltig zu schädigen.

Aber ganz auf Chemie verzichten könnt ihr wahrscheinlich auch nicht?

Nein, können wir nicht, weil es sich letztlich um einen Lack handelt und der soll ja auch haltbar sein.

Hast du Tipps, wie der Nagellack besonders lange hält?

Ohne Zeit kein schönes Ergebnis! Die Nägel müssen ordentlich vorbereitet werden, indem man sie reinigt und entfettet und wartet bis alles trocken ist. Mein Geheimtipp: Ich kürze bei Bedarf die Nägel einen Tag vorher, weil die Schnittkante sonst so rau ist, dass der Lack vorne schlechter abschließt. Ich persönlich verwende keinen Unterlack, weil das bei mir einfach nicht hält.

Ich lackiere meine Nägel immer abends, etwa eine Stunde bevor ich ins Bett gehe, wenn ich weiß, ich ziehe mich nicht mehr um, ich dusche nicht mehr und verwende keine Öle oder Cremes mehr. Zuerst eine dünne Schicht lackieren, etwas warten und eine dickere Schicht drauf lackieren. Zum Schluss verwende ich noch einen Überlack. Nicht pusten oder föhnen, nur gut durchtrocknen lassen.

Was plant ihr für die Zukunft? Wollt ihr euer Angebot erweitern?

Gerade planen wir ein Nagelfeilen-Set. Ich hätte grundsätzlich gern, dass „OZN“ einfach für Nagelprodukte steht. Mein Geschäftspartner würde das gern noch auf andere Sachen ausweiten, wie beispielsweise Körpercremes.

Hast du Tipps für Frauen, die mit ihrem eigenen Business durchstarten möchten?

Es ist wichtig, dass man von dem entsprechenden Business zumindest eine leichte Ahnung hat. Man sollte sich in dem gewünschten Bereich auf jeden Fall irgendwie auskennen oder schon mal etwas in der Richtung gemacht haben. Wenn du gar keine Ahnung hast, wird es super schwierig. Gleichzeitig muss man sich natürlich überlegen, ob das irgendwie machbar ist. Wie komme ich mit kleinen Schritten ans Ziel? Es wird nicht funktionieren, wenn ich gleich in eine riesige Produktion einsteigen oder mehrere Läden auf einmal eröffnen will. Es muss irgendwie umsetzbar sein. Und dann muss man natürlich einfach anfangen.

Liebe Nina, vielen Dank für das Gespräch.

 

Hier findet ihr „OZN“:

Layout: Kaja Paradiek

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