Schrebergartenglück: Anne Dirfard und ihre Parzelle mit dem perfekten Tiny House!

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6. September 2021

Anne Dirfard (33), erfolgreiche Interior-Bloggerin, träumt viele Jahre von einem eigenen Haus mit Garten. Im Sommer 2019 ist es soweit. Anne, ihr Mann und ihre zwei Kinder ziehen von ihrer Heimatstadt Hamburg in den Taunus in ein 60er-Jahre-Haus in der Nähe von Annes Eltern. Doch das Glück hält nur ein Jahr an. Die Sehnsucht nach Hamburg, den Freund*innen und Nachbar*innen ist zu groß. Nach einem Jahr bricht die Familie ihre Zelte wieder ab, lässt ihr renoviertes Haus zurück und zieht in ihre alte Altbauwohnung in Hamburg zurück, die sie erstmal nur untervermietet hatte. Damit sind Anne und ihre Familie nicht allein – es gibt viele Menschen, die einen Umzug aufs Land oder in eine andere Stadt bereuen. Doch nur wenige ziehen die Notbremse und sprechen öffentlich oder mit ihrem Umfeld darüber.

Wenige Monate später bekommen Anne und ihre Familie die Zusage für einen Schrebergarten mit dem perfekten Tiny House und müssen somit nicht auf einen Garten in ihrem Leben verzichten. Wir besuchen Anne in ihrem Kleingarten in Hamburg-Stellingen und sprechen mit ihr darüber, warum die Rückkehr in die Stadtwohnung in Hamburg die beste Entscheidung für die Familie war, wie sie ihren Schrebergarten mit der außergewöhnlichen Laube gefunden hat und mit welchen Kniffen man jede Parzelle easy verschönern kann.

Seit Ende 2020 ist Anne Dirfard Laubenbesitzerin. Ihre Erlebnisse teilt sie regelmäßig auf ihrem Instagramprofil @170qm.

Vor Ort sind die Punkte, warum wir überhaupt nach Frankfurt am Main gezogen sind, irgendwie nicht richtig eingetreten und wir hatten wahnsinniges Heimweh.

femtastics: Im Sommer 2019 bist du mit deiner Familie von Hamburg in ein Haus mit Garten in den Taunus gezogen – nach einem Jahr seid ihr wieder zurückgezogen. Wie kam es zu der plötzlichen Kehrtwende?

Anne Dirfard: So plötzlich kam sie gar nicht. Eigentlich wusste ich es die ganze Zeit über, habe aber nicht wahrhaben wollen, dass ich lieber in Hamburg leben möchte, und wollte dem Ganzen irgendwie eine Chance geben. Es war ein großes Gefühlschaos.

Wir hatten unsere Wohnung in Hamburg für ein Jahr untervermietet, weil wir wussten, was wir hier aufgeben würden. Wir wollten, wenn wir wieder zurückkommen sollten, genau hier weitermachen. Bei unseren Freund*innen, in dieser tollen Wohnung, die auch mein Business bedeutet hat, da ich viel aus dieser Wohnung auf meinem Instagram-Kanal geteilt habe. Am Wichtigsten war uns aber, dass die Kinder wieder nach Hause kommen würden, ohne eine weitere Umstellung. Vor Ort sind die Punkte, warum wir überhaupt nach Frankfurt am Main gezogen sind, irgendwie nicht richtig eingetreten und wir hatten wahnsinniges Heimweh. Und dann mussten wir uns entscheiden: Wohnung in Hamburg für immer aufgeben, oder alles auf Anfang? Wir haben uns für Hamburg entschieden. 

Ihr lebt jetzt wieder in eurer alten Altbauwohnung mitten in der Stadt. Vermisst du das Leben in einem Haus mit Garten jetzt manchmal?

Ja, voll. Wir werden auch alle wehmütig, wenn wir die Bilder sehen. Tun und lassen, was man will. Kinder Kinder sein lassen und sie nie beim Toben, Tanzen und Singen unterbrechen. Tür auf und man steht im Garten, der Wald und die Felder um die Ecke, das hat schon was.

Viele Familien haben jahrelang ein Haus gebaut, um es gleich nach einem Jahr wieder zu verkaufen. Es gibt da draußen so viele Menschen, die unglücklich sind über ihre Entscheidung und der Kinder wegen bleiben. Das halte ich für Quatsch.

Wie hat euer Umfeld auf die Entscheidung reagiert?

Meine Eltern, die einer der Hauptgründe waren, warum wir darunter gezogen sind, haben uns in unserer Entscheidung bestärkt. Ich glaube, sie waren das einzige Argument, warum ich nicht schon früher alles abgebrochen habe. Wir wollten, dass unsere Kinder mehr Zeit mit Oma und Opa verbringen können. Ich als Einzelkind fühle mich immer schlecht, nicht mal eben zu meinen Eltern zu können, um ihnen zu helfen, wenn etwas ist. In Hamburg trennen uns sechs Stunden Autofahrt, in Frankfurt waren es nur noch eineinhalb Stunden.

Kinder sind in der Stadt nicht unglücklicher als auf dem Land. Kinder sind glücklichere Kinder, wenn ihre Eltern auch glücklich sind!

Meine Mutter meinte zu mir am Telefon: „Anne, du hast jetzt eine eigene Familie und ihr müsst schauen, dass ihr glücklich seid.“ Nach diesem Telefonat war die Entscheidung gefallen. In Hamburg haben sich natürlich alle gefreut, dass wir wiedergekommen. Darüber habe ich einen Blogpost verfasst und es ist unfassbar, wie die Resonanz darauf war. Wie viele Familien einfach den Schritt gewagt haben und ihn wieder abgebrochen haben. Viele Familien haben jahrelang ein Haus gebaut, um es gleich nach einem Jahr wieder zu verkaufen. Es gibt da draußen so viele Menschen, die unglücklich sind über ihre Entscheidung und der Kinder wegen bleiben. Das halte ich für Quatsch. Kinder sind in der Stadt nicht unglücklicher als auf dem Land. Kinder sind glücklichere Kinder, wenn ihre Eltern auch glücklich sind!

Sucht ihr jetzt ein Haus in und um Hamburg oder ist das erstmal gar kein Thema mehr für euch?

Nein, aktuell nicht. Wir werden hier erstmal leben und das sicherlich noch ganz lange. Aktuell sind wir einfach Stadtmenschen und genießen die Zeit, soweit es aktuell geht, in vollen Zügen. Wenn es uns zu viel ist, gehen wir in den Schrebergarten. Ein bezahlbares Haus würde zu weit außerhalb liegen. Man würde seine Freund*innen wieder nur selten sehen, und mal eben in die Stadt zu fahren, wäre dann auch nicht möglich. Ab und an unterhalten wir uns darüber, ob ein kleines Ferienhaus so ein- bis eineinhalb Stunden von Hamburg etwas wäre, aber das sind aktuell nur Träume für die Zukunft. Wir sind glücklich.

Irgendwie fühlt sich jeder Ausflug in den Garten an wie ein kleines Abenteuer.

Seit fast einem Jahr gehört euch diese Parzelle. Was genießt ihr besonders am neuen Schrebergartenleben?

Irgendwie fühlt sich jeder Ausflug in den Garten wie ein kleines Abenteuer an, obwohl wir nur zehn Fahrradminuten entfernt von hier wohnen. Man packt Sachen zusammen, radelt los und erlebt dann im Garten immer etwas Tolles. Der Schrebergarten ist natürlich anders als ein Haus mit Garten. Grundsätzlich würde ich sagen, dass ein Haus mit Garten besser ist. Aber aktuell bin ich einfach noch ein Stadtmensch und es ist schön, dass wir hier den Trubel der Stadt haben können, genauso wie den Garten. Wir müssen uns nicht entscheiden, ob wir am Wochenende im Garten sein wollen oder bei der Geburtstagsparty in der Stadt. Da der Schrebergarten mitten in der Stadt liegt, ist für uns beides möglich.

Ihr habt euren Schrebergarten nach drei Jahren auf der Warteliste bekommen – das ist recht schnell! Hast du Tipps für alle, die gerade eine Parzelle suchen?

Wir hatten tatsächlich einfach ein bisschen Glück. Die Wartelisten sind lang. Grundsätzlich muss man ein bisschen Geduld mitbringen, weil viele einen Garten haben wollen. Aber: Viele gehen auch nach ein bis zwei Jahren wieder aus dem Garten raus und so wird immer mal wieder ein Platz frei – in unserem Verein gab es da einen relativ großen Wechsel. Außerdem kann ich den Tipp geben, eine Bewerbungsmappe fertig zu machen, ähnlich wie für eine Wohnung oder ein Haus. Durch Corona ist die Nachfrage nach Schrebergärten jetzt natürlich leider noch mal größer geworden.

Wir hatten unfassbares Glück, dass das Häuschen erst zwei Jahre alt war und damit in einem Top-Zustand.

Hattest du eine genaue Vorstellung davon, wie dein Traum-Schrebergarten aussehen soll?

Nein, das hatte ich nicht. Man weiß ja auch einfach nicht, welche Parzelle frei wird beziehungsweise in welchem Zustand der Garten dann ist. Wir hatten unfassbares Glück, dass das Häuschen erst zwei Jahre alt war und damit in einem Top-Zustand. Das hat es uns natürlich ein bisschen einfacher gemacht. Ich hatte schon Angst oder Respekt davor, wie es wohl wird, wenn wir eine sehr alte Laube bekommen, die dann nicht so schick ist. Aber auch das hätten wir hinbekommen!

„Am liebsten schaue ich vom Bett aus raus in den Garten – mit einer Tasse Kaffee in der Hand. Hier in der Natur aufzuwachen ist wirklich toll“, erzählt Anne in unserem Interview.

Ihr lebt in Hamburg in einer 170 qm großen Wohnung – ist es für euch eine große Umstellung, wenn ihr hier auf kleinem Raum Zeit verbringt oder genießt ihr den Minimalismus eines Tiny House?

Unser Häuschen hat 23 Quadratmeter – 24 wären bei uns erlaubt laut Satzung. Es ist natürlich eine Umstellung, zu viert nur einen Raum zu haben. In unserer Laube gibt es nämlich keine abgetrennten Zimmer, alles findet in einem Raum statt. Es gibt lediglich eine kleine zweite Ebene, auf der die Kids schlafen.

Wir lieben es draußen zu sein, die Pflanzen zu pflegen oder hier alles schön zu machen.

Du bist Interior-Expertin. Wie richtet man sich auf 23 Quadratmetern schön ein?

Ich habe mich ehrlich gesagt erstmal umgeschaut, wie andere das gelöst haben. Gerade bei Pinterest findet man viel Inspiration. Der Plan stand dann recht schnell. Klar war: Wir brauchen Möbel, die multifunktional sind. Das Sofa ist Bett und Stauraum, alles in einem. So kann man es auch mit anderen Sachen machen: ein Hocker, der gleichzeitig der Beistelltisch ist, oder ein Tisch, der Stauraum für Kissen und Decken bietet. Man muss hier ein wenig kreativ werden und möglichst viel Platz für alles schaffen.

Und was habt ihr im Garten verändert?

Ziemlich viel! Hier gab es vorher keine Blumen, die Hochbeete und Wege haben wir angelegt, eine neue Terrasse – so ziemlich alles, was man hier sieht. (lacht) Außerdem haben wir auch einiges an Gemüse angepflanzt: Zucchinis, Kartoffeln und vieles mehr.

Kann euer Schrebergarten einen Kurzurlaub ersetzen?

Das würde ich nicht sagen. Denn ein eigener Garten und ein eigenes kleines Häuschen bringen einfach Arbeit mit sich. Es gibt immer etwas zu tun, das ist einfach so. Aber uns macht eben genau das Spaß, wir lieben es draußen zu sein, die Pflanzen zu pflegen oder hier alles schön zu machen. Im Urlaub kümmert man sich ja eher um nichts. Der Garten ist keine Alternative zum Urlaub, aber definitiv eine kleine Erholung im Alltag.

Verbringt ihr hier eigentlich auch Zeit im Winter?

Unsere Laube ist gut isoliert, wir können also auch im Herbst und Winter Zeit hier verbringen. Wir waren auch dieses Jahr schon bei kälteren Temperaturen in der Laube. Dann haben wir einfach von zu Hause Waffelteig mitgebracht, hier Waffeln gebacken und gelesen. Das war auch schön.

Das klingt perfekt. Vielen Dank, dass wir dich besuchen durften, Anne.

Hier findet ihr Anne Dirfard von @170qm:

 

Eine Homestory mit Anne Dirfard in ihrer Altbauwohnung findet ihr hier.


Text: Maren Schwarz & Katharina Charpian


Layout: Kaja Paradiek

1 Kommentar

  • Alexandra sagt:

    Danke Anne für deine Ehrlichkeit. Es gibt wenig Leute, die darüber reden, dass das Bilderbuchleben aus Haus und Garten auf dem Land nicht für jeden etwas ist. Wir sind nach fünf Jahren vom Land wieder in die Stadt gezogen und das mit einem Baby, weil wir einfach nicht glücklich waren. Abgesehen von unseren Städter-Freunden haben uns alle für verrückt gehalten die dörfliche oberbayerische Idylle zu verlassen. Für manche das Paradies, für andere die Hölle. Jetzt leben wir glücklich in einer wunderschönen Mietwohnung und sind endlich wieder zufrieden.

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