“Fimo kommt zurück!” – COUCH-Redakteurin Annika Kapischke

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Wenn sich in Deutschland eine mit DIY- und Food-Themen unserer Generation auskennt, ist das die COUCH-Redakteurin Annika Kapischke. Sie füllt das Living und Fashion Magazin monatlich mit den neuesten Trends rund um die Themen Selbermachen, Kochen, Backen und Drinks und ist mitverantwortlich für das halbjährig erscheinende DIY-Special. Wir haben die 32-Jährige zum Lunch im Café Johanna in Hamburg getroffen und mit ihr unter anderem über das große Fimo-Comeback, die gewünschte Rückkehr des Eierlikörs und Garküche bei Netflix gesprochen.

femtastics: Du bist eine DIY-Expertin. Was ist denn das „the next big thing“ in der Szene?

Annika Kapischke: Fimo kommt zurück! Das klingt erstmal komisch. Ich hab zu Hause auch noch Ohrringe mit Glitzer liegen, die ich mal im Alter von 5 Jahren gemacht habe (lacht). Es kommt wieder­, aber in cool – zum Beispiel gesprenkelt oder in Marmoroptik. Es ist ein dankbares Material, mit dem man ganz schnell kleinere Sachen machen kann. Im aktuellen Special haben wir zum Beispiel die Anleitung für einen Schlüsselanhänger. Sticken ist auch ein großes Thema, da geht es nicht nur um filigrane Sachen, sondern auch um großflächiges Sticken. Wandbehang-Geschichten sind natürlich auch gerade groß im Trend, von gewebten Teppichen bis hin zu mobileartigen Gebilden mit unterschiedlichen Metallreifen- und Stangen oder auch mal einer Feder.

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Sticken is back!

 

Wie bist du Redakteurin beim COUCH Magazin geworden?

Ich habe Germanistik, Medienwissenschaften und Kunstgeschichte in Marburg ganz klassisch auf Magister mit Schwerpunkt deutsche Literatur studiert. Danach habe ich ein halbes Jahr ein Praktikum bei der “Living at Home” gemacht. Mir gab kurz danach eine Freundin aus dem Verlag den Tipp, dass ein neues Magazin gestartet wird und dann habe ich mich bei der COUCH beworben und habe dort vor knapp viereinhalb Jahren als Assistentin gestartet. Mittlerweile bin ich als Redakteurin angestellt.

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Wolltest du schon immer bei einem Magazin arbeiten?

Als ich mit dem Studium gestartet bin, hatte ich keinen großen Masterplan. Während des Studiums hatte ich mal überlegt Kostümbildnerin zu werden und habe ein halbes Jahr am Theater in Heidelberg in der Schneiderei gearbeitet. Da mich Einrichtung aber auch schon immer interessiert hat, hatte ich mich dann nach dem Studium für das Praktikum beworben. Schreiben hat mir auch schon immer Spaß gemacht und dann hat sich das alles ergeben.

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Katha und Annika haben sich lange ein Büro beim COUCH Magazin geteilt – heute wird für femtastics interviewt.

Du bist spezialisiert auf Food und DIY, konzipierst, schreibst und produzierst. Dafür gibt es keinen klassischen Ausbildungsweg – wie hat sich das ergeben?

Das sind Themen, die mich sehr interessieren und die ich auch immer schon privat gemacht habe. Ich koche gerne und ich habe schon immer gerne gebastelt. Meine Mutter ist gelernte Schneiderin und ich bin mit kreativer Arbeit groß geworden.

Vor ein paar Jahren habe ich mich außerdem mit meiner Kollegin Isabel Liebmann zusammengetan und wir haben angefangen in unserer freien Zeit selbst DIY-Objekte zu fertigen und im gestylten Setting zu fotografieren. Wir haben das damals unserer Chefredakteurin gezeigt. Die war begeistert und so haben wir dann letztes Jahr das erste COUCH DIY-Bookazine herausgebracht.

Was ist dein liebstes DIY-Projekt, das du bis jetzt für die COUCH umgesetzt hast?

Fürs letzte Special haben wir Deckenleuchten aus Drahtringen, Gürtelschlaufen und Textilkabel gemacht. Davon hängt auch eine bei mir zu Hause.

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Eine Blumen-Story von Poems & Posies, die wir hier auch schon zu Hause und im Atelier besucht haben, im DIY Heft.

Wo holst du dir Inspirationen für DIY–Projekte?

Das ist ganz unterschiedlich. Das kann mal im Baumarkt sein, dass man eine Schraube, einen Haken oder ein bestimmtes Holz sieht und dann überlegt, was man daraus machen könnte. Manchmal sind es Alltagsprobleme und ich schaue natürlich auch ganz klassisch bei Pinterest.

Findet man  bei dir zu Hause auch viele DIY-Objekte?

Ja, ich habe zum Beispiel einen selbstgemachten Camping-Hocker zu Hause stehen – meine Kollegin und ich haben eine Sitzfläche aus hellem Leder gestaltet und festgenietet. Für meine Küche habe ich mir letztens eine Mini-Bierbank gestrichen. Die Beine waren dunkelgrün und dann habe ich sie grau gestrichen und die Sitzfläche angeschliffen und geölt, damit die in der Küche nicht so anfällig ist. Im Bad habe ich zwei hohle Holzwürfel von Idee zu kleinen Regalen umfunktioniert und an der Wand montiert.

Ich glaube, dass nach dem Hype um den Hamburger der Hot Dog kommt.

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Hast du eine 5-Minuten-DIY-Idee?

Ich benutze die schönen pastellfarbenen Tüten von & Other Stories zum Beispiel als Stauraumhilfe. Ich habe mir im Tiger Store große, goldene Klammern zum Verschließen gekauft. Die hängen bei mir zum Beispiel an der Garderobe und dort verstaue ich Schals und Mützen.

Wo bekommst du das Material her, abgesehen vom Baumarkt. Hast du ein paar Tipps?

Ich finde Modulor zum Beispiel super, einen Architekturbedarf aus Berlin, da kann man aber auch online bestellen. Idee finde ich auch immer gut – da bekommt man einen guten Grundstock an Sachen, die man braucht. Ansonsten kommt es immer drauf an. Wenn ich etwas mit Leder mache, schaue ich bei Lederfachmärkten, Kurzwarenläden finde ich auch immer spannend. Wenn man das in der Stadt vor Ort hat, finde ich es immer gut direkt dort vorbeizugehen. Die haben meistens ein wahnsinniges Sortiment an Schnallen und Garnen – hier bekommt man auch wieder Farbinspirationen und kann schauen, was gut zusammenpasst. Man entdeckt auch immer wieder Sachen, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt (lacht).

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Montag ist das neue DIY-Special erschienen. Wie muss man sich die Planung und Umsetzung vorstellen?

Von der ersten Idee bis zum Druck hat es circa ein halbes Jahr gedauert. Ertsmal sammeln wir die Ideen, unsere Inspirationen und stellen uns die Fragen: Was ist gerade Trend? Was finden wir gut und was könnte auch unseren Leserinnen gefallen? Einige Geschichten produzieren wir selbst, lassen sie im Auftrag für uns produzieren – im neuen Special ist zum Beispiel eine Blumenproduktion von den Mädels von Poems & Posies dabei – oder wir kaufen Bilder an. Vieles entsteht auch während des Prozesses. Wenn die Konzeption steht und die Produktionen fertig sind, wird gelayoutet und getextet.

Dieses Mal sind wir ein bisschen leichter geworden und haben noch mehr kleine und dekorative Ideen dabei, weil die Nachfrage groß nach Ideen ist, die man schnell und relativ einfach umsetzen kann und nicht jedes Mal die Säge zücken muss.

Was sind deine liebsten DIY-Blogs oder Instagram-Accounts?

Für Kinder mag ich gerne das Blog We like Mondays, @mamieboude mag ich auch sehr gerne, das ist ein Pärchen aus Paris, die machen sehr tolle Sachen. @passion_shake hat auch einen superschönen Instagram-Account, mit viel Rosé und zarten Tönen.

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Gerade am Kiosk eingetroffen: Das neue “Do It Yourself”-Special vom COUCH Magazin.

Mit Food kennst du dich auch super aus. Was liegt da gerade in der Luft?

Ich glaube, dass nach dem Hype um den Hamburger der Hot Dog kommt. Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn sich der Eierlikör wieder durchsetzen würde (lacht) – jetzt nach dem ganzen Hype um Gin. Nee, ich glaube, dass schnappsmäßig der Whiskey immer mehr kommen wird. Da legen jetzt auch immer mehr Destillerien mit los. Kaffeekirsch-Limos wird es sicherlich bald noch mehr geben und ich glaube, dass die süßdamerikanische Straßenküche noch größer und präsenter werden wird, auch in der Sterneküche.

Wenn essen restriktiv wird, mag ich es nicht mehr. Die ganzen Diät-Geschichten versuche ich immer zu vermeiden und nicht im Heft zu featuren. Sobald man irgendwas verbietet, macht es auch keinen Spaß mehr – Essen ist ein Genuss und so sollte es auch bleiben.

Zum Thema Food gibt es mittlerweile ja auch immer mehr Serien und Reportagen. Hast du da einen Tipp?

Ich gucke gerne „Chef’s Table“, das ist eine Dokureihe auf Netflix. In jeder Folge stellen sie einen Chefkoch vor. Das ist wahnsinnig spannend – jeder erzählt, wo er herkommt und was er sich überlegt hat. Die erste Staffel habe ich direkt hintereinander weggeguckt. Einer war dabei, der Sachen im Boden gart – das möchte ich auch mal ausprobieren. Der buddelt ein Loch in die Erde, legt dort heiße Kohle und Obst und Fleisch in Leinentüchern rein, dann schüttet er es zu und nach zwölf Stunden holt er es wieder raus und es wird gegessen. Ich finde es generell sehr spannend, was die Weltküche so macht.

Vielen Dank für das Interview, Annika!

Hier findet ihr Annika:

Fotos: femtastics

 

 

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