myErika: Veronika und Julia machen euer Leben leichter

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Als Veronika Stoffel von der Agenturwelt in die Immobilienbranche wechselte, kam ihr eine zündende Idee: Es müsste ein Online-Portal geben, auf dem man Dienstleistungs-Experten aller Art direkt in die eigenen vier Wände buchen könnte. Und zwar mit wenigen Klicks – und ohne viele Absprachen. Denn in Zeiten von immer mehr Single-Haushalten und weniger Zeit ist unkomplizierte gegenseitige Unterstützung wichtiger denn je – so Veronikas Grundgedanke. Zusammen mit ihrer früheren Kollegin Julia Kunstmann entwickelte sie die Idee weiter und wenig später war myErika geboren. Mit ihrer digitalen Plattform wollen Veronika und Julia zukünftig das Buchen von Dienstleistungen so effizient wie möglich machen – von Reparatur- und Haushaltsarbeiten über Beauty-Behandlungen oder Nachhilfeunterricht. Wie das genau funktioniert, welchen Hürden sie sich bei der Gründung ihres Unternehmens stellen mussten und warum es sinnvoll ist, zu zweit zu gründen, haben sie uns beim Gespräch in ihrem Hamburger Büro verraten. 

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Die myErika-Gründerinnen Veronika Stoffel (links) und Julia Kunstmann (rechts) in ihrem Hamburger Büro.

femtastics: Worum geht es bei myErika?

Veronika Stoffel: myErika ist eine Online-Plattform zur Buchung von Dienstleistungen. Wir arbeiten mit selbstständigen Dienstleistern zusammen, die sind also nicht bei uns angestellt. Wir haben vier Kategorien definiert: Haus und Haushalt, also Putzfrauen, Handwerker, Bügelhilfen und so weiter. Dann Beauty und Gesundheit, wo man Friseure, Nageldesigner, Personal Trainer und Masseure findet. Außerdem gibt es den Bereich Bildung und Weiterbildung für Nachhilfelehrer oder beispielsweise Musiklehrer. Und die Kategorie Betreuung und Beratung – da fällt vom Babysitter bis zur persönlichen Shoppingbegleitung alles drunter.  

Es gibt bereits ähnliche Player auf dem Markt. Warum hat euch das nicht abgehalten?

Julia Kunstmann: Weil wir super naiv waren! (lacht) Was uns am meisten am vorhandenen Angebot gestört hatte war, dass es nur Plattformen für einzelne Bereiche gab, also beispielsweise nur Beauty oder nur Handwerk. Und dass man die Dienstleistungen nicht direkt buchen konnte.

Veronika: Man musste immer erst eine Anfrage stellen, ob der Dienstleister Zeit hat, und den Preis verhandeln. Wenn man aber zum Beispiel spontan den Wunsch nach einem professionellen Styling hat, kann man sich das bei uns direkt und verbindlich buchen. Man findet alle relevanten Informationen übersichtlich auf der Profilseite der jeweiligen “Erika” – wie wir unsere Dienstleister liebevoll nennen.

Julia: Damit schaffen wir mehr Verbindlichkeit und sind effizienter. Wir wollen nicht größenwahnsinnig sein, aber myErika soll ähnlich wie Online-Shopping funktionieren, wo man mit zwei Klicks ein Produkt bestellt und nichts weiter abstimmen muss. Unsere Vision ist also, dass die Buchung von Dienstleistungen wie die Bestellung von Waren abläuft. 

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Wenn man gründen möchte ist es wichtig, seine Stärken und Schwächen zu kennen und damit auch zu wissen, welche Ergänzungen man braucht.

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Ihr habt myErika als Duo gegründet. Warum ist es schöner und sinnvoller, zu zweit ein Unternehmen zu starten, als allein? Ist es das überhaupt?

Veronika: Auf jeden Fall! Für mich war schon immer klar, dass ich es alleine nicht könnte. Denn wenn man gründen möchte ist es wichtig, seine Stärken und Schwächen zu kennen und damit auch zu wissen, welche Ergänzungen man braucht. Deswegen bin ich sehr glücklich, in Julia meinen “Perfect Match” gefunden zu haben! Wir teilen uns die Verantwortung und arbeiten zu zweit viel effizienter.

Julia: Außerdem kann man die schönen Dinge zusammen feiern – auch die kleinen Erfolge, die man allein vielleicht nicht so wahrnimmt. Und in schlechten Zeiten steht man sich bei.

Wie habt ihr euch gefunden?

Veronika: Wir haben uns in einer kleinen Dialogmarketing-Agentur hier in Hamburg kennengelernt. Wir waren die einzigen Senior-Projektmanagerinnen und haben schnell festgestellt, dass wir gut zusammenarbeiten können. Das war die Basis.

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Wann war für euch klar: Wir wagen es, machen etwas zusammen und gründen jetzt?

Julia: Dass wir etwas zusammen machen wollen, war relativ schnell klar. Verfestigt hatte sich das Ganze, als Veronika in der Agentur gekündigt hat. Ich war zu der Zeit auch unzufrieden, das war Ende 2016.

Veronika: Da hatten wir bereits über ein Jahr zusammengearbeitet. Ich habe einen Abstecher in ein Immobilien-Unternehmen gemacht, und als ich ein bisschen aus diesem täglichen Agentur-Wahnsinn raus war und mich auf strategische Aufgaben konzentrieren konnte,  kam mir die Idee zu myErika. Konkret wurde es im November 2016. Im März 2017 haben wir gegründet.

Was war die größte Herausforderung bei eurer Gründung?

Veronika: Das Thema Businessplan war schwierig, weil wir viele Annahmen ins Blaue hinein treffen mussten. Wir hatten beide keine Erfahrung im Gründen von Technologie-Unternehmen und haben daher insbesondere die technische Komponente des Ganzen etwas unterschätzt. Wir sind gut in Marketing, betriebswirtschaftlichen- und strategischen Dingen, aber von Softwareentwicklung hatten wir keine Ahnung. Auch die zeitliche und finanzielle Komponente zu prognostizieren fand ich sehr schwierig.

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Lisa im Gespräch mit Veronika (links) und Julia (rechts).

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Frauen sind größeren Vorurteilen ausgesetzt und dadurch müssen sie mehr leisten.

Hat euch da jemand geholfen?

Julia: Einen Großteil des Businessplans konnten wir durch unsere Erfahrung im Marketing aufstellen. Dennoch hatten wir beim Finanzplan Hilfe von einem Freund, der schon lange in der Start-up-Welt tätig ist. Er hat uns ein Excel-Monstrum erschaffen, damit war es einfacher. (lacht)

Wie teilt ihr euch auf? 

Veronika: Am Anfang haben wir alles zusammen gemacht, weil wir uns gut ergänzen und während wir sprechen auch weiter denken. So finden wir fast telepathisch zu einer Lösung (lachen beide). Langsam entwickelt es sich aber dahin, dass ich der strategische, übergeordnete und visionäre Part bin, der sich eher langfristig einen Fahrplan zurechtlegt und überlegt, wie man auf gewisse Faktoren reagieren könnte. Julia ist besser im Operativen und in Details.

Julia: Ich versuche, das typische Projektmanagement aus Agenturen wieder verstärkt einzubringen, damit Sachen straighter durchlaufen und nicht lange rumgedödelt wird.

Veronika: Und ich sehe das Kollektiv und denke mich bewusst nicht immer so tief in Dinge hinein, denn manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Es ist wichtig, dass einer den Blick von oben drauf hat und wir uns nicht in Details verstricken.

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Es gründen immer noch verhältnismäßig wenig Frauen Unternehmen – woran liegt das eurer Meinung nach?

Veronika: Frauen sind größeren Vorurteilen ausgesetzt und dadurch müssen sie mehr leisten. Man muss erstmal beweisen, dass man es schaffen und mit dem Druck leben kann – Frauen sind oft auch perfektionistischer. Da hat man den Druck doppelt, die Erwartungen von außen und an sich selber. Das schreckt viele ab. Ich würde mir wünschen, dass wir uns selber mehr zutrauen und stolz auf das sind, was wir erreicht haben – statt immer zu gucken, wo man es noch besser machen könnte.

Ist die Gründerszene nach wie vor männerdominiert?

Julia: Ja, und wenn wir Frauen mal den Ton erheben, sind wir direkt zickig, das haben wir selbst im letzten Jahr erlebt.

Veronika: Stimmt. Männer, die Ansagen machen, sind selbstbewusst und zielstrebig – Frauen dagegen sind zickig und haben ihre Tage. Das ist erschreckend. 

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Männer die Ansagen machen, sind selbstbewusst und zielstrebig – Frauen dagegen sind zickig und haben ihre Tage. Das ist erschreckend.

Welchen Rat habt ihr für junge Gründerinnen?

Veronika: Es ist wichtig, dass man sich einen Plan macht und das große Ziel nicht aus den Augen verliert. Gleichzeitig sollte man aber jeden Tag nehmen, wie er kommt und sich von Rückschlägen nicht aus der Fassung bringen lassen! Bei anderen Gründern und Gründerinnen sieht man immer nur die Erfolge, aber das täuscht und ist nur die Spitze des Eisbergs. Es sind bestimmt alle durch eine harte Schule gegangen mit Schweiß, Blut und Tränen, aber man lässt sich leicht blenden und denkt: “Bei uns läuft es nicht”. Ein anderer Tipp ist auch, dass man sich nicht in eine Form gießt und versucht, jemand anderes zu sein. Jede Gründerpersönlichkeit ist anders; man sollte sich natürlich weiterentwickeln und an seinen Schwächen arbeiten. Aber noch wichtiger ist es, seine Stärken zur Geltung zu bringen und nicht ständig gegen sich anzukämpfen.

Julia: Und man sollte vor nichts zurückschrecken, mutig sein, einfach mal machen.

Wie ist das Business Model hinter myErika?

Veronika: Wir erheben für jeden Auftrag, den ein Dienstleister bekommt, eine Provision. Das Argument dafür ist, dass unsere Plattform quasi die eigene Website des Dienstleisters ersetzt. Wir gehen davon aus, dass jeder Dienstleister Grundkosten hat wenn er sich um Akquise, Zahlungsabwicklung und Rechnungsstellung kümmern muss; zusätzlich zu diesen Fixkosten muss er auch noch Zeit investieren. Durch uns kann er sich auf seinen Kern-Job konzentrieren. Die Stylisten machen Styling und der Handwerker macht sein Handwerk, warum sollen sie sich mit Online-Marketing und Zahlungsabwicklung auseinandersetzen?

Welche Dienstleistungen sind am meisten gefragt?

Veronika: Haushaltsnahe Dienstleistungen wie Wohnungsreinigung, Handwerker, aber auch viel im Beautybereich – da vor allem Braut-Styling oder Hair und Make-up für die Mama und Junggesellinnenabschiede. 

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Bei anderen Gründern und Gründerinnen sieht man immer nur die Erfolge, aber das täuscht und ist nur die Spitze des Eisbergs.

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Wie akquiriert ihr eure Partner? Wie könnt ihr die Qualität eurer Dienstleister sicherstellen?

Julia: Wie akquirieren über Online-Marketing und Eigenrecherche. Die Qualität stellen wir sicher, in dem wir eine Haftpflichtversicherung zur Bedingung machen und gegebenenfalls auch ein polizeiliches Führungszeugnis anfordern – Stichwort Kinderbetreuung. Außerdem kennen wir unsere Dienstleister persönlich oder führen vorher intensive Telefonate. Hin und wieder machen wir sowas wie ein Casting, wo wir die Leute nacheinander treffen. Wir haben auch schon Leute abgelehnt, wenn sie unseren Ansprüchen nicht genügen.

Wie erreicht ihr die Kunden?

Veronika: Im Moment hauptsächlich auch über Online-Marketing, weil wir das mit Google Adwords, Facebook und Instagram relativ genau aussteuern können. Das kann man gut skalieren, wir müssen uns langsam herantasten. Über die Zeit werden wir sicherlich andere Kanäle anzapfen, aber aktuell ist das das Kosteneffizienteste.

Was sind die Ziele für myErika?

Veronika: Das ändert sich immer ein bisschen, aber wir haben erstmal unsere 5 USP’s definiert: Das verbindliche Buchen, die Möglichkeit, sich seinen Wunsch-Dienstleister auszusuchen, alle Branchen zu haben, eine top Usability und dass wir Partner der Dienstleister sind. Diese USP’s möchten wir im Laufe der Zeit optimieren – basierend auf dem Feedback, welches wir von Kunden und Dienstleistern bekommen.  

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Was sollte man bei der Gründung eines Tech-Start-ups beachten?

Veronika: Man muss sich daran gewöhnen, dass man Vieles nicht selbst machen kann und somit auf Leute mit speziellen Fachkenntnissen angewiesen ist. Gerade bei der technischen Konzeption von software-basierten Produkten prallen hier oft Welten aufeinander. Aber irgendwann spielt sich die Arbeit mit “Techies” ein.  

Julia: Wir haben ein gutes Team zusammengestellt, sie verstehen uns so langsam! (lacht) Zwischendurch habe ich aber echt überlegt, selber programmieren zu lernen!

Eure Website wirkt viel emotionaler als andere Angebote aus eurem Bereich …

Julia: Ja, denn die Entscheider zuhause sind die Frauen! Beim Thema Babysitting, aber auch bei handwerklichen Sachen.

Veronika: Oder bei Nachhilfe… Das haben wir mit einer Marktforschung herausgefunden, für die wir viel zu viel Geld ausgegeben haben (alle lachen).

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Statt Luftschlösser zu bauen, setzen die Menschen in Hamburg eher auf Understatement.

Vernetzt ihr euch?

Julia: Wir haben uns sehr lange im Hintergrund gehalten, weil wir nicht wussten, wann wir am Markt sein werden. Jetzt fangen wir es langsam an und gehen auf ausgewählte Events, wo wir die für uns relevanten Personen zum Austausch finden.

Was bietet euch der Standort Hamburg?

Veronika: Ich finde es hier sehr angenehm. Statt Luftschlösser zu bauen, setzen die Menschen eher auf Understatement. Wir sind öfter in Berlin, und wenn man da Leute trifft, sind das oft junge Uni-Absolventen die meinen, sie sind die großen Strategen. Das ist wahnsinnig provokativ formuliert, es gibt da natürlich auch sehr schlaue Menschen. Aber es bringt ja auch nichts, größenwahnsinnig zu werden, nur weil man für 2.000 Euro im Monat ein Büro im Coworking Space hat. Das macht einen noch nicht erfolgreich. Dennoch konzentrieren wir uns hinsichtlich des Dienstleistungs-Angebots erst einmal auf Berlin. Zum einen ist es schlichtweg die größere Stadt mit dementsprechend mehr Anbietern, zum anderen haben wir den Eindruck, dass die Menschen dort oft offener gegenüber Neuem sind.

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Wo kommt denn der Name myErika her?

Veronika: Obwohl wir eine Online-Plattform sind, wollten wir nicht wie eine wahrgenommen werden. Sondern als die gute Seele, die auf Augenhöhe für einen da ist. Deswegen haben wir uns für einen weiblichen Vornamen entschieden. myErika basiert tatsächlich auf einer realen Person: Mein Papa hat eine Erika, er kann viel und ist ein guter Geschäftsmann, aber in vielen alltäglichen Dingen ist er nicht so gut (lacht). Deswegen ist es für ihn total wichtig jemanden zu haben, auf den er sich verlassen kann, der für ihn auf Augenhöhe da ist, nicht unterwürfig wie ein Butler. Jeder soll sich auf das konzentrieren, was er gerne mag und gut kann. Manche sind eben gut in ihrem Beruf, aber nicht darin, Dinge des Alltags zu organisieren. Und es gibt wiederum andere, die das gut können. Diese beiden Seiten zu vernetzen und sich gegenseitig wertzuschätzen ist das, was wir mit dem Namen transportieren wollen.

Vielen Dank für das spannende Gespräch, Veronika und Julia!

 

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Hier findet ihr myErika:

Fotos: Sarah Buth

Layout: Carolina Moscato

 

 

 

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