Trend-Forscherin Pernille Kirstine Møller schaut in die Zukunft

23. Mai 2015

Diese Woche stand in Hamburg alles unter dem Zeichen „Danish Living“ – das dänische Kronprinzenpaar war auf Designtour in Deutschland. Mit im Gepäck hatten sie spannende Speaker, die Vorträge für Presse und Unternehmen in den Bereichen Sustainable Living, Healthy Living, Tasty Living und Stylish Living hielten. Wir haben am Dienstagmorgen dem Slot „Stylish Living“ von Trend-Redakteurin Pernille Kirstine Møller gelauscht. Sie arbeitet für das skandinavische Trendinstitut Pej, ist dort verantwortlich für die viermal jährlich erscheinenden Trendbücher, hält Vorträge auf Fashion Weeks und Möbelmessen und weiß bereits jetzt, wie wir, die Mode und das Interior-Design in zwei Jahren ticken werden. Grund genug, der Dänin ein paar Fragen zu stellen. On top verraten wir, was es mit den drei großen Trendthemen Urban Jungle, Silent Fusion und Slow Living aus ihrem Vortrag auf sich hat.

 

Femtastics: Wie bist du Trend-Redakteurin geworden?

Pernille Kirstine Møller: Ich habe Architektur, Kommunikation und Business Development studiert, mich also auf mehrere Gebiete gleichzeitig spezialisiert. Meine Abschlussarbeit habe ich dann beim Trendinstitut Pej Gruppen geschrieben und bin danach im Unternehmen geblieben.

Wie entdeckst du Trends?

Ich reise viel. Inhouse sind wir nur zu fünft, wir haben aber auch viele internationale Trendagenten, die für uns auf Recherche vor Ort gehen. Desk Research gehört auch zu meinen Aufgaben, wir machen viele Analysen und arbeiten eng mit dem Bereich Farbentwicklung zusammen. Unsere Firma gibt es bereits seit vierzig Jahren – wir haben also auch die Möglichkeit, in unsere Archive zu schauen – was super ist, um Vergleiche zwischen damals und heute zu ziehen.

 

Das Trendthema Slow Living wird im Sommer 2016 noch größer werden.

 

Ihr publiziert Trendmagazine und Bücher, die um die 800 Euro pro Exemplar kosten. Wer kauft bei euch?

Kunden wollen wissen, wie ihre Zielgruppe tickt. Vor allem Lifestyle-Unternehmen aus den Bereichen Fashion, Interior und Food kaufen unsere Trendbücher. Skandinavien ist unser größter Abnehmer, wir haben aber auch Kunden in den USA und in Asien.

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Das dänische Kronprinzenpaar und der Blick aus dem 27. Stock des Emporios auf Hamburg.

 

Die Bücher publiziert ihr 24 Monate vor der aktuellen Saison. Man erfährt bei euch also schon jetzt, was 2017 die größten Trends sein werden. Kannst du uns denn zumindest einen kleinen Einblick in die Trends für 2016 geben?

Das Trendthema Slow Living wird im Sommer 2016 noch größer werden. Vor allem kulturelle Vielfalt wird in der Mode und im Living eine immer größere Rolle spielen. Die zentrale Frage wird sein: Wie fließen ganz unterschiedliche kulturelle Einflüsse in unser Zuhause und in die Mode ein?

In Deutschland heißt es oft, dass die Skandinavier uns einen Schritt voraus sind. Was denkst du darüber?

Es kommt immer drauf an. Für einige Zielgruppen trifft das zu, für andere wiederum nicht. In Dänemark gibt es einige deutsche Interior-Brands, die sich hier super verkaufen. Aber aus internationaler Sicht ist Skandinavien weit vorne. Eine wichtige Rolle spielt dabei sicherlich unser minimalistischer Blick aufs Design.

Vielen Dank, liebe Pernille!

 

Die drei größten Trends 2015 (aus dem Vortrag von Pernille Kirstine Møller)

URBAN JUNGLE

Im Moment leben 54% der Bevölkerung in Städten, 2050 werden es 75% sein. 2015 werden 28 Mega-Cities gezählt, 2050 werden es bereits 41 sein. Für die Menschen wird in den Städten also immer weniger Lebensraum zur Verfügung stehen. Das Bedürfnis, die Natur in die Stadt zu holen wird immer größer. Bereits jetzt feiern Zimmerpflanzen und große Pflanzen-Dekoelemente in Hotels ihr großes Revival, Urban Farming und Rebel Gardening sind nicht mehr wegzudenken und immer mehr künstliche Stadt-Strände werden angelegt, zum Beispiel am Hafen von Norwegen. Das Design und die Mode müssen immer flexibler und anpassungsfähiger sein, auch Nachhaltigkeit gewinnt immer mehr an Bedeutung.

SILENT FUSION

Der deutche Philosoph Hans Magnus Enzensberger sagte bereits: „Ruhe wird im 21. Jahrhundert ein Luxusgut sein.“ – Recht hat er! Wir sind immer und überall online und hinterlassen unsere Abdrücke auf Webseiten, Blogs und auf Social-Media-Kanälen. Digital Detox ist 2015 das Buzzword. Die Sehnsucht nach Freizeit und Ruhe wird immer größer, vor allem in der jungen Zielgruppe. Familie, Freunde, Kinder, Nachbarn – all das rückt wieder in den Fokus. Die Ruhe spiegelt sich auch im Design wieder: zurückgenommene und helle Töne werden immer präsenter, auch in der Herbstsaison 2015. Unisex spielt eine immer größere Rolle, in der Mode aber auch im Wohnen: viel dunkles Holz trifft auf helle Töne wie Hellgrau und Eisblau.

 SLOW LIVING

Vor zwanzig Jahren hatte jeder Mensch im Durschnitt drei Stunden pro Tag, die noch nicht verplant waren und zur freien Verfügung für Freizeitaktivitäten standen. Heute sind es im Schnitt nur noch 20 Minuten. Wir sind die Sklaven unserer Zeit, nehmen unser Handy sogar mit in den Urlaub und sind 24/7 erreichbar. Die Besinnung auf Tradition und aufs Abschalten wird immer größer. Der Wunsch, ein einfacheres Leben zu führen und mehr analog und offline zu machen, wächst. Der Drang der Menschen, die Welt zu entdecken wird weiterhin steigen. Wir wollen im Hier und Jetzt leben und andere Kulturen kennenlernen. Wir können von überall arbeiten – das Nomadentum gewinnt an Bedeutung, „Sophisticated Camping“ ist das Reisethema 2015 und 2016, und Mode und Wohnen werden immer funktionaler und praktischer. Unterschiedliche Kulturen fließen in unseren Wohn- und Modestil noch stärker ein.

Hier findet ihr Pernille:

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