Nachhaltige Blumen: "All the Flowers" liefert regionale Blumen in Büros, Hotels, Restaurants und zu Events
04. Juli 2026
geschrieben von Anna Weilberg

Wir kaufen Biogemüse und Naturkosmetik, achten auf Biobaumwolle, nehmen den Zug anstelle des Flugzeugs – aber bei manchen Konsumentscheidungen denken wir gar nicht über Nachhaltigkeit nach. Bei Blumen, zum Beispiel. Oder habt ihr im Blumenladen schon mal gefragt: "Sind die auch regional?". Dabei gibt es gute Gründe, Blumen regional und saisonal zu kaufen. In einigen Gegenden, wie den Vier- und Marschlanden vor Hamburg, kann man das direkt bei den Produzent*innen machen. Nur ist es natürlich nicht jeder*m möglich, für jeden Strauß zum Hof zu fahren. Und gerade Unternehmen lassen sich gerne schicke Sträuße von Florist*innen liefern.
Da kommt "All The Flowers" ins Spiel: Das Unternehmen bringt lokalen Blumenanbau mit einem bequemen Abomodell für Unternehmen und Events zusammen. Wir sprechen mit dem Co-Gründer Jacob Fels über sein nachhaltiges Konzept.
femtastics: Blumen sind auf den ersten Blick direkt ein schönes Thema. Euch geht es aber um viel mehr. Verantwortung spielt für “All The Flowers” eine zentrale Rolle. Was ist euer Leitprinzip?
Jacob Fels: Saisonal, regional und nachhaltig. Wir sind der Meinung, dass in der Saisonalität eine besondere Schönheit liegt. 12 Monate lang rote Rosen finden wir langweilig und ein Strauß, der die saisonale Veränderung der Natur abbildet, hat einen besonderen Reiz. Regionalität ist eng mit der Saisonalität verbunden, ermöglicht uns aber auch zu zeigen welche unglaubliche Vielfall im regionalen Anbau liegt. Eine Hamburger Iris kann es ohne weiteres mit einer weitgereisten Strelitzie aufnehmen.
Hinzu kommt, dass wir das regionale Handwerk erhalten wollen, gerade in Hamburg gibt es zahlreiche Schnittblumengärtner*innen, die ohne Nachfrage nach regionalen Blumen ohne Absatzmöglichkeiten dastehen. Und nicht zuletzt ist uns ein nachhaltiger Anbau wichtig. Das Thema Ackerchemie ist bei Schnittblumen wirklich krass. Insbesondere importierte Blumen sind mit hochgiftigen Substanzen belastet.
"Ein Strauß, der die saisonale Veränderung der Natur abbildet, hat einen besonderen Reiz."
Bei Blumen denken viele Menschen noch nicht über Nachhaltigkeit nach. Warum ist das aber ein wichtiges Thema?
Es ist gut, dass ihr diese Frage stellt und gleichzeitig wundert es mich immer wieder, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei Schnittblumen fehlt. Natürlich essen wir die Blumen nicht oder schmieren sie uns auf die Haut. Aber in der Regel verbringen wir doch viele Stunden in der direkten Umgebung. Und der Chemie-Mix, der sich auf einem konventionellen Strauß befindet, ist oft besorgniserregend. Regelmäßig gibt es Untersuchungen zu Sträußen, die ergeben, dass sich bis zu 35 unterschiedliche Chemikalien auf einem Strauß befinden, von denen ein Teil in der EU sogar verboten ist. Und dabei sprechen wir jetzt nur über das Endprodukt. Die ökologischen und sozialen Auswirkungen des Anbaus in Entwicklungs- und Schwellenländern sind teilweise katastrophal.














"All The Flowers" Blumenfeld bei Hamburg, Fotos: Carla Ulrich
"All The Flowers" Blumenfeld bei Hamburg, Fotos: Carla Ulrich
"Gerade bei so einem schönen Produkt wie einem Blumenstrauß wollen wir, dass unsere Kund*innen ein gutes Gefühl haben und sich keine Gedanken über Umweltschäden, ausbeuterische Arbeitsbedingungen oder Pestizide machen müssen."
Nachhaltigere Blumen – was heißt das?
Nachhaltig heißt für uns, dass sie ökologisch und fair angebaut werden und wir unseren Kund*innen ein rundum gutes Produkt anbieten können. Gerade bei so einem schönen Produkt wie einem Blumenstrauß wollen wir, dass unsere Kund*innen ein gutes Gefühl haben und sich keine Gedanken über Umweltschäden, ausbeuterische Arbeitsbedingungen oder Pestizide auf dem Empfangstresen machen müssen.
Wie lebt ihr Verantwortung und Nachhaltigkeit mit “All The Flowers” aus?
Nachhaltigkeit ist immer eine Entwicklung, an der man konstant arbeiten muss, und das tun wir. Natürlich haben wir uns erstmal mit unseren Kernprozessen beschäftigt und dafür gesorgt, dass der Anbau ökologisch, die Arbeitsbedingungen fair und zeitgemäß sind und die Transportwege kurz. Aber auch in anderen Bereichen setzen wir unseren Anspruch um. So haben wir Anfang des Jahres unsere eigene Photovoltaik-Anlage in Betrieb genommen und produzieren den Strom, den wir insbesondere im Sommer für Kühlung und Bewässerung brauchen, jetzt mit Hilfe von Photovoltaik selbst.
Regionaler Blumenanbau, das ist gar nicht mehr so selbstverständlich, oder?
Nein, gar nicht. Über 80% der Schnittblumen, die wir in Deutschland kaufen können, werden importiert. Und auch wenn deutsche Blumenhändler*innen den größten Teil ihrer Ware aus den Niederlanden beziehen, heißt das nicht, dass die Blumen in Holland wachsen. Die Niederlande sind überwiegend Blumenhändler und exportieren mehr als doppelt so viel wie sie selber anbauen können. Im Endeffekt bedeutet das, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Blumen, die wir bei uns in die Vase stellen, aus Kenia, Ecuador oder Äthiopien kommen.
"Über 80% der Schnittblumen, die wir in Deutschland kaufen können, werden importiert. Und auch wenn deutsche Blumenhändler*innen den größten Teil ihrer Ware aus den Niederlanden beziehen, heißt das nicht, dass die Blumen in Holland wachsen."
















Blumenanbau bei "All The Flowers", Foto: Claudia Katzmarski
Saisonale Blumen von "All The Flowers", Foto: Jule Frommelt
Foto: Jule Frommelt
Blumenlieferung von "All The Flowers", Foto: Jule Frommelt
Die Sträuße lassen sich wahlweise mit Premium-Vasen liefern, Foto: Jule Frommelt
Foto: Jule Frommelt
Foto: Jule Frommelt
"All The Flowers" Co-Gründer Jacob Fels, Foto: Jule Frommelt
Blumenanbau bei "All The Flowers", Foto: Claudia Katzmarski
Saisonale Blumen von "All The Flowers", Foto: Jule Frommelt
Foto: Jule Frommelt
Blumenlieferung von "All The Flowers", Foto: Jule Frommelt
Die Sträuße lassen sich wahlweise mit Premium-Vasen liefern, Foto: Jule Frommelt
Foto: Jule Frommelt
Foto: Jule Frommelt
"All The Flowers" Co-Gründer Jacob Fels, Foto: Jule Frommelt
Mit wem arbeitet ihr zusammen, wer gehört im weiteren Sinne zu eurem Unternehmen?
Wir decken die gesamte Wertschöpfungskette ab. Unsere Gärtner*innen bauen den überwiegenden Teil unserer Blumen selbst an und wir haben Floristmeister*innen im Team, die die Sträuße gestalten. Dabei geht es um echtes Handwerk, denn durch die Saisonalität ist nicht immer alles ständig verfügbar. Welche Blüten gerade ihre Zeit haben, bestimmt die Jahreszeit und die Erfahrung und das Wissen damit umgehen zu können, ist gar nicht mehr so breit verfügbar.
Wir arbeiten aber auch mit anderen Produzent*innen und der Stadtverwaltung zusammen. So sind wir beispielsweise Teil eines Projektes der Hansestadt Hamburg, welches ein zertifizierbares Nachhaltigkeitssystem für Hamburger Schnittblumenproduzent*innen entwickelt.
Ihr habt euch entschieden, einen B2B-Blumenservice zu gründen, das heißt, ihr liefert Blumen an Unternehmen. Für wen ist euer Service gedacht?
Unsere Blumen passen fast überall rein. Beispielsweise in Büroräume, an den Empfang, in die Gastronomie oder in Hotels. Die unterschiedlichen Einsatzbereiche spiegeln sich auch bei unseren Kund*innen wider. Von der "Berlinale" über Offices bis hin zu Hotels ist alles dabei.
Ein großer Teil unserer Blumen geht auch zu Events jeglicher Art. Beispielsweise als Tischdekoration bei Dinners, große Sträuße neben der Bühne oder ganze Ausstattungen für Partys. Gerade bei Events sehen viele den Vorteil, dass sie mit unseren Blumen Haltung zeigen können und signalisieren, dass ihnen Nachhaltigkeit wichtig ist.
Wir bieten Unternehmen das Rundum-Sorglospaket für alles, was mit Blumen zu tun hat.
Welche weiteren Leistungen gehören dazu?
Neben dem regelmäßigen Abo für den Empfang, die Bar oder Lobby, kümmern wir uns auch um die Ausstattung von Events wie Produktpräsentationen, Sommerfesten oder Dinners. Aber auch um kleine Freuden für Mitarbeiter*innen und Geschäftspartner*innen. So kann man bei uns beispielsweise ein Geburtstagsabo buchen, bei dem wir zu den Geburtstagen der Mitarbeitenden einen nachhaltigen Strauß als kleine Aufmerksamkeit bringen.
"Gerade bei Events sehen viele den Vorteil, dass sie mit unseren Blumen Haltung zeigen können und signalisieren, dass ihnen Nachhaltigkeit wichtig ist."
Nachhaltigkeit hat in deiner beruflichen Laufbahn immer eine Rolle gespielt. Warum liegt dir das Thema am Herzen?
Mich reizt als Unternehmer, die unterschiedlichen Anforderungen zusammenzubringen – nur viel Geld zu erwirtschaften finde ich genauso langweilig wie reine Charity-Projekte. Mich interessieren Konzepte, die einen hohen ökologischen und sozialen Anspruch haben und trotzdem ökonomisch erfolgreich sind. Das hat mich schon im Studium begeistert und hat mich auch in meiner Zeit als Unternehmensberater beschäftigt. Und auch jetzt neben meiner Tätigkeit bei "All The Flowers" arbeiten wir ständig an Ideen und Konzepten, die genau das vereinen. Das ist übrigens auch der Bereich, wo sich meine Interessen mit denen meines Co-Founders Marc Schmidheiny zu 100% überschneiden. Wir teilen beide diese Leidenschaft und sie ist die wichtigste Grundlage für die Gründung von "All The Flowers".