Hinfühlen statt wegsehen: So rücken C&A und Christina Kempkes von „Pink Ribbon Deutschland“ die Brustkrebsvorsorge in unseren Fokus

15. Oktober 2020
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Für Christina Kempkes, Co-Gründerin der gemeinnützigen Organisation „Pink Ribbon Deutschland“ ist der Brustkrebsmonat Oktober ein wichtiger jährlicher Anlass, die Vorbeugung von Brustkrebs noch stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Brustkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen – es werden mehr als eine Million Brustkrebserkrankungen pro Jahr neu diagnostiziert. Was viele nicht wissen: Die Überlebensrate beträgt 82 Prozent bezogen auf 10 Jahre. Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Brustkrebs-Prävention ist somit ein zentrales Thema: Die regelmäßige Selbstabtastung ist ein wichtiger Teil der Vorsorge. Darunter wird das Abtasten der eigenen Brüste mit den Fingern verstanden. Vor zehn Jahren hat die Journalistin und Kommunikationsexpertin Christina Kempkes zusammen mit ihrem Geschäftspartner „Pink Ribbon Deutschland“ gegründet. Anlässlich des Projekts „The Reminder Bra“, welches C&A in diesem Oktober erstmals auch international lancierte, haben wir Christina Kempkes getroffen. Im Interview sprechen wir über ihre persönliche Motivation, warum man nicht früh genug mit der Prävention starten kann und wie sich die Corona-Krise auf betroffene Frauen und gemeinnützige Organisationen wie „Pink Ribbon Deutschland“ auswirkt.


Gemeinsam geht’s besser! Glücklicherweise gibt es neben Organisationen wie „Pink Ribbon Deutschland“ viele weitere Initiativen, um die Aufklärung rund um das Thema Brustkrebs zu stärken. So hat es sich auch C&A zur Aufgabe gemacht, mit einem eigenen Projekt zu unterstützen. In diesem Oktober launchte das Unternehmen das internationale Projekt „The Reminder Bra“, um langfristig Aufmerksamkeit für das Thema Brustkrebs zu schaffen – durch die Erinnerung an die monatliche Selbstuntersuchung mit einer Push-Benachrichtigung. Um Frauen dabei zu helfen, an die wichtige Vorsorge zu denken, hat C&A „The Reminder Bra Project“ ins Leben gerufen – einen kostenlosen Kalendereintrag, der Kundinnen monatlich an die Selbstkontrolle und jährlich an den Besuch beim Gynäkologen erinnert. Kundinnen können diesen QR-Code ganz einfach mit dem Smartphone scannen. Der Scan leitet die Kundin auf eine Landingpage weiter, auf der die Sprachauswahl vorgenommen werden kann und der Kalender heruntergeladen werden kann. Dadurch wird automatisch ein Kalendereintrag im Smartphone erstellt – der nicht nur die monatliche Erinnerung an die Vorsorge, sondern auch interessante Fakten und Tipps rund um das Thema Gesundheit enthält. C&A geht aber noch einen Schritt weiter: Die Benutzerinnen werden darum gebeten, den QR-Code mit Familienmitgliedern, Freunden und Kollegen zu teilen!


femtastics: Warum ist die Brustkrebsfrüherkennung so wichtig?

Christina Kempkes: Solange es keine Möglichkeit gibt, die Erkrankung Brustkrebs zu verhindern, ist die Früherkennung ein sehr wichtiges Mittel. In vielen Fällen wird so eine bessere Behandlung ermöglicht und die Heilungschancen steigen deutlich. Ich komme selbst aus einer Brustkrebsrisikofamilie, ich war mit dem Thema Früherkennung vertraut und wusste stets, wie wichtig die Vorsorgetermine sind. Für mich war das also eine Selbstverständlichkeit, für viele ist es das bis heute nicht. Es war und ist eine wichtige Aufgabe, gesunde Frauen zu erreichen und sie mit einem Thema vertraut zu machen, mit dem sie sich eigentlich nicht vertraut machen möchten. Mit „Pink Ribbon Deutschland“ haben wir es relativ schnell geschafft, Menschen für dieses Thema zu begeistern.

Erzählen Sie mir vom Anfang von Pink Ribbon Deutschland: Warum haben Sie Pink Ribbon gegründet?

Wir feiern dieses Jahr unser zehnjähriges Jubiläum hier in Deutschland. Vor zehn Jahren hatte ich mit meinem Geschäftspartner eine klassische Kommunikationsagentur. Wir sind mit dem Thema Brustkrebs einmal über einen Fall im privaten Umfeld meines Geschäftspartners und durch einen beruflichen Kontakt zu „Pink Ribbon Schweiz“ in Berührung gekommen. Wir hatten als Agentur immer den Anspruch, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Wir haben dann Gespräche mit der Deutschen Krebshilfe geführt, uns stark mit der Thematik beschäftigt und gemerkt, dass wir mit unserem Können und Know-how im Bereich Kommunikation wirklich etwas bewirken können. Wir haben das zunächst als ein ehrenamtliches Engagement innerhalb der Agentur mit festen Zeitkontigenten gestartet. Es gab einen Bedarf dafür, mehr Kommunikation zum Thema Brustkrebsfrüherkennung zu betreiben. Es wuchs recht schnell und lief gut und irgendwann mussten wir uns entscheiden, wie wir weiter machen. Also haben wir die gemeinnützige Organisation „Pink Ribbon Deutschland“ gegründet.

 

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Wie hat sich die Aufmerksamkeit bezüglich des Themas Brustkrebsfrüherkennung in der Gesellschaft in den letzten zehn Jahren verändert? Wo stehen wir heute und wann ist Ihr Ziel erreicht?

Ich werfe den Stein weit: Unser Ziel ist erreicht, wenn das eigene Beschäftigen mit der persönlichen Gesundheit – das fängt beim monatlichen Abtasten der Brust an – so selbstverständlich ist wie das tägliche Zähneputzen.

Aber so ist es leider noch nicht.

Da gibt es noch viel zu tun und das Thema hat überdies viele Facetten. Über die Jahre ist das Thema Früherkennung bekannter geworden und es wird mehr in der Öffentlichkeit darüber gesprochen, auch fernab von dem Fall, dass eine Prominente betroffen ist. Aber es gibt noch viele Facetten, die momentan noch weniger im Fokus stehen, zum Beispiel die Überlegung, was passiert, nachdem die Frau eine Krebserkrankung überstanden hat. Mitnichten ist dann wieder alles gut oder so wie vorher. Was macht der Partner oder was machen die Kinder in dem Moment durch, indem die Frau und/oder Mutter von der Erkrankung erfährt? Das sind oftmals ganz pragmatische Fragestellungen: Wie läuft der Alltag weiter? Organisatorische und finanzielle Themen tauchen auf, die ebenfalls Lösungen bedürfen.

Wie greift „Pink Ribbon Deutschland“ diese Aspekte auf?

Wir initiieren viele Projekte, bei „Pink Kids“ beispielsweise stehen Jugendliche, die einen Brustkrebsfall in der Familie haben, anderen Jugendlichen in einer ähnlichen Situation mit den Erfahrungen, die sie gemacht haben, zur Seite.

Es geht darum, den eigenen Körper zu kennen und Veränderungen wahrzunehmen.

Warum sollten insbesondere auch junge Frauen das Thema Früherkennung auf dem Radar haben?

Brustkrebs ist eine Krankheit, die gehäuft im höheren Alter auftritt. Dennoch sind junge Frauen ebenfalls betroffen und unsere Position ist, dass es absolut nicht schadet, wenn ich als Frau um das Thema weiß und im Rahmen meiner eigenen, selbstverständlichen Pflegeroutine monatlich die Brust abtaste, mich also mit der Thematik auseinandersetze. Es geht darum, den eigenen Körper zu kennen und Veränderungen wahrzunehmen.

Und das Abtasten ist eben eine sehr gute Möglichkeit, frühzeitig Veränderungen festzustellen?

Genau. Man ist als Frau eigentlich seit jungen Jahren damit vertraut, regelmäßig zum Frauenarzt zu gehen und sich hier über entsprechende Vorsorgeangebote zu informieren und diese in Anspruch zu nehmen. Das regelmäßige Abtasten ist darüber hinaus eine Möglichkeit der eigenen Achtsamkeit, die ich nutzen kann – ohne großen Aufwand und relativ unkompliziert. Es spricht nichts dagegen, sich mit dem eigenen Körper zu beschäftigen – und zwar so früh wie möglich. Das war auch die Idee hinter dem Projekt mit C&A, also einen monatlichen Reminder zu schaffen.

 

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Was hilft präventiv gegen Brustkrebs?

Es gibt durchaus Dinge, die man tun kann, um das Risiko zu mindern: nicht Rauchen, Alkohol in Maßen konsumieren, gesunde Ernährung – aber auch Bewegung. Studienergebnisse zeigen, dass gerade im Fall von Brustkrebs das Risiko um circa 20 – 25 Prozent minimiert werden kann. Das sind keine Garantien, vielmehr ein Plädoyer für ein freudvolles, gesundes Leben. Gut zu sich selbst sein und nach Möglichkeit Dinge tun, die auch dem eigenen Körper guttun.

Würden Sie sagen, dass das Thema Brustkrebs noch ein Tabuthema ist?

Dadurch, dass wir alle Frauen ansprechen, ist unsere Zielgruppe weit gefasst – eine pauschale Aussage ist hier schwierig. Ich würde weniger von Tabu sprechen, sondern vielmehr von Unwissenheit. Durch Unwissenheit entstehen Ängste und Vorbehalte und die wiederum führen zu einem Wegsehen. Deswegen ist unsere Aufforderung: Hinschauen statt Wegsehen. Denn dadurch, dass man wegschaut, ändert man schließlich nichts, im Gegenteil – man nimmt sich Chancen.

Wir entwickeln gerade in Zusammenarbeit mit städtischen Integrationsämtern Informationsunterlagen für Frauen mit anderen sprachlichen oder kulturellen Hintergründen – zum Beispiel auf Hocharabisch, Farsi, Türkisch, Spanisch und Französisch. Wir wollen Informationen geben, Wissen schaffen und Tabus überwinden.

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Am 1.1o.2020 hat C&A in Solingen einen Panel Talk anlässlich des Brustkrebsmonats veranstaltet.

Die Corona-Krise betrifft an Brustkrebs erkrankte Frauen besonders. Auch Ihre Organisation bemerkt die Auswirkungen. Wie wirkt sich COVID-19 auf Ihr Engagement aus?

Ich fange mal mit der Lage für unsere Organisation an: Da wir vielfach von Spenden abhängig sind, die auf Veranstaltungen generiert werden, befinden wir uns in einer sehr schwierigen Situation. Im Sommer sind sämtliche Events ausgefallen, das heißt uns fehlt diese wichtige Möglichkeit, Menschen zu treffen und über dieses Thema zu sprechen, die Botschaft also weiterzutragen. Als gemeinnützige Organisation fallen wir leider durch den Corona-Rettungsschirm der Regierung. Gleichzeitig können wir als gemeinnützige Organisation – anders als ein wirtschaftliches Unternehmen – keine Rücklagen bilden.

Der für mich aber viel wichtigere Punkt ist: Was macht das mit den erkrankten Frauen? Frauen, die sich gerade in Behandlung befinden oder die Behandlung abgeschlossen haben, zählen direkt zur vollen Corona-Risikogruppe. Es gibt viele Sorgen, mit denen auch wir konfrontiert werden. Hier ist Solidarität enorm wichtig, wir plädieren für besondere Rücksichtsnahme. Und im Rahmen der Brustkrebsfrüherkennung wissen wir, dass viele Vorsorgetermine nicht stattgefunden haben, da nicht akute Arzttermine vermieden werden sollten. Das birgt einige Schwierigkeiten mit bestimmten Konsequenzen.

Es ist wichtig, auf eine respektvolle Weise zu zeigen, dass es möglich ist, mit dieser Erkrankung gut umzugehen, sie zu überwinden und sein Leben danach gut weiterzuführen.

Mit „Pink Ribbon Deutschland“ haben Sie sich einer Thematik verschrieben, die gleichermaßen mit den Aspekten Leben wie Tod verbunden ist. Was ist Ihre persönliche Motivation? Wie schaffen Sie es dieses Thema mit dieser gewissen Leichtigkeit zu vermitteln?

Das hat erstmal mit der grundsätzlichen Erkenntnis zu tun, dass Tod und Leben untrennbar miteinander verbunden sind. Der Tod gehört somit zum Leben dazu. Die Arbeit, die ich machen darf, bringt mich mit so vielen unglaublich starken, kraftvollen und mutigen Menschen in Kontakt. Diese Menschen überwiegen mit ihrer Energie und Positivität alles, was an Negativem da ist. Der Umgang mit diesem Thema und die Gedanken, die einem dadurch kommen hinsichtlich einer grundsätzlichen Einschätzung, was wirklich wichtig im Leben ist, das macht das Leben lebenswerter. Es ist also eine unglaublich bereichernde und erfüllende Arbeit. Es ist wichtig, auf eine respektvolle Weise zu zeigen, dass es möglich ist, mit dieser Erkrankung gut umzugehen, sie zu überwinden und sein Leben danach gut weiterzuführen.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Frau Kempkes!

Hier findet ihr „Pink Ribbon Deutschland“:

Foto: Darren Jacklin

– Anzeige: Diese Story ist in Zusammenarbeit mit C&A entstanden –

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