Sevil Uguz weiß, welche Mode junger Designer sich verkauft

Von: 
14. Juli 2015
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Go – Bikini Berlin heißt eine Eventreihe, die dieses Jahr erstmals im Berliner Bikini-Gebäude stattfindet. Vom 1. Juni bis zum 17. Juli 2015 dreht sich die Pop Up Trade Show, die jedem Besucher offen steht, um die Schwerpunkte Fashion, Lifestyle & Startup. Den Themenbereich Fashion organisierte Sevil Uguz, Inhaberin von LNFA, Live Networking for Fashion & Art, einer Agentur für Designer und Künstler, die ihren eigenen Shop im Bikini Berlin betreibt. Wir treffen Sevil Uguz während der Fashion Week, um über ihre erste Modemesse zu sprechen.

 

Femtastics: Was ist LNFA?

Sevil Uguz: LNFA ist Geschäft – ein Concept Store – und gleichzeitig eine Agentur. Das Besondere an uns ist, dass wir nur mit jungen Designern zusammenarbeiten. Das heißt, wir versuchen, durch den Verkauf Geld für die Designer zu generieren und durch die Agentur schaffen wir Reichweite für sie. Fast 90 Prozent dieser Brands haben keine eigene PR-Abteilung. Wir bieten ein Komplettpaket.

Ihr habt euch das Ziel gesetzt, junge Designer zu fördern. Wie wählt ihr aus, mit wem ihr zusammenarbeitet – geht ihr gezielt auf Designer zu, die zu euch passen, oder kommen die Designer auf euch zu?

Die kommen mittlerweile sehr proaktiv auf uns zu. Man hört durch Mundpropaganda von uns. Vorher, als wir vor anderthalb Jahren angefangen haben, hatten wir hier 15 Designer, die hatte ich gefragt, ob sie mit uns arbeiten wollen. Seitdem haben wir nie wieder Akquise gemacht. Und wie wählen wir sie aus? Qualität ist wichtig. Nicht jeder, der eine Vision hat, kann auch dem Retail standhalten. Retail ist etwas Anderes als Laufstegmode. Kleidung, die sich gut verkaufen soll, muss lange halten, sie muss waschbar sein. Wir haben aber auch experimentelle Mode und Designer, die man sonst in Deutschland nicht kaufen kann.

 

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Und habt ihr einen bestimmten Stil, zu dem die Labels passen müssen?

Nein, wir haben keine Marschrichtung. Das war von Anfang an Absicht. Wir haben Menswear und Womenswear. Dadurch, dass unser Store hier in einer „Concept Mall“ drin ist, möchten wir für jeden etwas haben: für Jung und Alt, für jedes Budget.

Als Agentur bietet ihr für Designer unterschiedliche Leistungen an – von PR-Beratung bis zur Organisation von Fashion Shows. Wie macht ihr das, holt ihr euch entsprechende Experten mit ins Team?

Zur Fashion Week holen wir uns Hilfe. Wir arbeiten nur mit Menschen, die wir auch kennen, das sind meistens Freunde, die wir mit dazu holen.

Wie viele Mitarbeiter habt ihr denn fest im Team?

Fest sind es 13 Mann. Zwei, drei Leute arbeiten in der Agentur.

Aus Deiner Erfahrung: Was ist das Wichtigste für ein junges Label, um erfolgreich zu sein?

Tragbarkeit ist wichtig, sie macht den Verkauf aus. Wir haben auch verrückte Kleidungsstücke, bei denen wir dem Kunden erklären müssen, wo der Arm reingeht – aber sie müssen tragbar sein. Außerdem: Qualität. Und Durchhaltevermögen. Das vergessen die meisten. Über Nacht ohne Geld irgendwie bekannt werden, das funktioniert so nicht. Viele Designer denken, es würde reichen, wenn sie ganz viel Presse haben, um ihre Mode gut zu verkaufen, aber das stimmt nicht. Wir haben viele Designer, die ständig in der Presse sind, aber das ist kein Garant für Verkauf.

 

Die Berliner Modeszene braucht die Zusammenarbeit.

 

Sind Fashion Shows wichtig für Designer?

Na ja, also wenn man damit einmal angefangen hat, gibt es leider keine Rückkehr mehr. Und ab einer gewissen Größe des Modelabels: ja, dann sind Fashion Shows wichtig. Man muss bedenken: Wir verkaufen ja nur an den Konsumenten. Viel spannender für die Designer sind die Einkäufer und die beobachten sehr lang. Und je mehr Präsenz du hast, auch durch Fashion Shows, desto eher werden auch internationale Einkäufer auf dich aufmerksam.

Jetzt macht ihr erstmals, zusammen mit Go – Pop Up, ein Pop-Up-Event im Bikini-Gebäude. Erzähl mal, was ihr da macht. 

Wir wollten immer eine eigene Messe haben – eine Mini-Messe oder einen Riesen-Showroom, je nachdem, wie man es sieht. Unsere Designer, die wir betreuen, fragen uns immer: Bekommen wir denn Einkäufer in den Shop? Aber die kommen nicht einfach so. Deswegen wollen wir eine Messe. Zufällig haben wir Go – Pop Up kennengelernt und sie wollten eine Pop-Up-Messe veranstalten, mit drei verschiedenen Schwerpunkten –Startups, Lifestyle und Fashion. So kam die „Trade & Shop“ zustande. Unsere Idee war, die Messe vielleicht auch ins Ausland zu bringen. … Und jetzt gibt es wunderbare Neuigkeiten.

Die wären?

Nächstes Jahr wird unsere Messe auch in London stattfinden, im Januar 2016 im Rahmen der London Fashion Week, zur Menswear. Das ist total krass!

Glückwunsch! Wie schätzt Du denn bislang den Bekanntheitsgrad junger deutscher Labels im Ausland ein?

Schwer. Also ich habe eine unserer Designerinnen zum Beispiel nach Paris begleitet. Wobei Paris auch das härteste Pflaster ist. Und in Frankreich ist deutsche Mode einfach nicht beliebt, generell.

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Die Deutschen sollen keine Mode machen, das machen die Franzosen?

So ist es. Deutsche Mode wird dort nicht ernst genommen. Das ist ein Riesenproblem. Wir möchten unsere Messe „Trade & Shop“ gerne auch nach Paris bringen – aber dann ohne zu sagen, dass es Berliner oder deutsche Designer sind. Es sind einfach Designer. Wir werden nicht „Berlin“ drüber schreiben. Einfach deshalb, weil Berlin als Modestadt noch jung ist und bis da eine Ernsthaftigkeit entsteht, das dauert. Barcelona und Istanbul hat als Modestädte ja auch keiner auf dem Schirm, da ist das Problem ähnlich.

 

Die Asiaten mögen deutsche Mode. In den USA kommt unsere Mode auch gut an. Für die Italiener sind wir zu schlicht.

 

Und in anderen Ländern, außer Frankreich, wie steht es da um die deutsche Mode?

Anderswo läuft es besser. Die Asiaten mögen deutsche Mode. Wir haben zum Beispiel viele Brands nach Tokio vermitteln können. In den USA kommt unsere Mode auch gut an. Für die Italiener sind wir zu schlicht, für die sind wir nicht interessant.

Also nennt man sich im Ausland vielleicht besser gar nicht „Berliner Label“?

Schwierig. Nur von der deutschen Qualität sprechen, das zieht. „Produktion in Deutschland“ funktioniert sehr gut, weil man auch im Ausland weiß, wie die Standards hier sind. … Aber besser nicht von „Berliner Jungdesignern“ sprechen.

Wie siehst Du denn die Berliner Modeszene?

Ein Problem ist, dass nicht alle Designer versuchen, zusammenzuarbeiten. Hier gibt es viel Neid und Konkurrenz. Klar, diese Eigenschaften gibt es auch anderswo. Aber Berlin braucht die Zusammenarbeit. Wir müssen hier erst einmal zusammenarbeiten, bevor wir einander den Erfolg neiden. Wir müssen erst einmal einen gemeinsamen Standard etablieren, um weiterzukommen. … Wenn man sieht, wie es gerade um die Designer bestellt ist, und um Messen wie die Bread & Butter, dann merkt man: Es wird gerade ausgesiebt, die Wirtschaft siebt einfach aus.

Wer besteht? 

Labels, die wissen, wer ihr Kunde ist. Das wissen die wenigsten. Und diejenigen, die durchhalten. Glaubt nicht, dass in den ersten drei Jahren etwas passiert.

Vielen Dank für das Gespräch, Sevil. 

 

Hier findet ihr Sevil:

 

– in Kooperation mit LNFA –

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