Von getrockneten Blumen und romantischen Gedichten – Poems & Posies by Wildflowers

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Während der letzten Berliner Modewoche fanden wir uns plötzlich in einem Showroom voll mit unglaublich romantischen Blumen und den schönsten Vintage-Möbeln im Siebziger Stil wieder – verantwortlich hierfür waren die Berlinerinnen Maggie Coker und Jasmin Lünstroth von Poems & Posies by Wildflowers, die vor Ort Kränze banden und kleine Sträuße zauberten. Natürlich verabredeten wir uns zum Interview bei unserem nächsten Berlin-Besuch. Zwei Monate später betreten wir die Wohnung von Maggie in Neukölln und tauchen schon wieder in ein absolutes Paradies aus charmant wilden Sträußen und traumhaften Möbeln ein. Hier und in ihrem Koop-Space, dem Rag And Bone Man Vintage Shop, erzählen uns die beiden, wie sie sich gefunden haben, warum sie getrocknete Blumen so sehr lieben und wie sie an der Rückkehr der Knopflochblume arbeiten.

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Wir interviewen die beiden in Maggies Wohnung in Neukölln.

femtastics: Was ist die Idee hinter Poems & Posies by Wildflowers?

Maggie: Es geht darum, ein wenig Romantik und gute Energie zu verbreiten …

Jasmin: … nicht nur ein wenig, sondern ganz schön viel!

Da stimme ich zu!

Maggie: Wir sind ein wenig old fashioned aber auch nachhaltig, unsere Nische sind getrocknete Blumen. Bei unseren Blumen und Sträußen ist immer ein Gedicht dabei, für die extra Portion Romantik.

Wie seid ihr auf die Idee mit den Gedichten gekommen?

Jasmin: Das kam von Maggie. Ich war vorher als “Wildflowers” unterwegs.

Maggie: Das stimmt, Jasmin ist Posies und ich bin Poems. Wir haben uns über Freunde kennengelernt und uns irgendwann in einem Café unterhalten.

Jasmin: Ich habe dort gearbeitet und immer auf dem Tempelhofer Feld Blumen für das Café gepflückt. Ich war also immer mit einem mit Blumen vollgepackten Fahrrad unterwegs. Maggie hat mich irgendwann gesehen und mich angesprochen.

Maggie: Ich habe vor fünf Jahren den Vintage-Laden Rag And Bone Man gegründet und wollte vor einem Jahr etwas anderes machen, den Store zu neuem Leben erwecken. Mir kam die Idee, eine Art Blumen-Studio daraus zu machen. Aber das hätte ich nicht allein geschafft, also brauchte ich eine Geschäftspartnerin. Als ich Jasmin auf ihrem Blumenrad sah, wusste ich, das ist meine Geschäftspartnerin!

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In Maggies Wohnung tummeln sich lauter Vintage-Schätze.

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Das Makramee ist von dem Label California Dreaming, deren Betreiber auch mit im Rag And Bone Man Vintage Shop sitzen.

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Was für ein schöner Zufall! Also habt ihr euch einfach zusammengetan.

Maggie: Jasmin hatte gleich so viele Ideen und Moodboards, es ging Schlag auf Schlag.

Jasmin: Wir haben einen ähnlichen Geschmack, lieben beide alte Möbel und Vintage-Schätze. Meine Wohnung sieht Maggies Wohnung sehr ähnlich.

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So wurde aus Rag And Bon Man Vintage schließlich ein Kollektiv.

Maggie: Mittlerweile sind noch California Dreaming mit ihren Makramees und The Future Breakfast mit ihrem leckeren Frühstück dabei.

Wo findet ihr die Gedichte?

Maggie: Es sind oft alte Gedichte oder Lyrics von unseren Lieblingsmusikern wie Neil Young, David Bowie oder Prince. Vielleicht sind auch irgendwann mal Gedichte von mir mit dabei, ich habe früher sehr gerne Gedichte geschrieben.

Mach das unbedingt! Ihr habt keine klassische Floristen-Ausbildung absolviert, oder?

Jasmin: Deswegen sind unsere Sträuße so schön wild! (Lacht) Learning by doing funktioniert hier wirklich gut. Du lernst sehr schnell, wie du die Blumen schneidest, trennst und bindest. Ich denke, wenn du die Floristen-Ausbildung gemacht hast, bist du vielleicht nicht mehr so frei.

Die Ausbildung ist auch sehr klassisch und konservativ, nehme ich an. Man denkt schnell an kitschige Tankstellen-Sträuße. Was sind eure Lieblingsblumen?

Jasmin: Ich mag Flieder sehr gern und im Moment stehe ich total auf Nelken. Das sind irgendwie die Arbeiterklasse-Blumen und in einigen Ländern finden sie hauptsächlich bei Beerdigungen Verwendung. Sie sind nicht einfach zu verschenken, aber es gibt Nelken in allen möglichen Farben und ich bin ein großer Fan.

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Gerade wenn man nicht viel Geld hat, kann man sein Zuhause mit Blumen sehr einfach verschönern.

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Blumen sind also auch gewissen Trends unterlegen.

Jasmin: Auf jeden Fall! Momentan gibt es einen großen Eukalyptus-Trend, er wird in alle möglichen Sträuße gebunden.

Außerdem gibt es einen großen Zimmerpflanzen-Trend, wo kommt der auf einmal her?

Jasmin: Ich bin davon schon sehr gelangweilt, die Kakteen sehen überall gleich aus.

Maggie: Ich denke, das kommt auch von dieser Sehnsucht nach ursprünglicher Natur. Irgendwie will ja jeder gerade ein Farmer oder Holzfäller sein. Aber es ist ein schöner Trend, denn Pflanzen und Blumen geben der Wohnung etwas sehr Besonderes. Gerade wenn man nicht viel Geld hat, kann man sein Zuhause mit Blumen sehr einfach verschönern.

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Statt eine SMS zu schreiben, lieber einen Blumenstrauß mit Gedicht verschenken!

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Ich kann mir gar nicht vorstellen, ohne Pflanzen zu wohnen.

Jasmin: Ich glaube, hier spielt auch die Sehnsucht nach der Kindheit mit rein. Es werden ja auch wieder viel Marmeladen eingemacht, alles geht wieder einen Schritt zurück und da passen wir mit unserer Romantik gut rein. Statt eine SMS zu schreiben, lieber einen Blumenstrauß mit Gedicht verschenken!

Was ist das Besondere an getrockneten Blumen?

Maggie: Ich finde sie einfach schön. Wir trennen uns viel zu schnell von schönen Dingen und schmeißen sie einfach weg. Dabei haben gerade getrocknete Rosen so viel Schönheit und Anmut.

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Ich liebe getrocknete Blumen tatsächlich auch mehr als frische.

Jasmin: Getrocknete Blumen haben eine ganz besondere Struktur, sie fühlen sich fast wie Seide an.

Ihr trocknet die Blumen alle selbst. Sind das spezielle Blumen?

Jasmin: Nein, aber es ist für uns sehr einfach, zum Beispiel Rosen zu trocknen. Wir hängen sie einfach kopfüber im Laden auf. Man kann sie auch mit Haarspray besprühen, damit die Rosen ihre Farbe behalten, aber wir mögen genau das gern, dass getrocknete Rosen ihre Farbe ändern.

Blumen trocknen kann also jeder ganz einfach zu Hause machen und muss die Blumen nicht wegschmeißen.

Jasmin: Man darf nur den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen, sonst faulen die Blüten. Der Stengel muss trocken sein. Gut ist auch, wenn die Blüte noch etwas geschlossen ist. Am besten trocknet man Blumen in einem trockenen und kühlen Raum.

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Wir trennen uns viel zu schnell von schönen Dingen und schmeißen sie einfach weg.

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Was wird der nächste Trend in Sachen Blumen?

Jasmin: Wir sind große Fans von schönen Knopflochblumen, die die Herren am Revers tragen – die sollten unbedingt wiederkommen! Die wollen wir mit unserem Blumenrad auf Flohmärkten verkaufen oder mit Körben und in Blumenkleidern durch die Bars tingeln.

Wo bekommt ihr eure Blumen her?

Jasmin: Ganz klassisch vom Blumenmarkt, wir schauen aber gerade nach Leuten, die Blumen auf dem Land in der Umgebung von Berlin züchten. Wir mögen auch Hafer und Gräser gern, die bekommt man zum Beispiel nicht auf dem Blumenmarkt.

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Seid ihr dann auch um fünf Uhr morgens auf dem Blumenmarkt unterwegs?

Maggie: Nein, das brauchen wir zum Glück nicht. (Lacht) Unser Stil ist so anders, sodass wir nie dieselben Blumen brauchen wie viele andere Blumenläden. Wir sind immer auf der Suche nach den etwas besonderen Blumen.

Dann kennt man euch wahrscheinlich schon sehr gut auf dem Blumenmarkt!

Maggie: Es ist sehr lustig, wir sind immer die, die die vermeintlichen Ladenhüter mitnehmen – aber genau die Blumen lieben wir eben.

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Zur Inspiration schaue ich mir alte Gemälde von Blumen an.

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Habt ihr bestimmte Stilikonen?

Jasmin: Zur Inspiration schaue ich mir alte Gemälde von Blumen an. Und ich bewundere meine Großmutter. Ich glaube, meine Leidenschaft für Blumen kommt von ihr. Sie hatte einen großen Garten und hat mir all die Namen von den Blumen beigebracht.

Maggie: Bei mir war es eine Nachbarin, die mir die Blumenwelt näherbrachte – eine wunderschöne Griechin, die mir Rosen aus ihrem Garten schenkte. Sie hat mir immer Bescheid gesagt, wenn sie die Rosen abgeschnitten hat und ich habe zugeschaut. Mein ersten Job hatte ich dann tatsächlich in einem Blumenladen. Das hat total viel Spaß gemacht, von diesen vielen schönen Blumen umgeben zu sein. Blumen sorgen bei mir immer für gute Laune, deswegen ist auch meine ganze Wohnung voll davon.

 

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Ihr stattet Hochzeiten aus und bekommt mittlerweile Großaufträge, ihr habt zum Beispiel den H&M Showroom während der letzten Fashion Week Berlin ausgestattet. Wollt ihr solche Aufträge öfter machen?

Maggie: Auf jeden Fall, denn als kleines Unternehmen geben uns diese Aufträge Planungssicherheit. Leider sind Blumen sehr teuer, deswegen ist das sehr wichtig.

Jasmin: Beim mint & berry Flowermarket haben wir zum Beispiel einen Blumenstand mit schönen alten Möbeln und bieten Blumen-Workshops an.

Dann sehen wir euch ja bald in Hamburg wieder, wir freuen uns drauf!

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Hier findet ihr Poems and Posies by Wildflowers:

Fotos: Silvia Conde

 

 

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