Kimchi, cuter Kram und Körpertausch: die Superkräfte der Ubin Eoh

Bei Ubin Eoh zu Hause riecht es nach Kimchipancakes, frischer Wäsche und dem Weißen der Milchschnitte. Gerüche spielen im Leben der Autorin eine wichtige Rolle. Überhaupt weiß Ubin Eoh sehr genau, womit sie Magie im Alltag herstellen kann. Ihr Frankfurter Zuhause hat sie ausschließlich mit Dingen eingerichtet, die Spaß machen, gleichzeitig kindlich sind und cool. Plüschpopcorn auf dem Sofa, ganz viel Kunst an den Wänden und überall verteilt: cuter Krimskrams.
Die gebürtige Berlinerin lebt seit sechs Jahren mit ihrem Partner und ihrer Tochter in der kernsanierten Altbauwohnung im Gutleutviertel. Sie arbeitet als Journalistin ("Hi, Baby"-Kolumne bei der "FAZ"), Dozentin für kreatives Schreiben und Podcasterin ("Und was machst du am Wochenende?"). Jetzt erscheint ihr erster Roman "Honey und Blondie". Wir haben Ubin Eoh besucht und mit ihr über Menschen und Orte gesprochen, die sich nach Zuhause anfühlen.

"Vielleicht ist meine Tochter auch meine Ausrede, dass bei uns alles bunt ist und funny und übertrieben."












"Ich habe die Wohnung mit Dingen eingerichtet, die Spaß machen und lebensbejahend sind."
Zentrum des offenen Wohn-Koch-Esszimmers: der riesige Tisch mit viel Platz für spontanen Besuch.
Spielsachen und Schnickschnack sind in der ganzen Wohnung verteilt.
"Ich habe die Wohnung mit Dingen eingerichtet, die Spaß machen und lebensbejahend sind."
Zentrum des offenen Wohn-Koch-Esszimmers: der riesige Tisch mit viel Platz für spontanen Besuch.
Spielsachen und Schnickschnack sind in der ganzen Wohnung verteilt.
"Ich habe die Wohnung mit Dingen eingerichtet, die Spaß machen und lebensbejahend sind."
Zentrum des offenen Wohn-Koch-Esszimmers: der riesige Tisch mit viel Platz für spontanen Besuch.
Spielsachen und Schnickschnack sind in der ganzen Wohnung verteilt.
"Ich habe die Wohnung mit Dingen eingerichtet, die Spaß machen und lebensbejahend sind."
Zentrum des offenen Wohn-Koch-Esszimmers: der riesige Tisch mit viel Platz für spontanen Besuch.
Spielsachen und Schnickschnack sind in der ganzen Wohnung verteilt.
femtastics: Deine Wohnung ist voll mit Monchichis, Plüschpopcorn, ganz viel bunter Kunst und Krimskrams. Wonach hast du das alles ausgesucht?
Ubin Eoh: Ich habe die Wohnung mit Dingen eingerichtet, die Spaß machen und lebensbejahend sind. Die ein Gefühl von Leichtigkeit aus mir rauskitzeln. Ich lebe für cuten Kram, das ist auf jeden Fall auch etwas sehr Asiatisches. Seit meine Tochter Ende 2023 geboren ist, wächst die Fun Collection noch schneller. Auf dem Heimweg von der Kita kommen wir an einem dieser Greifautomaten vorbei und sie liebt es, eine Münze reinzuwerfen und nach den Plastikbällen zu angeln. Die kleinen Figuren stehen hier überall rum.
Vielleicht ist meine Tochter auch meine Ausrede, dass bei uns alles bunt ist und funny und übertrieben. Ich fühle mich von ihr dazu angestiftet, den Schnickschnack in der ganzen Wohnung zu verteilen, damit sie die Dinge sieht und in ihr Spielen einbauen kann. Erwachsene Wohnungen sind oft so ernst und wenig kindgerecht.

Du bist in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen. Seit wann lebst du in Frankfurt und fühlst dich dort zu Hause?
Seit 2018 wohne ich mehr in Frankfurt als in Berlin, so richtig umgezogen bin ich 2020. Nach drei Jahren Fernbeziehung hatten mein Partner und ich keine Lust mehr auf die herzzerreißenden Abschiede. Trotzdem habe ich noch lange ein WG-Zimmer in Berlin gehalten, weil es als Urberlinerin schwer ist, diese Identität aufzugeben.
Dabei sehe ich durchaus Parallelen zwischen Kreuzberg und Frankfurt. Wir waren in den 90ern die einzige asiatische Familie weit und breit, und ich habe mir immer gewünscht, türkisch oder arabisch zu sein, um reinzupassen. Gleichzeitig hat dieser Ballungsraum von migrantischem Leben mir Geborgenheit geschenkt, deswegen ist und bleibt Kreuzberg mein Zuhause-für-immer. Das finde ich aber auch in Frankfurt wieder, hier leben so viele Menschen mit so vielen verschiedenen Backgrounds. Richtig klar wurde mir erst mit der Geburt meiner Tochter: Frankfurt gehört jetzt auch zu mir, ist mein zweites Zuhause.

"Ich fühle mich immer mehr zu Hause an Orten, wo sich Dinge stapeln und viel gleichzeitig stattfindet."












"Das ist mein Lieblingsfoto", hat Ubin Eoh unserer Fotografin Claudia Simchen nach dem Shooting geschrieben.
Das Bild, auf dem man die Schuhsammlung unter der Garderobe sieht, hat Ubin wiederum nicht freigegeben.
Auf dem Sofatisch liegt die Anthologie "Die Damentoilette", für die Ubin einen Text beigesteuert hat.
Das fotorealistische Kunstwerk auf Holzplatte stammt von Johannes Ehemann, einem Künstler aus Offenbach.
"Das ist mein Lieblingsfoto", hat Ubin Eoh unserer Fotografin Claudia Simchen nach dem Shooting geschrieben.
Das Bild, auf dem man die Schuhsammlung unter der Garderobe sieht, hat Ubin wiederum nicht freigegeben.
Auf dem Sofatisch liegt die Anthologie "Die Damentoilette", für die Ubin einen Text beigesteuert hat.
Das fotorealistische Kunstwerk auf Holzplatte stammt von Johannes Ehemann, einem Künstler aus Offenbach.
"Das ist mein Lieblingsfoto", hat Ubin Eoh unserer Fotografin Claudia Simchen nach dem Shooting geschrieben.
Das Bild, auf dem man die Schuhsammlung unter der Garderobe sieht, hat Ubin wiederum nicht freigegeben.
Auf dem Sofatisch liegt die Anthologie "Die Damentoilette", für die Ubin einen Text beigesteuert hat.
Das fotorealistische Kunstwerk auf Holzplatte stammt von Johannes Ehemann, einem Künstler aus Offenbach.
Was macht ein Zuhause für dich aus?
Das ist eng verbunden mit einem Gefühl von Geborgenheit, und wer oder was das in mir auslöst. Auf jeden Fall gemütliche Menschen, mit denen ich in Jogginghose und mit fettigen Haaren auf der Couch liegen kann. Wie bei "Beavis und Butt-Head" aus der Zeichentrickserie. Ich fühle mich immer mehr zu Hause an Orten, wo sich Dinge stapeln und viel gleichzeitig stattfindet. Leute, die keine Krimskrams-Schale haben, wo sie random Sachen wie Sonnenbrillen, Batterien und Taschentuchpackungen aus der Apotheke reinschmeißen, finde ich fast beängstigend.
Ich bin in einem Chaos-Haushalt aufgewachsen, mit vielen Geschwistern und noch mehr Gäst*innen. In unserer Wohnküche waren immer alle eingeladen, und meine Mama hat koreanisch gekocht. Deswegen liebe ich den offenen Schnitt unserer Wohnung und diesen unnormal riesigen Esstisch: damit du reinkommst und dich bei uns willkommen fühlst. Mit der Vision im Kopf standen wir damals in der leeren Wohnung. Der kernsanierte Altbau war vorher eine Fabrik, mit hohen Decken und Fenstern wie ein Brooklyn-Loft.
Wonach riecht es bei dir zu Hause?
Wenn ich irgendwas mit Kimchi gemacht habe – so wie gerade die Pancakes – geht dieser Geruch schwer weg. Aus dem Kühlschrank kommt jedes Mal ein Schwall raus. Manche Leute finden, das riecht nach Pups. Für mich ist das ein Kindheitsgeruch, der ein wohliges Gefühl in mir auslöst. In der Regel riecht es bei uns aber nach frisch gewaschener Wäsche und dem rauchig-vanilligen Parfum meines Partners. Wenn er die Wohnung verlassen hat, hängen mir die Überreste seines Duftes noch in der Nase. Sie riechen nach dem Weißen von der Milchschnitte, süß und ein bisschen säuerlich. Das mag ich.

Die drei Bilder über dem Sofa stammen von dem Künstler Jon Burgerman aus New York.
"Seit ich ein Kind bin, sind Orte und Menschen für mich total durch ihren Geruch bestimmt."












Gucken wir uns von Ubin ab: mit Lieblingsgerüchen die Stimmung supporten.
Die Frau auf dem Shirt ist Schauspielerin Drea de Matteo, die in der Serie "Die Sopranos" Adriana La Cerva spielt (mussten wir auch nachgucken).
Was gibt mehr Millennial-Vibes: Miffy oder das Herzkissen mit den Armen?
Oben: das Signature-Logo von Künstler André Saraiva aka Monsieur André. Unten: Bücherregal auf Kinderaugenhöhe.
Gucken wir uns von Ubin ab: mit Lieblingsgerüchen die Stimmung supporten.
Die Frau auf dem Shirt ist Schauspielerin Drea de Matteo, die in der Serie "Die Sopranos" Adriana La Cerva spielt (mussten wir auch nachgucken).
Was gibt mehr Millennial-Vibes: Miffy oder das Herzkissen mit den Armen?
Oben: das Signature-Logo von Künstler André Saraiva aka Monsieur André. Unten: Bücherregal auf Kinderaugenhöhe.
Gucken wir uns von Ubin ab: mit Lieblingsgerüchen die Stimmung supporten.
Die Frau auf dem Shirt ist Schauspielerin Drea de Matteo, die in der Serie "Die Sopranos" Adriana La Cerva spielt (mussten wir auch nachgucken).
Was gibt mehr Millennial-Vibes: Miffy oder das Herzkissen mit den Armen?
Oben: das Signature-Logo von Künstler André Saraiva aka Monsieur André. Unten: Bücherregal auf Kinderaugenhöhe.
In deinem Roman "Honey und Blondie" fragen sich die beiden Freundinnen ständig: Wonach riecht dein Leben gerade? Wie kommt es, dass du so sehr auf Gerüche achtest?
Ich bin wie ein Hund, so nennt mich meine Familie teilweise. Weil ich eine krasse Nase habe. Wenn ich in einen Raum reinkomme, sage ich zuerst, wonach es riecht. In unserer Familie reden wir ständig über Gerüche, vor allem beim Essen. Seit ich ein Kind bin, sind Orte und Menschen für mich total durch ihren Geruch bestimmt.
Dass ich das aktiv beeinflussen kann, ist mir erst durch ein Interview mit einer Autorin bewusst geworden. Ich habe sie gefragt, was sie um sich herum braucht, um gut schreiben zu können. Und sie hat mir erzählt, dass sie immer eine Sammlung ihrer Lieblingsparfums auf dem Schreibtisch stehen hat, weil Gerüche sie sofort in eine andere Welt transportieren und glücklich machen. Seitdem ist mir klar: Ich kann das auch, zum Beispiel indem ich mein Waschmittel danach auswähle, was der Geruch in mir auslöst. Oder Parfums so mixe, dass sie meine Stimmung unterstreichen.
Gerade liebe ich leichte Mandelnoten, weil die nach Baby riechen. Und süßes, hölzernes Haarparfüm, das mich bei jeder Kopfbewegung umhüllt. Das sind kleine Stellschrauben, an denen ich drehen kann. Fast wie eine Superpower.
"Freundschaften pflegen ist wie Zahnprophylaxe: Ich mache mir Termine im Kalender, dass ich mich bei Freundinnen melde."

Mittagspausensituation: Die befreundete Künstlerin Viola Beuscher (links) hat um die Ecke ihr Keramtikstudio. Die Fotos an der Wand hat der Frankfurter Fotograf Neven Allgeier gemacht.
Honey und Blondie, die Protagonistinnen deines Romans, haben auch eine Superpower: Wenn sie Angst haben, können sie in den Körper der anderen wechseln. Was für eine Metapher für die radikale Empathie unter Frauen! Wie ist das zum zentralen Thema im Buch geworden?
Die Superpower war zuerst da, vor der Geschichte. In den Körper einer Freundin zu schlüpfen, war ein ganz tiefes Bedürfnis von mir, schon als Kindergartenkind. Meine damals beste Freundin hatte blonde Haare und als "Biodeutsche" dieses selbstverständliche Sicherheitsgefühl, um das ich sie beneidet habe. Ich bin aufgewachsen, als Neonazis Asylbewerber*innenheime in Rostock-Lichtenhagen angegriffen haben. Viele der Betroffenen waren vietnamesisch. In so einer Umwelt fühlst du dich als Kind nicht safe, egal wie viel Geborgenheit du von zu Hause bekommst.
Ich habe mir dann oft gewünscht, wenigstens für ein paar Momente meine beste Freundin sein zu können, um dieses Sicherheitsgefühl zu spüren. Und sie wollte auch gerne mal ich sein und Teil dieser großen koreanischen Familie. Aus diesem Grundbedürfnis heraus ist die Geschichte entstanden. Ich wollte das durch meine Figuren wirklich mal erleben. Und zu Ende denken.
Wenn uns eine Freundin erzählt, wie mies sie sich gerade mit sich oder in ihrem Körper fühlt, sagen wir oft: Ich wünschte, du würdest dich mit meinen Augen sehen. Deine Romanfiguren können das wirklich. Honey macht im Buch Rassismuserfahrungen, Blondie wird wegen ihrer Kurven häufig sexualisiert. Im Körper der anderen sehen sie einander – und auch sich selbst – nochmal ganz anders. Wie hat das deine Sicht auf Freundschaft verändert?
Honey und Blondie verkörpern eine fast schon unerreichbar perfekte Verbindung zwischen zwei Menschen. Weil sie einander ungefiltert alle Gedanken erzählen, auch die verbotenen, und keine Angst davor haben, von der anderen missverstanden oder verurteilt zu werden. Ich beneide die beiden darum, dass sie sich ihre eigene Bubble geschaffen haben, in der es kaum Störgefühle gibt. Anders als in vielen Geschichten über beste Freundinnen* gibt es keinen Neid, keinen Wettbewerb, keine Eifersucht. Die beiden haben immer einen liebevollen Blick füreinander und behandeln sich wie den größten Schatz. Wenn die eine mal was wurmt, problematisiert sie nicht das Verhalten der anderen, sondern versetzt sich in ihre Lage. Die beiden inspirieren mich, selbst eine bessere Freundin zu sein.












She’s a Foodie! Und kocht gerne selbst.
Hier für ihre Freundin Viola Beuscher und femtastics-Fotografin Claudia Simchen.
Ubins Spezialität: Kimchipancakes.
Lunch und Liebe: Wenn die Freundinnen lange in Viola Beuschers Studio um die Ecke gearbeitet haben, gibt’s bei Ubin einen Mittagspausensnack.
She’s a Foodie! Und kocht gerne selbst.
Hier für ihre Freundin Viola Beuscher und femtastics-Fotografin Claudia Simchen.
Ubins Spezialität: Kimchipancakes.
Lunch und Liebe: Wenn die Freundinnen lange in Viola Beuschers Studio um die Ecke gearbeitet haben, gibt’s bei Ubin einen Mittagspausensnack.
She’s a Foodie! Und kocht gerne selbst.
Hier für ihre Freundin Viola Beuscher und femtastics-Fotografin Claudia Simchen.
Ubins Spezialität: Kimchipancakes.
Lunch und Liebe: Wenn die Freundinnen lange in Viola Beuschers Studio um die Ecke gearbeitet haben, gibt’s bei Ubin einen Mittagspausensnack.
"In allen Eras meines Lebens gab es diese eine richtig gute Freundin, die mir den Arsch gerettet hat."
Was macht eine gute Freundin für dich aus?
Wie häufig man sich meldet, wie lang eine Sprachnachricht ist – das sind kleine Stellschrauben, aber ihre Power ist nicht zu unterschätzen. Das Hauptding in Freundschaften ist eine urige Verlässlichkeit. Das entsteht nicht einfach so, dafür muss man arbeiten. Freundschaften pflegen ist wie Zahnprophylaxe: Ich mache mir Termine im Kalender, dass ich mich bei Freundinnen* melde.
Als ich angefangen habe, das Buch zu schreiben, habe ich das vernachlässigt. Gerade mit Baby gerät man in diese Falle, dass man sich zurückzieht, doch absagt, lieber alleine oder mit dem Partner chillt. Ich will die Frauen* in meinem Leben wieder viel bewusster als Priorität sehen und ihnen eine gute Freundin sein, egal wie viel in meinem Leben los ist.
Meine Freundin Viola ist so ein Mensch für mich. Ihr Studio ist ein paar Häuser weiter, sie hat mir beim Schreiben immer Zuflucht geboten. Wir haben teilweise bis vier Uhr nachts zusammen gearbeitet, ich am Roman, sie an ihrer Keramik. Und auch wenn ich am nächsten Tag müde war und eigentlich keine Zeit hatte, habe ich mittags für uns Kimchipancakes gemacht.
In allen Eras meines Lebens gab es diese eine richtig gute Freundin*, die mir den Arsch gerettet hat. Das Buch ist eine Ode an diese krasse Kraft, die eine Frauen*verbindung haben kann. Das Wort Freundschaft ist fast schon zu klein dafür.










Am Esstisch wird gesnackt, geschnackt und gearbeitet.
Ubins erster Roman handelt von der radikalen Empathie zwischen Frauen*.
Am Esstisch wird gesnackt, geschnackt und gearbeitet.
Ubins erster Roman handelt von der radikalen Empathie zwischen Frauen*.
Am Esstisch wird gesnackt, geschnackt und gearbeitet.
Ubins erster Roman handelt von der radikalen Empathie zwischen Frauen*.
Am Esstisch wird gesnackt, geschnackt und gearbeitet.
Ubins erster Roman handelt von der radikalen Empathie zwischen Frauen*.
Am Esstisch wird gesnackt, geschnackt und gearbeitet.
Ubins erster Roman handelt von der radikalen Empathie zwischen Frauen*.